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Aserbaidschan: Wirtschaft Aserbaidschan

09.04.2019 - Artikel

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung und -struktur

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft wird von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Die 2005 angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen schlug sich bis 2010 in hohem Wachstum des BIP und positiven Außenwirtschaftsdaten nieder. Der Einbruch der Weltölpreise in den folgenden Jahren hat die überwiegend auf Öl- und Gasexporte angewiesene aserbaidschanische Wirtschaft stark belastet. Am 21. Dezember 2015 hat die Zentralbank die rigide Stützung des Wechselkurses der Landeswährung aufgegeben und ist zum „managed floating“ übergegangen. Als Ergebnis dieser Maßnahme verlor der aserbaidschanische Manat umgehend rund 50% gegenüber US-Dollar und Euro.

Dank der  Inbetriebnahme des Gasfeldes „Shah Deniz 2“, der positiven Entwicklung des Weltmarktspreises für Öl und einer leichten Erholung der Privatwirtschaft ist Aserbaidschan 2018 wieder auf den Wachstumskurs zurückgekehrt.
2018 wuchs die Wirtschaft um 1,4% (im Öl Sektor 0,6%, im Nicht-Öl Sektor 1,8%). Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft ist erklärtes Ziel der Regierung. Insbesondere die Landwirtschaft (+4,6%) und der Einzelhandel (+3%) haben sich 2018 positiv entwickelt. Der Bausektor hat einen Anteil von rund 7,9% am BIP, der Groß- und Einzelhandel von gut 9,6% und die Land- und Forstwirtschaft von 5,2%.

Im „Ease of Doing Business“Index der Weltbank hat sich Aserbaidschan um 32 Plätze auf den 25. Platz verbessert.  Auch die Prognosen für 2019 sind mit bis zu 3,6% BIP-Wachstum positiv. Verschiedene Reform-Roadmaps, Investitionsprogramme etwa im Bausektor, Maßnahmen im Kampf gegen die Schattenwirtschaft sowie eine Steuerreform und Erleichterungen der Gründung privater Unternehmen sollen das Wirtschaftsklima weiter verbessern. Dringender Reformbedarf besteht jedoch fort.

Erdöl- und Erdgasförderung

Nach aktuellen Angaben des Erdölkonzerns BP, einem der größten internationalen Investoren in Aserbaidschan, werden die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen auf 7,0 Mrd. Barrel und die Erdgasreserven auf 1,3 Bill. Kubikmeter beziffert.

Die Erdölförderung lag im Jahr 2018 bei 38,7 Mio. Tonnen (im Vergleich: 2010 waren es über 50 Mio. Tonnen). Gas wurde im Umfang von 30,5 Milliarden Kubikmetern gefördert.

Somit wurde das Ziel, bis zum Jahr 2020 das nationale Fördervolumen auf mehr als 20 Mrd. cbm pro Jahr zu erhöhen, frühzeitig erreicht. Bis 2025 soll die Menge auf 50 Mrd. cbm pro Jahr ausgebaut werden, davon soll die Hälfte exportiert werden. Eine zentrale Rolle spielt das größte Erdgasfeld „Shah Deniz“, das Ende 2006 in Betrieb ging und weiter ausgebaut wird („Shah Deniz 2“).

Aserbaidschan will seine Chancen als Produzent und als Transitland für Energie aus Zentralasien nach Europa nutzen und weiter ausbauen.

Am 20. September 2014 wurde der Grundstein für den Südlichen Gaskorridor gelegt. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) via Georgien und Türkei sowie die Transadriatische Pipeline (TAP) weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria nach Italien soll bis Ende des Jahrzehnts Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa fließen. Einen wichtigen Baustein des Projektes stellt die Inbetriebnahme des  Gasfeldes „Shah Deniz 2“ dar, in welches bisher 28 Mrd. US-Dollar investiert wurden. Seit Juli 2018 fließen erste Gaslieferungen nach Georgien und in die Türkei. Lieferungen nach Europa sind spätestens ab 2020 geplant.

Eine wichtige Voraussetzung für den Bau einer transkaspischen Gaspipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan ist die Unterzeichnung einer Konvention zum Rechtsstatus des Kaspischen Meeres durch die Anrainerstaaten. Die Einigung der fünf Anrainerstaaten im August 2018 über den Status des Kaspischen Meeres ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung, auch wenn Detailfragen noch weiter verhandelt werden müssen.

Außenwirtschaft

Marktwirtschaft und freier Außenhandel sind erklärte wirtschaftspolitische Ziele der Regierung. Verhandlungen über einen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) laufen seit 1997.

Aserbaidschan verzeichnete in 2018 einen Handelsbilanzüberschuss von 9,8 Mrd. USD. Wichtigster Handelspartner ist die EU, in die 2018 ca. 60,7% aller Ausfuhren gingen. Importe aus der EU machten rund 31,8% der Gesamteinfuhr aus; Deutschland liegt laut aserbaidschanischen Statistiken auf dem dritten Platz der Importe nach Aserbaidschan. Der Exportanteil an fossilen Energieträgern liegt bei rund 89%. Insofern ist die jährlich in Baku stattfindende “International Caspian Oil and Gas Exhibition” eine der wichtigsten Messen in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung.

Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus.  Das Land  ist unter den zehn wichtigsten  Rohöllieferanten Deutschlands und ist damit ein wichtiger Bestandteil im Bestreben, die europäische Energieversorgung zu diversifizieren.

Haushalt und Finanzen

Die Staatseinnahmen belaufen sich 2018 auf ca. 13,2 Mrd. USD, wovon ein Großteil aus dem Ölfonds SOFAZ transferiert wird. Bei budgetierten Ausgaben von 13,39 Mrd. USD fielen die staatlichen Ausgaben um 29,1% höher aus als im Vorjahr. Schwerpunkte bleiben weiterhin Infrastrukturprojekte, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Entwicklung privater Unternehmen und Landwirtschaft.

Die Inflation belief sich nach offiziellen Angaben für 2018 auf 2,3%. Für 2019 wird sie auf 3,3% prognostiziert.
Die aserbaidschanische Regierung führt nach wie vor einen zurückhaltenden Kurs bei der Verschuldung gegenüber ausländischen Gläubigern. Die Auslandsverschuldung betrug im Juli 2018 9,6 Mrd. USD, was rund 21,9% des BIP entspricht. Die staatlichen Währungsreserven beliefen sich Ende Januar 2019 auf rund 5,7 Mrd. USD (5,1% gestiegen zum Vorjahr).

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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