Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Kultur und Bildung Bolivien

Artikel

Stand: November 2018

Bolivien hat eine vielfältige und facettenreiche Kulturlandschaft. Sie wird beeinflusst  von einer Vielzahl andiner indigener Hochkulturen, der spanischen Kolonialzeit bis hin zu modernen Kulturströmungen in Musik, bildenden Künsten, Malerei und Literatur.

Laut Zahlen des bolivianischen Statistikamtes INE (Instituto Nacional Estadatistica), beläuft sich die Analphabetenrate innerhalb der Altersgruppe 15 Jahre und älter auf insgesamt ca. 7,5%, wobei sie unter der männlichen Bevölkerung deutlich niedriger ist. Die Regierung hat bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen gegen die Benachteiligung der indigenen Bevölkerung ergriffen. Die Wertschätzung der indigenen Kulturen und ihrer Sprachen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht, das Selbstbewusstsein der indigenen Ethnien ist dadurch erheblich gestiegen.

Besonders auf dem Land leiden die öffentlichen Schulen weiterhin unter schlechter materieller und personeller Ausstattung. Das seit Ende 2010 bestehende Bildungsgesetz strebt eine stärkere Vereinheitlichung der Bildungsstandards unter staatlicher Kontrolle an. Das Gesetz sieht vor, dass alle Schüler Unterricht in einer der drei indigenen Sprachen Aymara, Quechua und Guarani erhalten. Die 2012 begonnene landesweite Reform der Lehrpläne ist bis dato nicht umgesetzt. Die Reform führt bisweilen zu Konflikten mit an internationalen Standards orientierten Lehrplänen von Privatschulen.

Qualifizierte bolivianische Absolventen studieren bevorzugt in Europa, den USA oder benachbarten lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Chile, Mexiko). Ein von der bolivianischen Regierung aufgesetztes Stipendienprogramm zielt darauf ab, bolivianische Experten an den besten Universitäten weltweit ausbilden zu lassen. In den größeren Städten Boliviens findet, trotz begrenzter Finanzmittel, ein reges Kulturleben statt. La Paz ist 2018 iberoamerikanische Kulturhauptstadt. Die internationale Gemeinschaft (besonders aktiv: Spanien, Frankreich, Deutschland) fördert ein breites Spektrum von Kulturveranstaltungen. Im April 2018 fand wieder das in einem zwei-jährigen Rhythmus durchgeführte Festival der Barockmusik in den jesuitischen Missionen der Chiquitania (Departamento Santa Cruz) statt. An dem Festival nehmen regelmäßig hochklassige, professionelle  internationale Ensembles, auch aus Deutschland, teil. Die von der staatlichen Kulturstiftung geförderten Museen u.a. in La Paz, Potosí und Sucre bieten ein interessantes Angebot an Ausstellungen v.a. zur reichhaltigen prä- und postkolonialen Geschichte des Landes. Auf lokaler Ebene bieten diverse Kulturvereine und lokalstaatliche Institutionen ein reichhaltiges Angebot an Filmvorführungen, Konzerte und Folkloreveranstaltungen an. Stärker als vorherige Regierungen knüpft dabei die jetzige Staatsführung an die vorkoloniale Zeit an - ein Tribut an den starken indigenen Bevölkerungsanteil und die reichhaltige indigene Kulturgeschichte  Boliviens. Deutschland ist mit einem Goethe Institut, mehreren Kulturzentren, zwei deutschen Auslandsschulen in La Paz bzw. Santa Cruz und fünf weiteren PASCH-Schulen in La Paz, Cochabamba, Oruro, Santa Cruz und Sucre kulturell in Bolivien vertreten.

Bolivien ist geprägt von einer pluralistischen, mannigfaltigen Medienlandschaft. Wichtigste Informationsquellen sind Radio und TV, Printmedien nehmen eine vergleichsweise geringere Rolle ein. Neben i.d.R. 2 – 3 Lokalzeitungen in den wichtigsten Städten des Landes existieren auch einige wenige überregionale Zeitungen. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist grundsätzlich gegeben, allerdings sehen sich regierungskritische Medien häufig von der Regierung unter Druck gesetzt.

Soziale Medien spielen in der relativ jungen, technik-affinen, bolivianischen Gesellschaft eine zunehmend wichtige Rolle. Neben Informationsgewinnung und –austausch dienen sie auch als Organisationswerkzeug und Koordinierungsinstrument für die Organisationen der Zivilgesellschaft. Zunehmend findet aber auch eine politische Instrumentalisierung sozialer Medien statt, bei der professionelle Cyberaktivisten den politischen Diskurs in ihrem Sinne zu beeinflussen suchen. 

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Verwandte Inhalte

nach oben