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Wirtschaft Argentinien

Artikel

Stand: Oktober 2018

Wirtschaftsstruktur

Argentinien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von knapp 638 Milliarden US-Dollar (2017) die größte Volkswirtschaft des spanischsprachigen Südamerikas. In Lateinamerika sind lediglich Brasilien und Mexiko wirtschaftlich bedeutender. Argentinien verfügt über eine im Regionalvergleich relativ gut entwickelte Industrie; wichtigste Sektoren sind die Nahrungsmittelindustrie und die Automobilindustrie (u.a. Volkswagen und Daimler), die wesentliche Anteile der Produktion nach Brasilien exportiert.

Die Industrie trägt 26,2% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, es folgen Handel (11,8%), Transport/Kommunikation (9%) und Immobilienwirtschaft (8,6%). Der Beitrag der reinen Land- / Forst- / Fischwirtschaft zum BIP liegt bei 6,4%; allerdings wird geschätzt, dass rund ein Drittel der Arbeitsplätze direkt oder indirekt (zum Beispiel Transport, Verpackung) im Zusammenhang mit der Agrarindustrie stehen. Auch bei den Exporten dominiert der Anteil der Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel (60%). 

Die Außenhandelsquote Argentiniens liegt bei knapp 20% des Bruttoinlandspordukt (BIP), bei einer Exportquote von 9,2%.

Bei der Einkommensverteilung liegt Argentinien mit einem Gini-Koeffizienten von rund 42 weltweit weiter im unteren (also ungleicheren) Drittel, ähnlich wie Uruguay, etwas besser als die Nachbarn Brasilien, Chile, Bolivien und Paraguay. Nach Zahlen des in 2016 neu formierten statistischen Bundesamtes (INDEC) liegt  die Arbeitslosenquote bei rund 9% (Anteil des informellen Sektors wird auf über 30% geschätzt) und die Armutsquote bei rund 29%.

Argentinien ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO (Ministerkonferenz fand im Dezember 2017 in Buenos Aires statt), Internationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank, G-20 (Vorsitz 2018), sowie auf regionaler Ebene Mercosur und ALADI (Lateinamerikanische Integrationsvereinigung). Eine Mitgliedschaft in der OECD wird angestrebt.

Aktuelle Wirtschaftslage

Mit der Wahl von Maurico Macri zum Präsidenten Argentiniens im November 2015 hat sich die Grundausrichtung der Wirtschaftspolitik grundlegend geändert. Nach 12 Jahren protektionistischer Politik unter Néstor und Cristina Kirchner setzt die neue Regierung auf Liberalisierung und Weltmarktintegration. Der Start der neuen Regierung wurde durch erhebliche Erblasten der vorangegangenen Regierung (steigende Neuverschuldung, abgeschmolzene Devisenreserven, Einbrüche bei Wachstum, Industrieproduktion, Exporten) und ein international wenig hilfreiches Umfeld (tiefe Rezession beim Haupthandelspartner Brasilien, Zinswende in den USA, Wachstumsrückgang in China) erschwert.

Ende 2015/Anfang 2016 hat die Regierung Macri erfolgreich Devisenbeschränkungen gelockert, Importrestriktionen weitgehend außer Kraft gesetzt, Exportsteuern aufgehoben oder abgesenkt (Soja), das Wechselkursregime vereinheitlicht und den Kurs des Pesos freigegeben (Abwertung um 40%). Im April 2016 gelang zudem eine Lösung des seit Jahren schwelenden Konflikts mit einer Gruppe von US-amerikanischen Privatgläubigern.

2017 fand Argentinien den Weg aus der Anpassungsrezession, die Wirtschaft wuchs um 2,9%. Nachdem zu Beginn des Jahres fast ausschließlich der Agrarsektor und die Bauwirtschaft (insb. öffentliche Bauten) den Aufschwung bedingten, trugen seit der zweiten Jahreshälfte auch zahlreiche andere Sektoren zur Erholung bei.  

2018 ist in Argentinien von Währungsturbulenzen geprägt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird voraussichtlich um 2,4% zurückgehen und somit deutlich hinter den ursprünglichen Prognosen (3% Wachstum) zurück bleiben.

Neben anderen Faktoren löste die Anhebung der US Leitzinsen einen Kursverlust des argentinischen Pesos aus. Der Peso verlor innerhalb des Jahres mehr als die Hälfte seines Wertes gegenüber dem US Dollar. Bereits zu Beginn des Jahres korrigierte die Regierung die Inflationsziel von 10% (+/-2%) auf 15%. Mittlerweile rechnet man in den Märkten mit einer Inflation für 2018 von über 40%.

