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Beziehungen zu Deutschland Ägypten

Artikel

Stand: März 2018

Politische Beziehungen

Deutschland und Ägypten unterhalten seit langer Zeit enge und vielfältige Beziehungen. Deutschland ist weiterhin bestrebt, den Aufbau eines modernen und demokratischen Staates in Ägypten zu unterstützen. Dabei verfolgt die Bundesregierung die Lage der Menschenrechte als Teil einer langfristig angelegten Stabilitätspolitik in Ägypten aufmerksam.

Nach einer Phase politischer Ungewissheit wurde im Januar 2014 eine neue Verfassung verabschiedet und im Januar 2016 ein neues Parlament eingesetzt. 2014 wurde der amtierende Präsident Al-Sisi zum Staatsoberhaupt gewählt. Ende März 2018 finden in Ägypten Präsidentschaftswahlen statt.

Projektarbeit und Migrationsdialog

Mit Hilfe der im August 2011 begonnenen "Transformationspartnerschaft" mit Ägypten unterstützt die Bundesregierung Prozesse gesellschaftlicher Modernisierung und demokratischen Wandels. Dies sind wesentliche Bestandteile für ein nachhaltig stabiles Ägypten.

Schwerpunkte der Projektarbeit in Ägypten sind die Förderung von rechtsstaatlichen Strukturen und guter Regierungsführung, politischer Inklusion, Beschäftigungsförderung und dualer Ausbildung, Zivilgesellschaft und professioneller Medien.

Am 28. Juli 2017 schlossen Ägypten und Deutschland eine politische Vereinbarung zur Zusammenarbeit im Migrationsbereich. Die Vereinbarung sieht u.a. eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung von Migrationsursachen, Zusammenarbeit bei der Rückführung und freiwilligen Rückkehr von Ägyptern in ihre Heimat, sowie Unterstützung von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden in Ägypten vor.

Hochrangige Besuche

Im Oktober 2017 war Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller anlässlich der zweiten hochrangigen „Bilateralen Kommission zur entwicklungspolitischen Zusammenarbeit“ in Ägypten.

Am 27. August 2017 traf sich Außenminister Shoukry mit Bundesminister Gabriel in Berlin. Im Fokus des Treffens standen die bilaterale Zusammenarbeit sowie regionale Fragen. Zuletzt führte Außenminister Shoukry am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz (16.-18.02.2018) Gespräche mit den Bundesministern Gabriel, von der Leyen und de Maiziere.

Im Juni 2017 reiste Staatspräsident Sisi nach Berlin, um auf Einladung Angela Merkels an der G20 African Partnership Conference teilzunehmen. Während seines Besuchs in Deutschland nahm er auch an der Deutsch-Ägyptischen Gemischten Wirtschaftskommission in Berlin teil.

Im März 2017 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel Ägypten. Sie führte u.a. Gespräche mit Staatspräsident Sisi, dem Großscheich der Al-Azhar, dem koptischen Papst und Vertretern der Zivilgesellschaft. 

Im April 2017 besuchte der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, Kairo.

Auch die Beziehungen zwischen den Parlamenten wurden durch eine Reihe von Besuchen vertieft.

Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Johannes Singhammer, besuchte Ägypten im Februar 2017 und führte u.a. Gespräche mit Staatspräsident Al-Sisi, Premierminister Sherif und ägyptischen Abgeordneten.

Vom 12. bis 15. März 2017 reisten fünf Abgeordnete der Deutsch-Ägyptischen Parlamentariergruppe im Bundestag unter Leitung von Karin Maag nach Kairo.

Wirtschaftliche und entwicklungspolitische Beziehungen

Wirtschaftsbeziehungen

Zwischen Deutschland und Ägypten bestehen intensive Wirtschafts- und Handelsbeziehungen. Das bilaterale Handelsvolumen hat 2017 knapp 6 Mrd. Euro betragen.

