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Indien

Beziehungen zwischen Indien und Deutschland

Stand: Oktober 2014

Politische Beziehungen

Indien beendete nach dem Zweiten Weltkrieg als erster Staat den Kriegszustand mit Deutschland und zählte zu den ersten Staaten, die die Bundesrepublik Deutschland diplomatisch anerkannten. Die deutsche Wiedervereinigung wurde von Indien mit Sympathie und Unterstützung begleitet. Indien sieht im vereinten Deutschland einen wichtigen Partner auf der Suche nach seiner neuen weltpolitischen und regionalen Rolle.

Der anhaltende beiderseitige Besucheraustausch gibt den Beziehungen starke Impulse. Vom 4. bis 9. Februar 2014 stattete Bundespräsident Gauck Indien einen Staatsbesuch ab. Zuletzt führte Außenminister Steinmeier am 7./8. September 2014 Gespräche mit der neuen indischen Regierung unter Premierminister Modi. Diese Besuche stehen in einer langen Reihe hochrangiger Begegnungen seit der Reise des ersten indischen Premierministers Jawaharlal Nehru 1956 nach Deutschland.

Die vom deutschen und vom indischen Außenminister unterzeichnete "Agenda für die Deutsch-Indische Partnerschaft im 21. Jahrhundert" vom Mai 2000 (seitdem durch gemeinsame Erklärungen fortgeschrieben) beschreibt Felder für die weitere Vertiefung der bilateralen Beziehungen. Diese Partnerschaft sieht neben der engeren politischen Abstimmung – regional wie global, z. B. zu Afghanistan, Iran, Abrüstung, Terrorismusbekämpfung, Klimaschutz und Reform der Vereinten Nationen - einen deutlichen Ausbau der Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Energie, Wissenschaft und Technologie sowie Verteidigung vor.

Im Mai 2011 hielten Bundeskanzlerin Merkel und der damalige Premierminister Singh in New Delhi die ersten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen ab. Die Bundeskanzlerin wurde von sieben Ministern und Staatsministern begleitet. Indien ist – abgesehen von Israel – der erste außereuropäische Staat, mit dem diese Form der engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit praktiziert wird. Die zweiten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen fanden am 11. April 2013 in Berlin statt. Premierminister Singh reiste in Begleitung von fünf seiner Minister. Anlässlich der Konsultationen wurden von den Fachressorts sechs gemeinsame Absichtserklärungen zu Bereichen der Zusammenarbeit unterzeichnet und eine gemeinsame Erklärung unter dem Motto „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ abgegeben. Die nächsten bilateralen Regierungskonsultationen sind für 2015 vorgesehen.

Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung der strategischen und globalen Partnerschaft zwischen Deutschland und Indien, 11. April 2013 (PDF, 268 KB)

Der strategische Dialog mit Indien bekam mit der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens durch die beiden Verteidigungsminister im September 2006 auch eine militärpolitische Dimension. Auf Ebene der Staatssekretäre tagt in der Regel einmal jährlich ein High Defence Committee (HDC),  um die einzelnen Maßnahmen der Kooperation im Verteidigungsbereich zu billigen. Neben einem militärpolitischen Dialog erstreckt sich die Kooperation auch auf den Bereich der Streitkräfte und den Rüstungsbereich.

Ein wichtiger Meilenstein in den deutsch-indischen Beziehungen war das von Herbst 2011 bis Februar 2013 aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen (seit 7. März 1951) in Indien veranstaltete Deutschlandjahr. Es stand unter dem Motto "Deutschland und Indien 2011-2012 - Unbegrenzte Möglichkeiten".


Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU. Seit Beginn der indischen Reformpolitik 1991 hat das bilaterale Handelsvolumen rasant zugenommen. Aufgrund der Wachstumsschwäche der indischen Wirtschaft  war der bilaterale Handel in den letzten Jahren allerdings leicht rückläufig. So schrumpfte das bilaterale Handelsvolumen 2013/2014 im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 % auf 16,1 Mrd. € (Rückgang von Einfuhren aus Indien um -1,5% und deutscher Ausfuhren nach Indien um -11,5%  gegenüber 2012). In der Rangfolge der deutschen Handelspartner steht Indien auf Platz 24, bei Ein- und Ausfuhren auf Platz 25. Umgekehrt steht Deutschland in Indien als Lieferant an 9. Stelle und als Abnehmer indischer Waren an 8. Stelle. Der deutsche Handelsüberschuss von rund 3,4 Mrd. € (2012/13) zeugt von hoher indischer Nachfrage insbesondere nach deutschen Investitionsgütern (Maschinen, die etwa ein Drittel am Gesamtexport nach Indien ausmachen, sowie Elektrotechnologie, Metallwaren, Chemie, Automobil- und Automobilteilen).

