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Das „Passierscheinabkommen“ von 1963

20.06.2014 - Artikel

Nach dem Bau der Berliner Mauer wurde eine Regelung gefunden, wie die Bevölkerung Westberlins ihre Verwandten im Ostteil der Stadt besuchen konnte - dank des Passierscheinabkommens von 1963.

Die Berliner Mauer
Die Berliner Mauer© photothek.net

Mit dem Bau der Mauer im Jahr 1961 und der vollständigen Teilung Berlins war der Bevölkerung Westberlins zunächst jede Möglichkeit genommen, ihre Verwandten im Ostteil der Stadt zu besuchen.

Bereits die Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer hatte das Thema gegenüber der DDR aufgebracht und sich um eine Lösung bemüht. Der Durchbruch wurde jedoch erst in direkten Verhandlungen zwischen der DDR und dem (West-)Berliner Senat erreicht.

Briefwechsel zwischen Ost und West

Brief an Willy Brandt mit persönlicher Anrede
Brief an Willy Brandt mit persönlicher Anrede© AA

In einem Schreiben vom 5. Dezember 1963 an den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt bot der Stellvertretende Ministerpräsident Alexander Abusch Verhandlungen über eine Passierscheinregelung für einen begrenzten Zeitraum bis zum Januar 1964 an.

In Ostberlin hätte man es gern gesehen, wenn die Verhandlungen von Brandt persönlich geführt worden wären, doch akzeptierte man schließlich den Senatsrat Horst Körber und benannte selbst den Staatssekretär im Kultusministerium, Erich Wendt.

Das Schreiben aus West-Berlin
Das Schreiben aus West-Berlin© AA

Die Form des Briefwechsels ist vielsagend: Während das Schreiben aus Ostberlin einen eher verbindlichen Ton anschlägt und direkt an Brandt adressiert ist, beginnt die größtenteils in passivischen Formulierungen gehaltene Antwort mit „Der Regierende Bürgermeister von Berlin lässt mitteilen:…“.

Einigung auf ein „Protokoll“

Auch die am 17. Dezember 1963 unterzeichnete Übereinkunft stellte die Unterhändler formal vor einige Probleme. So wünschte die DDR einen förmlichen Vertrag, während der Senat am liebsten nur eine mündliche Verabredung getroffen hätte.

Das Protokoll vom 17. Dezember 1963
Das Protokoll vom 17. Dezember 1963© AA

Schließlich wurde daraus ein „Protokoll“. Dass man sich auf gemeinsame Orts-, Behörden- und Amtsbezeichnungen nicht hatte einigen können, wurde darin nüchtern vermerkt. Der östliche Teil Berlins war als „Hauptstadt der DDR“ für den Senat nicht akzeptabel, während die Bezeichnung Brandts als „Regierender Bürgermeister von Berlin“ – ohne den Zusatz (West) – mit der Auffassung der DDR nicht in Übereinklang zu bringen war.


Erleichterung für die geteilte Stadt

Mit dem Abkommen konnte der Berliner Senat eine erste humanitäre Erleichterung nach dem Schock des Mauerbaus erzielen. Der Erfolg das Passierscheinabkommens war überwältigend: In der Weihnachtszeit 1963 bis zum 5. Januar 1964 gab es etwa 1,2 Millionen Besuche von über 700.000 West-Berlinern, die ihre Angehörigen im Ostteil der Stadt wiedertreffen konnten.

Mauerfall in Berlin am 09.11.1989
Mauerfall in Berlin am 09.11.1989© photothek.net/Imo

Im Sinne des von Egon Bahr im selben Jahr geprägten und seitdem vielzitierten Wortes vom „Wandel durch Annäherung“ war ein erster, wenn auch nur haarfeiner Riss in der Mauer entstanden. Bis sie fiel, sollte es noch fünfundzwanzig Jahre dauern.

Das Passierscheinabkommen von 1963 PDF / 12 MB

Das Politische Archiv des Auswärtigen Amts verwahrt auch die Akten des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, in deren Beständen der zitierte Briefwechsel überliefert ist.

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