Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Sitzung des Welterbekomitees beendet: Hamburger Speicherstadt wird Weltkulturerbe

09.07.2015 - Artikel

Unter dem Vorsitz von Staatsministerin Böhmer tagte das Komitee von 28.06. bis 08.07.2015 in Bonn. Deutschland darf sich über die Aufnahme der Hamburger Speicherstadt und des Kontorhausviertels in die Welterbeliste freuen.

Nach zehn Tagen intensiver Verhandlungen in Bonn hat das UNESCO-Welterbekomitee seine Beratungen beendet und 24 neue Stätten in die Welterbeliste aufgenommen. Deutschland darf sich über die Aufnahme der Hamburger Speicherstadt und des Kontorhausviertels freuen. Im Konsens wurde die Bonner Erklärung verabschiedet, die sich insbesondere gegen die Zerstörung kultureller Stätten durch Terrorismus wendet. Und die Zivilgesellschaft war in die Verhandlungen enger denn je eingebunden.

UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova (li.) und Staatsministerin Prof. Dr. Böhmer bei der 39. Sitzung des Welterbekomitees in Bonn
UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova (li.) und Staatsministerin Böhmer bei der 39. Sitzung des Welterbekomitees in Bonn© DUK/Kolja Matzke

Die Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees vom 28. Juni bis 8. Juli in Bonn erreichte einen neuen Teilnehmerrekord: mehr als 3300 Akkreditierungen, davon rund 200 Journalisten, nahmen an der Veranstaltung teil. Unter Vorsitz von Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, wurden nach teils kontroversen Debatten wichtige Beschlüsse gefasst.

Das Komitee überprüfte den Erhaltungszustand von 141 Welterbestätten. Großen Beifall der Beteiligten fanden die Fortschritte beim Great Barrier Reef, dem nun nicht mehr die Aufnahme in die rote Liste der bedrohten Stätten droht, gerade auch in Hinblick auf das beachtliche Engagement der australischen Regierung in diesem Bereich. Daneben standen Beratungen zu 36 neuen Nominierungen an, von denen es 24 schließlich schafften, in die Liste der Welterbestätten aufgenommen zu werden.

Neue deutsche Welterbestätte

Die Hamburger Speicherstadt wurde zur Welterbestätte ernannt
Das Chilehaus im Hamburger Kontorhausviertel ist eine von Deutschlands nominierten Welterbestätten© Bildarchiv des Denkmalschutzamts Hamburg

Aus deutscher Sicht besonders erfreulich: Auch die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit seinem berühmten Chilehaus stehen nun auf der begehrten Liste, nachdem sie im Jahr 2013 von der Kultusministerkonferenz dafür vorgeschlagen wurden. Die Speicherstadt ist ein großer Lagerhauskomplex im Hamburger Hafen aus dem 19. Jahrhundert, der komplett auf Eichenholzpfählen steht - als solcher der größte seiner Art weltweit.

Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut wurde in diesem Jahr noch nicht eingeschrieben, bekam aber eine zweite Chance, sodass der Antrag in überarbeiteter Form erneut vorgelegt werden kann.

Historische Einigung zwischen Japan und Korea

Staatsministerin Böhmer konnte durch intensive Vermittlungsarbeit schließlich dazu beitragen, eine langwierige Kontroverse um die Nominierung der japanischer Industriedenkmale aus der Meiji-Zeit beizulegen. In dieser Epoche begann die industriellen Revolution in Japan. In Südkorea stehen diese Industriedenkmale aber auch für das Leid der dort eingesetzten koreanischen Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges.

Bonner Erklärung

Zerstörungen in der historischen Altstadt von Sanaa
Zerstörungen in der historischen Altstadt von Sanaa© picture alliance/dpa

Auch die im Konsens beschlossene „Bonner Erklärung“ stieß auf positive Resonanz. Darin verurteilt das Komitee mit klaren Worten die gezielte Zerstörung kulturellen Erbes, so wie derzeit im Einflussgebiet der Terrorgruppe ISIS im Nahen Osten. Auch der illegale Handel mit Kulturgütern wird geächtet, gerade auch als mögliche Finanzierungsquelle für Terroristen. Staaten, in denen Konflikte oder Naturkatastrophen Erbestätten bedrohen, sollen Unterstützung erhalten.

Ein besonderes Anliegen des deutschen Vorsitzes war die Überarbeitung der sogenannten „Operational Guidelines“ für die UNESCO Welterbekonvention. Die erreichten Strukturreformen zielen auf mehr Transparenz, Dialog und Entpolitisierung von Kulturfragen. Der Haushalt fokussiert sich künftig stärker auf den Erhalt bestehender Welterbestätten.

Zivilgesellschaft aktiv eingebunden

Ein Novum auf der diesjährigen Komiteesitzung: Erstmals erhielten Nichtregierungsorganisationen (NRO) eigene Räumlichkeiten für Side-Events und konnten zu Sachfragen - etwa dem Great Barrier Reef - im Plenum das Wort ergreifen. Staatsministerin Böhmer nahm sich über zwei Stunden Zeit für den persönlichen Austausch mit NRO-Vertretern. Namhafte Organisationen wie Greenpeace oder der WWF lobten diese neue Offenheit.

Die nächste Sitzung des Welterbekomitees wird im türkischen Istanbul stattfinden, unter Vorsitz des ehemaligen Botschafters Gurcan Turkoglu. Böhmer wünschte den Teilnehmern zum Abschied, dass sie den „Spirit of Bonn“ mitnehmen mögen in die nächste Runde.

Weitere Informationen

Staatsministerin Böhmer präsentiert das neue UNESCO-Logo
Staatsministerin Böhmer präsentiert das neue UNESCO-Logo© AA

Staatsministerin Maria Böhmer, Präsidentin des UNESCO-Welterbekomitees, stellte am 30.01. das Logo für die 39. Sitzung des Komitees vor. Die Sitzung wird vom 28.06. bis 08.07. am deutschen UN-Standort Bonn stattfinden.
Mehr

Verwandte Inhalte

Schlagworte

nach oben