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Staatsministerin Böhmer übergibt drei antike Statuen wieder an Ägypten Ägypten

30.04.2014 - Artikel

Staatsministerin Böhmer hat illegal nach Deutschland verbrachte Kulturgüter an Ägypten übergeben. Zugleich verurteilte sie die gegen 683 Mitglieder der Muslimbruderschaft verhängten Todesurteile.

Staatsministerin Maria Böhmer hat illegal nach Deutschland verbrachte Kulturgüter aus Ägypten in einer feierlichen Zeremonie im Auswärtigen Amt an den ägyptischen Botschafter in Deutschland, Mohamed Higazy, übergeben. Zugleich verurteilte sie die am Montag in Ägypten verhängten Todesurteile gegen 683 Mitglieder der Muslimbruderschaft.

Böhmer und Higazy mit den frisch unterschriebenen Übergabeurkunden
Böhmer und Higazy mit den frisch unterschriebenen Übergabeurkunden© Photothek/Gottschalk

Am Mittwoch (30.04.) hat Staatsministerin Böhmer drei aus Ägypten stammende Antiken an den ägyptischen Botschafter übergeben. Bei den Kunstgegenständen handelt es sich um eine Nischenstele, einen Statuenschrein und einen Miniaturobelisken. Die drei Objekte waren illegal aus Ägypten ausgeführt worden; Zollfahnder hatten sie am deutsch-schweizerischen Grenzübergang Weil am Rhein in einem LKW entdeckt und beschlagnahmt. Nach Abschluss der Verfahren vor deutschen Gerichten konnten die Kulturgüter nun in einer feierlichen Zeremonie im Auswärtigen Amt wieder der ägyptischen Seite übergeben werden.

Bundesregierung protestiert scharf gegen 683 Todesurteile

Zum Auftakt der Veranstaltung ging die Staatsministerin in klaren Worten auf die derzeitige politische Lage in Ägypten ein, die sie „besonders schwierig und bedrückend“ nannte. Angesichts der am Montag im oberägyptischen Minia gefällten 683 Todesurteile gegen Mitglieder der Muslimbruderschaft habe sie gezögert, den Termin aufrechtzuerhalten.

Staatsministerin und Botschafter im Gespräch
Staatsministerin und Botschafter im Gespräch© Photothek/Gottschalk

Bezugnehmend auf die Äußerungen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (29.04.) machte Böhmer deutlich, dass „die Urteile absolut dem entgegenstehen, was wir unter rechtsstaatlichen Prinzipien verstehen“. Die Bundesregierung erwarte daher, „dass die Urteile aufgehoben werden und den Verurteilten ein fairer Prozess ermöglicht wird“.

Der ägyptische Botschafter habe ihr im Gespräch zugesichert, diese Botschaft nach Ägypten weiterzugeben, so Staatsministerin Böhmer. Es sei ihr wichtig, gerade jetzt weiter im Dialog zu bleiben und miteinander zu sprechen.

„Abenteuerliche Geschichte“ der drei Antiken

Staatsministerin Böhmer mit den drei Antiken
Staatsministerin Böhmer mit den drei Antiken© Photothek/Gottschalk

Staatsministerin Böhmer zeigte sich bei der Übergabe erfreut, dass die Werke, die Zeugnis geben von der Jahrtausende alten Hochkultur, nun in ihr Heimatland Ägypten zurückkehren und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Sie zeichnete die „abenteuerliche Geschichte“ der Kulturgüter nach, die illegal vor über fünf Jahren aus Ägypten geschleust worden waren. Ihr Dank gelte der hervorragenden Arbeit des deutschen Zolls, aber auch der deutschen Behörden, die diese Übergabe ermöglicht hätten. Damit können diese Kunstwerke bald wieder der Öffentlichkeit in Ägypten zugänglich gemacht werden.

Im Anschluss gab die Ägyptologin, Professor Seyfried, Einblicke in die Herkunft der Kulturgüter: Es handelt sich um einen Miniaturobelisken, einen Statuenschrein und ein sogenanntes Familienmonument. Alle drei sollen aus der Region um Saqqara stammen. Das älteste Element, der Miniaturobelisk, sei auf die Mitte des dritten Jahrtausends vor Christus datiert und habe einen Grabeingang geschmückt. Das „Familienmonument“ (650 v. Chr.) erfülle die Funktion eines Stammbaums und zeige 13 Personen. Der Statuenschrein aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. sei beschriftet mit Opfergebeten; die Nische in der Mitte sollte eine Götterstatue enthalten haben.

Gegen illegalen Kulturhandel weltweit

Familienmonument: Altägyptisches Kulturgut
Familienmonument: Altägyptisches Kulturgut© Photothek/Gottschalk

Außerdem warnte Staatsministerin Böhmer vor den Gefahren des illegalen Kulturguthandels weltweit. Nicht nur die Zerstörung von Kulturgütern und antiken Stätten, sondern insbesondere auch Raubgrabungen, Plünderungen und illegale Ausfuhr fügen der Integrität des Kulturerbes eines Landes einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zu, so die Staatsministerin.

Der ägyptische Botschafter Higazy lobte in seinem Grußwort die Übergabe, die ein „Beleg für die Rechtschaffenheit“ der deutschen Seite sei. Das Gerichtsurteil, das die Übergabe ermöglicht habe, sei die „Krönung“ der Zusammenarbeit gewesen. Er bedankte sich auch bei Staatsministerin Böhmer für ihr Eintreten für die deutsch-ägyptischen Beziehungen.

Deutschland engagiert sich über diese Übergabe hinaus weltweit gegen den illegalen Handel. Böhmer betonte das Bekenntnis Deutschlands zur UNESCO-Konvention von 1970 in diesem Bereich. Die Bundesregierung werde weiter alles daran setzen, um diese illegalen Praktiken zu unterbinden, erklärte Böhmer abschließend.

 

Zum Weiterlesen

Rede von Staatsministerin Böhmer am 30. April

Broschüre: Illegaler Kulturguthandel bedroht das Kulturerbe der Menschheit

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