Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Kultur- und Bildungspolitik Belgien

Artikel

Stand: November 2018

Kultur

Belgien hat eine breitgefächerte und vielfältige Kultur.

Malerei: Das 14. Jahrhundert war die Blütezeit der Malerei in Flandern. Namen wie Brueghel, Rubens und Van Dyck sind allen geläufig, aber auch die Gebrüder van Eyck, sowie van der Weyden und Memling zählen zu den bedeutendsten Repräsentanten der flämischen Malerei. Später kommen in Belgien die Romantik und der Symbolismus zur Blüte. Der Surrealismus, dessen wichtigste belgische Vertreter René Magritte („Ce n’est pas une pipe“) und Paul Delvaux waren, erscheint wie die Antwort der Kunst auf den Irrsinn des ersten Weltkriegs. Eine weitere typisch belgische Facette der Kunst ist die sogenannte Neuvième Art, die belgischen Bandes Dessinées, die Comics, die weltweit geliebt werden, seien es nun Lucky Luke, Tim und Struppi, die Schlümpfe, Gaston Lagaffe oder Spirou und Fantasio.

Architektur: Die architektonischen Meisterwerke der Renaissance, die in den historischen Städten Belgiens wie Antwerpen, Brüssel, Gent, Brügge und Mecheln zu finden sind, sind weltweit bekannt. Ende des 19. Jahrhunderts war Belgien eines der Zentren des Jugendstils, dessen berühmtester belgischer Vertreter der Architekt Victor Horta war. Henry van de Velde wiederum gehörte der Bauhaus-Bewegung an. Nach seiner Zeit in Weimar als Lehrer am Bauhaus brachte er dessen Stil nach Belgien. Sein bekanntestes Werk ist De Bloemenwerf in Brüssel. In Deutschland zählt die Weimarer Villa Dürckheim zu seinen anschaulichsten Entwürfen.

Belgien zählte im 19. Jahrhundert zu den industrialisierten Ländern Europas und ist daher auch ein Zentrum der Industriekultur. Beispiele sind die vier Bergbau Industriekulturdenkmäler Grand Hornu, Bois du Cazier, Bois du Luc und Blégny-Mines oder die vier Schiffshebewerke des Canal du Centre die allesamt zum Unesco-Weltkulturerbe zählen.

Literatur: Der Nobelpreisträger des Jahres 1911 war der Dichter und Dramatiker Maurice Maeterlinck. Und wer kennt nicht Kommissar Maigret von Georges Simenon. Emile Verhaeren wiederum wurde für seine Gedichte berühmt – auch für die pazifistischen zu Beginn des Ersten Weltkriegs.

Musik: Die belgische Musikszene ist breit aufgestellt: Belgische Musiker und Sänger wie Jacques Brel (Chanson) oder Toots Thielemans (Jazz) sind aus der Weltkultur nicht mehr wegzudenken. Stromae, Angèle, Hooverphonic sind feste Größen in den weltweiten Charts. Jazz findet in ganz Belgien großen Anklang. Der jährlich stattfindende Internationale Königin Elisabeth Musikwettbewerb hat bereits einer Vielzahl von Geigern, Pianisten, Komponisten, Sängern und seit 2017 auch Cellisten als Sprungbrett für eine glorreiche, internationale Karriere gedient hat, wie auch das Programm des BOZAR in Brüssel die Liebhaber klassischer Musik begeistert.

Festivals und Straßenfeste: Großer Beliebtheit erfreuen sich die jährlich im Frühling und Sommer stattfindenden Musikfestivals aller Richtungen und Musikkünstler aus aller Welt. Die bekanntesten sind u.a. das „Brussels Summer Festival“, „Couleur Café“ (Brüssel), „Tomorrowland“ (bei Antwerpen), Rock Werchter (Mechelen), Pukkelpop (Hasselt), Festival de Dour und Brossella (Brüssel).

Aber auch Straßenfestivals finden großen Anklang. So präsentieren sich zum Beispiel bei „Namur en Mai“ oder auf dem “kunstenfestivaldesarts“ in Brüssel internationale Künstler dem Publikum. Bei Letzterem fand 2016 eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland im Rahmen des Deutsch-Französischen Kulturfonds statt. Die Performance „Welcome to Caveland“ eines Berliner Künstlers bot dabei Künstlern und Intellektuellen aus beiden Ländern eine Plattform für Vorträge und künstlerische Darstellungen.

Seit 2016 findet im März im Schloss La Hulpe (Provinz Wallonisch-Brabant) das Festival „Arts’ifices“ statt. 2017 war Deutschland dort der erste Ehrengast. Volksfeste sind in Belgien Besuchermagnete, wie beispielsweise die „Fêtes de Wallonie“ in Namur (2013 war Deutschland Ehrengast), das „Fête du Doudou“ in Mons oder auch die „Gentse Feesten“ in Gent, welche jeweils von rund 250.000 Gästen besucht werden.

Die Umzüge zur Karnevalszeit (in Alost, Binche, Stavelot) sind Beispiele für lebendiges Brauchtum.

1969 gab es in Brüssel zum ersten Mal das Festival „Europalia“, ein in der Welt in dieser Form einmaliges, internationales und interdisziplinäres Kulturfestival, welches vom belgischen Staat teilweise finanziert wird. Es findet alle zwei Jahre statt und präsentiert umfassend und in ganz Belgien das Kulturerbe eines Gastlandes (2015 Türkei, 2017 Indonesien, 2019 Rumänien).

