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Ägypten: Kultur- und Bildungspolitik Ägypten

18.03.2019 - Artikel

Die ägyptische Gesellschaft steht unter dem Eindruck unterschiedlicher moderner Globalisierungseinflüsse: neben einer Aufgeschlossenheit gegenüber westlicher Kultur und ihren Lebensformen lässt sich auch religiös geprägter Konservatismus beobachten.

Kulturpolitik

Kairo ist seit Jahrhunderten eines der geistlichen und kulturellen Zentren der arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der renommierten islamischen Hochschule Al-Azhar und des Oberhaupts der koptisch-orthodoxen Kirche. Sie gilt als wichtigstes Zentrum des arabischen Buchmarkts und beheimatet große Bibliotheken, Museen und das erste Opernhaus der arabischen Welt. Kairo ist wichtiges Zentrum der arabischen Filmindustrie.

Auch für viele ausländische Medien ist die ägyptische Hauptstadt Standort und Nachrichtenumschlagplatz für die arabischen Länder. Zu den wichtigsten kulturellen Veranstaltungen zählen die Internationale Buchmesse Kairo, das Internationale Filmfestival und das Internationale Festival für Experimentelles Theater.

Darüber hinaus gibt es eine weiterhin aktive, aber unter zunehmend schwierigen Bedingungen arbeitende, unabhängige Kulturszene. Zahlreiche Galerien, Ausstellungsflächen, Musiklabel und Veranstaltungsorte, die sich oft in der prächtigen aber maroden Innenstadt befinden, bieten ein abwechslungsreiches Programm und sind eng mit der internationalen Kulturszene vernetzt. Die Werke junger ägyptischer Künstlerinnen und Künstler reflektieren im Rahmen des Möglichen die politischen Umbrüche der letzten Jahre bzw. die aktuellen Einschränkungen der Kunstfreiheit. Seit 2015 unterliegt die unabhängige Kulturszene als Treffpunkt freier Meinungsäußerung verstärkter staatlicher Kontrolle und Repression.

Das pharaonische Erbe hat im Land eine Vielfalt von Ausgrabungsstätten, Lehr- und Forschungseinrichtungen der Ägyptologie entstehen lassen. Neben den pharaonischen Kulturzeugnissen gibt es viele bedeutende nubische, graeco-romanische, christliche und islamische Kulturdenkmäler. In Kairo findet sich die weltweit größte Konzentration koptischer und islamischer Baudenkmäler. Viele Stätten, darunter die Pyramiden, die Tempel und Grabbauten Luxors und die islamische Altstadt Kairos, wurden bereits 1979 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. 2002 kamen das Katharinenkloster als Kulturdenkmal und 2005 das Wadi al-Hitan als Naturdenkmal hinzu.

Das Ägyptische Museum im Stadtzentrum von Kairo ist sowohl bei ausländischen Reisenden wie auch Ägyptern beliebter Anziehungspunkt. Es beherbergt unter anderem die berühmte, Ende 2015 unter Beteiligung deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern restaurierte Goldmaske Tut Ankh Amuns. Zusätzlich wurden zahlreiche Museumsneubauten in den vergangenen Jahren begonnen, u.a. in der Nähe der Pyramiden von Giza, in Alt-Kairo und in Minya. Andere wichtige Museen in Kairo sind das Koptische Museum, die Nationalbibliothek und das Islamische Museum; letztere beiden Institutionen wurden Anfang 2014 durch einen Bombenanschlag stark beschädigt. Das Islamische Museum wurde im Januar 2017 nach Renovierung wiedereröffnet.

Bildungspolitik

Umfassende Reformen und Investitionen, strategische Konzepte und Modernisierungen im Bildungswesen sind dringend erforderlich. Jahrzehntelange Versäumnisse haben zu einer Stagnation im staatlichen Schulwesen geführt. Das starke Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende ständig steigende Bedarf an Bildungseinrichtungen und gut ausgebildeten Lehrkräften stellt die ägyptische Regierung vor eine enorme Herausforderung.

