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Staatsakt für Walter Scheel: „Wir brauchen auch heute den Mut, Brücken zu bauen.“

07.09.2016 - Artikel

Am Mittwoch (07.09) fand in der Berliner Philharmonie der Trauerstaatsakt für Walter Scheel statt. Steinmeier würdigte Scheel in seiner Rede als „großen Deutschen und Europäer.“

Am Mittwoch (07.09) fand in der Berliner Philharmonie der Trauerstaatsakt für den ehemaligen Bundespräsidenten und Außenminister Walter Scheel statt. Außenminister Steinmeier würdigte Scheel in seiner Trauerrede als „großen Deutschen und Europäer“, der als einer der Wegbereiter der deutschen Ostpolitik entscheidend zur Wiedervereinigung Deutschlands und zur europäischen Zusammenarbeit beigetragen hat.

Staatsakt mit 2000 Gästen

2000 geladene Gäste nahmen in der Berliner Philharmonie Abschied von Walter Scheel.
2000 geladene Gäste nahmen in der Berliner Philharmonie Abschied von Walter Scheel.© Steffen Kugler/Bundesregierung

„Wir verlieren einen Politiker mit Weitsicht, Risikobereitschaft und außergewöhnlichem Mut“, sagte Außenminister Steinmeier zu Beginn seiner Rede beim Staatsakt für Walter Scheel. Mehr als 2000 hochrangige Gäste aus dem In- und Ausland wurden zum Trauerstaatsakt für den ehemaligen Bundespräsidenten und Außenminister in der Berliner Philharmonie erwartet, an allen Bundesbehörden wurden die Flaggen auf halbmast gehisst. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck würdigten den Verstorbenen, musikalisch begleitet wurde die Trauerfeier von der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Mut zur Veränderung, Mut zum Wandel

Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel würdigten den Verstorbenen.
Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel würdigten den Verstorbenen.© Steffen Kugler/Bundesregierung

Einen außergewöhnlichen Mut habe Walter Scheel bewiesen, so Steinmeier – „Mut zur Veränderung, Mut zum Wandel.“ In der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt sei Scheel als Außenminister einer der Wegbereiter der deutschen Ostpolitik gewesen. Als „unerhörter Tabubruch“ habe damals nicht nur die sozialliberale Koalition an sich gegolten, mit der Scheel seine Partei, die FDP, aus der engen Bindung an die CDU löste. Vor allem auch die Ostpolitik und der Versuch, die „Endgültigkeit der Teilung zwischen Ost und West durch Dialog mit dem Gegner in Frage zu stellen“, so Steinmeier, seien radikale Vorstöße gewesen. „Da standhaft zu bleiben, das durchzufechten, erforderte Entschlossenheit und Mut. Scheel bewies beides.“

Mut zum Brückenbauen

Außenminister Steinmeier würdigte Scheel in seiner Trauerrede als großen Deutschen und Europäer.
Außenminister Steinmeier würdigte Scheel in seiner Trauerrede als „großen Deutschen und Europäer.“© Steffen Kugler/Bundesregierung

Nicht nur zur Wiedervereinigung Deutschlands habe Scheel mit seinen Überzeugungen beigetragen, sondern auch zum Ende der Teilung Europas. Für Scheel sei klar gewesen, zitiert Steinmeier seinen Amtsvorgänger, dass „eine dauerhafte Friedensordnung in Europa ohne die Europäische Gesellschaft und ihre Dynamik nicht denkbar ist.“

Diese Worte, so Steinmeier, haben heute, 40 Jahre später, eine besondere Relevanz, da nationalistische Rhetorik und Abschottungsrufe die Einheit Europas in Frage stellten. „Wir brauchen auch heute den Mut, Brücken über tiefe Gräben hinweg zu bauen“, sagte Steinmeier zum Schluss – „ich glaube, das wäre im Sinne Walter Scheels.“

Der FDP-Politiker Walter Scheel war am 24. August im Alter von 97 Jahren verstorben. Von 1969 bis 1974 brachte er als Außenminister zusammen mit Bundeskanzler Willy Brandt die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition voran, von 1974 bis 1979 war er Bundespräsident. Nach dem Trauerstaatsakt wurde er auf dem Waldfriedhof in Zehlendorf beigesetzt.

Zum Weiterlesen:

Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier beim Trauerstaatsakt für Walter Scheel

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