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Open Situation Room

Der Open Situation Room (OSR) ist als zeitgenösische Interpretation des ursprünglichen Situation Rooms zu verstehen, den U.S. Präsident John F. Kennedy 1962 als Abspracheformat für akute Krisensituationen geschaffen hat. Während sich im Situation Room die Binnenexperten einer Regierung versammeln, mischen sich diese im OSR mit externen, teils fachfremden Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Die deutsche Außenpolitik steht regelmäßig vor zahlreichen internationalen Herausforderungen und Krisen. Sie muss im Spannungsfeld von nationalen Interessen und Erwartungen sowie internationaler Verantwortung handeln. Jenseits der klassischen Zuständigkeiten, Expertisen und Hierarchien wollen Experten des Auswärtigen Amtes gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern kreative Ideen für Handlungsoptionen entwickeln. Der Open Situation Room dient dabei als Werkstatt.

Projektidee und Umsetzung

Die Projektidee entstand während des Review Prozesses 2014, welcher die deutsche Außenpolitik auf den Prüfstand stellte und neue Formen der Öffnung und Zusammenarbeit beförderte. Gemeinsam mit dem Mercator Program Center for International Affairs (MPC) wird der Austausch zwischen Diplomaten und Zivilgesellschaft verstärkt, die Komplexität von Außenpolitik besser dargestellt und neue Denkansätze entwickelt. Im Laufe dieses Jahres finden zunächst sechs Veranstaltungen statt.

Ein OSR dauert etwa drei Stunden. Zu Beginn skizziert eine Diplomatin oder ein Diplomat eine komplexe Krise oder aktuelle Problemstellung aus ihrem oder seinem Arbeitsumfeld. Anschließend sind die 30 bis 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgerufen, eigene Ideen und Methoden zur Bewältigung der skizzierten Fragestellung zu entwickeln. Sie produzieren im Austausch miteinander eine Vielzahl von Vorschlägen, aus denen sie drei bis fünf praktikable Beispiele kondensieren, die dann den Experten aus dem Auswärtigen Amt vorgetragen werden. Organisiert und durchgeführt nach modernen Moderationstechniken werden die interessantesten Ideen abgestimmt und ihre Machbarkeit bewertet. Die Vertreter des AA sind eingeladen, Ideen der Teilnehmer vor Ort zu kommentieren sowie sie für die interne Erwägung ins AA mitzunehmen.

Der erste OSR zum Thema Flucht und Migration

Der erste OSR fand am 16. November 2015 bei der Stiftung Mercator in Essen statt und befasste sich mit der Leitfrage "Flucht und Migration: Herausforderungen an die deutsche Außenpolitik". Gemeinsam mit der Beauftragten des Auswärtigen Amts für Flucht und Migration, Beate Grzeski, wurden in diesem OSR neue Wege und Ideen besprochen, wie die Situation von Flüchtlingen in Transitländern verbessert werden könnte. Zum einen wurde konkret über die Entwicklung einer App für Smartphones diskutiert, in die die Bundesregierung vertrauenswürdige Informationen einspeist, um das Risiko für Flüchtlinge, in Schlepperhände zu fallen oder unrealistische Vorstellung über Deutschland zu entwickeln, zu verringern. Außerdem gab es den Vorschlag, eine digitale Lehrstätte in Transitländern zu eröffnen.

Der zweite OSR zum Thema Syrien

Die Teilnehmenden diskutieren lebhaft zum Thema Syrien.

Die Teilnehmenden diskutieren lebhaft zum Thema Syrien.
© MSC/dedimag/Johannes Simon

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Die Teilnehmenden diskutieren lebhaft zum Thema Syrien.

Die Teilnehmenden diskutieren lebhaft zum Thema Syrien.

Die Teilnehmenden diskutieren lebhaft zum Thema Syrien.

Am 12. Februar 2016 fand zwischen Syrien-Gesprächen und Münchner Sicherheitskonferenz der zweite Open Situation Room mit dem Titel "Syrien - Welchen Beitrag kann Deutschland zu einer politischen Lösung leisten?" in München statt. Dr. Thomas Bagger, Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt, und Dr. Stefanie Babst, Leiterin des Planungs- und Analysestabs der NATO, baten die ca. 45 Teilnehmenden, mögliche Ansätze zur Stabilisierung der Situation in und um Syrien zu entwickeln. Dabei wurden Überlegungen zur Herstellung zunächst lokaler Waffenstillstände ("incremental ceasefire") ebenso diskutiert wie die Möglichkeiten zur Stärkung der Rolle von Frauen in Konflikt- und Nachkonfliktsituationen oder die Entwicklung einer optimierten Nachfragekoordination für die syrischen Nachbarstaaten zur Versorgung der Geflüchteten. Zu letzterem Thema haben die Teilnehmenden beispielsweise ein Analyseschema entwickelt, das die Bedürfnisse von Flüchtlingen in verschiedenen Aufnahmeländern anhand der Maslow'schen Bedürfnispyramide klassifiziert.

Zusammenfassende Dokumentation der Ideen aus dem zweiten OSR (PDF, 1 MB)

Der dritte OSR: Globale Migration

"Ein Kontinent in Bewegung: Ursachen und Folgen globaler Migration" war das Thema des Open Situation Room am 08. April 2016 in München. Der deutsche Botschafter in Südafrika, Walter Lindner, zeigte anhand seiner persönlichen Erfahrungen und Eindrücke an verschiedenen Dienstposten die Entwicklungen auf, die Auslöser für Migrationsbewegungen sind. Bevölkerungswachstum, Lebensmittel- und Ressourcenknappheit sowie Erderwärmung würden den Migrationsdruck in den nächsten Jahrzehnten weiter verstärken. In den intensiven Diskussionen über mögliche Lösungsansätze wurde die Komplexität der Herausforderung deutlich. Bei ihren Vorschlägen richteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen besonderen Fokus auf Initiativen zur Stärkung wirtschaftlicher und sozialer Strukturen auf lokaler Ebene.

Zusammenfassende Dokumentation der Ideen aus dem dritten OSR (PDF, 2 MB)

Der vierte OSR: How to engage post-sanction Iran?

Der vierte Open Situation Room (OSR) fand am 13. Juni 2016 beim Global Media Forum der Deutschen Welle in Bonn statt. Gemeinsam mit Marian Schuegraf, Gesandtin der Deutschen Botschaft Teheran, haben wir die Frage "How to engage post-sanction Iran?" diskutiert und neue Lösungsansätze und Ideen entwickelt.

Zusammenfassende Dokumentation der Ideen aus dem vierten OSR (PDF, 2 MB)

Der fünfte OSR: EU-China

Am 02. September 2016 fand in Berlin der fünfte Open Situation Room unter dem Titel "EU-China: Beziehungen gestalten!" statt. Dr. Norbert Riedel, Regionalbeauftragter für Asien und Pazifik im Auswärtigen Amt, diskutierte mit den 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie Gesellschaft und Politik in Deutschland und in Europa mit der aufsteigenden Macht China umgehen sollen. Behandelt wurden unter anderem die Positionierung der EU im Konflikt um das Südchinesische Meer, die Herausforderung, mit China über Menschenrechte zu sprechen wie auch die Idee eines neuen EU-China-USA-Trialogs.

Zusammenfassende Dokumentation der Ideen aus dem fünften OSR (PDF, 3 MB)

Informationen zu weiteren Veranstaltungen entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungskalender.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des MPC unter:

 www.mpc-international.org


Stand 27.09.2016

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