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Wirtschaft Belgien

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Stand: November 2018

Bruttoinlandsprodukt

2016 hat Belgien ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,4% und 2017 von 1,7% erzielt. Für 2018 wird mit weiterem Wachstum (Prognose EU-Kommission: 1,7%) gerechnet.

Wirtschaftsstruktur

In der belgischen Wirtschaft dominierte 2017 der Dienstleistungssektor mit ca. 77%. Trotz der großen industriellen Tradition des Landes repräsentiert die verarbeitende Industrie nur noch ca. 17% des BIP. Die wichtigsten Industriezweige Belgiens sind die Pharmazie- bzw. Chemie-, sowie die Nahrungsmittelbranche. Der Anteil des Bausektors beträgt ca. 5% des BIP, während der des Agrarsektors bei lediglich 0,7% Prozent liegt.

Arbeitsmarkt und Arbeitskosten

Die Arbeitslosigkeit geht seit 2016 kontinuierlich zurück (2016: 7,9%; 2017: 7,1%; 2018: 6,7% lt. Prognose Belgische Nationalbank). Von 2015 bis 2017 wurden 176.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon 55.000 im Jahr 2016 und 69.000 im Jahr 2017. Nach Schätzungen der Belgischen Nationalbank werden in dem Zeitraum von 2014 bis 2020 etwa 309.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die liberal-konservative Koalition unter Premierminister Michel hat eine Reihe von Wirtschaftsreformen durchgeführt, insbesondere die sogenannte „Steuerverschiebung“ (tax shift), der die Lohnstückkosten gesenkt und so die wirtschaftliche Entwicklung Belgiens begünstigt hat; infolge dessen ist auch die Arbeitslosigkeit gesunken. Die belgische Wirtschaft profitiert gleichzeitig von der guten Konjunktur in Europa.

Haushaltslage

Die Staatsverschuldung bleibt trotz leichtem Rückgang vergleichsweise hoch (2016: 105,9% des BIP, 2017: 103,4%, 2018: 102,3% (Quelle: Belgische Nationalbank, Konvergenzkriterium im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts: 60%). Nachdem das Haushaltsdefizit 2016 noch bei 2,5% BIP lag, ging es 2017 auf 1,0% BIP zurück. Hauptgrund waren Einsparmaßnahmen, der wirtschaftliche Aufschwung und gestiegene Einnahmen dank erhöhter Beschäftigung. 2018 soll es laut Prognose der Belgischen Nationalbank ebenfalls bei 1,0% liegen.

Inflation

Die Inflation 2017 lag bei 2,2% und wird Schätzungen der EU-Kommission zufolge 2018 auf etwa 1,9% sinken.

Außenhandel

Belgiens Volkswirtschaft ist stark in die Weltwirtschaft integriert. Die Außenhandelsquote (Summe aus Exporten und Importen in Relation zum BIP) betrug 2017 169,1 % (2016: 165,9%; eine der höchsten Quoten weltweit, zum Vergleich: Deutschland: 70,9%, Frankreich 44,9%, Niederlande 106,6%)), die Exportquote (Exporte in Verhältnis zum BIP) 2017 86,9 % (2016: 85,0%).

Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland ist der wichtigste Wirtschaftspartner Belgiens, vor Frankreich und den Niederlanden. Umgekehrt nimmt Belgien für Deutschland als Handelspartner Rang 11 mit einer fast ausgeglichenen Handelsbilanz ein. 2017 betrugen die deutschen Ausfuhren nach Belgien 44,3 Mrd. Euro (2015: 41,2 Mrd. 2016: 41,6 Mrd.), die Einfuhren 40,7 Mrd. Euro (2015: 36,8 Mrd.; 2016: 37,9 Mrd.).

Zu den großen deutschen Unternehmen in Belgien zählen in der Industrie BASF Antwerpen, Evonik, Bayer, Covestro, Lanxess, Henkel, Siemens und Bosch. Einzig verbliebener deutscher Autobauer ist Audi Brussels. Im Handel sind Galeria Inno (Kaufhof), Makro/Metro, MediaMarkt, Lidl und Aldi zu nennen. In Deutschland sind z.B. das belgische Chemieunternehmen Solvay, der Übertragungsnetzbetreiber Elia durch seine Tochterfirma 50Hertz oder das 3-D-Druck-Unternehmen Materialise mit Standorten in Bremen und Freiberg aktiv.

