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Indien

Beziehungen zwischen Indien und Deutschland

Stand: März 2014

Politische Beziehungen

Indien beendete nach dem Zweiten Weltkrieg als erster Staat den Kriegszustand mit Deutschland und zählte zu den ersten Staaten, die die Bundesrepublik Deutschland diplomatisch anerkannten. Die deutsche Wiedervereinigung wurde von Indien mit Sympathie und Unterstützung begleitet. Indien sieht im vereinten Deutschland einen wichtigen Partner auf der Suche nach seiner neuen weltpolitischen und regionalen Rolle.

Der hochrangige beiderseitige Besucheraustausch hat den Beziehungen starke Impulse gegeben.

Bereits 1956 und 1960 besuchte der erste indische Premierminister Jawaharlal Nehru Deutschland, gefolgt von Premierminister Rajiv Gandhi (1988), Präsident R. Venkataraman (1989), Premierminister Narasimha Rao (1991, 1993 und 1994) sowie Präsident K.R. Narayanan (1998). Premierminister Atal Bihari Vajpayee stattete Deutschland im Mai 2003 einen Besuch ab. Premierminister Manmohan Singh hat Deutschland im April 2006, im Dezember 2010 und im April 2013 besucht.

Ein Staatsbesuch von Bundespräsident Gauck in Indien fand vom 4. bis 9. Februar 2014 statt. Zuvor reisten u.a. Bundespräsident Köhler (2010), Bundeskanzlerin Merkel (2007 und 2011), Bundesaußenminister Westerwelle (2010, 2011 und.2012) nach Indien. Bundesaußenminister Steinmeier (November 2008),  Bundestagspräsident Lammert (August 2007), Bundeskanzler Schröder (2004 und 2001), Bundespräsident Rau (2003), Bundespräsident von Weizsäcker (1991) sowie Bundeskanzler Kohl (1993, 1986 und 1983) statteten Indien ebenfalls offizielle Besuche ab.

Die von beiden Außenministern unterzeichnete "Agenda für die Deutsch-Indische Partnerschaft im 21. Jahrhundert" vom Mai 2000 (seitdem durch gemeinsame Erklärungen fortgeschrieben) beschreibt Felder für die weitere Vertiefung der bilateralen Beziehungen. Diese Partnerschaft sieht neben der engeren politischen Abstimmung – regional wie global, z. B. zu Afghanistan, Iran, Abrüstung, Terrorismusbekämpfung, Klimaschutz und Reform der Vereinten Nationen - einen deutlichen Ausbau der Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Energie, Wissenschaft und Technologie sowie Verteidigung vor.

Im Mai 2011 hielten Bundeskanzlerin Merkel und Premierminister Singh in Neu Delhi die ersten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen ab. Die Bundeskanzlerin wurde von sieben Ministern und Staatsministern begleitet. Indien ist – abgesehen von Israel – der erste außereuropäische Staat, mit dem diese Form der engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit praktiziert wird. Die zweiten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen fanden am 11. April 2013 in Berlin statt. Premierminister Singh reiste in Begleitung von fünf seiner Minister. Anlässlich der Konsultationen wurden von den Fachressorts sechs gemeinsame Absichtserklärungen zu Bereichen der Zusammenarbeit unterzeichnet und eine gemeinsame Erklärung unter dem Motto „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ abgegeben.

Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung der strategischen und globalen Partnerschaft zwischen Deutschland und Indien, 11. April 2013 (PDF, 268 KB)

Der strategische Dialog mit Indien bekam mit der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens durch die beiden Verteidigungsminister im September 2006 auch eine militärpolitische Dimension. Auf der Ebene der Staatssekretäre tagt einmal jährlich ein High Defence Committee (HDC)  um die einzelnen Maßnahmen der Kooperation im Verteidigungsbereich zu billigen. Neben einem militärpolitischen Dialog erstreckt sich die Kooperation auch auf den Bereich der Streitkräfte und den Rüstungsbereich. Im Jahr 2013 fand der HDC-Dialog aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten auf beiden Seiten nicht statt, soll aber 2014 fortgesetzt werden.

