Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Vereinte Nationen in Venezuela

19.08.2013 - Artikel

"Auf diplomatischer Mission" in Caracas bereitet Moritz Jacobshagen venezolanische Studenten auf ein Planspiel vor.

Wie bereitet man eine Delegation venezolanischer Studenten darauf vor, in einem Planspiel Deutschland zu simulieren? Und wird man als wenig älterer Diplomat von den jungen Studenten überhaupt ernst genommen? Moritz Jacobshagen ist als Erster Sekretär an der deutschen Botschaft in Caracas und berichtet von seinem Arbeitsalltag "auf diplomatischer Mission".

Da war ich also plötzlich auf meinem ersten Posten: 28 Jahre, kein nennenswerter Bartwuchs – und nun als Erster Sekretär der Deutschen Botschaft Caracas, Venezuela, verantwortlich für Politik, Presse, Kultur und Protokoll.

Großartig: Es gibt jede Menge spannende Einsätze für mich. Erst darf ich den Botschafter zum Minister begleiten, inklusive Handschlag, dann darf ich eine „Beruhigungs-Rede“ vor der besorgten Eltern- und Lehrerschaft der deutschen Schule halten. Sogar ein Live-Interview im Regionalfernsehen darf ich geben. Aber so spannend das alles ist – manchmal fühlt man sich doch etwas klein in der neuen großen Rolle. Vor allem dann, wenn die Gesprächspartner nach der Ankündigung des „Ersten Sekretärs“ einen weißhaarigen Gentleman mit Einstecktuch erwarten.

Empfang in den eigenen vier Wänden

Gästeempfang im eigenen Haus: Moritz Jacobshagen mit venezolanischen Studenten
Gästeempfang im eigenen Haus: Moritz Jacobshagen mit venezolanischen Studenten© AA

Beispiel? Eine Gruppe von Studenten, die bei einer „Model United Nations“-Simulation Deutschland vertritt, wendet sich an die Botschaft: Man habe einige Fragen zu deutschen Positionen in der Weltpolitik. Eine ideale Gelegenheit für einen Empfang bei mir zu Hause: So können wir die vielen Fragen im persönlichen Gespräch klären. Es sind immerhin 20 Gäste, so dass das Budget nur für Snacks und Getränke reicht. Dann geht die Einladung an die Studenten raus. Die Zusagen lassen nicht lang auf sich warten – begleitet von überschwänglichem Dank.

Als sie dann vor der Tür stehen – alle auf einmal – und ich aufmache, gibt es einige erstaunte Gesichter. Manche fragen sich vielleicht, warum der Herr Diplomat denn seinen Sohn zur Tür schickt. "Ja, ich bin’s! Herzlich willkommen!" Jetzt bloß keine Nervosität zeigen, stattdessen lieber erstmal Getränke ausschenken: Die Gäste freuen sich über deutschen Riesling und Bier, während ich hoffe, dass auch wirklich alle schon volljährig sind und ich später keinen Ärger mit den Eltern bekomme.

Kurze Begrüßungsansprache – wie in der Diplomatenakademie gelernt – und dann lasse ich mich löchern: "Was sind die Erfolgsfaktoren der deutschen Einheit?" "Inwiefern hebt sich das deutsche Umweltstrafrecht vom weltweiten Standard ab?" "Wie steht Deutschland zur Euro-Krise?"

Natürlich weiß ich nicht auf alles eine Antwort, muss hier und da eine schriftliche Nachreichung versprechen, aber insgesamt scheinen die Studenten zufrieden. Jedenfalls schreiben sie eifrig jedes meiner Worte mit.

Preisgekrönte Delegation

Die stolzen Model United Nations-Teilnehmer mit ihrer Auszeichnung
Die stolzen "Model United Nations"-Teilnehmer mit ihrer Auszeichnung© AA

Einige Wochen später dann eine begeisterte E-Mail: Man habe auf der Veranstaltung jede Menge Preise als beste Delegation abgeräumt. Ohne die tolle Unterstützung bei der Vorbereitung sei das unmöglich gewesen. Und überhaupt wollen jetzt alle Diplomaten werden, so dass wir uns sicher bald als Kollegen über den Weg laufen.

Da freut sich der kleine Erste Sekretär und fühlt sich in seiner großen Rolle pudelwohl.

Weitere Beiträge aus unserer Reihe "Auf diplomatischer Mission"

Verwandte Inhalte