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Europa - „Traum und Wirklichkeit“

09.05.2014 - Artikel

Am 8. und 9. Mai diskutierte Außenminister Steinmeier in Berlin gemeinsam mit 30 europäischen Autoren über neue Impulse für ein friedliches und demokratisches Europa.

Außenminister Steinmeier mit Nicol Ljubic, Antje Rávic Strubel und Mely Kiyak
Außenminister Steinmeier mit Nicol Ljubic, Antje Rávic Strubel und Mely Kiyak© photothek/Gottschalk

Wer oder was ist Europa? Wie sieht die Zukunft des Kontinents aus? Brauchen wir eine neue Vision von Europa? Diese und viele weitere Fragen diskutierten am 8. und 9. Mai zahlreiche europäische Schriftsteller und Intellektuelle in Berlin. Außenminister Frank-Walter Steinmeier eröffnete beide Konferenztage.

Europäische Schriftstellerkonferenz: Ein Traum von Europa

Die Europäische Schriftstellerkonferenz am 8. Mai schaute dabei nicht nur in die Zukunft, sondern schlug auch einen Bogen zurück zur Internationalen Schriftstellerkonferenz, die im Mai 1988 unter dem Motto „Ein Traum von Europa“ im damaligen West-Berlin stattfand. Einige der Autoren, die damals über die Vision eines friedlichen und demokratischen Europas diskutierten, waren auch 2014 wieder dabei. Sie analysierten, wie es heute - mehr als 25 Jahre später - um diesen Traum steht.

Kulturelle und politische Grenzen

Steinmeier bei der Eröffnungsrede
Steinmeier bei der Eröffnungsrede© photothek/Gottschalk

Außenminister Frank-Walter Steinmeier eröffnete die Konferenz im Atrium der Alfred Herrhausen Gesellschaft gemeinsam mit den Mitgliedern der Initiativgruppe Mely Kiyak, Nicol Ljubic, Antje Rávic Strubel und Tilman Spengler. In seiner Rede bezeichnete Steinmeier das Zustandekommen der Schriftstellerkonferenz als ein kleines Wunder: Die Anwesenheit von 30 Autoren aus so verschiedenen Ländern wie Ungarn, Schweden, Deutschland, aber auch Russland, Weissrussland und der Türkei zeige, dass die kulturellen Grenzen Europas nicht deckungsgleich mit politischen Grenzen seien, so der deutsche Außenminister:

Wenn kulturelle und politische Grenzen immer ein und dieselben sein müssten, wie viel ärmer wäre dann die Literatur! Wie viel dümmer wäre die Politik!


Dreieck zwischen Literatur, Politik und Europa

Außenminister Steinmeier mit der ungarischen Autorin Ágnes Heller
Außenminister Steinmeier mit der ungarischen Autorin Ágnes Heller© photothek/Gottschalk

Die Europäische Schriftstellerkonferenz bemühe sich daher laut Steinmeier, ein spannendes und spannungsreiches Dreieck zwischen den drei Feldern Literatur, Politik und Europa aufzumachen. Was die Literatur von der Politik zu erwarten habe, könne er als Politiker nicht beantworten - die Kunst müsse schließlich frei bleiben und dürfe nicht zum Instrument der Politik werden.

Die Politik dürfe umgekehrt von der Literatur erwarten, kulturelle Grenzen und Unterschiede aufzudecken, da auch Außenpolitik auf Wahrnehmung und Verstehen beruhe. Dies habe schon Henry Kissinger gesagt, so Steinmeier: „Foreign Policy is perception - Außenpolitik ist der Versuch, die Welt mit den Augen des anderen zu sehen.“

Europa hat keinen Endzustand

Europa schließlich brauche die Literatur als Teil einer lebendigen Öffentlichkeit. Ein endgültiges europäisches „Narrativ“, das heute so viele forderten, werde es wohl niemals geben. Statt einer gemeinsamen Identität brauche Europa Freiraum für die Vielfalt seiner Identitäten; es brauche Instrumente, um aus der Vielfalt seiner Stimmen gemeinsames Handeln zu machen. Die Konferenz solle daher keine abgeschlossene Einheit bilden, sondern eher Teil eines permanenten Gesprächs unter erzählenden Autoren sein, so der Außenminister.