Im Jahr 2016 betrugen die deutschen Direktinvestitionen in Belgien 40,5 Mrd. Euro, die belgischen Direktinvestitionen in Deutschland 9,4 Mrd. Euro.

Energie- und Umweltpolitik

2017 betrug der Gesamtstromverbrauch Belgiens 80,3 TWh. Es bezieht seinen Elektrizitätsbedarf zu knapp 60% von sieben Kernreaktoren an zwei Standorten Doel (bei Antwerpen) und Tihange (bei Lüttich) mit einem Produktionsvolumen von knapp 6.000 MW, die aber nur 27% der gesamten belgischen Produktionskapazität ausmachen. 27% des Stroms werden durch Gaskraftwerke generiert, der Rest mit erneuerbaren Energieträgern, in erster Linie Wind. Knapp 15 TWh wurden importiert, 8 TWh exportiert.

In Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg gibt es Fragen hinsichtlich der Sicherheit aufgrund von Wasserstoffeinschlüssen in den Reaktordruckbehältern Doel 3 und Tihange 2. Das bilaterale Ressortabkommen über Informations- und Erfahrungsaustausch sowie Zusammenarbeit auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit vom 19.12.2016 trägt zum offenen Meinungsaustausch bei. Treffen auf Expertenebene finden seitdem jährlich im Rahmen der Deutsch-Belgischen Nuklearkommission abwechselnd in beiden Ländern statt.

Belgien hatte bereits 2003 den Atomausstieg beschlossen. Nach jetzigem Stand sollen die sieben Reaktorblöcke in Doel und Tihange zwischen 2022 und 2025 vom Netz gehen. Die Regierung Michel hält am Atomausstieg fest, hat aber die Laufzeit der beiden ältesten Atomreaktoren Doel 1 und Doel 2 von 2015 auf 2025 verlängert. Bereits die Vorgängerregierung hatte eine entsprechende Laufzeitverlängerung für den Reaktor Tihange 1 beschlossen. In dem im März 2018 zwischen der Föderalregierung und den Regionen beschlossenen Energiepakt wird am Atomausstieg bis 2025 festgehalten, dieser ist allerdings mit einem jährlichen Monitoring verbunden. Zur Sicherung der Energieversorgung sollen neue Gaskraftwerke gebaut werden, der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Auf Anweisung der belgischen Atomsicherheitsbehörde FANC/AFCN werden zum Jahresende 2018 / Jahresbeginn 2019 sechs der sieben Reaktoren, aus Wartungs- und Reparaturgründen vom Netz genommen. Daraus können sich für Belgien im Winter 2018/19 Elektrizitätsengpässe ergeben. Deutschland hat Unterstützung zugesagt.

Belgien ist auch von ausländischen Energieimporten abhängig. Wesentliche energiepolitische Zuständigkeiten liegen bei den Regionen (Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt). Für Atomkraft und Offshore-Windparks in der Nordsee (877 MW von 2.850 MV installierter Produktionskapazität aus Windkraftanlagen), die in großem Umfang ausgebaut werden, ist dagegen die Föderalregierung zuständig. Wie für die Energiepolitik besteht auch für die Umweltpolitik eine zwischen den Regionen und dem Föderalstaat geteilte Zuständigkeit.

Das deutsch-belgische Projekt ALEGrO (Aachen Lüttich Electricity Grid Overlay) der Netzbetreiber Elia und Amprion ist die erste direkte Stromverbindung zwischen beiden Ländern mit einer Länge von ca. 90 km (davon 49 km in Belgien). Die unterirdische Stromverbindung mit einer Transportkapazität von rund 1.000 MW (ca. 10% des durchschnittlichen Stromverbrauches in Belgien) soll vor allem zur Versorgungssicherheit beitragen. Die Arbeiten haben im Januar 2018 begonnen. Das Projekt im Rahmen der Trans-European Energy Networks (TEN-E) soll 2020 fertiggestellt sein.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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