Ein wichtiger Meilenstein in den deutsch-indischen Beziehungen war das von Herbst 2011 bis Februar 2013 aus Anlass des 60jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen (seit 07.03.1951) in Indien veranstaltete Deutschlandjahr. Es stand unter dem Motto "Deutschland und Indien 2011-2012 - Unbegrenzte Möglichkeiten".


Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU. Seit Beginn der indischen Reformpolitik 1991 hat das bilaterale Handelsvolumen rasant zugenommen. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2012 mit 17,38 Mrd. € (Export: 10,38 Mrd. € = -4,5 Prozent, Import: 7,0 Mrd. € = -6,8 Prozent) um 5 Prozent unter dem Volumen des Vorjahrs. 2013 schrumpfte das Handelsvolumen nochmals auf 16,08 Mrd. € oder 7,4 %: deutsche Einfuhren aus Indien -1,5%, deutsche Ausfuhren nach Indien -11,5  im Vergleich zum Vorjahr.) In der Rangfolge der deutschen Handelspartner steht Indien auf Platz 24 (2011 noch 25), bei Einfuhren auf Platz 25 und auf Platz 22 bei Ausfuhren. Umgekehrt steht Deutschland in Indien als Lieferant an 10. Stelle und als Abnehmer indischer Waren an 8. Stelle. Der deutsche Handelsüberschuss von rund 3,4 Mrd. € (2012/13) zeugt von hoher indischer Nachfrage insbesondere nach deutschen Investitionsgütern (Maschinen, die etwa ein Drittel am Gesamtexport nach Indien ausmachen, sowie Elektrotechnologie, Metallwaren, Chemie, Automobil- und Automobilteilen).

Der Schwerpunkt indischer Exporte nach Deutschland liegt im Textilbereich, gefolgt von chemischen Erzeugnissen, Elektrotechnologie, Metallwaren, Leder und Nahrungsmitteln.

Zu den wichtigsten deutsch-indischen Wirtschaftsabkommen zählen:

  • Doppelbesteuerungsabkommen, am 19.12.1996 in Kraft getreten;
  • Investitionsschutzabkommen, im Juli 1998 in Kraft getreten;
  • Handelsabkommen vom 31.03.1955;
  • Vereinbarungen über die Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung von 1971 und 1974.

Die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen zu Indien wurde in den letzten Jahren durch hochrangige Besuche auf  politischer Ebene unterstrichen. Bundespräsident Gauck wurde bei seinem Staatsbesuch im Februar 2014 von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet. Auch die letzten Besuche der Bundeskanzlerin, des Bundesaußenministers, des Bundeswirtschaftsministers, und des Bundesverkehrsministers erfolgten ,jeweils in Begleitung hochrangiger Wirtschaftsdelegationen.,Bundeswirtschaftsminister Rösler reiste im November 2012 zur zweijährlichen Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft nach Indien.


Deutsche Direktinvestitionen

Deutschland zählt seit Jahrzehnten zu den 10 wichtigsten ausländischen Direktinvestoren in Indien und liegt dabei derzeit mit einer Höhe von über 6 Mrd. USD seit April 2000 u.a. nach Mauritius, Singapur, Großbritannien, Japan, den USA, Niederlanden und Zypern auf Platz 8. Schwerpunktbereiche der Investitionen waren die Verkehrs-, Elektro- und Metallbranche. Über die letzten Jahre führte der Dienstleistungssektor mit einem ca. 26-prozentigen Anteil (insb. Versicherungen), gefolgt von der Bauwirtschaft und der Automobilindustrie. Die neuen Direktinvestitionen im Finanzjahr 2012-2013 aus Deutschland betrugen 860 Mio. USD (im Vorjahr: 1.662 Mio. USD) (Im Zeitraum April – November 2013: 633 Mio. USD). Diese Zahl steht für unmittelbare Geldflüsse. Sie umfasst keine indirekten Investitionen und entspricht damit bei weitem nicht dem tatsächlichen Engagement deutscher Firmen.