Agrar- und Ernährungswirtschaft

Die Landwirtschaft spielt in Argentinien traditionell eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung: rund 60 % der Gesamtexporte werden durch die Landwirtschaft erzeugt. Rein rechnerisch kann Argentinien rd. 400 Millionen Menschen ernähren. 

Dieses Potential will die Regierung  für die wirtschaftliche Wiederbelebung des Landes nutzen. Mit einer Neuausrichtung der Agrarpolitik setzt Staatspräsident Macri auf Marktöffnung und Teilnahme am internationalen Handel. Dafür hob er zu Beginn der Amtsperiode die Exportquoten für Agrarprodukte auf und schaffte nahezu alle Ausfuhrabgaben auf landwirtschaftliche Erzeugnisse ab. Dies hat im Agrarhandel einen Anstieg der Getreideexporte und in der Landwirtschaft einen Einkommensanstieg bewirkt und einen Schub an Investitionen in die Landwirtschaft ausgelöst.

Obwohl die Landwirtschaft auf den Politikwechsel deutlich positiv reagiert hat, blieb das erhoffte Wirtschaftswachstum insgesamt hinter den Erwartungen zurück. Erschwerend kam hinzu, dass wegen der historisch schlechten Ernte von 2017/2018 die Steuereinnahmen niedriger ausfielen als erwartet. Um das entstandene Haushaltsdefizit auszugleichen, hat Staatspräsident Macri seit September 2018 wieder Exportsteuern eingeführt. Diese sollen so lange erhoben werden, bis der Staatshaushalt konsolidiert sei. Außerdem hat Macri im Rahmen einer Strukturreform den Regierungsapparat verschlankt und das Agrarministerium dem Produktionsministerium als Staatssekretariat zugeordnet, das weiterhin vom bisherigen Agrarminister Dr. Luis Miguel Etchevehere geleitet wird. 

Agrarpolitisches Ziel der Regierung ist es, Argentiniens Landwirtschaft von einem überwiegenden Rohstofflieferanten hin zu einem Exporteur hochwertiger Nahrungsmittel zu entwickeln. Ein spezielles Investitionsprogramm zur Stärkung der Land- und Ernährungswirtschaft soll dabei vor allem in den ländlichen Räumen zusätzliche Einkommen und Arbeitsplätze schaffen.

Argentiniens Landwirtschaft ist außerordentlich exportorientiert. Weltweit rangiert Argentinien als der zehntgrößte Agrarexporteur und ist nach Brasilien zweitgrößter Agrarnettoexporteur Lateinamerikas. Um diese Position zu sichern und noch auszubauen, hat das Landwirtschaftsministerium das Schwerpunktprogramm „Erschließung neuer Absatzmärkte“ aufgelegt. 

Die Sojabohne ist Argentiniens wichtigste Anbaukultur. Sie wird auf rund 60% der Ackerbaufläche angebaut, bei dem das Direktsaatverfahren überwiegt (Daten für 2018: ca. 18 Mio. ha, Erntemenge ca. 38 Mio. Tonnen ( Vorjahr: 55 Mio. Tonnen). Soja ist zudem auch  im Export das bedeutendste Produkt des Landes,  das insbesondere als proteinhaltiges Futtermittel weltweit nachgefragt wird. Argentinien gehört neben Brasilien zu den weltweit wichtigsten Lieferanten von Sojaschrot/mehl und -öl. Soja wird auch zur Biodieselherstellung verwendet. 

Getreidekulturen, vor allem Mais (2017/18: 43 Mio. Tonnen inkl. Futtermittel) und Weizen (2017/18: 18,5 Mio. Tonnen) sind ebenfalls von wirtschaftlich herausragender Bedeutung. Argentinien gehört neben den USA und Brasilien zu den weltweit größten Maisexporteuren. Im Weizenhandel hat Argentinien aufgrund der von der Regierung geschaffenen günstigen Voraussetzungen begonnen, seine unter der Vorgängerregierung verlorenen Marktanteile im Weizenexport wieder zurückzuerobern.  Die durch eine starke Dürre betroffene Gesamtmenge der Getreide- und Ölsaatenernte belief sich in 2017/18 auf rd. 113 Mio. Tonnen (137 Mio. Tonnen im Vorjahr). 

