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Jemen

Wirtschaft

Stand: Januar 2014

Aktuelle Wirtschaftslage

Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage bleibt eine große Herausforderung für die Übergangsregierung, da weiterhin kaum finanzieller Spielraum für Investitionen in soziale Sektoren und zur Schaffung von Arbeitsplätzen besteht. Die Regierung kann damit den hohen Erwartungen der Bevölkerung, die auch ein Faktor in den Umbrüchen waren, ohne Hilfe von außen nur schwer gerecht werden. Nach Schätzungen des jemenitischen Arbeitsministeriums haben während der innenpolitischen Krise über eine Million Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Die Arbeitslosenquote liegt nach inoffiziellen Schätzungen bei 40%. Die derzeitige dysfunktionale All-Parteien-Regierung hat bislang kaum Reformschritte im Wirtschaftsbereich unternommen. Alle makroökonomischen Indikatoren befinden sich im Alarmbereich und die Geduld der vernachlässigten Bevölkerung wurde bereits stark strapaziert.

Nach großem Einbruch während des Umbruchs wird für 2013 vom IWF derzeit 6,0% Wachstum projiziert. Eine nachhaltige Erholung des Privatsektors dürfte jedoch von der weiteren Stabilisierung der politischen und Sicherheitslage abhängen.. Für 2013 erwartet der IWF eine Inflationsrate von 12%. Angesichts des rückläufigen Pro-Kopf-Einkommens, das besonders die sozial schwachen Schichten hart traf, herrscht in weiten Landesteilen eine humanitäre Krise. Ca. 10 Mio. Menschen sind ernährungsunsicher, rund 13 Mio. haben keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Der für das Jahr 2013 verabschiedete Haushalt sieht Ausgaben in Höhe von ca. 12,6 Mrd. USD und Einnahmen von 9,7 Mrd. USD vor. Für das Defizit sind v.a. geringere Erdöleinnahmen, hohe Ausgaben für Subventionen, gestiegene Gehälter im öffentlichen Dienst und für den Sicherheitsapparat verantwortlich.


Struktur der Wirtschaft

Die jemenitische Wirtschaftspolitik hat mit einer Reihe von strukturellen Herausforderungen zu kämpfen, darunter insbesondere dem hohen Bevölkerungswachstum (ca. 2,9% nach Angaben des VN-Bevölkerungsfonds UNFPA), mit dem das Wirtschaftswachstum mithalten muss. Zudem ist die jemenitische Wirtschaft weiterhin wenig diversifiziert. Rund 90% der Exporterlöse und rund 60% der Staatseinnahmen stammen aus dem Öl- /Gassektor, doch insbesondere die Ölressourcen schwinden und sind daher keine nachhaltige Einkommensquelle des Staates. Experten gehen davon aus, dass die jemenitischen Ölreserven 2017 erschöpft sein werden. Anschläge auf Erdöl- und Gaspipelines haben zusätzliche negative Auswirkungen auf die Produktion; darüber hinaus führt die aktuelle Sicherheitslage zu Verzögerungen bei der Exploration neuer Vorkommen.

Das Investitionsklima ist aufgrund der politischen Krise, der problematischen Sicherheitslage, hoher Rechtsunsicherheit, endemischer Korruption, schwacher Infrastruktur und niedrigem Bildungsniveau der Bevölkerung nach wie vor schlecht.

Die Außenverschuldung Jemens lag im Dezember 2011 bei 6,7 Mrd. USD (ca. 20% des BIP), davon entfallen rd. 1,8 Mrd. USD auf den Pariser Club. Multilateralen Organisationen (v.a. Weltbank) schuldet Jemen rund 3,3 Mrd. USD. Die verbleibenden Schulden entfallen v.a. auf Geberstaaten des Golfkooperationsrates.

Die Landwirtschaft beschäftigt einen Großteil der erwerbstätigen Bevölkerung, trägt jedoch lediglich fünf Prozent zum Gesamtexport bei. Die Landwirtschaft verbraucht 90 Prozent der jemenitischen Wasserressourcen. Wichtigste Einnahmequelle der Landwirtschaft ist der Anbau der Droge Khat für den heimischen Markt. Da immer weniger landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden, führt Jemen ca. 75 Prozent seiner Grundnahrungsmittel ein und ist damit besonders anfällig für Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln auf dem Weltmarkt.


Handelspolitik

Die Importe beliefen sich 2012 auf rd. 8,9 Mrd. USD. Die meisten Importgüter kamen bislang aus den Staaten des Golfkooperationsrates sowie aus China und Indien. Der Export - im Wesentlichen Ölprodukte und Flüssiggas - umfasste 2011 Waren im Wert von ca. 8,77 Mrd. USD und ging hauptsächlich nach China, Indien und Südkorea. Landwirtschaftsgüter blieben mit 5 Prozent des Exports der zweitwichtigste Exportartikel, rund 2 Prozent entfielen auf die Fischerei. Diese sehr einseitige Zusammensetzung macht Jemen in höchstem Maße anfällig für Ölpreisbewegungen.

Als Erfolg für die Übergangsregierung kann gewertet werden, dass im Juli 2012 der Beitritt Jemens zur WTO (Welthandelsorganisation), den das Land bereits im April 2000 beantragt hatte, formal beschlossen wurde.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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