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Wirtschaft Bahrain

Artikel

Stand: Oktober 2017

Wirtschaftslage und -struktur

Bahrain gilt aufgrund seiner Pläne zur wirtschaftlichen Diversifizierung, der Öffnung und Liberalisierung seines Marktes, der guten Investitionsbedingungen, der gut ausgebauten Infrastruktur und nicht zuletzt der Nähe zu wichtigen Regionalmärkten als eine der modernsten und liberalsten Volkswirtschaften und attraktiver Wirtschaftsstandort in der Golfregion. So ist Bahrain eines der wenigen Länder in der Region, in denen Ausländer i.d.R. unter den gleichen rechtlichen Bedingungen wie Bahrainer Firmen gründen können und 100% der Unternehmensanteile halten können.

Ein Hauptziel der Wirtschaftspolitik ist der Ausbau Bahrains zum regionalen Marktführer im Finanz- und Dienstleistungsbereich. Die diesbezüglichen Reformbemühungen der Regierung werden vom IWF und von der Weltbank ausdrücklich gelobt.

Der anhaltende Verfall der Erdölpreise trifft Bahrain empfindlich – denn der Öl- und Gassektor ist mit 85% Haushaltsanteil weiterhin Bahrains bedeutendste Einnahmequelle.

Vor diesem Hintergrund wird für 2017 ein Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 2,3 % (nach 3% im Jahr 2016) prognostiziert. Die Arbeitslosigkeit wird offiziell mit 4%  angegeben, die Inflationsrate dürfte 2017 auf 2,6 % zurückgehen (2016: 3%). Der Staatshaushalt ist seit 2009 defizitär und lag 2016 bei 17,8% des BIP. 2017 wird mit einem Rückgang auf dann 10,9% gerechnet – unter Zugrundelegung eines Ölpreises von 55 USD/Fass Öl. Die Staatsverschuldung erreichte 2016 8,8 Mrd. BHR (ca. 22 Mrd. EUR), das entspricht 75 % des BIP

Im vergangenen Jahr wurden diverse öffentliche Subventionen, die zuvor rund 22% der Staatsausgaben ausmachten, gekürzt. Bahrain hat zudem Vorbereitungen für die geplante Einführung einer einheitlichen Mehrwertsteuer im Rahmen des Golfkooperationsrates i.H.v. 5%  im Jahr 2018 getroffen. Zur Ankurbelung der Wirtschaft sollen außerdem in den nächsten Jahren Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtvolumen von 32 Mrd. USD beschleu¬nigt durchgeführt werden. Die Schaffung von Arbeitsplätzen für bahrainische Staatsbürger genießt dabei eine hohe Priorität. Schwerpunktbereiche sind Industrie, Transport und Logistik, Tou-rismus, Finanzdienstleistungen und Informations- und Kommunikationstechnologie.

Eines der Großprojekte ist die Modernisierung und Erweiterung des Bahrain International Airport. Ferner soll der in der Nähe des Seehafens Mina Khalifa Bin Salman gelegene Industrie- und Investitionspark „Bahrain International Investment Park“ (BIIP), in dem sich auch einige deutsche Firmen angesiedelt haben, erweitert werden. Geplant sind außerdem der Bau einer 90 km langen Eisenbahnverbindung parallel zum bestehenden King Fahd Causeway für den Güterverkehr nach Dammam (Saudi-Arabien) sowie ein Nahverkehrsnetz. Darüber hinaus sollen auch die Raffineriekapazitäten, Petrochemie und Metallindustrie weiter ausgebaut werden. Der geplante Bau einer Brücke nach Katar (längste Brücke der Welt) liegt bis auf weiteres auf Eis. Forciert wird auch der Ausbau des Tourismussektors. 

Wichtigste Wirtschaftszweige

Stärkstes und profitabelstes Standbein der bahrainischen Wirtschaft ist der Industriegigant Aluminium Bahrain Alba (Jahresproduktion 2015: 960.000 t), der zu 70% in Staatsbesitz (Staatsfonds Mumtalakat) ist und 13% zum BIP beiträgt. Durch eine geplante Modernisierung (Investment in Höhe von 2,5 Mrd. USD) will Alba bis 2019 die Jahresproduktion um 50% auf 1,5 Mio. Tonnen steigern.

