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Austauschbeamte im Einsatz - Teil 1: Europa

26.08.2015 - Artikel

Austauschbeamte im Einsatz - Teil 1: Europa

Isabel Hénin aus Deutschland in Paris

Isabelle Hénin (m.), Austauschbeamtin im Quai d'Orsay
Isabelle Hénin (m.), Austauschbeamtin im "Quai d'Orsay"© AA

Für eine gewisse Zeit als Austauschbeamtin Erfahrungen in einem anderen Ministerium, und insbesondere in Frankreich, zu sammeln, hat mich schon lange gereizt," sagt Isabel Hénin, die seit Oktober 2014 statt im Auswärtigen Amt im französischen "Quai d’Orsay" tätig ist. Im französischen Außenministerium arbeitet sie im Referat für politische Angelegenheiten der UN-Abteilung – oft unter Zeitdruck, wenn Weisungen nach New York geschickt werden müssen. "Die Arbeit auf Französisch ist eine Herausforderung und eine solide Beherrschung der Sprache unerlässlich." Praktisch ist da natürlich, dass Isabel Hénins Ehepartner Franzose ist und die beiden Kinder zweisprachig aufwachsen.

Sie schlüpft im Alltag (fast) ganz selbstverständlich in die Rolle einer französischen Diplomatin: "Für mich persönlich war natürlich ein beeindruckender Moment, als ich mich auf einer Dienstreise nach New York hinter das Schild Frankreich im Sicherheitsrat setzte," erzählt Hénin. Wenig später in Wien hörte sie sich selbst dann sagen: "Frankreich unterstützt die deutsche Initiative…". Bei solchen Gelegenheiten sei es auch immer wieder spannend, die Reaktionen Vertreter anderer Länder auf das Konzept der Austauschbeamten zu beobachten. "Für einige wäre es im eigenen Land kaum denkbar, andere finden dies ganz wunderbar!" Im Kreis ihres Pariser Teams wird Isabel Hénin noch bis Sommer 2016 mitarbeiten.

Michal Hyll aus Tschechien

Michael Hyll, Austauschbeamter aus Tschechien
Michael Hyll, Austauschbeamter aus Tschechien© AA

"Die Erfahrungen die ich mit meinem Einsatz bei Auswärtigen Amt gewonnen habe sind von unschätzbarem Wert," berichtet Michal Hyll, ein tschechischer Diplomat, kurz vor seiner Rückkehr zur Zentrale nach Prag in diesem Sommer. Die Zeit als "ATB" war eine Gelegenheit, "Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, die von anderen historischen Erfahrungen sowie anderen institutionellen Rahmenbedingungen geprägt ist."

Fast zwei Jahre lang war er in der Europa-Abteilung des Auswärtigen Amts tätig, wo er sich hauptsächlich mit europäischer Nachbarschaftspolitik beschäftigt hat. "Dabei schätzte ich die große Offenheit und das Vertrauen, welche mir stets entgegengebracht wurden. Nie hatte ich das Gefühl, aufgrund meines Status' als ATB ausgeschlossen zu werden."

Lust auf eine berufliche Station in Berlin hat ihm unter anderem ein "Internationaler Diplomatenlehrgang" in Berlin gemacht. Und was nimmt er mit aus Deutschland? "Besonders aufgefallen ist mir der rege Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitern. Die Flexibilität der Arbeitszeit fand ich sehr nützlich. Aber auch die 'menschliche Seite der Behörde' ist mir positiv aufgefallen. So empfand ich die Tradition der Referatsausflüge, das Festhalten an kulturellen Bräuchen wie den Kölner Karneval und den 'Amtssportgeist' sehr sympathisch und erfrischend."

Alicja Guczkowska aus Polen

Alicja Guszkowska, Austauschbeamtin aus Warschau
Alicja Guszkowska, Austauschbeamtin aus Warschau© AA

Etwas Besonderes im Auswärtigen Amt, das sei für sie der "Paternoster", der Personenaufzug im ständigen Umlaufbetrieb. So etwas gebe es im polnischen Außenministerium eben nicht, erzählt unsere Austauschbeamtin Alicja Guszkowska aus Warschau, "und ich merke, wie er auch bei Besuchern des Auswärtigen Amts gut ankommt!" Mit dem Paternoster fährt sie gern zu ihrem Büro im 2. Stock des Altbaus, wo sie in der Europabteilung tätig ist – genauer gesagt im EU-Parlamentsreferat.

Schwerpunktmäßig betreut sie hier "Wirtschaft und Finanzen". Aber, so erzählt Alicja Guszkowska, "in so einem kleinen Team wie unserem mit nur vier Leuten" sei sie dann doch "an praktisch allen Aspekten der Alltagsarbeit des Referats" beteiligt gewesen. Und das fand sie auch gut so: "So hatte ich die Gelegenheit, meine Kenntnisse über zahlreiche EU-Dossiers wesentlich zu vertiefen, die Zuständigkeiten hier im Hause kennenzulernen und vor allem Kontakte mit vielen fantastischen deutschen Beamten zu knüpfen – kann man sich eine bessere Vorbereitung auf meinen zukünftigen Posten in der Botschaft erträumen?"

Noch im Sommer 2015 wird Alicja Guszkowska an die polnische Botschaft in Berlin wechseln und dort EU-Beauftragte werden. Besonders geschätzt hat sie im vergangenen Jahr die "breit geöffneten Arme, mit denen ich hier von Anfang an aufgenommen wurde, sodass ich mich sofort als Mitglied der AA-Familie fühlte."

Martin Bergfelder aus Deutschland in London

Martin Bergfelder, deutscher Austauschbeamter in London
Martin Bergfelder (2.v.r.), deutscher Austauschbeamter in London© AA

Ein Jahr im britischen Außenministerium, im "FCO", das hat unser Kollege Martin Bergfelder gerade erlebt. Dort hat er seinen Kollegen deutsche Sprichwörter beigebracht, zum Lunch Toastbrot mit Chips und Cola verzehrt und natürlich auch viel inhaltlich gearbeitet, als Referent in der Wirtschaftsabteilung für G7 und OECD. "Es war eine schwierige, aber interessante Position als Deutscher unter Briten für beide Seiten glaubwürdig zu bleiben," erzählt er, "gerade vor dem Hintergrund der aktuellen deutschen G7-Präsidentschaft."

Zwischen den Stühlen fühlte er sich letztendlich zwar nicht, den Schreibtisch hat er aber trotzdem fast täglich gewechselt: "In den Großraumbüros gibt es das System 'Hot Desking': Wenn man morgens ins Büro kommt, setzt man sich einfach an irgendeinen freien Platz." Im Team fühlte er sich als Deutscher immer akzeptiert und nimmt auch viele wertvolle Kontakte mit in seine nächste Position – als innenpolitischer Referent an der deutschen Botschaft in London. Ebenso eine Erkenntnis über die britische Höflichkeit: Trittst Du einem einem Briten ausversehen auf den Fuß, wird er sich bei Dir entschuldigen."

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