Positiv entwickeln sich die Infrastrukturprojekte, an denen deutschen Unternehmen etwa im Bereich Energie sowie im Spezialtiefbau beteiligt sind. Beschränkungen bei der Konvertierung von Ägyptischen Pfund in Euro sind inzwischen wieder aufgehoben. Das mit dem Internationalen Währungsfonds verhandelte Reformprogramm ist nach der zweiten Überprüfung weiterhin auf gutem Weg; die dritte Überprüfung steht im April 2018  an. Das Wirtschafts- und Investitionsklima entwickelt sich weiterhin positiv wobei sich große Unternehmen angesichts zahlreicher administrativer Hürden leichter tun als kleine und mittlere Unternehmen. Staatliche Unternehmen, davon viele unter Kontrolle des ägyptischen Militärs, spielen im Wirtschaftsleben nach wie vor eine starke Rolle und treten immer öfter in Konkurrenz zu privaten Unternehmen. Ägypten bleibt sowohl als Handelspartner als auch – mit erheblichen Einschränkungen insbesondere hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung - als Investitionsstandort grundsätzlich interessant. Eine Zahlungsabsicherung ist aber prinzipiell zu empfehlen.

Derzeit dominieren umfangreiche Infrastrukturprojekte die Wirtschaftspolitik der ägyptischen Regierung (Entwicklung der Suezkanalzone, Neulandgewinnung Ausbau der Stromproduktion und –verteilung sowie die Einführung Erneuerbarer Energien in den Strommix). Impulse kommen aber z.B. auch aus dem verarbeitenden Gewerbe sowie der Lebensmittelindustrie.

Ägypten bietet einzigartige Voraussetzungen sowohl für Kultur- wie für Badetouristen. Die zwischenzeitlich aufgrund sicherheitsrelevanter Vorfälle eingebrochenen Touristenzahlen nehmen seit Ende 2016 wieder zu.

In Kairo befindet sich seit 65 Jahren die primär für Ägypten zuständige Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer sowie ein Korrespondent von Germany Trade & Invest (GTAI). Deutsche Unternehmen sind in Ägypten sowohl durch Handelsvertreter als auch mit eigenen Büros und Produktionsstandorten vertreten.

aegypten.ahk.de/

Entwicklungspolitische Beziehungen

Ägypten ist ein Schwerpunktland der deutschen Entwicklungspolitik. Mit einem laufenden Portfolio von 1,6 Milliarden Euro ist es eines der größten Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist zusammen mit Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank, USA, Frankreich, EU und Japan wichtigster Partner Ägyptens in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.

Mit der ägyptischen Regierung sind folgende Schwerpunkte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit vereinbart:

  • Beschäftigungsförderung für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung: Berufliche Bildung, Förderung des Privatsektors, Unterstützung des Arbeitsmarkts sowie Förderung von kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen, jeweils mit besonderem Fokus auf Frauen und Jugendliche
  • Wasser- und Abfallwirtschaft: Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Be- und Entwässerung der Landwirtschaft, Abfallmanagement
  • Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz, Investitionen, Beratung und Trainingsmaßnahmen zu den Themen Wind- und Wasserkraft sowie Energieeffizienz

Über diese vereinbarten Arbeitsfelder hinaus stellt Deutschland unter anderem Mittel für das Thema Bevölkerungsentwicklung, den Bau von Grundschulen, industriellen Umweltschutz, Verwaltungsreformen, die Förderung des Nationalen Bevölkerungsrats sowie für Maßnahmen zur partizipativen Stadtteilentwicklung im Großraum Kairo zur Verfügung.

