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Wirtschaft Armenien

Artikel

Stand: Oktober 2018

Allgemein

Armenien leidet bis heute unter dem weitgehenden Zusammenbruch seiner - für sowjetische Verhältnisse seinerzeit gut entwickelten - Wirtschaft in Folge des Zerfalls der Sowjetunion. Das verheerende Erdbeben von 1988, der Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach (1988-1994), der Zusammenbruch des sowjetischen Wirtschaftssystems und die Unterbrechung der Energieversorgung in den 1990er Jahren führten zu einem drastischen Niedergang der armenischen Industrie. Dies und die andauernde Isolation durch geschlossene Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan belasten die armenische Wirtschaft bis heute.
Zusätzlich behindern Monopolbildung, oligarchische Strukturen sowie eine hohe Korruption die Modernisierung der armenischen Wirtschaft und hemmen Investitionen. Insbesondere kleine und mittlere Betriebe haben es schwer, Fuß zu fassen. Trotz einiger Fortschritte im Rechtssektor gibt es noch keine unabhängige Judikative.

Die neue Regierung unter Leitung des Ministerpräsidenten Nikol Pashinyan (seit Mai 2018 im Amt) verfolgt eine Politik der Korruptionsbekämpfung, der Auflösung wirtschaftlicher Monopole und oligarchischer Strukturen als obersten Prioritäten.

Dennoch: Die armenische Wirtschaft verzeichnete im Jahr 2018 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von bislang 7% (2017: 7,5%). Die Verbraucherpreise stiegen 2017 um 0,9% (2016: -1,4 %). Allerdings stieg auch die Verschuldung der öffentlichen Haushalte 2017 auf 58,9% des BIP (Vorjahr: 56,6%). 2017 wurden Waren im Wert von 3,5 Mrd. USD importiert, Waren im Wert von 1,9 Mrd. USD aus exportiert. Damit stieg das Außenhandelsbilanzdefizit auf 1,6 Mrd. USD (Angaben Weltbank).

Für das Gesamtjahr 2018 erwartet die Weltbank ein Wirtschaftswachstum von 3,8%, eine Inflation von 3,5% sowie einen Anstieg der öffentlichen Verschuldung auf 59,6% des BIP.

Wirtschaftsklima

Lokomotiven des Wachstums sind Bergbau und der Dienstleistungsbereich. Neben dem Tourismus expandiert insbesondere der IT-Sektor und zieht ausländische Investitionen an.
Mit der starken Rolle des Bergbaus (32% des Exportwerts) ist die armenische Wirtschaft sehr abhängig vom Weltmarktpreis für die Hauptexportgüter Kupfer und Molybdän. Nach einem Rückgang im Jahr 2014 und einem Anwachsen im Jahr 2015  stieg der armenische Bergbau im Jahr 2016 um weitere 8,3 %  und umfasste damit 18 % der gesamten Industrieproduktion.
Überweisungen der Diaspora, Direktinvestitionen (netto FDI in 2017: 475 Mio. USD) und private Kapitalzuflüsse sind weitere bedeutende Faktoren für die Wirtschaft: Die armenische Diaspora in Russland umfasst etwa 2 Millionen Menschen, darunter viele Arbeitsmigranten, die Geld an ihre Familien in Armenien überweisen; auch aus anderen Ländern mit größerer armenischer Diaspora (z.B. USA, FRA) werden nennenswerte Mittel nach Armenien überwiesen. Dennoch gingen nach Angaben der Zentralbank die Geldtransfers der armenischen Diaspora im Jahr 2016 weiter auf 1,5 Mrd. USD zurück (2015: ca. 1,6 Mrd. USD). Die Arbeitslosenquote ist in 2017 offiziell auf 16,5% zurückgegangen (Vorjahr18,5%), die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist jedoch erheblich höher. Sehr viele Menschen sind im informellen Sektor (geschätzter Anteil am BIP 36%) tätig, Einkommen werden oft nicht versteuert.
Armenien fiel 2018 im 'Doing Business Report' der Weltbank von Platz 38 auf 47 zurück. Beim Korruptionswahrnehmungsindex 2017 von Transparency International verbesserte sich das Land auf Rang 107 (von 180), nachdem es 2016 nur auf Rang 113, 2015 hingegen auf Rang 95 lag.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsorganisationen

Armenien ist Mitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Welthandelsorganisation, der Asiatischen Entwicklungsbank und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Schwarzmeer-Region. Im Januar 2015 ist Armenien der Eurasischen Wirtschaftsunion mit Russland, Belarus und Kasachstan beigetreten. Der Text für ein Assoziierungsabkommen mit der EU einschließlich eines Freihandelsabkommens (DCFTA) war im Juli 2013 ausverhandelt worden, konnte jedoch nach der Erklärung über den beabsichtigten Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion nicht mehr paraphiert werden. Ein neues, weniger ambitioniertes umfassendes und erweitertes Partnerschaftsabkommen ist am 24. November 2017 im Rahmen des EU-Gipfels mit den Ländern der Östlichen Partnerschaft  abgeschlossen worden und ist seit 1. Juni 2018 vorläufig und in Teilen in Kraft. Damit ist Armenien das bislang einzige Land, welches der Eurasischen Wirtschaftsunion angehört und gleichzeitig eine privilegierte Partnerschaft mit der EU unterhält.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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