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Wirtschaft Äthiopien

Artikel

Stand: März 2018

Kurzcharakterisierung

Äthiopien ist bei etwa 92,7 Millionen Einwohnern (GTAI Schätzwert November 2017) mit einem jährlichen Brutto-National-Einkommen von 927,4 US-Dollar pro Kopf (GTAI Schätzwert 2018) eines der ärmsten Länder der Welt, auch wenn das Wirtschaftswachstum in den letzten zehn Jahren wesentlich über dem regionalen und internationalen Durchschnitt lag. Ein signifikanter Teil der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze (gemäß Weltbank-Daten vom Januar 2015 lebten im Jahr 2011 30,7 Prozent von weniger als 1,25 USD pro Tag, 2005 waren es noch 39,0 Prozent).

Im Human Development Index 2016 liegt Äthiopien auf Platz 174 von 188 Ländern. Die strukturellen Probleme - Auswirkungen wiederkehrender Dürreperioden auf die Landwirtschaft, rasches Bevölkerungswachstum und daraus resultierende Folgen für Wirtschaftswachstum, fortschreitende Bodenerosion und Ressourcenmangel - bleiben trotz großer Anstrengungen ungelöst.

Das Bruttoinlandsprodukt ist von 72,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 79,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 gestiegen. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen ist im gleichen Zeitraum von 795,20 auf 860,60 US-Dollar gestiegen (GTAI). Die jährliche Inflationsrate lag 2017 bei geschätzt 8,1 Prozent (GTAI). Dies ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu der Inflationsrate von 15 Prozent im Jahre 2012. Das Wirtschaftswachstum lag 2016 bei 9,1 Prozent (CIA Factbook).

Im Rahmen des 2015 verabschiedeten Growth and Transformation Plan II (GTP II) verfolgt die äthiopische Regierung einen Wachstumskurs, der auf der Grundlage des Modells des "developmental state" – einer staatsgelenkten Wirtschaft – durch klare Zielvorgaben, Ausbau der verarbeitenden Industrie, Exportorientierung und durch landwirtschaftliche Industrialisierung Äthiopien bis 2025 zu einem "middle-income country" machen soll. Allerdings bleiben die Probleme der äthiopischen Wirtschaft sowohl aufgrund der geographischen als auch der finanziellen und strukturellen Bedingungen bestehen. Wichtigste Investoren stammen aus China, Indien, Türkei, und der Europäischen Union (hier vor allem Italien, Holland, Schweden, Deutschland, Frankreich, Großbritannien).

Ein starker Devisenmangel und eine allgemeine Kreditknappheit gefährden zunehmend die wirtschaftlichen Ziele der Regierung. Viele Großprojekte werden aufgrund des hohen Finanzierungsbedarfs absehbar nicht planmäßig fertiggestellt.

Das rasche Bevölkerungswachstum trägt zum Verharren in Armut bei, wobei die Zuwachsrate von 2,9 Prozent (2017) etwa dem afrikanischen Durchschnitt entspricht. Nach Nigeria stellt Äthiopien jedoch bereits jetzt mit 92,7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Bevölkerung des Kontinents, die sich, ein weiteres Wachstum dieser Größenordnung vorausgesetzt, in knapp 30 Jahren verdoppelt haben wird. 2050 würde das Land so zu den zehn bevölkerungsreichsten Staaten der Welt gehören.

Struktur der Wirtschaft

Äthiopien hat nach dem Fall des Derg-Regimes 1991 einen langen Weg der Umstellung von einer marxistischen Planwirtschaft auf eine offenere Wirtschaftsform hinter sich. Die meisten Preise sind freigegeben (wichtige Ausnahme: Treibstoffe; es bestehen zudem verbilligte Preise für Zucker und Öl bei staatseigenen Verkaufsstellen) und Privatunternehmen in fast allen Sektoren zugelassen (auch Banken, Versicherungen, Transportunternehmen, allerdings nur in äthiopischem Besitz). Die Regierung übt allerdings durch staatliche Monopolunternehmen (u.a. Luftverkehr, Telekommunikation), parteinahe Unternehmensgruppen und eine kontrollierende Bürokratie unverändert beherrschenden Einfluss auf die Wirtschaft aus. Privater Landbesitz ist gemäß Verfassung nicht zulässig.