Im Juni 2016 fand in Berlin die erste „Bilaterale Kommission zur entwicklungspolitischen Zusammenarbeit“ unter Leitung von Bundesminister Gerd Müller und Kooperationsministerin Sahar Nasr statt. Dabei wurde finanzielle Förderung für neue Maßnahmen in den genannten Bereichen in Höhe von rund 150 Mio. Euro zugesagt, hauptsächlich in Form von Darlehen. Die Kommission tagte im Oktober 2017 erneut auf Ministerebene in Kairo. Auch Elektrizitätsminister Mohammed Shaker, Bildungsminister Tarek Shawky und Umweltminister Khaled Fahmy nahmen daran teil. Die beiden Regierungen vereinbarten, ihre Kooperation weiter zu vertiefen. Die bereits 2011 zugesagte Schuldenumwandlung in Höhe von bis zu 240 Mio. Euro bleibt jedoch weiter eingefroren.

Kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen

Unterstützung für den demokratischen Wandel

Wichtigste Grundlage für die bilateralen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen ist das deutsch-ägyptische Kulturabkommen vom 16. Oktober 1960 mit seiner Zusatzvereinbarung vom 10. April 1984. 2016 wurde durch einen Verbalnotenwechsel auch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in das Kulturabkommen aufgenommen. In Ägypten sind die wichtigsten deutschen Kulturmittlerorganisationen prominent vertreten und initiieren zahlreiche Projekte vor Ort.

Kultur und Bildung

Vier deutsche Schulen, gegründet 1873, 1884, 1904 und 1998, führen zum deutschen Abitur. Daneben gibt es drei weitere amtlich anerkannte deutsche Auslandschulen in Kairo, Alexandria und Hurghada, die sich noch in der Aufbauphase befinden. Die Schülerzahl beträgt insgesamt etwa 4.500. Außerdem gibt es zahlreiche private und staatliche Partnerschulen, die verstärkt Deutschunterricht, teilweise im Rahmen des Deutschen Sprachdiploms (DSD) teilweise im Rahmen des FIT-Zertifikats des Goethe-Instituts, anbieten. Zum weltweiten Netzwerk von Partnerschulen (PASCH-Initiative) gehören in Ägypten inzwischen 30 Schulen. Seit 2008 unterhält auch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Kairo ein Regionalbüro.

PASCH-Initiative

Die Goethe-Institute in Kairo (1958) und Alexandria (1963) bieten neben einem umfangreichen Sprach- und Bibliotheksangebot zahlreiche Programmveranstaltungen an. Daneben finden Seminare und Fortbildungen im Bildungs- und Kulturbereich statt, die sich insbesondere mit den noch verfügbaren Freiräumen in der Kunst und Kreativwirtschaft in der aktuellen von strengen Sicherheitsmaßnahmen und -diskursen beherrschten Situation beschäftigen.

An staatlichen Schulen gibt es ca. 900.000 Schülerinnen und Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Germanistische Abteilungen existieren u.a. an den Universitäten Al-Azhar, Ain Shams, Helwan, Kairo, Minoufiya, Minya, 6. Oktober, MUST und Luxor. Hier sind insgesamt ca. 12.000 Studierende im Hauptfach Lehramt und studienbegleitend eingeschrieben. Der Unterricht wird durch sieben Lektoren des DAAD und vier Sprachassistenten unterstützt. Daneben unterstützt das Goethe-Institut das ägyptische Erziehungsministerium in der Deutschlehrerausbildung.

Die Kairo-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) wurde 1907 gegründet. Sie führt vor allem Grabungsprojekte an antiken pharaonischen Stätten durch und war auch mit der Restaurierung islamischer Baudenkmäler in der Altstadt von Kairo betraut. Weitere Grabungen werden von deutschen Archäologen außerhalb des DAI-Rahmens durchgeführt. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte aus Mitteln des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts gefördert.

Wissenschaft

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist seit 1960 in Kairo vertreten. Mit jährlich über 1500 geförderten ägyptischen und deutschen Studierenden und Wissenschaftlern gewährleistet er lebendige und nachhaltige Beziehungen zwischen Ägypten und Deutschland in Forschung und Wissenschaft. Neben dem DAAD sind sieben deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen vor Ort aktiv: Die Fraunhofer Gesellschaft, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, das Orient Institut Beirut, die Technischen Universitäten Berlin und München, die Freie Universität Berlin und die Philipps-Universität Marburg.

