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Jemen

Wirtschaft

Stand: April 2016

Aktuelle Wirtschaftslage

Jemen gehört zu den ärmsten Ländern der Erde und befindet sich in einer humanitären Notlage. Rund 80 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und der deutlichen Verschlechterung der Wirtschaftslage nach der Revolution 2011 haben die innerjemenitischen politischen wie auch militärischen Auseinandersetzungen seit Herbst 2014 zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes geführt.


Haushalt

Die jemenitischen Staatseinnahmen sind im ersten Halbjahr 2015 um 48,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sind um 52,5 Prozent zurückgegangen. Das Haushaltsdefizit ist von ca. 5 Prozent im Jahr 2014 auf 11,4 Prozent im Jahr 2015 angestiegen. Derzeit werden weder Öl noch Gas exportiert. Einnahmen aus diesem Sektor machten zuvor rund 90 Prozent der Exporterlöse und rund 60 Prozent der Staatseinnahmen aus. Ausländische Subventionen (bspw. Entwicklungsfinanzierung) und Kredite sind von knapp 600 Millionen USD im ersten Halbjahr 2014 auf rund 11 Millionen USD im ersten Halbjahr 2015 gefallen.

Die Staatsausgaben sind im Jahr 2015 um 55 Prozent gesunken und beschränken sich auf die Zahlung von Löhnen und Gehältern im öffentlichen Dienst, auf Teile der laufenden Ausgaben für öffentliche Einrichtungen sowie Zinszahlungen auf öffentliche Schulden. Diese Leistungen werden weitestgehend durch die Zentralbankreserven abgedeckt. Investitionsaufwendungen sind zum Erliegen gekommen.

Während das Haushaltsdefizit im ersten Halbjahr 2014 noch zu 36 Prozent durch Staatsanleihen, 25 Prozent durch islamische Anleihen und je 19 Prozent durch Schuldverschreibungen und Zentralbanküberweisungen finanziert wurde, wurde im ersten Halbjahr 2015 der Großteil des Defizits durch die Zentralbank gedeckt. Devisenreserven der Zentralbank haben sich vom Höchststand von 5,25 Milliarden USD im Juli 2014 auf  ca. 600 Millionen USD im März 2016 reduziert.


Wirtschaftsstruktur

Wirtschaft und Politik sind in Jemen nur wenig verzahnt. Unternehmerfamilien halten sich traditionell von politischen Ämtern eher fern. Nichtsdestotrotz gab es in den letzten Jahren Reforminitiativen aus der jemenitischen Wirtschaft: 2012 haben sich beispielsweise 25 Großunternehmer, Wirtschaftsberater und Akademiker zur "Economic Reforms Task Force" (ERTF) zusammengeschlossen. Ein von der Gruppe 2012 vorgelegtes Reformpaket ist wegen der politischen Entwicklung ohne Umsetzung geblieben. Die ERTF bekräftigt die fortdauernde Relevanz ihrer Reformvorschläge. Seit dem Krieg tagt die Gruppe unregelmäßig und ist auch humanitär aktiv.


Währung

Die bis März 2015 stabile Währung (214,9 Yemeni Rial/USD) hat seit Beginn der Zuspitzung der Krise in den letzten Kriegsmonaten lokal nachgegeben (zwischen 240-250 YR/USD).


Wirtschaftswachstum

Das reale Wirtschaftswachstum wird vom Ministerium für Planung und internationale Zusammenarbeit (MOPIC) mit -34,6 Prozent angegeben (von 13,3 Milliarden USD 2014 zu 8,7 Milliarden USD 2015), der IWF geht für 2015 von einem realen Wirtschaftswachstum von -38,0 Prozent aus. Das reale BIP pro Kopf ist von 500 USD im Jahr 2014 nochmals stark auf 326 USD gefallen.

26 Prozent aller Geschäfte und Kleinunternehmen wurden einer Studie zu Folge geschlossen; wichtige Unternehmen ziehen sich ins Ausland zurück. Die Produktivität im Industrie- und Dienstleistungssektor ist nach Angaben der MOPIC um -69 Prozent und die Einnahmen um -79 Prozent zurückgegangen. Die größte Industriegruppe in Jemen, Hayel Saeed (25.000 Mitarbeiter), hat im Frühsommer jegliche Produktion eingestellt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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