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Armenien: Wirtschaft Armenien

25.02.2019 - Artikel

Allgemein

Armenien leidet bis heute unter dem weitgehenden Zusammenbruch seiner – für sowjetische Verhältnisse seinerzeit gut entwickelten – Wirtschaft in Folge des Zerfalls der Sowjetunion. Das verheerende Erdbeben von 1988, der Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach (1988-1994), der Zusammenbruch des sowjetischen Wirtschaftssystems und die Unterbrechung der Energieversorgung in den 1990er Jahren führten zu einem drastischen Niedergang der armenischen Industrie. Dies und die andauernde Isolation durch geschlossene Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan belasten die armenische Wirtschaft bis heute.
Zusätzlich behindern Monopolbildung, oligarchische Strukturen sowie eine hohe Korruption die Modernisierung der armenischen Wirtschaft und hemmen Investitionen. Vor allem kleine und mittlere Betriebe haben es schwer, Fuß zu fassen.

Insbesondere seit der sogenannten Samtenen Revolution 2018 gibt es aber spürbare Fortschritte im Rechtssektor und eine von der Politik unabhängige Judikative. Die neue Regierung unter Leitung des Ministerpräsidenten Nikol Pashinyan (seit Mai 2018 im Amt) verfolgt eine Politik der Korruptionsbekämpfung, der Auflösung wirtschaftlicher Monopole und oligarchischer Strukturen als oberste Prioritäten.

Die armenische Wirtschaft verzeichnete im Jahr 2018 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 5,2% (2017: 7,5%). Die Verbraucherpreise stiegen 2018 um 1,8% (2017: 0,9%). Allerdings stieg auch die Verschuldung der öffentlichen Haushalte 2018 auf 59,6% des BIP (Schätzung Weltbank; Vorjahr: 58,9%). 2018 betrug der armenische Außenhandel knapp 6,5 Mrd. EUR (+16,4% ggü. 2017); es wurden Waren im Wert von 4,35 Mrd. EUR (+21% ggü. 2017) importiert, Waren im Wert von 2,1 Mrd. EUR (+7,8%) exportiert. Damit stieg das Außenhandelsbilanzdefizit in 2018 auf 2,2 Mrd. EUR (Angaben Komitee f. Statistik Armenien).

Für das Gesamtjahr 2019 erwartet die Weltbank ein Wirtschaftswachstum von 4,3%, eine Inflation von 3,5% sowie einen leichten Rückgang der öffentlichen Verschuldung auf 59,3% des BIP.

Wirtschaftsklima

Lokomotiven des Wachstums sind weiterhin der Bergbau und der Dienstleistungsbereich. Neben dem Tourismus expandiert insbesondere der IT-Sektor und zieht ausländische Investitionen an.
Mit der unverändert starken Rolle des Bergbaus (trotz Rückgangs aufgrund von Sonderfaktoren noch immer knapp 30% des Exportwerts) ist die armenische Wirtschaft sehr abhängig vom Weltmarktpreis für die Hauptexportgüter Kupfer und Molybdän.
Überweisungen der Diaspora, Direktinvestitionen (netto FDI 2017: 475 Mio. USD) und private Kapitalzuflüsse sind weitere bedeutende Faktoren für die Wirtschaft: Die armenische Diaspora in Russland umfasst etwa zwei Millionen Menschen, darunter viele Arbeitsmigranten, die Geld an ihre Familien in Armenien überweisen; auch aus anderen Ländern mit größerer armenischer Diaspora (z.B. USA, Frankreich) werden nennenswerte Mittel nach Armenien überwiesen. Nach Angaben der Zentralbank beliefen sich die Geldtransfers der armenischen Diaspora im Jahr 2018 auf rd. 1,6 Mrd. USD und damit auf rd. 13% des BIP. Die Arbeitslosenquote lag 2018 unverändert bei ca. 18,9%, die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist jedoch erheblich höher. Sehr viele Menschen sind im informellen Sektor (geschätzter Anteil am BIP 36%) tätig, Einkommen werden oft nicht versteuert.
Armenien konnte sich im 'Doing Business Index‘ der Weltbank für 2019 leicht von Platz 47 auf Platz 41 verbessern. Beim Korruptionswahrnehmungsindex 2018 von Transparency International verbesserte sich das Land ebenfalls geringfügig auf Rang 105 (von 180), nachdem es 2017 auf Rang 107 und 2016 auf Rang 113 lag.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsorganisationen

Armenien ist Mitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Welthandelsorganisation, der Asiatischen Entwicklungsbank und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Schwarzmeer-Region.

Im Januar 2015 ist Armenien der Eurasischen Wirtschaftsunion mit Russland, Belarus, Kasachstan und Kirgisistan beigetreten.

Der Text für ein Assoziierungsabkommen mit der EU einschließlich eines Freihandelsabkommens (DCFTA) war im Juli 2013 ausverhandelt worden, konnte jedoch nach der Erklärung über den beabsichtigten Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion nicht mehr paraphiert werden. Ein neues, weniger ambitioniertes umfassendes und erweitertes Partnerschaftsabkommen ist am 24. November 2017 im Rahmen des EU-Gipfels mit den Ländern der Östlichen Partnerschaft abgeschlossen worden und ist seit 1. Juni 2018 vorläufig und in Teilen in Kraft. Damit ist Armenien das bislang einzige Land, welches der Eurasischen Wirtschaftsunion angehört und gleichzeitig eine privilegierte Partnerschaft mit der EU unterhält.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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