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Kultur und Bildung Afghanistan

Artikel

Stand:  März 2018

Schulen

Seit Ende der Taliban-Herrschaft nimmt die Zahl der Schülerinnen und Schüler an afghanischen Schulen stetig zu. Mittlerweile gehen rund sieben Millionen Kinder zu Schule. Dies entspricht allerdings schätzungsweise nur etwa 60% der schulpflichtigen Kinder. Mädchen machen mittlerweile rund 40% aller Schulkinder aus. Die Schulzeit beträgt in der Regel zwölf Jahre. Viele Kinder müssen jedoch die Schule aufgrund wirtschaftlicher Zwänge vorzeitig verlassen. Über die Zulassung zu staatlichen Hochschulen entscheidet nach Ende der Schulzeit eine landesweite Zulassungsprüfung.

Die Qualität der angebotenen Bildung variiert stark. In den Städten, insbesondere in der Hauptstadt Kabul, hat sich in den vergangenen Jahren eine Reihe guter und angesehener Privatschulen etabliert. Diese profitieren oftmals von internationaler Unterstützung. Staatliche Schulen leiden hingegen unter Überbelegung und mangelhafter Qualität des Lehrangebots.

Nach Englisch gehört Deutsch zu den beliebtesten Fremdsprachen. Landesweit lernen etwa 8.000 Schüler und rund 700 Studenten Deutsch als Fremdsprache an Schulen und Universitäten. Deutsch wird vor allem im schulischen Bereich gelernt, welchen Deutschland über die Zentralstelle für Auslandsschulwesen und das Goethe-Institut unterstützt. Derzeit sind sieben Schulen in das Netzwerk der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) integriert.  

Universitäten

Bedingt durch die massive internationale Unterstützung der letzten Jahre ist in Afghanistan eine Vielzahl von Hochschulen entstanden. Nach dem Fall der Taliban 2001 entwickelte sich das Hochschulwesen in rasanter Geschwindigkeit. Gab es 2003 lediglich 11 Universitäten und sechs Hochschulen (davon vier Universitäten in Kabul) mit 31.000 Studierenden und ca. 1.800 Dozenten, wuchs diese Anzahl bis 2017 auf 34 staatliche Universitäten und mehr als 130 private Hochschulen mit insgesamt 262.000 Studierenden. Der Anteil weiblicher Studierender liegt bei 20%. Auch wenn es inzwischen tertiäre Bildungseinrichtungen in 33 der 34 Provinzen gibt, ist der Wiederaufbau in Kabul deutlich am weitesten fortgeschritten, wo u.a. die Universität Kabul (mehr als 10.000 Studierende), die Technische Universität, die Medizinische Universität und die Pädagogische Hochschule einen Lehrbetrieb aufweisen.

Problematisch ist die geringe Qualifikation der Dozentenschaft. Zwei Drittel der Dozenten verfügen lediglich über einen Bachelor-, 30% über einen Masterabschluss, und nur 5% haben promoviert. Viele der Dozenten sind überdies nicht mit modernen Lehrmethoden vertraut. Der Staat investiert im Schnitt nur etwa 60 USD pro Studierendem/r pro Jahr.

Eine große Herausforderung  ist die zunehmende Zahl von Schulabgängern bei einem relativ geringen Angebot von  Studienplätzen. Nach offiziellen Zahlen bewarben sich 2015 ca. 248.000 Schulabgänger auf knapp 120.000 Studienplätze (öffentlich und privat) . Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, selbst wenn nicht alle Schulabgänger ein Hochschulstudium aufnehmen wollen.

Kultur

In großen Städten wie Kabul gibt es ein reges und vielfältiges kulturelles Leben, obgleich die kulturelle Infrastruktur noch sehr ausbaufähig ist. Viele Menschen zeigen ein Interesse an afghanischer Kunst, Musik und Filmen. Der auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigte Film 'The Patience Stone' des afghanisch-französischen Regisseurs Atiq Rahimi war 2012 der Beitrag Afghanistans für den Oscar.

Überregionale Aufmerksamkeit erhielt das kulturelle Leben in Afghanistan im Jahr 2013, als die Stadt Ghazni zur Kulturhauptstadt der islamischen Welt ernannt wurde. 2015 wurde die Provinz Bamyan zum kulturellen Zentrum der SAARC-Staaten gekürt.

Deutsch-Afghanische Kulturbeziehungen

Die bilateralen Beziehungen im Kulturbereich blicken auf eine lange Tradition zurück und erfreuen sich aufgrund ihrer hundertjährigen Geschichte, die 2015 mit einer afghanischen Kulturwoche in Berlin gefeiert wurde, einer hohen Bekanntheit innerhalb der afghanischen Bevölkerung. Deutschland ist einer der größten Geber im Hochschulbereich.