Deutsch-Indische Entwicklungszusammenarbeit

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland mit der Republik Indien ist ein wichtiger Bestandteil der außenpolitischen Beziehungen. Indien ist ein Land extremer wirtschaftlicher und sozialer Gegensätze: einerseits ist es aufstrebendes Schwellenland mit wachsender Mittelschicht, andererseits leben immer noch mehr als 800 Mio. Menschen von weniger als 2 USD am Tag. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte, verbunden mit Industrialisierung und Urbanisierung, führt auch zu gravierenden Umweltschäden, Indien ist inzwischen weltweit drittgrößter Emittent klimaschädlicher Gase. Die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen und damit der Ressourcendruck sind in Indien ist enorm.

In ihrem Bemühen, die Leistungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) möglichst effizient gestalten konzentriert sich die Arbeit der Bundesregierung in Absprache mit der indischen Regierung auf die folgenden Sektoren:

  • Energieversorgung: Energieeffizienz, Erneuerbare Energien
  • Umwelt- und Ressourcenschutz: Anpassung an den Klimawandel, Biodiversität, industrieller und städtischer Umweltschutz
  • nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung (einschl. Finanzsystementwicklung und soziale Sicherung): soziale Sicherungssysteme, (ländliche) Finanzsystementwicklung, Privatsektor- und Beschäftigungsförderung

Deutschlands Ansatz  einer innovativen Entwicklungszusammenarbeit liegt vor allem darin, in Deutschland bewährte Konzepte und Strategien aufzuzeigen und anzubieten sowie zu einem erweiterten Verständnis zum Schutz von Umwelt, Klima und Stabilität beizutragen.

Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit werden im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (Entwicklungsbank der KfW-Gruppe) durchgeführt. Die Entwicklungszusammenarbeit mit Indien kann nicht losgelöst von wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen des Landes erfolgen. Daher gibt es in vielen Projekten eine enge Kooperation mit Wirtschaftsverbänden (Kammernn) und Selbsthilfeorganisationen der Klein- und Mittelindustrie. Die 2009 eingeführten Entwicklungspartnerschaften, „Private Public Partnerships“ (PPP), zwischen privaten Unternehmen und offiziellen Entwicklungsakteuren, leisten einen positiven Beitrag zur deutschen EZ. So betreibt z.B. ein deutsches Unternehmen ein Projekt, welches Kleinbauern in abgelegenen Regionen von Uttarakhand, via SMS mit relevanten Informationen zu Anbau und Ernte von landwirtschaftlichen Produkten versorgt.

Der entwicklungspolitische Dialog wird auf Regierungsebene im Rahmen der jährlichen entwicklungspolitischen Regierungskonsultationen und Regierungsverhandlungen geführt. 2013 wurden mit Neuzusagen von 1,08935 Mrd. EUR ein historischerhistorischen Höchststand in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit erreicht.


Kulturelle Zusammenarbeit

Basis des deutsch-indischen Kulturaustauschs ist das bilaterale Kulturabkommen, das im September 1969 in Kraft trat. Deutsch-indische Kulturkonsultationen (zuletzt im Oktober 2005) konkretisieren Projekte und Austauschmaßnahmen im Kultur- und Bildungsbereich.

In Indien gibt es sechs Goethe-Institute (GI), die unter dem Namen "Max Mueller Bhavan“ – benannt nach dem deutschen Indologen Max Müller (1823 – 1900) - arbeiten. Die Institute leisten Programm-, Sprach- und Informationsarbeit in New Delhi, Kalkutta, Chennai, Bangalore, Mumbai und Pune. Neben der Veranstaltung und Organisation von Kulturprogrammen bildet die Spracharbeit einen wichtigen Schwerpunkt. Derzeit nehmen jährlich etwa 12.000 Personen an Deutschkursen der Max Mueller Bhavan teil.

Das Institutsnetzwerk wird ergänzt durch fünf Goethe-Zentren in Ahmedabad, Chandigarh, Coimbatore, Hyderabad und Trivandrum.

Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) konnten das Goethe-Institut und die Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA) in Indien 42 Schulen für die Einführung von Deutsch als Fremdsprache gewinnen. Die Zahl der Deutschschüler an diesen Schulen wird auf 13.000 geschätzt. Mit der landesweit tätigen Schulkette Kendriya Vidyalaya Sangathan hat das GI im September 2011 ein „Memorandum of Unterstanding“ zur Deutschlehrerausbildung unterzeichnet, um die Einführung von Deutsch als Unterrichtsfach an allen rd. 1000 Schulen der Kette zu unterstützen. Um das Projekt weiter zu fördern, stehen die deutsche und die indische Seite  in Verhandlungen über die Einführung eines „Bachelor of Education -  „B.Ed.“ für Deutschlehrer.

Ein indisches Kulturzentrum (Tagore-Zentrum) befindet sich an der Indischen Botschaft in Berlin.

Die Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in New Delhi fördert die bilaterale Hochschul- und Forschungskooperation und befasst sich mit Stipendienprogrammen und Studienberatung. Der DAAD bietet in Indien alle regulären Förderprogramme sowie eine Reihe von indienspezifischen, z.T. ko-finanzierten Sonderprogrammen an, u.a. Wissenschaftleraustausch- und projektbezogene Personenaustauschprogramme. Derzeit (WS 2013) sind rd. 7.500 indische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Die Zahl deutscher Studenten an indischen Hochschuleinrichtungen wird auf etwa 1.000 geschätzt.

Momentan sind 5 Lektoren (4 Deutschlektoren, 1 Fachlektor) und 5 DaF (Deutsch als Fremdsprache)-Sprachassistenten in Indien tätig.

Das Südasien-Institut der Universität Heidelberg ist seit 1962 mit einer Außenstelle in New Delhi vertreten und hat eine wichtige Brückenfunktion für Indologen deutscher und indischer Forschungsinstitutionen.

Es gibt in New Delhi eine bis zum Abschluss der 12. Klasse (Deutsche Internationale Abiturprüfung- DIAP) führende anerkannte deutschsprachige Auslandsschule.

Im Mai 2011 eröffnete Bundeskanzlerin Merkel in New Delhi das Deutschlandjahr in Indien "Deutschland und Indien 2011/-2012 - Unendliche Möglichkeiten". Deutschland stellte sich dabei unter dem Oberthema „StadtRäume–CitySpaces“ in insgesamt fünf indischen Metropolen mit einem breiten Angebot an Kulturveranstaltungen sowie Präsentationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung als Zukunftspartner Indiens vor. In Deutschland fanden 2012 bis 2013 „Days of India“ unter dem Motto „Connecting Cultures“ statt. Am 7. September 2013 konnte die Deutsche Botschaft in Srinagar, Kaschmir, mit einem klassischen Konzert des Bayerischen Staatsorchesters unter der Leitung von Maestro Zubin Mehta ein besonderes Projekt verwirklichen, das in der indischen Öffentlichkeit auf breite Resonanz stieß.


Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit mit Indien reicht bis Ende der fünfziger Jahre zurück und gründet u.a. auf zwei Regierungsabkommen von 1971 und 1974. Die indische Wissenschaft genießt in Deutschland einen sehr guten Ruf (vor allem Raumfahrt, IT und Biotechnologie) und umgekehrt. Seit den neunziger Jahren finden regelmäßig Treffen auf Staatssekretärsebene statt, bei denen wichtige Projekte und Prioritäten der Zusammenarbeit behandelt werden. Die letzte Sitzung fand im September 2012 in Jülich statt.

Am 27. Oktober 2012 wurde in Neu Delhi das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) eingeweiht. Die Zusammenführung fünfzehn deutscher Wissenschafts- und Forschungsinstitutionen unter einem Dach soll indischen und deutschen Wissenschaftlern und Studierenden den Aufbau von Kontakten erleichtern. Die Entscheidung des Auswärtigen Amts, in Delhi eines von sechs Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäusern/-zentren (DWIH/DWZ) weltweit einzurichten, unterstreicht den hohen Stellenwert, der Indien als Partner für Wissenschaft und Forschung beigemessen wird.