Die Rindfleischerzeugung profitiert ebenfalls von der Neuausrichtung der Agrarpolitik. Die Entwicklung der Tierzahlen deutet auf eine Erhöhung der Bestände hin. Die Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Export des heimischen Rindfleischs mittel- bis langfristig zu verzehnfachen, von derzeit 1,1 Mrd. US-Dollar auf 10,5 Mrd. US-Dollar in 2025. 

Um die Wettbewerbsfähigkeit der argentinischen Landwirtschaft zu verbessern, organisiert das Landwirtschaftsministerium regelmäßig tagende „Runde Tische“, an denen sich Teilnehmer der unterschiedlichen Wertschöpfungsketten versammeln, z.B. Fleisch, Getreide, Obst, Geflügel etc. Ein Ansatz liegt darin, die mehr Transparenz in die Preisgestaltung innerhalb der Wertschöpfungsketten zu bringen.

Während die vorgenannten Zweige der Landwirtschaft international wettbewerbsfähig sind, sind die Milcherzeugung und –verarbeitung sowie die Schweine- und  Geflügelerzeugung derzeit im internationalen Vergleich nur eingeschränkt wettbewerbsfähig. Hier sind vor allem die hohen Produktionskosten, aber auch strukturelle Probleme für die unzureichende Wettbewerbskraft verantwortlich. Dies zu überwinden, erfordert umfangreiche Investitionen. 

Fischereierzeugnisse sowie Obst und Wein  sind ebenfalls in der Erzeugung als auch im Export für das Land von Bedeutung. 

Erwähnenswert ist, dass Argentinien sich im Bereich Agrar- und Ernährungspolitik auch auf internationaler Ebene aktiv einbringt. Die Regierung hat sich  z.B. offensiv für das Zustandekommen eines neuen Assoziationsabkommens zwischen Mercosur und der EU eingesetzt und den Verhandlungen wichtige Impulse verliehen. Landwirtschaftsminister Etchevehere und Staatssekretärin Marisa Bircher haben an der X. Berliner Agrarministerkonferenz sowie am „Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2018 teilgenommen. Dabei bestätigte er das bestehende bilaterale Arbeitsprogramm, das mit neun Schwerpunkten (u.a. Nachhaltige Landwirtschaft, Tierwohl, Bioökonomie, Anbau nicht-gentechnisch veränderter Ackerkulturen) zwischen dem deutschen und argentinischen Landwirtschaftsministerium vereinbart wurde. Darüber hinaus unterzeichnete der Minister eine Absichtserklärung zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit im Bereich Bioökonomie mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem argentinischen Forschungsministerium MinCyT. Zudem hat Argentinien im Juli 2018 das G20-Agrarministertreffen durchgeführt, an dem für Deutschland Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner teilgenommen hat.

Außenhandel

Haupteinnahmequelle für Devisenzuflüsse sind die Agrarexporte. Die einheimische Industrie benötigt viele importierte Rohstoffe, Zwischenprodukte und Kapitalgüter.

2017 exportierte Argentinien Waren im Wert von 58,4 Milliarden US-Dollar und damit 1,1% mehr als im Vorjahr; davon 39% landwirtschaftlichen Ursprungs, 31% industriellen Ursprungs und 25% Rohstoffe. Auf Basis des harmonisierten Systems (HS-Nomenklatur) entfallen auf Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel (-industrie) 2017 rund 60% aller Ausfuhren (in erster Linie Tierfutter, Getreide, Fette und Öle, Ölsaaten und -früchte, Fleisch und Fleischwaren, Getränke). Industriegüterexporte (vor allem Kfz und Chemie; ohne Agrar- bzw. Nahrungsmittelindustrie) machten 2017 ca. 22% der Exporte aus. 

Die Einfuhren für 2017 beliefen sich auf 66,9 Milliarden US-Dollar und stiegen damit um 20,3% gegenüber 2016. Unter den Importgütern Argentiniens stehen 2017 mit knapp 42% Kapitalgüter (Maschinen und Maschinenteile) an der Spitze. Zwischenprodukte für die weiterverarbeitende Industrie machten rund 26% aus, während sich die Konsumgüter auf 13% beziffern. 

2017 ist somit nach 2015 das zweite Jahr im neuen Jahrtausend, in dem Argentinien ein Außenhandelsdefizit verzeichnete (8,5 Milliarden USD) (entspricht rd. 1,3% des BIP).

Unter den Abnehmerländern liegt Brasilien mit 16% an erster Stelle, gefolgt von den USA und China mit etwa 7,5% und Chile mit 4,5%. Als Hauptlieferländer dominieren Brasilien mit knapp 27% und China mit 18%, gefolgt von den USA mit 11% und Deutschland mit knapp 5%.