Die DAAD-Aktivitäten in Afghanistan haben die Verbesserung der Qualität der akademischen Lehre zum Ziel. Neben Stipendienangeboten für afghanische Graduierte zum Erwerb eines Master- oder PhD-Abschlusses in Deutschland (Schwerpunkt: Public Policy and Good Governance) werden auch Hochschulkooperationen gefördert. Ein Schwerpunkt des DAAD ist das AMEA-Projekt (Academic Mining Education in Afghanistan) welches die Ausbildung qualifizierter Fach- und Führungskräfte im afghanischen Bergbausektor unterstützt.  Zur Förderung ausgesuchter Schwerpunktfächer werden spezielle Fachkoordinatoren unterstützt, die jeweils durch eine deutsche Partnerhochschule betreut werden. Kooperationen bestehen – neben dem Bergbausektor – in der Ausbildung von Germanisten, in der Neustrukturierung der Ausbildung von Medizinern sowie in den Bereichen Informationstechnologie, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften, Geologie, Geographie, Mathematik, Physik, Chemie und Pharmazie. Im Jahr 2016 ermöglichte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), von der Bundesregierung gefördert, insgesamt 1.162 afghanischen Akademikern einen Aufenthalt in Deutschland und 14 deutschen Studierenden oder Wissenschaftlern einen Aufenthalt in Afghanistan.
Afghanistan ist Deutschlands wichtigstes Empfängerland für Projekte zum Erhalt kulturellen Erbes. Herausragende Maßnahmen waren dabei in den vergangenen Jahren die Instandsetzung des Babur-Gartens in Kabul, Aufbau und Einrichtung des Nationalmuseums in Herat, die Sicherung der Überreste der  Buddhas von Bamiyan sowie die Restaurierung des Gartenpavillons Kuti-e Bagthscha (Emir’s Pavillon) im früheren Königs- und heutigen Präsidentenpalast in Kabul, der heute als Empfangsräumlichkeiten des afghanischen Präsidenten genutzt wird. In der Region Balkh wurden neben der Restaurierung und Konservierung historischer Bausubstanz (u.a. Minarett und Mosche von Zadyan, Khwaja Nizamuddin Shrine) ausführliche Bestandsdokumentationen durchgeführt, die der Verbesserung der Infrastruktur unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung dienen. 2017 wurde diese Maßnahme mit der Restaurierung des Mazar-e Boland Schreins in Balkh fortgesetzt. Das Deutsche Archäologische Institut führt gemeinsam mit lokalen Experten langfristige Programme zur Erforschung des frühen afghanischen Bergbaus durch und entwickelt Maßnahmen zur nachhaltigen Dokumentation und Erhaltung von kulturhistorischen Denkmälern. Eine enge bilaterale Kooperation findet auch im Bereich Sportförderung statt. In Zusammenarbeit mit dem DFB wurde die inzwischen erfolgreich spielende Frauenfußball-Nationalmannschaft aufgebaut. Trainer des DFB beraten die Männer-Nationalmannschaft und unterstützen den Afghanischen Fußballverband beim Aufbau einer Profiliga.

Medien

Afghanistan verfügt über eine lebendige, im regionalen Vergleich relativ freie und stark diversifizierte Medienlandschaft (Rundfunk, Fernsehen, Print). Zahlreiche Fernsehsender und Radiostationen erreichen zusammen eine fast landesweite Abdeckung. Radiosender bleiben in ländlichen Gebieten das am meisten verbreitete und zugängliche Medium. Die Qualität von Medienprodukten ist sehr unterschiedlich. Eine wichtige Rolle spielen in Afghanistan inzwischen soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook.
Meinungs- und Pressefreiheit sind in der Afghanischen Verfassung verankert; de facto wird die Arbeit afghanischer Journalisten oft durch Einschüchterungen und Drohungen verschiedener Seiten eingeschränkt. Im Jahr 2017 kam es zu einer Reihe von Anschlägen auf Journalisten, darunter auf Mitarbeiter von Tolo TV sowie auf den Sender Shamshad-TV. 

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Deutscher Soldat auf dem Vogelmarkt in Kundus, Afghanistan © picture-alliance/dpa/dpaweb

Afghanistan darf nicht wieder zum Rückzugsraum für internationale Terroristen werden. Deshalb helfen Deutschland und die internationale Gemeinschaft Afghanistan, ein stabiles Land zu werden, in dem die Menschen sicher leben können und selbst über ihre Zukunft bestimmen.

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