Den vollständigen Text der Rede lesen Sie hier.

Paneldiskussion
Paneldiskussion© photothek/Gottschalk

Im Anschluss diskutierten die anwesenden Autoren in mehreren Panels über verschiedene Perspektiven auf Europa. Bei der Langen Nacht der Europäischen Literatur im Deutschen Theater trugen am Abend Schriftsteller u.a. aus Portugal, den Niederlanden und Albanien ihre Texte und Gedichte vor. Das gemeinsame Manifest der Autoren zur Europäischen Schriftstellerkonferenz finden Sie hier.

Verbindung von Freiheit und sozialem Zusammenhalt

Am 9. Mai diskutierten Schriftsteller, Philosophen, Politiker und Ökonomen gemeinsam mit dem Publikum die Bedeutung des „europäischen Traums“ für die Wirklichkeit: Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob das europäische Modell trotz globalen Wettbewerbs und Wirtschaftskrise immer noch als Orientierungspunkt für andere Staaten gelten kann.

Steinmeier spricht über den Traum von Europa
Steinmeier spricht über den Traum von Europa© photothek/Köhler

Außenminister Steinmeier eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache zum Thema „Der europäische Traum in einer globalen Wirklichkeit“. Gleich zu beginn betonte er, der Traum von Europa sei der Traum von einer Gesellschaft, die Freiheit und sozialen Zusammenhalt verbinde. Dieses Modell sei weltweit einzigartig, denn es sei weder reiner Individualismus noch Obrigkeitsstaat, so der Außenminister:

Das Modell Europa ist die Hoffnung auf eine nie selbstverständliche, immer wieder neu herzustellende Balance von Freiheit und Sicherheit.

Europa als Friedensprojekt

Atrium der Alfred Herrhausen Gesellschaft
Atrium der Alfred Herrhausen Gesellschaft© photothek/Köhler

Auf der Konferenz im Jahr 1988 hätten die Schriftsteller in einem offenen Brief zur Überwindung der Spaltung Europas aufgerufen. Ebensowenig, wie man damals mit einem baldigen Ende der Spaltung gerechnet habe, so Steinmeier, hätten die Organisatoren der diesjährigen Konferenz vor einem Jahr geahnt, dass man heute um eine neue Spaltung fürchten müsse. Die Ukraine-Krise gebe nun vielen einen neuen Blick auf die Europapolitik der letzten Jahre, so der Außenminister:

Der Kern von Europa, nämlich Frieden und Friedenssicherung, ist uns zu sehr zur Selbstverständlichkeit geworden. Für viele junge Europäer war über Jahrzehnte hinweg Frieden in Europa genauso selbstverständlich wie Easyjet und Erasmus-Programm. Niemand hat das infrage gestellt und niemand konnte sich vorstellen, dass sich daran jemals etwas ändert. Doch die Ukraine-Krise macht uns dramatisch deutlich, dass sich der Gründungsgrund von Europa absolut nicht erledigt hat.

Den vollständigen Text der Ansprache können Sie hier nachlesen.

Weitere Informationen

Keynote-Ansprache von Außenminister Steinmeier auf der Konferenz „Traum und Wirklichkeit“ der Alfred Herrhausen Gesellschaft (09.05.14)

Manifest zur Europäischen Schriftstellerkonferenz 2014 (08.05.14)

Rede von Außenminister Steinmeier bei der Europäischen Schriftstellerkonferenz (08.05.14)

Grußwort von Außenminister Steinmeier anlässlich des Eröffnungsempfangs der Schriftstellerkonferenz (07.05.14)

www.europatraumundwirklichkeit.eu

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