Der Schwerpunkt indischer Exporte nach Deutschland liegt im Textilbereich, gefolgt von chemischen Erzeugnissen, Elektrotechnologie, Metallwaren, Leder und Nahrungsmitteln.

Zu den wichtigsten deutsch-indischen Wirtschaftsabkommen zählen:

  • Doppelbesteuerungsabkommen, am 19.12.1996 in Kraft getreten;
  • Investitionsschutzabkommen, im Juli 1998 in Kraft getreten;
  • Handelsabkommen vom 31.03.1955;
  • Vereinbarungen über die Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung von 1971 und 1974.

Die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen zu Indien wurde in den letzten Jahren durch hochrangige Besuche auf  politischer Ebene unterstrichen. Bundesaußenminister Steinmeier wurde bei seinem Besuch im September 2014 von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Im April 2015 wird Indien Partnerland der Hannover Messe sein.


Deutsche Direktinvestitionen

Deutschland zählt seit Jahrzehnten zu den 10 wichtigsten ausländischen Direktinvestoren in Indien und liegt dabei derzeit mit einer Höhe von über 6 Mrd. USD seit April 2000 u.a. nach Mauritius, Singapur, Großbritannien, Japan, den USA, Niederlanden und Zypern auf Platz 8. Schwerpunktbereiche der Investitionen waren die Verkehrs-, Elektro- und Metallbranche. Über die letzten Jahre führte der Dienstleistungssektor mit einem ca. 26-prozentigen Anteil (insb. Versicherungen), gefolgt von der Bauwirtschaft und der Automobilindustrie. Die neuen Direktinvestitionen im Finanzjahr 2013 aus Deutschland betrugen  1038 Mio. USD (im Vorjahr:  860 Mio. USD). Diese Zahl steht für unmittelbare Geldflüsse. Sie umfasst keine indirekten Investitionen und entspricht damit bei weitem nicht dem tatsächlichen Engagement deutscher Firmen.


Deutsch-Indische Entwicklungszusammenarbeit

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland mit der Republik Indien ist ein wichtiger Bestandteil der außenpolitischen Beziehungen. Indien ist ein Land extremer wirtschaftlicher und sozialer Gegensätze: einerseits ist es aufstrebendes Schwellenland mit wachsender Mittelschicht, andererseits leben immer noch mehr als 800 Mio. Menschen von weniger als 2 USD am Tag. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte, verbunden mit Industrialisierung und Urbanisierung, führt auch zu gravierenden Umweltschäden, Indien ist inzwischen weltweit drittgrößter Emittent klimaschädlicher Gase. Die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen und damit der Ressourcendruck sind in Indien ist enorm.

In ihrem Bemühen, die Leistungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) möglichst effizient gestalten konzentriert sich die Arbeit der Bundesregierung in Absprache mit der indischen Regierung auf die folgenden Sektoren:

  • Energieversorgung: Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Zugang zu Energie zur Armutsminderung
  • Umwelt- und Ressourcenschutz: Anpassung an den Klimawandel, Biodiversität, industrieller und städtischer Umweltschutz
  • nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung (einschl. Finanzsystementwicklung und soziale Sicherung): soziale Sicherungssysteme, (ländliche) Finanzsystementwicklung, Privatsektor- und Beschäftigungsförderung

Deutschlands Ansatz  einer innovativen Entwicklungszusammenarbeit liegt vor allem darin, in Deutschland bewährte Konzepte und Strategien aufzuzeigen und anzubieten sowie zu einem erweiterten Verständnis zum Schutz von Umwelt, Klima und Stabilität beizutragen.

Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit werden im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (Entwicklungsbank der KfW-Gruppe) durchgeführt. Die Entwicklungszusammenarbeit mit Indien kann nicht losgelöst von wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen des Landes erfolgen. Daher gibt es in vielen Projekten eine enge Kooperation mit Wirtschaftsverbänden (Kammern) und Selbsthilfeorganisationen der Klein- und Mittelindustrie. Die 2009 eingeführten Entwicklungspartnerschaften, 'Private Public Partnerships' (PPP), zwischen privaten Unternehmen und offiziellen Entwicklungsakteuren, leisten einen positiven Beitrag zur deutschen EZ.

