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Äthiopien: 2.700 Jahre alter Tempel mit deutscher Hilfe restauriert
Im Norden Äthiopiens liegt eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Ostafrikas. Gemeinsam mit äthiopischen Kollegen schützen dort deutsche Archäologen das kulturelle Erbe.

Im Norden Äthiopiens liegt eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Ostafrikas. Gemeinsam mit äthiopischen Kollegen schützen dort deutsche Archäologen das kulturelle Erbe.
„Großer Tempel“ wird das im 7. Jahrhundert v. Chr. erbaute Heiligtum in dem kleinen Dorf Yeha im nördlichen Hochland Äthiopiens genannt. Von Einwanderern aus Saba im heutigen Jemen nach südarabischem Vorbild errichtet, ist der noch 14 m hoch erhaltene Tempel der bedeutendste vorchristliche Sakralbau Ostafrikas. Eine gewaltige Brandkatastrophe beschädigte den Bau bereits in der Antike, jahrzehntelang galt er als einsturzgefährdet. Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren, führte die Außenstelle Sanaa der Orient-Abteilung des DAI gemeinsam mit der äthiopischen Antikenbehörde seit 2009 umfangreiche Restaurierungsarbeiten durch. Diese beinhalteten den Einbau eines Edelstahlgerüstes und die Konsolidierung des Mauerwerks.
Kulturelles Erbe sichern und Fachkräfte ausbilden
Das Projekt wird zudem mit Ausbildungskomponenten vor Ort ergänzt. Fachleute arbeiten dabei eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen. Der Schutz und die Pflege der kulturellen Identität bilden einen zentralen Schwerpunkt dieser Maßnahmen. Der Abschluss der aufwändigen Restaurierungsmaßnahmen wurde mit einer feierlichen Eröffnung am 15. März begangen. Von nun an steht dieses touristische Highlight Äthiopiens sowohl einheimischen als auch internationalen Gästen als Besuchsziel wieder offen.
Tempel für den sabäischen Gott Almaqah

Der Große Tempel von Yeha war dem höchsten sabäischen Gott Almaqah geweiht. Auch heute noch ist der Sakralbau weithin sichtbar. Als Baumaterial verwendete man nicht den lokalen Sandstein, sondern sorgfältig geglätteten schneeweißen Kalkstein, der aus den ca. 80 km östlich gelegenen Steinbrüchen um Wuqro mühsam herangeschafft werden musste. Das Heiligtum galt nicht nur als kultisches, sondern auch als machtpolitisches Statement des bereits im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. im äthiopischen Hochland entwickelten Gemeinwesens mit Namen Di'amat.
Der Große Tempel wurde durch ein gewaltiges Feuer vermutlich um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. schwer beschädigt, das große Teile in Mitleidenschaft zog. Nur der Einbau einer Kirche im 6. Jahrhundert schützte den Bau vor seiner völligen Zerstörung. Mit dem Abschluss der umfangreichen Restaurierungsarbeiten und der feierlichen Eröffnung kann dieses historisch wichtige Monument wieder für den Tourismus zugänglich gemacht werden. Das Projekt bildet ein herausragendes Beispiel für die gelungene äthiopisch-deutsche Kooperation auf dem Gebiet des Kulturerhalts und die nachhaltige touristische Erschließung dieser Region. Es besitzt zudem Pilotcharakter für weitere Kulturerhaltprojekte in dieser Region. Finanziell gefördert wurden die Arbeiten durch das DAI.
Die wissenschaftliche Erforschung der Archäologie und Geschichte der Region mit ihrem Zentrum Yeha wird durch das auf zwölf Jahre angelegte Langfristvorhaben durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Projekt wird gemeinschaftlich vom DAI und von der Friedrich Schiller-Universität Jena durchgeführt.