Die Bedeutung Indiens als Partnerland der Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich zeigt sich auch bei hochrangigen Besuchen. Aus Anlass der ersten deutsch-indischen Regierungskonsultationen unter Leitung von Bundeskanzlerin Merkel und Premierminister Singh am 31. Mai 2011 stammten neun der zehn bilateralen Vereinbarungen aus den Bereichen Bildung und Forschung. Im Mittelpunkt standen dabei die bilaterale Forschungskooperation in Biotechnologie, Umwelt und Materialwissenschaften sowie Berufsbildung. Anlässlich der 2. Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen am 11. April 2013 wurden eine Absichtserklärung zum Aufbau strategischer Hochschulpartnerschaften sowie Vereinbarungen zwischen einzelnen Universitäten und Forschungsinstituten unterzeichnet. Mit Indien unterhält Deutschland sein weltweit einziges bilaterales Forschungsförderzentrum. Dieses „Indo-German Science and Technology Center“ (IGSTC) in Gurgaon bei New Delhi wird von 2008 bis 2017 von Deutschland und Indien zu gleichen Teilen mit jährlich je 2 Mio. € finanziert. Es fördert bilaterale, anwendungsorientierte Forschungsprojekte unter Einbeziehung von Unternehmen auf beiden Seiten. Es wurde im September 2008 bei einem Indienbesuch von Bundesministerin Schavan eingeweiht.

Im November 2012 hat das Fraunhofer Institut eine permanente Repräsentanz in Bangalore eröffnet.

Indien ist an mehreren Großforschungseinrichtungen in Deutschland maßgeblich beteiligt. Der indische Beitrag zum multinationalen Teilchenbeschleuniger FAIR in Darmstadt beträgt rund 30 Millionen €. Auch in Nutzungsrechte des Teilchenbeschleunigers DESY in Hamburg hat Indien erheblich investiert.

Besondere Sichtbarkeit erlangte die deutsche Wissenschaft in Indien durch die Fahrt des deutsch-indischen Wissenschaftszuges "Science Express" von 2007 bis 2011. Diese von Bundeskanzlerin Merkel im Oktober 2007 eröffnete interaktive Wanderausstellung auf Schienen erreichte in Indien 6 Millionen Besucher.

Für Indien ist Deutschland weltweit der zweitwichtigste Forschungspartner hinter den USA. Das zeigt die große Zahl gemeinsamer deutsch-indischer wissenschaftlicher Publikationen.

In Deutschland bilden über 1.000 indische Doktoranden die zweitgrößte Gruppe ausländischer Promotionsstudenten hinter China. Um den akademischen Austausch zwischen Deutschland und Indien weiter zu vertiefen, legte die damalige Bundesministerin Schavan bei ihrem Indienbesuch 2008 das Stipendienprogramm „A New Passage to India“ auf. Das jährlich mit 4,3 Millionen € unterlegte Programm wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) umgesetzt und zielt insbesondere darauf ab, die Indienkompetenz deutscher Nachwuchswissenschaftler zu stärken.

Die Zusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit Indien entwickelt sich auf Grundlage eines Abkommens mit dem indischen Forschungsministerium sehr dynamisch: Im Jahr 20133 kamen über 730 indische Wissenschaftler zu Forschungsaufenthalten an Max-Planck-Institute, ein Anstieg um 40 % in den vergangenen sieben Jahren. An den Doktorandenprogrammen, den International Max Planck Research Schools, stellte Indien im Jahr 2011 mit 120 Teilnehmern die größte ausländische Gruppe. 14 Max-Planck-Partnergruppen arbeiten in Indien, so viele wie in keinem anderen Land, und es gibt 40 Projekt-Kooperationen mit indischen Institutionen. Die MPG unterhält zwei deutsch-indische Forschungszentren: Das Indo-German Max Planck Centre for Computer Science (IMPECS) am Indian Institute of Technology in New Delhi und das Indo-German Max Planck Center on Lipid Research am National Center of Biological Sciences in Bangalore.