Der Anteil des Handels- und Dienstleistungsbereiches (Banken, Versicherungen, Tourismus) am BIP übertrifft inzwischen mit über 80% bei weitem den Öl- und Gassektor, der gleichwohl weiterhin die bedeutendste Einnahmequelle des Staates ist. Die Erdölreserven werden auf 125 Mio. Barrel, die Gasreserven auf 90 Mrd. m3 geschätzt. Die Privatisierungen werden durch Reduzierung der staatlichen Kapitalbeteiligungen weiter fortgesetzt. Die Regierung will zudem das touristische Potential des Landes weiter erschließen.

Außenhandel

Die wichtigsten Handelspartner Bahrains im Exportbereich sind neben den Ländern des Golfkooperationsrates die USA, Mosambik und Südkorea, im Importbereich China, USA, Japan und Deutschland. Wichtigste Ausfuhrgüter sind mineralische Produkte einschließlich Petrochemie, Aluminium und Textilien. Wichtigste Einfuhrgüter sind mineralische Produkte (Öl aus Saudi-Arabien), Maschinen, Elektromaterial und Transportausrüstung (Kraftfahrzeuge).

Deutsche Exporte nach Bahrain betrugen 2016 337,6 Mio. Euro und sind damit leicht rückläufig (2015: 415 Mio. Euro). Deutschland ist damit unter den Spitzenreitern innerhalb der EU. Die bilaterale Handelsbilanz ist dabei extrem unausgeglichen: Deutschland importierte 2016 nur Waren für 31,9 Mio. Euro aus Bahrain (2015: 24,8 Mio. Euro). Deutsche Ausfuhrgüter sind dabei v.a. Kraftfahrzeuge und –teile, Maschinen und chemische Erzeugnisse.

Die EU-Staaten insgesamt haben im Jahr 2016 für 2,42 Mrd. Euro Waren nach Bahrain exportiert und für 0,66 Mrd. Euro Waren aus Bahrain importiert.

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Bahrain ist Mitglied des Golfkooperationsrates (GKR), dessen erklärtes Ziel u.a. die Schaffung einer gemeinsamen Währung ist. Zwischen den Mitgliedern bestehen seit 2003 eine Zollunion und seit 2008 ein Gemeinsamer Markt; sie sind jedoch noch nicht vollständig in die Praxis umgesetzt.

Umweltpolitik

Das Bewusstsein für die Belange und Erfordernisse zum Schutz der Umwelt ist noch nicht sehr ausgeprägt. Bahrains durchschnittlicher Pro-Kopf-Energieverbrauch liegt über dem der übrigen GKR-Staaten und ist viermal so hoch wie der weltweite Durchschnittsverbrauch. Strom und Wasser wurden bisher unter hohem Aufwand nicht erneuerbarer Energien erzeugt und stark subventioniert an die Endverbraucher abgegeben. Zu einem umweltbewussteren Umgang mit den natürlichen Ressourcen dürfte aber der Anfang 2016 eingeleitete stufenweise Abbau der Subventionierung führen. Zudem gewinnt die Schonung natürlicher Ressourcen als Leitprinzip öffentlichen und privaten Handelns mehr und mehr Anerkennung. Bei der Nutzung der Sonnenenergie steht Bahrain noch ganz am Anfang. Im Mai 2015 fand auf Initiative der vier EU-Botschaften in Bahrain in Zusammenarbeit mit dem Supreme Council for Environment eine Bahrainisch-Europäische Umweltwoche statt.

Im Januar 2009 ist Bahrain der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien IRENA als Gründungsmitglied beigetreten. Gemäß dem „National Renewable Energy Action Plan“ wird bis 2025 ein Anteil erneuerbarer Energien von 5 % angestrebt. Dieser soll bis 2035 auf 10 % gesteigert werden.

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