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Wirtschaft Armenien

Artikel

Stand: November 2017

Allgemein

Armenien leidet bis heute unter dem fast vollständigen Zusammenbruch seiner für sowjetische Verhältnisse seinerzeit gut entwickelten - Industriestruktur in Folge des Zerfalls der Sowjetunion. Das verheerende Erdbeben von 1988, der Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach (1988-1994), der Zusammenbruch des sowjetischen Wirtschaftssystems und die Unterbrechung der Energieversorgung in den 1990er Jahren führten zu einem drastischen Niedergang der armenischen Industrie. Dies und die andauernde Isolation durch geschlossene Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan belasten die armenische Wirtschaft bis heute.
Zusätzlich behindern Monopolbildung, oligarchische Strukturen sowie eine hohe Korruption die Modernisierung der armenischen Wirtschaft und hemmen Investitionen. Insbesondere kleine und mittlere Betriebe haben es schwer, Fuß zu fassen. Trotz einiger Fortschritte im Rechtssektor gibt es noch keine unabhängige Judikative.
Die armenische Wirtschaft verzeichnete im Zeitraum Januar-September 2017 ein Wachstum von 5,1 % (Januar-September 2016: 1,6%). Die Rezession in Russland hat weiterhin negative Auswirkungen auf die ARM Wirtschaft. Die Verbraucherpreise stiegen in den ersten neun Monaten um 0,6% (im Gesamtjahr 2016 gab es noch einen Rückgang der Preise im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent). Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der IMF ein Wirtschaftswachstum von 3,5% (Asia Development Bank sogar 3,8%), allerdings auch eine Inflation von 2,1%.
Das Zahlungsbilanzdefizit hat sich weiter erhöht. In den ersten neun Monaten 2017 wurden Waren im Wert von 2,82 Mrd. USD importiert, Waren im Wert von 1,55 Mrd. USD aus ARM exportiert. Damit stieg das Aussenhandelsdefizit auf 1,27 Mrd. USD (gleicher Vorjahreszeitraum 1,01 Mrd. USD).

Wirtschaftsklima

Lokomotiven des Wachstums sind Bergbau und der Dienstleistungsbereich. Insbesondere der IT-Sektor expandiert und zieht ausländische Investitionen an.
Mit der starken Rolle des Bergbaus ist die armenische Wirtschaftsehr abhängig vom Weltmarktpreis für die Hauptexportgüter Kupfer und Molybdän. Nach einem Rückgang im Jahr 2014 und einem Anwachsen im Jahr 2015  stieg der armenische Bergbau im Jahr 2016 um weitere 8,3 %  und umfasste damit 18 % der gesamten Industrieproduktion.
Überweisungen der Diaspora, Direktinvestitionen und private Kapitalzuflüsse sind bedeutende Faktoren für die Wirtschaft: Die armenische Diaspora in Russland umfasst etwa 2 Millionen Menschen, darunter viele Arbeitsmigranten, die Geld an ihre Familien in Armenien überweisen; auch aus anderen Ländern mit größerer armenischer Diaspora (z.B. USA, FRA) werden nennenswerte Mittel nach Armenien überwiesen. Dennoch gingen nach Angaben der Zentralbank die Geldtransfers der armenischen Diaspora im Jahr 2016 weiter auf 1,5 Mrd. USD zurück (2015: ca. 1,6 Mrd. USD). Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2015 offiziell bei 18,5%, die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist jedoch erheblich höher. Sehr viele Menschen sind im informellen Sektor tätig, Einkommen werden oft nicht versteuert.
Armenien fiel 2017 im 'Doing Business Report' der Weltbank von Platz 35 auf 38 zurück. Beim Korruptionswahrnehmungsindex 2016 von Transparency International fiel Armenien auf Rang 113 (von 176) zurück (2015: Rang 95 von 168).

Mitgliedschaft in Wirtschaftsorganisationen

Armenien ist Mitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Welthandelsorganisation, der Asiatischen Entwicklungsbank und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Schwarzmeer-Region. Armenien ist im Januar 2015 der Eurasischen Wirtschaftsunion mit Russland, Belarus und Kasachstan beigetreten. Der Text für ein Assoziierungsabkommen mit der EU einschließlich eines Freihandelsabkommens (DCFTA) war im Juli 2013 ausverhandelt worden, konnte jedoch nach der Erklärung über den beabsichtigten Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion nicht mehr paraphiert werden. Ein neues, weniger ambitioniertes Abkommen wird voraussichtlich am 24. November 2017  im Rahmen des EU-Gipfels mit den Ländern der Östlichen Partnerschaft  2017 abgeschlossen werden.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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