Der entwicklungspolitische Dialog wird auf Regierungsebene im Rahmen der jährlichen entwicklungspolitischen Regierungskonsultationen und Regierungsverhandlungen geführt. 2013 wurde mit Neuzusagen von 1,08935 Mrd. EUR ein historischer Höchststand in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit erreicht.


Kulturelle Zusammenarbeit

Basis des deutsch-indischen Kulturaustauschs ist das bilaterale Kulturabkommen, das im September 1969 in Kraft trat. Deutsch-indische Kulturkonsultationen (zuletzt im Oktober 2005) konkretisieren Projekte und Austauschmaßnahmen im Kultur- und Bildungsbereich.

In Indien gibt es sechs Goethe-Institute (GI), die unter dem Namen "Max Mueller Bhavan“ – benannt nach dem deutschen Indologen Max Müller (1823 – 1900) - arbeiten. Die Institute leisten Programm-, Sprach- und Informationsarbeit in New Delhi, Kalkutta, Chennai, Bangalore, Mumbai und Pune. Neben der Veranstaltung und Organisation von Kulturprogrammen bildet die Spracharbeit einen wichtigen Schwerpunkt. Derzeit nehmen jährlich etwa 15.000 Personen an Deutschkursen der Goethe-Institute in Indien teil.

Das Institutsnetzwerk wird ergänzt durch fünf Goethe-Zentren in Ahmedabad, Chandigarh, Coimbatore, Hyderabad und Trivandrum, an denen jährlich rund 3.000 Personen Deutsch lernen.

Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) konnten das Goethe-Institut und die Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA) in Indien 56 Schulen für die Einführung von Deutsch als Fremdsprache gewinnen. Die Zahl der Deutschschüler an diesen Schulen wird auf 12.000 geschätzt. Mit der landesweit tätigen Schulkette Kendriya Vidyalaya Sangathan hat das GI im September 2011 ein „Memorandum of Unterstanding“ zur Deutschlehrerausbildung unterzeichnet, um die Einführung von Deutsch als Unterrichtsfach an den über 1000 Schulen der Kette zu unterstützen. An rund 500 Schulen wird Deutsch bereits unterrichtet, 79.000 Schüler/innen nehmen daran teil.

Um der Nachfrage nach Deutschunterricht in Indien gerecht zu werden, arbeiten die deutsche und die indische Seite gemeinsam an der  Einführung einer universitären Deutschlehrerausbildung (Bachelor of Education).

Ein indisches Kulturzentrum (Tagore-Zentrum) befindet sich an der Indischen Botschaft in Berlin.

Die Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in New Delhi fördert die bilaterale Hochschul- und Forschungskooperation und bietet Stipendienprogramme und Studienberatung an. Dazu gehören alle regulären Förderprogramme sowie eine Reihe von indienspezifischen, z.T. ko-finanzierten Sonderprogrammen. Im WS 2013/14 waren rd. 9.600 indische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Das entspricht einer Steigerung um fast 28% gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl deutscher Studenten an indischen Hochschuleinrichtungen wird auf etwa 1.000 geschätzt.

Momentan sind 5 Lektoren (4 Deutschlektoren, 1 Fachlektor) und 5 DaF (Deutsch als Fremdsprache)-Sprachassistenten in Indien tätig.

Das Südasien-Institut der Universität Heidelberg ist seit 1962 mit einer Außenstelle in New Delhi vertreten und hat eine wichtige Brückenfunktion für Indologen deutscher und indischer Forschungsinstitutionen.

Es gibt in New Delhi eine bis zum Abschluss der 12. Klasse (Deutsche Internationale Abiturprüfung- DIAP) führende anerkannte Deutsche Auslandsschule.

Im Mai 2011 eröffnete Bundeskanzlerin Merkel in New Delhi das Deutschlandjahr in Indien. Deutschland stellte sich dabei unter dem Oberthema „StadtRäume–CitySpaces“ in insgesamt fünf indischen Metropolen mit einem breiten Angebot an Kulturveranstaltungen sowie Präsentationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung als Zukunftspartner Indiens vor.

In Indien fand 2011/20122 das Deutschlandjahr in Indien statt und  2012/13  fanden die „Days of India“ unter dem Motto „Connecting Cultures“ in Deutschland statt.

Am 7. September 2013 konnte die Deutsche Botschaft in Srinagar, Kaschmir, mit einem klassischen Konzert des Bayerischen Staatsorchesters unter der Leitung von Maestro Zubin Mehta ein besonderes Projekt verwirklichen, das in der indischen Öffentlichkeit auf breite Resonanz stieß.