Deutschland bleibt weiter viertwichtigstes Herkunftsland für argentinische Importe und liegt unter den Abnehmerländern für argentinische Exporte auf Rang zwölf. Das bilaterale Handelsvolumen wuchs 2017 um rund 3% auf 4,3 Milliarden Euro. Deutschland wies für 2017 einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber Argentinien von knapp 1,7 Milliarden Euro auf.

Haushalts- und Finanzpolitik

Das primäre Haushaltsdefizit ist im Jahre 2017 auf 3,9% des Bruttoinlandspodukt zurückgegangen (2016: 4,4%). Für den Haushalt 2018 rechnet die Regierung mit einem Defizit von  2,6% . Im Rahmen des vom Internationales Währungsfonds  bewilligten Stand-by Kredits von 50 Milliarden US Dollar, wurde das Ziel einer schwarzen Null für 2019 festgesetzt.  Im  September 2018 sagte der Internationale Währungsfonds Argentinien eine Ausweitung des Stand-by-Kredits auf 57 Mrd. US Dollar bis 2021 zu.

Der gesamtstaatliche  Bruttoschuldenstand ist seit Amtsübernahme der Regierung von rd. 254Milliarden USD (46% des Bruttoinlandsprodukt)  auf Grund von Neuverschuldungen bis Ende 2017 auf rund. 334 Milliarden US Dollar (59% des Bruttoinlandsprodukt) angestiegen

74% der Staatsverschuldung sind Devisen. Aufgrund des hohen  Schuldendienstes ist das Gesamthaushaltsdefizit  im Jahresvergleich von 5,9% auf 6,1% gestiegen. Die  Reserven (2016: US Dollar 40 Mrd.) sind per Dezember 2017 auf über US Dollar 55 Mrd. gestiegen. 

Der Internationale Währungsfonds  konnte im Rahmen des Monitoring im zweiten Semester 2016 bestätigen, dass die Daten des neu strukturierten staatlichen Statistikamtes (INDEC) nun internationalen Standards entsprechen und die Sanktionen aufheben, die wegen der politisch motivierten Manipulationen namentlich bei der Berechnung von Inflations- und Lebenshaltungskosten in der Kirchner-Ära verhängt worden waren. Damit verfügt Argentinien wieder über belastbare Basisdaten. Jedoch wird angeregt, die Basiszahlen des Bruttoinlandsprodukts  (Basisjahr 2004) zu aktualisieren.  

Pariser Club: Argentinien hat seit dem Abschluss der Schuldenregelung mit den öffentlichen Gläubigern im Jahr 2014 die vereinbarten Minimal-Verpflichtungen eingehalten.

Nach nur wenigen Monaten im Amt erzielte die Regierung Macri eine Einigung mit den sogenannten „holdouts“ in Bezug auf die bislang nicht umgeschuldeten Altschulden privater Gläubiger. Darunter auch die vieler deutschen Gläubiger, deren Anleihen von Banken in sog. Girosammelverwahrung gehalten wurden. Aufgrund eines noch fehlenden Abwicklungsverfahrens (Rückgabe der Anleihen Zug-um-Zug gegen Rückzahlungen) stehen die Zahlungen an diejenigen, die die Anleihen in Form von sog. effektiven Stücken halten, noch aus.

Bilaterale Abkommen: Deutschland und Argentinien streben die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein modernisiertes Doppelbesteuerungsabkommen sowie ein umfassendes Sozialversicherungsabkommen an.

Energie

Der argentinische Primärenergiebedarf wird gegenwärtig zu 87% von fossilen Trägern gedeckt (55% Gas, 32% Erdöl).  Trotz vielversprechender heimischer Energierohstoffvorkommen – vor allem bei Schiefergas und -öl (hier nimmt Argentinien Platz 2 und 4 der weltweiten Vorkommen ein),    ist das Land weiterhin auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen, um die wachsende Nachfrage zu decken.   

Die Investitionen bei der Erdöl- und gasförderung  sind in 2017 nur gering gestiegen (6,6 Mrd US Dollar).  Die Erdölproduktion 2017 ging im Jahresvergleich um gut 7% zurück, die Gasförderung ist im selben Zeitraum um knapp 1% gesunken.  Über die nächsten Jahre planen in- und ausländische Ölkonzerne Investitionen in hoher zweistelliger Milliardenhöhe. 

Das Defizit in der Energiehandelsbilanz ist auch 2017 weiter gestiegen auf über 3 Mrd. US-Dollar (2,9 Mrd. in 2016), namentlich wegen steigender Nachfrage nach Gasimporten. 

