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„Gut leben in Deutschland“: Steinmeier diskutiert mit jungen Freiwilligen

14.10.2015 - Artikel

Außenminister Steinmeier ist im Rahmen des Bürgerdialogs „Gut leben in Deutschland“ mit jungen Freiwilligen des „kulturweit“-Programms und der Robert-Bosch-Stiftung zur Diskussion zusammengetroffen.

Außenminister Steinmeier ist im Rahmen des Bürgerdialogs „Gut leben in Deutschland“ am Mittwoch (14.10.) mit jungen Freiwilligen zusammengekommen, die sich bei Projekten der Robert-Bosch-Stiftung oder im Rahmen des „kulturweit“-Programms im Ausland engagiert haben. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Ins Ausland gehen - im Inland wirken“. Schwerpunkte der Diskussion waren unter anderem die Flüchtlingspolitik und das Verhältnis zu Russland. Steinmeier ermutigte dazu, sich trotz aller Krisen mit Zuversicht in der weltweiten Zivilgesellschaft einzubringen.

Interesse für weltweite Entwicklungen bei der Jugend wecken

Steinmeier mit Joachim Rogall (Geschäftsführer Robert-Bosch-Stiftung) und Verena Metze-Mangold (Präsidentin Deutsche UNESCO-Kommission)
Steinmeier mit Joachim Rogall (Geschäftsführer Robert-Bosch-Stiftung) und Verena Metze-Mangold (Präsidentin Deutsche UNESCO-Kommission)© Photothek / Köhler

Außenminister Steinmeier erinnerte im Gespräch mit den Freiwilligen daran, wie das „kulturweit“-Programm während seiner ersten Amtszeit als Außenminister im Jahr 2009 entstanden war: „Wir stellten uns die Frage, wie man junge Menschen für internationale Entwicklungen interessieren kann.“ Ziel des Programms sei die Stärkung der Zivilgesellschaft in In- und Ausland gleichermaßen gewesen. Mit „kulturweit“ können seitdem junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren einen kulturellen Freiwilligendienst im Ausland absolvieren. Dabei leben und arbeiten sie für sechs oder zwölf Monate im Ausland und erhalten dadurch unmittelbaren Zugang zu fremden Kulturkreisen.

Bei der inhaltlichen Ausgestaltung spiegele sich auch ein Umbruch in der deutschen auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik wider, so Steinmeier. Es gehe immer weniger darum, deutscher Kunst im Ausland eine Bühne zu verschaffen, sondern vielmehr darum, ausländische Künstler und Kulturschaffende zu gemeinsamen Projekten einzuladen. Steinmeier sagte: „Wir müssen von der Präsentation zur Kooperation kommen.“

Diskussion der Flüchtlingspolitik „mit Herz und Verstand“

Außenminister Steinmeier in der Diskussion mit jungen Freiwilligen
Außenminister Steinmeier in der Diskussion mit jungen Freiwilligen© Photothek / Köhler

In der Diskussion kam die Sprache schnell auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte. Eine Teilnehmerin sprach von großer Sorge unter Jugendlichen vor einem erstarkenden Rechtspopulismus. Steinmeier warnte davor, diese Debatte nur zwischen „zwei schroff formulierten Alternativen zu führen: 'Das Boot ist voll' oder 'Wir schaffen das'“. Diese Zuspitzung drohe, die Gesellschaft zu zerreißen. Stattdessen bedürfe es einer Diskussion „mit Herz und Verstand“ über realistische Gestaltungsmöglichkeiten, wie er es kürzlich gemeinsam mit Wirtschaftsminister Gabriel im Wochenmagazin „Der Spiegel“ gefordert hatte.

Auch das Verhältnis zu Russland kam wiederholt zur Sprache, da mehrere Teilnehmende in Kooperationsprojekten wie dem deutsch-russischen Jugendparlament engagiert waren. Eine Freiwillige schilderte, wie derzeit das deutsch-russische Jugendforum darunter leidet, dass aufgrund der unsicheren Lage Spenden aus der Privatwirtschaft ausbleiben. Der Außenminister ermutigte die Teilnehmer in ihrem Engagement: „Gerade in Krisenzeiten müssen wir dafür Sorge tragen, dass der dünne Gesprächsfaden nicht abreißt! Deshalb bin ich immer sehr offen für solche Austauschprojekte.“

Vielzahl von Krisen - und Gründe zur Zuversicht

Zum Ende der Veranstaltung wurde das Gespräch dann noch einmal persönlich. Ein Teilnehmer wollte wissen, ob man als Außenminister nicht frustriert sein müsste angesichts der vielen schweren Krisen weltweit. Steinmeier stimmte zwar zu, dass die Vielzahl der Krisen bedrückend sei. Trotzdem gebe es auch ermutigende Erfolge: So sei er selbst schon vor zehn Jahren erstmalig mit dem Streit um das iranische Atomprogramm befasst gewesen. Durch Geduld und Beharrlichkeit sei es nach vielen Jahren des Auf und Ab schließlich möglich gewesen, im Juli 2015 in Wien zu einer historischen und friedlichen Einigung zu kommen. Und auch in der Ostukraine gebe es inmitten der Krise Elemente der Hoffnung, wie zuletzt die weitgehende Einhaltung des Waffenstillstands, die Einigung über den Waffenabzug oder die Verschiebung der Lokalwahlen. Erfolge wie diese gäben Grund zur Zuversicht, so Steinmeier, und er hoffe, dass auch die jungen Freiwilligen sich weiterhin zuversichtlich für die internationale Zivilgesellschaft engagieren werden.

Zum Weiterlesen

„Mit Zuversicht und Realismus“ - Außenminister Steinmeier und Wirtschaftsminister Gabriel zur Flüchtlingspolitik

„Kulturweit“ - Kultureller Freiwilligendienst im Ausland

Bürgerdialog „Gut leben in Deutschland“

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