Die Deutschen Auslandsvertretungen in Indien tragen im Rahmen des Programmes für Kulturerhalt zur Restauration indischer Kulturgüter bei. In den letzten Jahren wurden Arbeiten am Mughal Grabmal Chausath in New Delhi sowie am Tsuklakhang Tempel in Sikkim gefördert.


Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit mit Indien reicht bis Ende der fünfziger Jahre zurück und gründet u.a. auf zwei Regierungsabkommen von 1971 und 1974. Die indische Wissenschaft genießt in Deutschland einen sehr guten Ruf (vor allem Raumfahrt, IT und Biotechnologie) und umgekehrt. Seit den neunziger Jahren finden regelmäßig Treffen auf Staatssekretärsebene statt, bei denen wichtige Projekte und Prioritäten der Zusammenarbeit behandelt werden. Die nächste Sitzung ist für November 2014 in New Delhi geplant.

Am 27. Oktober 2012 wurde in NewDelhi das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) eingeweiht. Die Zusammenführung fünfzehn deutscher Wissenschafts- und Forschungsinstitutionen unter einem Dach soll indischen und deutschen Wissenschaftlern und Studierenden den Aufbau von Kontakten erleichtern. Die Entscheidung des Auswärtigen Amts, in Delhi eines von sechs Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäusern/-zentren (DWIH/DWZ) weltweit einzurichten, unterstreicht den hohen Stellenwert, der Indien als Partner für Wissenschaft und Forschung beigemessen wird. Mit seinen 15 Konsortialmitgliedern ist das DWIH in New-Delhi das größte der sechs Häuser.

Bisheriges Highlight der DWIH-Aktivitäten war die Roadshow „Excellence on Tour“ mit Stationen in Hyderabad (April/Mai 2013), Ahmedabad (November 2013) und Kolkata (März 2014). Die Roadshow hat mit über 20.000 Besuchern nicht nur die gewünschte Breitenwirkung erzielt, sondern auch den Austausch innerhalb des Konsortiums gefördert.

Die Bedeutung Indiens als Partner bei der Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich zeigt sich auch bei hochrangigen Besuchen. Aus Anlass der ersten deutsch-indischen Regierungskonsultationen unter Leitung von Bundeskanzlerin Merkel und dem ehemaligen Premierminister Singh am 31. Mai 2011 stammten neun der elf bilateralen Vereinbarungen aus den Bereichen Bildung und Forschung. Im Mittelpunkt standen  bilaterale Forschungskooperationen in Biotechnologie, Umwelt und Materialwissenschaften sowie Berufsbildung. Anlässlich der 2. Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen am 11. April 2013 wurden eine Absichtserklärung zum Aufbau strategischer Hochschulpartnerschaften sowie Vereinbarungen zwischen einzelnen Universitäten und Forschungsinstituten unterzeichnet.

Mit Indien unterhält Deutschland sein weltweit einziges bilaterales Forschungsförderzentrum. Dieses „Indo-German Science and Technology Center“ (IGSTC) in Gurgaon wird von 2008 bis 2017 von Deutschland und Indien zu gleichen Teilen mit jährlich je 2 Mio. € finanziert. Es fördert bilaterale, anwendungsorientierte Forschungsprojekte unter Einbeziehung von Unternehmen auf beiden Seiten. Die Einweihung fand im September 2008 während eines Indienbesuchs  der Bundesministerin a.D. Schavan statt. IGSTC hat im ersten Quartal 2014 bereits 9 internationale Workshops organisiert.

Indien ist an mehreren Großforschungseinrichtungen in Deutschland maßgeblich beteiligt. Der indische Beitrag zum multinationalen Teilchenbeschleuniger FAIR in Darmstadt beträgt rund 30 Millionen €. Auch in Nutzungsrechte des Teilchenbeschleunigers DESY in Hamburg hat Indien erheblich investiert.

Für Indien ist Deutschland weltweit der zweitwichtigste Forschungspartner hinter den USA. Das zeigt die große Zahl gemeinsamer deutsch-indischer wissenschaftlicher Publikationen.

In Deutschland bilden über 1.000 indische Doktoranden die zweitgrößte Gruppe ausländischer Promotionsstudenten hinter China. Um den akademischen Austausch zwischen Deutschland und Indien weiter zu vertiefen, legte die damalige Bundesministerin Schavan bei ihrem Indienbesuch 2008 das Stipendienprogramm „A New Passage to India“ auf. Das jährlich mit 4,3 Millionen € unterlegte Programm wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) umgesetzt und zielt insbesondere darauf ab, die Indienkompetenz deutscher Nachwuchswissenschaftler zu stärken.