Aufgrund der Subventionskürzungen und Tarifanpassungen ist der Stromverbrauch im Jahr 2017 erstmalig um 0,5% im Jahresvergleich gesunken auf 108.827 GWh (davon 45% für private Haushalte, 29% Handel und 27 % Industrie). Die gesamte installierte Leistung betrug in 2017 36.725 MW (2016: 35.775 MW). Auf Grund der verringerten Leistungskapazität standen davon nur rund. 70 % zur Verfügung.

Der Energiemix setzte sich 2017 aus 63,85 % Wärmekraft (fossile Treibstoffe, davon 80 % Erdgas); 29,32 % Wasserkraft; 4,78 % Nuklearenergie und 2,05 % erneuerbare Energien (insg. 753 MW, davon 8 MW Solar, 227 MW Wind, 496 MW kl. Wasserkraftwerke und 22 MW Biogas) zusammen. Knapp 1 %  des Strombedarfs wird importiert.

Die Regierung hat auch in 2018 den Abbau der Subventionen der Energiepreise und Lockerung der Benzinpreisdeckelung fortgesetzt .  Die Energiesubventionen sind per Ende 2017 real um 35% gekürzt worden und machten 41 % der Gesamtsubventionen aus i.V. (2016: 72,5 %). 

Die Regierung rechnet mit weiter steigender Stromnachfrage. Bis 2025 soll sie um 26 %steigen.  Argentinien muss in den nächsten 20 Jahren mindestens 1.500 MW jährlich an zusätzlicher Stromerzeugungskapazität ans Netz bringen, um diese  Stromnachfrage decken zu können.  Hinzu kommt die Überalterung des  Energieparks.  Anlagen von  insg. 2000 MW sind über 40 Jahre alt, 75 % der Energieerzeugungsanlagen haben ihre Lebensdauer überschritten. 

Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, mit privaten Investitionen den Anteil der Erneuerbaren Energien (EE) am Energiemix auszubauen.  Lag der Anteil der EE 2017 noch bei 2 %, sollen in 2019 bereits 12 % und 2025 schließlich 20 % erreicht werden. In drei Jahren sollen 3.000 MW und bis 2025 insgesamt 10.000MW aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. 

Im Rahmen des im 2016 aufgelegten EE Programm RenovAr wurden bislang 147 Projekte (4.466 MW) in 18 von 23 Provinzen des Landes vergeben; überwiegend Wind und PV. Die neuen Anlagen werden mit rund. 8,3 TWh/Jahr den Jahresstrombedarf 2018 zu 5,7 % decken können. 

Darüber hinaus trat Ende 2017 ein EE-Einspeisegesetz zur dezentralen Energieversorgung in Kraft.

Unabhängig davon setzt Argentinien weiterhin auf Nuklearenergie. Mit China einigte man sich im Mai 2017 auf den Bau zwei neuer Kernkraftwerke. China bietet eine Gesamtfinanzierung von 12,5 Mrd US Dollar für beide Kernkraftwerke an. Das im Juli 2014 eingeweihte Kernkraftwerk  Atucha II wurde Mitte März bis Anfang  August 2017 für Wartungsarbeiten stillgelegt. 

Umwelt- und Klimapolitik

Laut den im Rahmen der COP21/2015 von Argentinien bekanntgegebenen nationalen Zielen zum Klimaschutz sollen die argentinischen Treibhausgasemissionen von 2005 bis 2030 um 15 % gesenkt werden (auf ein für den Zielzeitraum berechnetes Business-as-usual-Szenario). Bei entsprechender internationaler Finanzierung ist Argentinien bereit, das Ziel auf -30 % zu erhöhen. Die Regierung sieht dieses Vorhaben als Minimalziel. Es wurde ein interministerieller nationaler Ausschuss für den Klimaschutz (Comisión Nacional de Cambio Climático) gebildet. Der aus Vertretern des Umwelt-, Bildungs- , Energie und Bergbau-, Sozialen Entwicklungs- und Außenministeriums sowie weiterer Fachgremien gegründete Ausschuss für den Klimaschutz hat sich zur Aufgabe gestellt, bis 2019 einen ambitionierten nationalen Plan zur Minderung und Vermeidung der Emissionen aufzustellen. Argentinien unterschrieb im Rahmen der COP23  ein bilaterales Memorandum of Understanding zur Umweltzusammenarbeit, um die Kooperation mit Deutschland systematisch auszubauen.  

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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