In Belgien finden sich auch zahlreiche Filmfestivals wie z.B. das FIFF (Namur), das Festival du Film d’Amour (Mons) und das BIFF (Brüssel). Belgien hat sich in den letzten Jahren zu einer europäischen Drehscheibe für Filmproduktionen entwickelt.

Ausstellungen und Theater: Das BOZAR (Palast der Schönen Künste) in Brüssel ist mit mehreren hunderttausend Besuchern jährlich der größte Publikumsmagnet Belgiens was Ausstellungen, Filme und Konzerte betrifft.

Die Theater weisen ebenfalls hohe Besucherzahlen auf. Zu den beliebtesten zählen u.a. de Koninklijke Vlaamse Schouwburg (Brüssel), das KAAI-Theater (Brüssel), le Théâtre National de Belgique sowie das Théâtre de Liège. In Ostbelgien wurde 1980 ein professionelles und renommiertes Ensemble der freien Szene gegründet, das AGORA-Theater (Sankt Vith); es ist das einzige deutschsprachige Theaterensemble Belgiens.

Sport: Vom Radfahren (Eddy Merckx); über den Fußball (Les Diables Rouges/Die Roten Teufel (Axel Witsel spielt derzeit bei Borussia Dortmund)); Formel-1  (Jacky Ickx, Thierry Boutsen, Stoffel Vandoorne); Judo (Ingrid Berghmans); Leichtathletik (Nafissatou Thiam) bis hin zur Gymnastik (Nina Derwael) ist Belgien gut aufgestellt.

Deutsch-belgische kulturelle Beziehungen: Nicht nur in Ostbelgien werden die bilateralen kulturellen Beziehungen gelebt. Das 2009 gegründete Deutsche Kulturforum Antwerpen, das u.a. vom Goethe-Institut Brüssel und der Stadt Antwerpen finanziell unterstützt wird bildet beispielsweise die deutsche Kunstszene umfassend ab, wie auch zahlreiche Galerien im Land. 2018/2019 ist die Ausstellung „Berlin 1912-1932“ im BOZAR ein Highlight auf dem deutsch-belgischen Kulturkalender.

Zu den engen Beziehungen trägt auch das 2016 gegründete Belgien-Zentrum der Uni Paderborn bei.

Kulturpolitik

Nach der 1994 abgeschlossenen Verfassungsreform ist die Zuständigkeit für Kultur und Bildung vollständig auf die drei Sprachgemeinschaften (Niederländisch, Französisch und Deutsch) übergegangen. Das bedeutet, dass in Belgien die gesamte staatliche Kulturpolitik in deren Kompetenz fällt. Jede der drei Gemeinschaftsregierungen ist dabei befugt, Verträge in ihrem Zuständigkeitsbereich mit ausländischen Staaten abzuschließen. Die Gemeinschaften haben in der Folge auch im Ausland ein eigenständiges Profil aufgebaut. An einigen belgischen Botschaften – so auch in Berlin – sind sie durch eigene Referenten vertreten, die im Innenverhältnis direkt der Regierung der entsendenden Gemeinschaft unterstehen.

Bildungspolitik

Das Gewicht der Bildungspolitik in der Gesamtpolitik ist erheblich. Dabei geht es auch um den Wettbewerb zwischen der niederländischen Sprache und flämischen Kultur einerseits und der französischen Kultur und Sprache andererseits. Die Bildungspolitik war daher auch eine der Kernfragen der im Juni 2001 nach langen Verhandlungen verabschiedeten Regionalreform (Accord de Lambermont), deren Ziel u.a. die Stärkung der Finanzkraft der die Bildungspolitik tragenden Gemeinschaften war.

Schulsystem

In Belgien gilt vom 6. bis zum 18. Lebensjahr die Schulpflicht (bis 16 Jahre Vollzeitschulpflicht, danach Teilzeitschulpflicht). In diesem Zeitraum ist der Zugang zum Unterricht unentgeltlich, gleiches gilt auch für die Vorschulerziehung. Das Unterrichtswesen ist in Grundschul-, Sekundar- und Hochschulunterricht gegliedert und als Ganztagsunterricht organisiert.

Das belgische Schulmodell wurde auch ins Ausland exportiert: Hinter dem Akronym AEBE (Association des Écoles d’Enseignement belge à l’Étranger) verbirgt sich ein Schulsystem, das beispielsweise in sechs Schulen in Marokko, Kongo, Burundi und Rwanda gelebt wird.

Hochschulen

Es müssen an allen Einrichtungen Studiengebühren bezahlt werden. Einen Numerus Clausus gibt es nur für das Medizin- und Zahnarztstudium. Einige Studienrichtungen (Kunst, nautische Wissenschaften, Humanmedizin, Ingenieurwissenschaften) haben jedoch Eignungsprüfungen eingeführt. Zugangsvoraussetzung: Abschlusszeugnis der Oberstufe des Sekundarunterrichts. Ausländische Studierende müssen vor Studienbeginn eine Sprachprüfung in der jeweiligen Unterrichtssprache ablegen und ausländische Zeugnisse müssen durch den jeweiligen regionalen Äquivalenzausschuss begutachtet werden.

An belgischen Universitäten werden seit 2009 Deutschlandjahre organisiert. Ziel dieses Projektes ist es die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien zu vertiefen und nachhaltig zu gestalten.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

nach oben