Die Zusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit Indien entwickelt sich auf Grundlage eines Abkommens mit dem indischen Forschungsministerium sehr dynamisch: Im Jahr 2013 nahman über 730 indische Wissenschaftler an Forschungsaufenthalten an Max-Planck-Instituten teil, ein Anstieg um 40 % in den vergangenen sieben Jahren. An den Doktorandenprogrammen, den International Max Planck Research Schools, stellte Indien im Jahr 2011 mit 120 Teilnehmern die größte ausländische Gruppe. Die MPG unterhält zwei deutsch-indische Forschungszentren: Das Indo-German Max Planck Centre for Computer Science (IMPECS) am Indian Institute of Technology in New Delhi und das Indo-German Max Planck Center on Lipid Research am National Center of Biological Sciences in Bangalore.

Bei der Alexander-von-Humboldt-Stiftung nimmt Indien im Rahmen der Stipendienprogramme und Preisvergaben an ausländische Forscher nach den USA, China, Großbritannien, Italien, und Frankreich einen prominenten Platz ein.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist seit 2006 mit Büros in Neu-Delhi und Hyderabad vertreten. Im Rahmen der Forschungszusammenarbeit zwischen DFG und der Indian National Science Academy (INSA) hielten sich bis dato etwa 490 indische Wissenschaftler in Deutschland auf.

Im November 2012 hat das Fraunhofer Institut eine permanente Repräsentanz in Bangalore eröffnet.


Umweltbeziehungen

Indien steht vor massiven Herausforderungen hinsichtlich des städtischen und industriellen Umweltschutzes. Der langfristige und nachhaltige Schutz der Böden, des Wassers und der Luft sowie der Erhalt der Artenvielfalt sind Fragen von globaler Bedeutung. Indien und Deutschland arbeiten gemeinsam daran, international vereinbarte Umweltziele zu erreichen.

Angesichts der drängenden Herausforderungen im Umweltbereich setzt Deutschland auf einen verstärkten politischen Dialog mit Indien. Im November 2008 eröffnete der damalige Bundesminister Gabriel zusammen mit seinem indischen Kollegen das erste deutsch-indische Umweltforum in New Delhi. Eine Anschlussveranstaltung ist für 2014 angedacht.

Die Bereiche Umwelt- und Klimaschutz  sind traditionell Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit. Im Mittelpunkt der Klimaschutzmaßnahmen stehen dabei Vorhaben zur Förderung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Die Zusammenarbeit im Bereich des Umweltschutzes beinhaltet z.B. Maßnahmen im Bereich der Abfall- und Abwasserentsorgung in Ballungsräumen.

Im März 2013 wurde im indischen Bundesstaat Maharashtra ein mit deutscher Unterstützung gebautes Photovoltaikkraftwerk eingeweiht. Mit einer Leistung von 125 Megawatt ist es derzeit die größte Anlage der Welt. Die Investitionskosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 350 Millionen Euro. Die deutsche Seite leistet mit einem zinsverbilligten Entwicklungskredit der KfW in Höhe von 250 Millionen Euro hierzu ihren Beitrag.

Im Rahmen der letzten Runde der gemeinsamen entwicklungspolitischen Regierungsverhandlungen in Delhi  sind 2013 gemeinsame Projekte in Indien im Wert von 1 Mrd.  Euro gebilligt worden. Der Großteil der Mittel wird für Projekte aus den Bereichen Umwelt und erneuerbare Energien eingesetzt. Besonders die sog. „Green Energy Corridors“, die zur Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien am nationalen Energiemix beitragen, stehen im Zentrum der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mit der ersten Zusage soll der Auf- und Ausbau des indischen Leitungsnetzes für eine effiziente Integration der erneuerbaren Energiequellen in bestehende Übertragungsnetze ermöglicht werden.

Auch im Rahmen der 2008 von der Bundesregierung ins Leben gerufenen, internationalen Klimaschutzinitiative werden Projekte in Indien gefördert. Diese beschäftigen sich ebenfalls mit erneuerbaren Energien und biologischer Vielfalt. Die Mittel hierfür stammen aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten in Deutschland.

Als erstes großes Schwellenland trat Indien im März 2009 der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) bei. Ergänzend zur IRENA-Mitgliedschaft ist Indien Gründungsmitglied des im Juni 2013 in Berlin gegründeten „Clubs der Energiewendestaaten“.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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