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Kultur und Bildung Äthiopien

Artikel

Stand: März 2018

Kulturpolitik

Äthiopien ist eine Gesellschaft mit einer alten, traditionsbewussten Kultur. In der gegenwärtigen Phase intensiver Reformen stellen sich Fragen nach einem kulturellen Modernisierungskonzept verstärkt. Die Eigenständigkeitsbestrebungen verschiedener ethnischer Gruppen, denen im Rahmen der Regionalisierungspolitik der Regierung größerer Spielraum gewährt wird, wirken sich auch im Bildungsbereich aus. Die äthiopische Regierung hat Grundzüge einer staatlichen Kulturpolitik entworfen. Tragender Gesichtspunkt ist die Regionalisierung. Der Zentralstaat zieht sich auf eine Art Rahmenkompetenz in kulturellen Angelegenheiten zurück. Es obliegt den Regionen zu entscheiden, ob der Unterricht wie früher allgemein in Amharisch oder einer regionalen Sprache gehalten wird. In der Regel wählen die Regionen die Sprache der Titularethnie, wobei Amharisch als Nebenfach angeboten wird.

Hauptpartner in den auswärtigen Kulturbeziehungen Äthiopiens sind Italien, Frankreich, England, Russland und nicht zuletzt Deutschland. Wichtige Partnerinstitutionen sind die Alliance Ethio-Française, das Goethe Institut, das Italienische und das Russische Kulturinstitut sowie der British Council. Das Goethe Institut Addis Abeba ist Gründungsmitglied des European Union National Institutes for Culture-Netzwerks EUNIC, das 2010 ins Leben gerufen wurde. China hat 2010 in Addis Abeba ein Konfuzius-Institut eröffnet und fördert Chinesisch auf universitärem Niveau. Wachsende Bedeutung kommt im Bildungsbereich dem Einfluss islamischer Länder zu. Dies zeigt sich vor allem im Bau neuer Koranschulen sowie in der steigenden Anzahl islamischer kultureller Veranstaltungen.

Die deutsche Kulturpolitik ist vielfältig: Das Goethe Institut (GI) ist ein aktiver Partner für äthiopische Kulturschaffende und feierte 2012 sein 50-jähriges Bestehen. 2015 feierte die Deutsche Botschaftsschule in Addis Abeba ihr 60-jähriges Jubiläum. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist ein etablierter Partner für Hochschulen, 2013 wurde das vierte DAAD-Informationszentrum in Afrika (nach Kamerun, Ghana und Südafrika) eröffnet. Das Deutsche Archäologische Institut ist im Norden des Landes tätig und das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts fördert eine Vielzahl von Projekten, von Wörterbüchern über Seminare zur Restauration von Kulturgütern bis hin zu Schutzmaßnahmen für antike Bauten. Mit der „Association of Ethiopians Educated in Germany“ gibt es in Äthiopien die größte deutsche Alumni-Vereinigung Subsahara-Afrikas (ca. 750 Mitglieder).

Deutschunterricht wird am Goethe-Institut angeboten, darüber hinaus gibt es Online-Kurse und eine neu renovierte Bibliothek mit Angeboten zum Selbststudium.
Im universitären Bereich bietet die Addis Abeba Universität mit Unterstützung des DAAD Deutsch als Studienfach an (B.A.), an der Universität Gondar wird Deutsch als Wahlfach (nicht prüfungsrelevant) angeboten.

Bildungspolitik

Mit Hilfe internationaler Geber hat die äthiopische Regierung in den letzten Jahren wichtige Schritte unternommen, um den Bildungsrückstand im Land zu lindern. 84,1 Prozent der Mädchen und 87,7 Prozent der Jungen besuchen die Grundschule (Regierungszahlen 2013), allerdings beenden diese nur etwa 53 Prozent der Schülerinnen und Schüler.

Nicht mehr als 38,4 Prozent erhalten eine Sekundarschulbildung. Nur etwa 39 Prozent der Erwachsenen (über 15 Jahre), aber etwa 55 Prozent der Personengruppe zwischen 15 und 24 Jahren können laut dem Bericht der Vereinten Nationen über menschliche Entwicklung von 2014 lesen und schreiben.

Der Anteil der Bildungsausgaben am Haushalt der Regierung beträgt 23,8 Prozent (2013/14: 22,5 Milliarden Äthiopische Birr, etwa 910 Millionen Euro, überwiegend für Grundschul- und Erwachsenenbildung).

Seit mehreren Jahren bemüht sich die Regierung, die Regionen stärker in das Hochschulwesen einzubinden. Neugründungen von 13 Universitäten (durch GIZ International Services errichtet) sind Ausdruck dieser Anstrengungen. Der für die nun gut 37 Universitäten (Stand 2016) bindende strategische Plan der äthiopischen Regierung sieht ein Verhältnis von 70:30 zwischen Studenten der Naturwissenschaften, Medizin und Maschinenbau und solchen der Wirtschafts- und Geisteswissenschaften vor. Die massive Erhöhung der Studentenzahlen belastet die Ausbildungsqualität, da weder der akademische Lehrkörper noch die Zahl der qualifizierten Studenten (infolge nicht ausreichender Ausbildungsqualität der Schulen) mitwachsen konnten. Der Mangel an Nachwuchsdozenten wird derzeit u.a. mit etwa 1.200 indischen Professoren überbrückt. Diese Herausforderungen werden Äthiopien auf absehbare Zeit begleiten, denn im neuen Fünfjahresplan ab Juli 2015 ist die Gründung von elf weiteren Universitäten bis 2020 vorgesehen. Die Steigerung der Bildungsqualität im Hochschulbereich und bei der Berufsbildung steht im Zentrum des Schwerpunkts "Bildung" der deutsch-äthiopischen Entwicklungszusammenarbeit. Der Frauenanteil an Studierenden (aller Studienstufen)  lag 2014 bei 32,15 Prozent und damit 15,65 Prozent niedriger als in Deutschland (DAAD-Bildungssystemanalyse 2016).

Das Bildungssystem sieht zehn allgemeinbildende Schuljahre vor. Nach dem zehnten Schuljahr erfolgt eine Differenzierung zwischen Schülern, die nach zwei weiteren Schuljahren zur Hochschulreife geführt, und solchen, die in zwei berufsbildenden Schuljahren auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. Für die äthiopische Regierung hat der Aufbau eines Berufsbildungswesens hohe Priorität. An den äthiopischen Schulen wird der Unterricht der Regel ab der 9. Klasse, in manchen Regionen bereits ab der 7. Klasse, auf Englisch erteilt. Andere Fremdsprachen werden lediglich an ausländischen Schulen unterrichtet.

Zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit wurde im Februar 2017 von der äthiopischen Regierung ein "Youth Fund" in Höhe von über 400 Millionen Euro ins Leben gerufen. Die Umsetzung des Planes steht noch weiter aus.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Äthiopien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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