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Bahrain: Wirtschaft Bahrain

17.01.2019 - Artikel

Wirtschaftslage und -Struktur

Bahrain gilt aufgrund seiner Pläne zur wirtschaftlichen Diversifizierung, der Öffnung und Liberalisierung seines Marktes, der guten Investitionsbedingungen, der gut ausgebauten Infrastruktur und nicht zuletzt der Nähe zu wichtigen Regionalmärkten als eine der modernsten und liberalsten Volkswirtschaften und attraktiver Wirtschaftsstandort in der Golfregion. So ist Bahrain eines der wenigen Länder in der Region, in denen Ausländer i.d.R. unter den gleichen rechtlichen Bedingungen wie Bahrainer Firmen gründen und 100% der Unternehmensanteile halten können. 

Ein Hauptziel der Wirtschaftspolitik ist der Ausbau Bahrains zum regionalen Marktführer im Finanz- und Dienstleistungsbereich. Die diesbezüglichen Reformbemühungen der Regierung werden vom IWF und von der Weltbank ausdrücklich gelobt. 

Der Staatshaushalt ist seit 2009 defizitär. 2017 betrug das Haushaltsdefizit 1,336 Mrd. USD. Ein niedriger Ölpreis trifft Bahrain empfindlich, denn der Staatshaushalt ist weiterhin stark abhängig von den Öleinkünften (Haushaltsanteil 2017: 75%), obwohl im gleichen Zeitraum der Anteil des Ölsektors am BIP von 42% auf 18% zurückgegangen ist. Die Inflationsrate lag 2017 bei 1,4%. Die Arbeitslosigkeit wird offiziell mit 4,3% angegeben. Die Staatsverschuldung lag im ersten Halbjahr 2018 bei 87% des BIP.

Im 1. Januar 2019 führte Bahrain eine Mehrwertsteuer in Höhe von 5% ein. Grundnahrungsmittel, Kraftstoffe und ärztliche Behandlungen bleiben ausgenommen, für kleinere Unternehmen gilt eine Übergangszeit, in der die Erhebung der Mehrwertsteuer nicht verpflichtend ist.

Im Gegenzug zu der von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait am 04.10.2018 zugesagten Unterstützung von insgesamt 10 Mrd. USD für einen Zeitraum von fünf Jahren verpflichtete sich Bahrain zu Sparmaßnahmen zur Erzielung eines ausgeglichenen Haushalts bis 2022. Das “Fiscal Balance Program” soll u. a. durch die Einführung eines freiwilligen Frühpensionierungsprogramms für den öffentlichen Dienst, strengere Kontrolle von öffentlichen Beschaffungen, den Abbau von Subventionen (u.a. für Wasser und Strom), Kürzungen von Sozialleistungen sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Nicht-Öl-Einnahmen zu einem ausgeglichenen Haushalt beitragen.

Für 2018 wurde aufgrund geringerer Staatsausgaben ein leichter Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 2,5% (nach 3,5% im Vorjahr) prognostiziert. Zur Ankurbelung der Wirtschaft sollen in den nächsten Jahren Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtvolumen von 32 Mrd. USD beschleunigt durchgeführt werden. Die Schaffung von Arbeitsplätzen für bahrainische Staatsbürger genießt dabei hohe Priorität. Schwerpunktbereiche sind Industrie, Transport und Logistik, Tourismus, Finanzdienstleistungen und Informations- und Kommunikationstechnologie. 

Eines der Großprojekte ist die Modernisierung und Erweiterung des Bahrain International Airport. Ferner soll der in der Nähe des Seehafens Mina Khalifa Bin Salman gelegene Industrie- und Investitionspark “Bahrain International Investment Park” (BIIP), in dem sich auch einige deutsche Firmen angesiedelt haben, erweitert werden. Geplant sind außerdem der Bau einer 90 km langen Eisenbahnverbindung parallel zum bestehenden King Fahd Causeway für den Güterverkehr nach Dammam (Saudi-Arabien) sowie ein Nahverkehrsnetz und eine neue Brücke zur Verbindung der Hauptinsel und der Insel Muharraq. Darüber hinaus sollen auch die Raffineriekapazitäten, Petrochemie und Metallindustrie weiter ausgebaut werden. Forciert wird auch der Ausbau des Tourismussektors. 

Wichtigste Wirtschaftszweige 

Stärkstes und profitabelstes Standbein der bahrainischen Wirtschaft ist die weltweit drittgrößte Aluminiumschmelze Alba, die sich zu 70% in Staatsbesitz (Staatsfonds Mumtalakat) befindet und 12% zum BIP beiträgt. Durch die geplante Erweiterung und Modernisierung (Investitionsvolumen: 2,5 Mrd. USD) will Alba die Jahresproduktion bis 2019 um 50% auf 1,5 Mio. Tonnen steigern. Rund die Hälfte der Aluminiumproduktion wird exportiert, ca. 4% gehen nach Deutschland. 