Deutschunterricht wird an zahlreichen privaten ägyptischen Schulen als erste oder zweite Fremdsprache angeboten. Auch an einigen staatlichen Schulen wird Deutschunterricht bereits ab der Grundschule angeboten. Ansonsten können Schüler der staatlichen Schulen Deutsch erst ab Klasse 10 als zweite Fremdsprache wählen. Deutsch ist in Ägypten nicht zuletzt dank der sieben anerkannten deutschen Auslandsschulen, von denen drei seit über hundert Jahren bestehen, und der 26 vom Goethe-Institut und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen betreuten Partnerschulen bis in hohe Regierungs- und Wirtschaftskreise relativ weit verbreitet.

Ägypten ist zwar um die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung bemüht - konkret lässt sich dieser Versuch aber nicht mit Zahlen belegen. Viele der eingeschulten Mädchen verlassen die Schulen frühzeitig, um im Haushalt zu helfen oder verheiratet zu werden. Gemäß der statistischen Angaben der UNESCO gab es in Ägypten 2017 bei den Über-15-Jährigen insgesamt 18,8 Millionen Analphabeten, davon 11,2 Millionen Frauen und Mädchen.

Wissenschaftspolitik

Das ägyptische Forschungssystem ist stark zentralisiert und vom staatlichen Sektor dominiert. Seit September 2015 existiert in Ägypten wieder ein Ministerium für Höhere Bildung.

Ägypten unterhält 24 staatliche Universitäten mit ca. 2,01 Millionen eingeschriebenen Voll- und Teilzeitstudierenden. Daneben existieren 24 private Universitäten, darunter die alteingesessene American University in Cairo. Zu den größten und zugleich besten privaten Universitäten des Landes gehört die German University in Cairo (GUC). Diese bietet mittlerweile 12.000 Studierenden 72 überwiegend technisch orientierte Studiengänge an, die auf deutschen Lehrplänen basieren. Die TU Berlin hat im Oktober 2012 einen Campus am Roten Meer in El Gouna eröffnet, der nun fünf weiterbildende Masterstudiengänge in den Bereichen Energie, Wasser, Stadtentwicklung, Wirtschaftsingenieurwesen und Informationstechnologie anbietet. Im Februar 2019 legte Bundesminister Altmaier den Grundstein für die German International University (GIU). Die GIU war im Jahr 2018 durch ein Abkommen zwischen einem Konsortium deutscher Fachhochschulen und dem ägyptischen Ministerium für Höhere Bildung als Hochschule für Angewandte Wissenschaften gegründet worden.

Laut der ägyptischen Verfassung ist die grundständige Ausbildung an staatlichen Hochschulen kostenfrei. Weiterführende Studiengänge verlangen unterschiedlich hohe Gebühren von bis zu mehreren tausend US-Dollar pro Jahr. Die Gebühren an privaten Hochschulen erreichen bis zu 12.000 US-Dollar pro Jahr. Die Finanzierung der staatlichen Universitäten erfolgt zu 85-90% von staatlicher Seite. Gemäß der ägyptischen Verfassung sind hierfür 2% des BIP vorgesehen, der tatsächliche Mitteleinsatz bleibt jedoch knapp unterhalb von 1%.

Die Forschungslandschaft wird vom interministeriellen Higher Council for Science and Technology koordiniert, dem unter Vorsitz des Hochschul- und Forschungsministers acht Fachminister sowie Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft angehören. Dem Hochschul- und Forschungsministerium unterstehen u.a. der 2007 nach dem Vorbild der Deutschen Forschungsgemeinschaft gegründete Science and Technology Development Fund (STDF), die Akademie der Wissenschaften (ARST) sowie 10 Forschungseinrichtungen wie etwa das interdisziplinäre Nationale Forschungszentrum (NRC) und verschiedene Fachzentren. Daneben existieren staatliche Forschungseinrichtungen, die an andere Fachministerien angegliedert sind.

Ägypten bemüht sich im Forschungsbereich um mehr Qualität und Anwendungsbezogenheit und fördert hierfür verstärkt die internationale Vernetzung von Wissenschaftlern. Die vom ägyptischen Planungsministerium 2016 vorgelegte Vision 2030 sieht z.B. eine Verdopplung der im Ausland studierenden Ägypter bis 2030 sowie einen Anstieg der Forschungsaufenthalte von ägyptischen Wissenschaftlern im Ausland von 0,2% auf 3% vor.

siehe auch: „bilaterale Beziehungen in der Wissenschaft“

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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