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"Große Bedeutung als gemeinsames Erbe der Menschheit"

Tonband des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses

Tonband des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses, © dpa

18.05.2018 - Artikel

Die UNESCO hat die Unterlagen und Tonbandaufnahmen zum ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess als UNESCO-Weltdokumentenerbe ausgezeichnet. Am Mittwoch (16.05.) wurde die Urkunde zur Auszeichnung der Dokumente überreicht.

Der Holocaust erstmals in der Öffentlichkeit eines Gerichtes

Auschwitz Prozess 1963 in Frankfurt
Auschwitz Prozess 1963 in Frankfurt© dpa

Der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess rückte 1963-1965 den millionenfachen Mord an Juden, Minderheiten und politischen Gegnern während der NS-Diktatur erstmals in seinem gesamten Ausmaß in das Blickfeld der Öffentlichkeit. 

Im Januar 1959 erhielt der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer Dokumente, welche die gezielte Tötung von Auschwitz-Häftlingen durch SS-Angehörige belegten.

Bauer, einst selbst als Jude und Sozialdemokrat verfolgt, nahm sofort die Ermittlungen auf. Der Prozess begann am 20. Dezember 1963 im Frankfurter Rathaus Römer mit der Anklage gegen 22 SS-Angehörige. Während der Verhandlung wurde die deutsche Nachkriegsgesellschaft umfassend und durch die erschütternden Zeugenaussagen offen mit dem Völkermord an über sechs Millionen Juden konfrontiert.

Erstmals kamen Überlebende zu Wort und konnten über das mörderische Grauen sprechen und die Täter anklagen. Die Urteile fielen, trotz sechs lebenslanger Haftstrafen, sehr milde aus. Zehn Anklagte kamen wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord mit zum Teil kurzen Haftstrafen davon, drei Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. 

Zeugnisse des Abscheulichen

Ein Dokument des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses
Ein Dokument des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses© dpa

Nun wurden die Dokumente zu diesem Prozess in das UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen. Andreas Kindl, Beauftragter für Strategische Kommunikation im Auswärtigen Amt, hat am Mittwoch (16.5.) in Frankfurt dem hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, die Urkunde zur Auszeichnung der Dokumente des Prozesses überreicht. Die Unterlagen umfassen insgesamt 454 Aktenbänden sowie 103 Tonbänder.

Während der 183 Verhandlungstage vernahm das Gericht 360 Personen, darunter 221 Opferzeugen - Überlebende des KZ Auschwitz, aber auch anderer Lager - sowie 85 SS-Zeugen. Auch die Stellungnahmen von Sachverständigen, Plädoyers der Staatsanwaltschaft, Nebenklagevertreter und Verteidigung, Schlussworte der Angeklagten und die mündliche Urteilsverkündigung des Vorsitzenden Richters wurden auf Band aufgenommen.

Dass diese Unterlagen nun in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen werden, belegt laut Außenminister Maas „ihre große Bedeutung als gemeinsames Erbe der Menschheit. Die Frankfurter Auschwitz-Prozesse spielten in der deutschen Nachkriegsgeschichte eine besondere Rolle in der Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit, denn sie ebneten den Weg für den kritischen Blick in den Spiegel einer ganzen Gesellschaft und der Rolle der Deutschen als Bürger, als Beteiligte, als Mitläufer, als Täter. Diese Auseinandersetzung wäre ohne mutige Menschen wie Fritz Bauer jedenfalls nicht erfolgt. Die Originalunterlagen der Auschwitz-Prozesse sind bis heute ein wichtiges Element im Kampf gegen die anhaltende Leugnung und Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus."

Zum Weiterlesen:

Storytelling Beitrag zum ersten Frankfurter Auschwitz Prozess

Webseite zum UNESCO-Weltdokumentenerbe

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