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Albanien: Wirtschaft Albanien

25.04.2019 - Artikel

Wirtschaftspolitik

Albanien hat seit 1998 bedeutende Fortschritte auf dem Weg der Transformation von einer kommunistischen in eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaft erzielt. Dabei zeigte sich die Konjunktur inmitten der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre relativ stabil und wies - auch wegen des geringen Ausgangsniveaus - durchgehend Wachstum auf. Durch Wachstumsraten von im Mittel fünf Prozent über die vergangenen zehn Jahre (ein Spitzenwert in Europa) ist Albanien aufgerückt in die Reihe der Länder mittleren Einkommens. Im Zuge der europäischen Schuldenkrise und regionaler Stagnation sank allerdings auch in Albanien das Wachstum.

Albanien gehört weiter zu den ärmsten Ländern Europas. Das Pro-Kopf-Einkommen (BIP) betrug im Jahr 2017 nach Angaben des Finanzministeriums rund 4.000 Euro. In absoluter Armut (Pro-Kopf-Einkommen unter 60 USD/Monat oder weniger als 2,5 USD/ Tag) leben sieben Prozent der Bevölkerung (Angaben der Weltbank). Der reale Durchschnittslohn liegt bei 345 Euro (2017). Die Arbeitslosenrate lag 2017 offiziell bei 14 Prozent.

Rückgrat der Ökonomie bleibt die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP sich in der letzten Dekade auf 20 Prozent halbiert hat, die aber noch 45 Prozent der Arbeitskräfte (Bank of Albania) beschäftigt und zumeist in Subsistenz betrieben wird.

Die albanische Wirtschaft wird dominiert vom Handels- und Dienstleistungssektor. Wachstumsmotoren sind Textil- und Schuhindustrie (Lohnveredelung, vor allem für italienische Firmen), Tourismus, Telekommunikation, Bergbau und Energie. Das reiche Potenzial an Ressourcen (sehr große Ölvorkommen, Chrom, Kupfer) ist ebenso wenig ausgeschöpft wie das Potenzial bei Tourismus und Landwirtschaft (Frühgemüse, Obst, Olivenöl, Heilkräuter und Tees).

Wirtschaftliche Aktivität verteilt sich regional sehr unterschiedlich. Der Großteil des BIP wird in der Küstenregion erwirtschaftet, insbesondere im Raum Tirana/Durrës. Dagegen ist in vielen unwegsamen Bergregionen, in denen sich Wirtschaft weitgehend auf Subsistenzlandwirtschaft beschränkt, soziale und ökonomische Entwicklung kaum spürbar. Es findet eine erhebliche Binnenwanderung aus strukturschwachen Gebieten in die Städte statt.

Im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik der Regierung Rama stehen Konjunktur- und Beschäftigungsförderung sowie Schuldenabbau. Maßnahmen stützen sich stark auf ausländische Expertise und Beratung (IWF, Weltbank, Entwicklungsbanken) in Verbindung mit Anreizen für internationale Investoren. Die Energie-, Industrie- und Handelspolitik zielt auf Marktöffnung und Erhöhung von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit. Unklare Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, vor allem außerhalb der Städte, bleiben neben Schwächen im Justizsystem und der damit einhergehenden Rechtsunsicherheit ein Hemmschuh für Entwicklung. Prioritär bleibt die Erneuerung der Infrastruktur.

Fiskalpolitik

Unter dem Eindruck der Schuldenlast räumte die Regierung in Absprache mit dem IWF Budgetkonsolidierung, Rückführung des Staatsdefizits und Eindämmung der Inflation Priorität ein, was keinen Raum für Lohnerhöhungen oder Steuersenkungen ließ. Die Kampagne zur Reduzierung der Schattenwirtschaft (damals bis zu 50 Prozent) seit Herbst 2015 hat zu höheren Steuereinnahmen beigetragen. Für Steuerbetrug wurden höhere Strafen eingeführt und Kontrollen verschärft. Bereits 2013 erfolgte eine Abkehr von der „Flat Tax“. : die 10Prozent-Einheitssteuer für Unternehmen wurde auf 15 Prozent und andere Steuersätze auf bis zu 23 Prozent erhöht (z.B. der Einkommensteuer-Spitzensatz). Die Mehrwertsteuer bleibt bei 20 Prozent.

Geldpolitik

Die Zentralbank betreibt weiter eine umsichtige Geldpolitik und wirkt makroökonomisch als Stabilisator. Die Währung ist nicht frei konvertierbar, der Wechselkurs flexibel, was die Inflation eindämmt (2014: 1,7 Prozent, 2015: 1,8 Prozent, 2016: 1,3 Prozent) und externe Schocks abfedert. Der Lek hat gegenüber dem Euro in den letzten 18 Monaten mehr als 10% zugelegt. Der Basiszinssatz liegt mit 1% auf einem historischen Tiefststand, um die Konjunktur anzukurbeln. Maßnahmen im Bereich der Bankenaufsicht haben die Banken stabiler und unabhängiger von den ausländischen (oft griechischen) Mutterhäusern gemacht. Die Kreditvergabe und –nachfrage sind schleppend. Schlechte Kredite bleiben ein Problem.

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