Der Anteil des Handels- und Dienstleistungsbereiches (Banken, Versicherungen, Tourismus) am BIP übertrifft inzwischen mit über 80% bei weitem den Öl- und Gassektor. Er leidet jedoch unter der regionalen Konkurrenz und der anhaltenden innenpolitischen Krise. Die Privatisierungen werden durch Reduzierung der staatlichen Kapitalbeteiligungen weiter fortgesetzt.

Die Erdölreserven wurden bisher auf 125 Mio. Barrel geschätzt. Im April 2018 gab die Regierung überraschend die Neuentdeckung riesiger Vorkommen von über 80 Mrd. Barrel Schieferöl bekannt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass lediglich etwa 5-10% davon zu wirtschaftlichen Kosten förderbar sein werden und mit der Produktion frühestens in 5 Jahren begonnen werden könne. Bahrain verfügt daneben über enorme Gasreserven in Höhe von 300 bis 550 Mrd. m3

Außenhandel 

Die wichtigsten Handelspartner Bahrains im Exportbereich sind neben den Ländern des Golfkooperationsrates die USA, Mosambik und Südkorea, im Importbereich China, USA, Japan und Deutschland. Wichtigste Ausfuhrgüter sind mineralische Produkte einschließlich Petrochemie, Aluminium und Textilien. Wichtigste Einfuhrgüter sind mineralische Produkte (Öl aus Saudi-Arabien), Maschinen, Elektromaterial und Transportausrüstung (Kraftfahrzeuge). 

Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Deutschland und Bahrain stieg 2017 auf 484,7 Mio. Euro (Vorjahr: 367,9 Mio. Euro). Deutschland ist damit unter den Spitzenreitern innerhalb der EU. Die bilaterale Handelsbilanz ist dabei weiterhin sehr unausgeglichen: Deutschland importierte 2017 Waren im Wert von  41,4 Mio. Euro aus Bahrain, während der Export nach Bahrain 443,3 Mio. Euro betrug. Deutsche Ausfuhrgüter sind hierbei v.a. Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile, elektrische Ausrüstungen, Maschinen und chemische Erzeugnisse. 

Die EU-Staaten insgesamt haben im Jahr 2017 für 2,2 Mrd. Euro Waren nach Bahrain exportiert und für 0,9 Mrd. Euro Waren aus Bahrain importiert. 

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen 

Bahrain ist Mitglied des Golf-Kooperationsrates (GKR) und stellt mit Abdul Latif Rashid Al Zayani dessen Generalsekretär. Erklärtes Ziel des GKR ist u.a. die Schaffung einer gemeinsamen Währung. Zwischen den Mitgliedern bestehen seit 2003 eine Zollunion und seit 2008 ein gemeinsamer Markt; sie sind bisher jedoch noch nicht vollständig realisiert worden. Der Ausbruch der Katar-Krise im Juni 2017, die weiterhin ungelöst ist, hat Fragezeichen hinter die weitere Entwicklung des Golf-Kooperationsrats gesetzt. Bahrain ist neben Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten einer der Allianz-Staaten gegen Katar. 

Umweltpolitik 

Bahrain hat im Dezember 2016 das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Das Bewusstsein für die Belange und Erfordernisse zum Schutz der Umwelt ist in der Bevölkerung jedoch noch nicht sehr ausgeprägt. Bahrains durchschnittlicher Pro-Kopf-Energieverbrauch liegt über dem der übrigen GKR-Staaten und ist viermal so hoch wie der weltweite Durchschnittsverbrauch. Strom und Wasser wurden bisher unter hohem Aufwand nicht erneuerbarer Energien erzeugt und stark subventioniert an die Endverbraucher abgegeben. Zu einem umweltbewussteren Umgang mit den natürlichen Ressourcen dürfte aber der Anfang 2016 eingeleitete stufenweise Abbau der Subventionierung führen. Zudem gewinnt die Schonung natürlicher Ressourcen als Leitprinzip öffentlichen und privaten Handelns mehr und mehr Anerkennung. So hat die Bahrain Petroleum Company (Bapco) ein Labor für erneuerbare Energien errichtet, das derzeit unter Nutzung von Solar-, Wind- und Wasserkraft ca. 100 kW/h produziert. Das Kabinett hat im September 2017 grünes Licht für den Bau eines Solarkraftwerks mit einer elektrischen Leistung von 100 MW gegeben. Im Strom- und Wasserministerium besteht eine “Sustainable Energy Unit”, die 2017 einen “National Renewable Energy Action Plan” erstellt hat. Bis 2025 soll der Anteil erneuerbarer Energien 5% betragen, bis 2035 soll er auf 10% gesteigert werden.

Außerdem ist Bahrain Gründungsmitglied der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien IRENA.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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