Der wichtigste Erwerbszweig bleibt die Landwirtschaft mit 81 Prozent der Erwerbstätigen, die 2016 rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erzeugten (GTAI). Von der Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion hängt die Sicherheit der Lebensmittelversorgung ab. Viele Kleinbauern können sich und ihre Familien mit ihrer Ernte nicht ganzjährig ernähren. Jährlich erhalten daher rund 3 Millionen Äthiopier Nahrungsmittelhilfe zur Überbrückung ihrer Engpässe, weitere ca. 8 Millionen werden über das staatliche Productive Saftey Net Programme (PSNP, Landwirtschafts- und Sozialprogramm) 6 Monate im Jahr durch Cash-for-Work oder auch direkte Nahrungsmittelhilfe unterstützt.

Wirtschaftsklima

Durch regelmäßige Überarbeitung des Investment Codes von 1996 - zuletzt durch ein neues Investitionsgesetz im November 2012 - versucht die Regierung, Äthiopien als attraktives Land für Investitionen zu präsentieren. Die Investitionsbehörde (Ethiopian Investment Commission - EIC) soll im Sinne eines "One Stop"-Verfahrens einem ausländischen Investor binnen zwei Tagen alle rechtlichen Schritte zur Etablierung seines Unternehmens - einschließlich Landzuteilung und Arbeitserlaubnis – ermöglichen. Andere Hindernisse, wie Mängel der Infrastruktur, geringe Rechtssicherheit oder schleppendes Verwaltungshandeln bleiben jedoch nach wie vor bestehen.

Äthiopien in der Weltwirtschaft

Außenwirtschaftlich bleibt das Land in Folge hoher Leistungs- und Handelsbilanzdefizite, einer starken Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten und niedriger Devisenreserven anfällig. Äthiopien ist stark auf Importe technologisch hochwertiger Produkte (v.a. Maschinen, Chemikalien, Kraftfahrzeuge) sowie auf die Erlöse aus dem Export von Rohstoffen aus Bergbau und Landwirtschaft angewiesen. Es liegt im Interesse der äthiopischen Regierung, die Wertschöpfung zunehmend im Land zu erzielen.

Die äthiopischen Importe beliefen sich im Jahr 2016 auf 14,7 Milliarden US-Dollar; die Exporte erreichten einen Umfang von nur 2,4 Milliarden US-Dollar. Äthiopien leidet somit unter einem strukturellen Handelsbilanzdefizit, das sich im Jahr 2016 auf 12,3 Milliarden US-Dollar belief.

Die Devisenreserven bezogen auf den Wert der Gesamtimporte verharren seit Juli 2012 auf dem besorgniserregend niedrigen Wert von ungefähr 1,8 Monaten. Ein Wert von drei Monatsimporten gilt als Minimum, der Idealwert für Äthiopien läge laut Internationalem Währungsfonds bei 7,1 Monaten.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung und Konjunkturlage

Seit 2003 liegen die jährlichen Wirtschaftswachstumsraten im Schnitt bei über 10 Prozent. Im Jahr 2016 folgte dann erstmals seit 2003 ein geringeres Wirtschaftswachstum von 8 Prozent. 2018 wird das Wirtschaftswachstum laut GTAI auf 8,5 Prozent geschätzt. Die Wirtschaftsentwicklung Äthiopiens steht langfristig jedoch vor großen Herausforderungen, die das bisher Erreichte gefährden könnten. Insbesondere wird sich in den nächsten Jahren erweisen, ob sich die großen Infrastrukturinvestitionen Äthiopiens rechnen werden.

Deutschland liegt bei den Abnehmern äthiopischer Exportprodukte auf Platz 3 hinter den USA und Saudi Arabien. Der Wert äthiopischer Exporte stieg 2016 leicht im Vergleich zum Vorjahr (um 2,02 Prozent auf 176,7 Millionen EUR, Hauptprodukte: Kaffee und Textilien), während der Wert äthiopischer Importe aus Deutschland weiter deutlich zunahm (um 44,76 Prozent auf 349,7 Millionen EUR, Hauptprodukte: Maschinen und Fahrzeuge). Das deutsch-äthiopische Handelsvolumen wächst damit nach Jahren der Stagnation wieder deutlich und weist nun einen klaren Überschuss zu Gunsten deutscher Exporte von ca. 173 Millionen EUR auf.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Äthiopien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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