Bei der Alexander-von-Humboldt-Stiftung nimmt Indien im Rahmen der Stipendienprogramme und Preisvergaben an ausländische Forscher nach den USA China, Großbritannien, Italien, und Frankreich einen prominenten Platz ein.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist seit 2006 mit Büros in Neu Delhi und Hyderabad vertreten. Im Rahmen der Forschungszusammenarbeit zwischen DFG und der Indian National Science Academy (INSA) hielten sich bis dato etwa 490 indische Wissenschaftler in Deutschland auf.


Umweltbeziehungen

Indien steht vor massiven Herausforderungen hinsichtlich des städtischen und industriellen Umweltschutzes. Der langfristige und nachhaltige Schutz der Böden, des Wassers und der Luft sowie der Erhalt der Artenvielfalt sind Fragen von globaler Bedeutung. Indien und Deutschland arbeiten gemeinsam daran, international vereinbarte Umweltziele zu erreichen.

Angesichts der drängenden Herausforderungen im Umweltbereich setzt Deutschland auf einen verstärkten politischen Dialog mit Indien. Im November 2008 eröffnete der damalige Bundesminister Gabriel zusammen mit seinem indischen Kollegen das erste deutsch-indische Umweltforum in New Delhi. Im Zentrum standen die Themen Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) des Kyoto-Protokolls. Eine Anschlussveranstaltung ist für 2014 angedacht.

Die Bereiche Umwelt- und Klimaschutz  sind traditionell Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit. Im Mittelpunkt der Klimaschutzmaßnahmen stehen dabei Vorhaben zur Förderung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Die Zusammenarbeit im Bereich des Umweltschutzes beinhaltet z.B. Maßnahmen im Bereich der Abfall- und Abwasserentsorgung in Ballungsräumen.

Im März 2013 wurde im indischen Bundesstaat Maharashtra ein mit deutscher Unterstützung gebautes Photovoltaikkraftwerk eingeweiht. Mit einer Leistung von 125 Megawatt ist es derzeit die größte Anlage der Welt. Die Investitionskosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 350 Millionen Euro. Die deutsche Seite leistet mit einem zinsverbilligten Entwicklungskredit der KfW in Höhe von 250 Millionen Euro hierzu ihren Beitrag.

Im Rahmen der letzten Runde der gemeinsamen entwicklungspolitischen Regierungsverhandlungen in Delhi  sind 2013 gemeinsame Projekte in Indien im Wert von 1 Mrd.  Euro gebilligt worden. Der Großteil der Mittel wird für Projekte aus den Bereichen Umwelt und erneuerbare Energien eingesetzt. Besonders die sog. „Green Energy Corridors“, die zur Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien am nationalen Energiemix beitragen, stehen im Zentrum der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mit der ersten Zusage soll der Auf- und Ausbau des indischen Leitungsnetzes für eine effiziente Integration der erneuerbaren Energiequellen in bestehende Übertragungsnetze ermöglicht werden.

Auch im Rahmen der 2008 von der Bundesregierung ins Leben gerufenen, internationalen Klimaschutzinitiative werden Projekte in Indien gefördert. Diese beschäftigen sich ebenfalls mit erneuerbaren Energien und biologischer Vielfalt. Die Mittel hierfür kommen aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten in Deutschland.

Als erstes großes Schwellenland trat Indien im März 2009 der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) bei. Ergänzend zur IRENA-Mitgliedschaft ist Indien Gründungsmitglied des von Bundesumweltminister Peter Altmaier initiierten „Clubs der Energiewendestaaten“. Die Gründung erfolgte im Juni 2013 in Berlin.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Deutschlandjahr in Indien

Ein Deutschlandjahr zeigt jetzt zahlreiche Facetten der Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland auf - unter anderem in einem gemeinsamen Kunstprojekt, das sich mit Leben am Fluss beschäftigt.

Entwicklungs­zusammenarbeit

Indien ist ein Kooperationsland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit.
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