Seit dem Deutsch-Ägyptischen Jahres der Wissenschaft und Technologie 2007 existieren drei ko-finanzierte Stipendienprogramme sowie ein gemeinsamer deutsch-ägyptischer Forschungsfonds. Aus dem Programm der Transformationspartnerschaft mit Ägypten gingen weitere Stipendien- und Austauschprogramme sowie Förderprogramme zum Ausbau der bilateralen Hochschulkooperation hervor. Gegenwärtig sind rund 1250 ägyptische Masterstudierende und 550 ägyptische Doktoranden an deutschen Universitäten eingeschrieben. Im Rahmen des Programms DAFI (Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein) fördert das Auswärtige Amt seit 2016 die Vergabe von 30 Stipendien pro Jahr an begabte Flüchtlinge, um ihnen das Studium  an ausgewählten Universitäten in Ägypten zu ermöglichen.

Einen Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit bildet der Klima- und Umweltschutz. Im Rahmen der Cairo Climate Talks (www.cairoclimatetalks.net) finden seit November 2011 u.a. monatliche öffentliche Diskussionsveranstaltungen und Expertenworkshops statt. Die Veranstaltungsreihe bietet eine Plattform zum Erfahrungsaustausch, zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung sowie zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die Deutsche Botschaft arbeitet hierbei eng mit der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), dem DAAD und dem ägyptischen Umweltministerium zusammen.

Deutschland unterstützt ferner die "German University Cairo" (GUC), welche mit derzeit über 12.000 Studierenden das größte transnationale deutsche Bildungsprojekt im Ausland darstellt. Rechtlich gesehen ist die GUC eine ägyptische Privatuniversität und finanziert sich durch Mittel ägyptischer Investoren sowie Studiengebühren. Gleichzeitig erhält sie die Unterstützung der Bundesregierung und beteiligter deutscher Hochschulen (Ulm, Stuttgart, Tübingen) beim Lehrbetrieb. Hinzu kommen Mittel des Auswärtigen Amts für die Entsendung von deutschen Lektoren und Langzeitdozenten sowie seit 2011 für Stipendien. Die GUC zählt zu den besten Universitäten Ägyptens. Zahlreiche ihrer insgesamt 72 Studiengänge sind von deutschen Akkreditierungsagenturen anerkannt. Im Januar 2013 eröffnete die GUC eine Außenstelle in Berlin.

Seit Oktober 2012 existiert ein Satellitencampus der TU Berlin am Roten Meer in El Gouna, an dem fünf weiterbildende Masterstudiengänge in den Bereichen Energie, Wasser, Stadtentwicklung, Wirtschaftsingenieurwesen und Informationstechnologie angeboten werden. Der DAAD unterstützt das transnationale Bildungsprojekt mit Stipendien.

http://www.campus-elgouna.tu-berlin.de

Derzeit existieren 19, zum Teil noch im Aufbau befindliche, bi-nationale Masterstudiengänge, etwa in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (REMENA; Universitäten Kassel und Kairo), Nachhaltige Stadtentwicklung (IUSD - Integrated Urbanism & Sustainable Design; Universitäten Stuttgart und Ain Shams), Bildungsmanagement (INEMA - International Education Management; PH Ludwigsburg und Helwan Universität) sowie Deutsch als Fremdsprache (Universität Leipzig und Ain Shams Universität). Neu hinzugekommen sind im Jahr 2013 u.a. der Studiengang "Kulturerbemanagement" (BTU Cottbus, Deutsches Archäologisches Institut (DAI) und Universität Helwan) sowie ein Masterprogramm im Bereich der Politik- und Sozialwissenschaften zwischen der Universität Tübingen und der American University Cairo. Seit 2015 wird der neue Studiengang "Museologie" (Universitäten Würzburg und Helwan) angeboten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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