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Bolivien: Wirtschaft Bolivien

24.01.2019 - Artikel

Wirtschaftliche Gesamtlage

Obwohl nach wie vor ein klassisches Entwicklungsland, wird Bolivien von der Weltbank mittlerweile in der Gruppe der „lower middle income countries“ geführt. Bolivien gehörte in den letzten Jahren zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften Südamerikas. Zwischen 2004 und 2014 erzielte es ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von über 5 %. Seitdem ist die Wachstumsquote leicht zurückgegangen, was vor allem auf niedrigere Einnahmen aus dem Export von Erdgas und unzureichende Diversifizierung der bolivianischen Wirtschaft zurückzuführen ist. Für 2018 rechnet die bolivianische Regierung mit einem Wachstum von ca. 4,6%. Das rechnerische Pro-Kopf-Einkommen lag  2017 bei 3.413 USD, wobei es aufgrund des großen informellen Sektors tatsächlich deutlich darüber liegen dürfte.

Boliviens Wirtschaft bleibt abhängig von Rohstoffexporten, insbesondere Erdgas, Metallen, Mineralien und Exporten landwirtschaftlicher Produkte wie Soja, Holz, Nüssen und Zucker.  Eine Diversifizierungsstrategie in Richtung industrieller Produktion z.B. im Lithiumbereich und in der Energieerzeugung wird von der Regierung vorangetrieben. Tragende Säulen des Wachstums sind öffentliche Investitionen der Regierung z.B. in Infrastruktur sowie soziale Umverteilungsmaßnahmen und Gehaltserhöhungen, die zu höherer Nachfrage führen. Die Staatseinnahmen hängen stark von den Öl- und Gaspreisen ab. Die niedrigeren Einnahmen 2017 führten dazu, dass die öffentliche Verschuldung auf 51% des Bruttoinlandsprodukts stieg (2013: 37%).  Bolivien besitzt weiterhin relativ hohe Devisenreserven (25 % des BIP), allerdings sind die Reserven seit 2015 um über 40%  geschrumpft. Unzureichende in- und ausländische Direktinvestitionen in innovative Wirtschaftsbereiche machen sich zunehmend negativ bemerkbar. Neben strukturellen Defiziten und einer schwachen Justiz ist auch die v.a. im regionalen Bereich als überbewertet geltende Währung verantwortlich dafür, dass derzeit kaum ausländische Firmen und Technologieträger ein Engagement in Bolivien in Betracht ziehen. Mangelnder Investitionsschutz ist ein weiterer Grund für die geringe Investitionsbereitschaft des Privatsektors. Die Inflationsrate betrug 2017 etwa 2,8% (2016: 3,6%).

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik der Regierung Morales verfolgt das Ziel einer Stärkung der Rolle des Staates als zentraler Wirtschaftsakteur. So wurde die staatliche Energiefirma Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos (YPFB) zur zentralen Institution bei der Ausbeutung und beim Vertrieb der bolivianischen Energieressourcen ausgebaut. Die Firma ist der wichtigste Steuerzahler des Landes.

Die Anfang 2017 gegründete staatliche Gesellschaft Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) soll in Zukunft im Lithiumbereich die gleiche Rolle einnehmen wie YPFB im Gassektor. Es ist beabsichtigt, ein Joint Venture mit einem deutschen Firmenkonsortium zur gemeinsamen Gewinnung und Nutzung von Lithium und anderen Rohstoffen am Salar Uyuni zu gründen. Die bolivianischen Lithiumvorkommen zählen zu den größten weltweit.  

Wirtschaftliche Schlüsselbereiche (z.B. Elektrizitätswirtschaft, Telekommunikation) sind verstaatlicht bzw. werden von der Regierung stark reglementiert.  Strom und Benzin werden stark subventioniert. Nachdem bis 2013 noch verschiedene europäische Investitionen (Energieunternehmen, Flughafenbetreiber, Bergwerk) verstaatlicht wurden, versucht die Regierung wieder vermehrt Anreize für ausländische Privatinvestitionen und Finanzierung zu setzen.

Handel

Wichtigste Handelspartner Boliviens sind Brasilien, Argentinien, China, Südkorea und die USA. Die Hauptausfuhrgüter sind Erdgas und Erdöl, Bergbauerzeugnisse und Agrarprodukte. Eingeführt werden vor allem Maschinen, Chemikalien, pharmazeutische Erzeugnisse, Fahrzeuge, Treibstoffe und Lebensmittel. Vor allem im Vergleich zu regionalen Konkurrenten (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru) wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes durch negative Faktoren, wie die Abhängigkeit von Vorproduktimporten, hohe Transportkosten, Infrastrukturengpässe, einen stark regulierten Arbeitsmarkt, einen fixierten Wechselkurs zum USD, eine wenig leistungsfähige Verwaltung, Korruption, Rechtsunsicherheit und eine schwache industrielle Basis beeinträchtigt.
2017 verzeichnete Bolivien eine negative Handelsbilanz, wenn auch mit leicht geringerem Defizit im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt stieg der Wert der bolivianischen Exporte 2017 um ca. 11%, während sich der Wert der Importe um ca. 9% vergrößerte. Für 2018 rechnet die bolivianische Regierung mit einem  deutlich geringerem Defizit im Vergleich zum Vorjahr. Nach wie vor wirken sich Nachfragerückgänge aus der Region. Nach wie vor wirken sich der Nachfragerückgang aus Brasilien (und in geringerem Maße aus Argentinien) sowie geringere Rohstoffpreise, insbesondere für Erdgas, negativ auf den bolivianischen Außenhandelssaldo aus.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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