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Belgien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: November 2015

Politische Beziehungen

Belgien und Deutschland verbindet das jahrzehntelange gemeinsame Engagement beim Aufbau und der Integration der Europäischen Union, über deren Zukunft beide Länder in hohem Maße gleiche Vorstellungen entwickelt haben. In außen-, europa- und wirtschaftspolitischen Fragen besteht zwischen beiden Ländern sowie im EU-Rahmen eine sehr enge Abstimmung. Viele Entwicklungen und Probleme in beiden Ländern sind gleich gelagert, darunter Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Unternehmen. 

Belgien gehörte zu den ersten Ländern, die in den Nachkriegsjahren begannen, mit der jungen deutschen Demokratie zusammenzuarbeiten. Symbolisch hierfür steht die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1951, wenige Tage nach der Revision des Besatzungsstatuts, die Deutschland wieder einen solchen Schritt erlaubte. Historisch überkommene bilaterale Probleme wurden bereits 1956 durch den Deutsch-Belgischen Grenz- und Entschädigungsvertrag weitgehend gelöst. Die nachfolgende enge Zusammenarbeit in der NATO und das enge Nachbarschaftsverhältnis haben in der Folgezeit zur Entwicklung sehr guter und vertrauensvoller politischer Beziehungen beigetragen.

Aufgrund der Stationierungspolitik im NATO-Rahmen sind in der Nachkriegszeit Generationen belgischer Soldaten in Garnisonen in Deutschland ausgebildet worden, was zu vertieftem Verständnis und auch gegenseitiger Freundschaft beitrug. Diese enge Symbiose hat mit dem 2002 eingeleiteten und bis April 2004 beendeten Abzug der letzten belgischen Truppen aus Deutschland einen Abschluss gefunden.

Deutschland und Belgien verbinden ein hochrangiger Besucherverkehr . So haben König Philippe und Königin Mathilde am 17. Februar 2014 in Begleitung von Premierminister Di Rupo und Außenminister Reynders Berlin einen Antrittsbesuch abgestattet. Sie wurden von Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel, Außenminister Steinmeier sowie dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Wowereit, empfangen und nahmen mit Vertretern der Zivilgesellschaft an der Deutsch-Belgischen Konferenz im Auswärtigen Amt teil. Auf Einladung von Bundespräsident Gauck nahm König Philippe am 18. August 2014 am informellen Treffen der Staatschefs der deutschsprachigen Länder in Rostock und Bad Doberan teil. Am 04. August 2014 nahm Bundespräsident Gauck auf Einladung Belgiens an einer internationalen Gedenkveranstaltung zum Beginn des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren in Lüttich teil und besuchte im Anschluss die Stadt Löwen sowie eine Gedenkveranstaltung auf dem deutsch-britischen Soldatenfriedhof bei Mons. An der zweiten großen internationalen Gedenkveranstaltung am 28.10.2015 in Westflandern (Ypern und Nieuwpoort) vertrat Bundeskanzlerin Merkel die Bundesrepublik Deutschland. Die Besuche unterstreichen die sehr engen  Beziehungen und die Gemeinsamkeiten im Gedenken an den 1. Weltkrieg, der Belgien viel Leid gebracht hat.    

Am 22.11.2014 stattete der neue belgische Premierminister Charles Michel  Bundeskanzlerin Merkel einen offiziellen Antrittsbesuch in Berlin ab. Am 04. März 2015 trafen Bundeskanzlerin Merkel und König Philippe  zu  einem Meinungsaustausch auf Schloss Laken zusammen.

Am 12. und 13. März 2015 stattete König Philippe gemeinsam mit acht föderalen und regionalen Ministern Berlin und Nordrhein Westfalen einen Arbeitsbesuch ab. Dabei gab es in Berlin ein Gespräch mit Bundespräsident Gauck sowie einen runden Tisch zum Thema duale Berufsausbildung.Nach Belgien reisen neben führenden Bundespolitikern auch regelmäßig hochrangige Vertreter der Bundesländer, vor allem aus Nordrhein-Westfalen.

Die neue belgische Regierung unter Führung von Charles Michel setzt   umfassende Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsmarktreformen um,  die auch von der Politik deutscher Regierungen in den vergangenen Jahren inspiriert sind. Dabei interessieren sich die belgischen Regionenfür das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist weiterhin Belgiens wichtigster Wirtschaftspartner. Umgekehrt ist Belgien für Deutschland der zehnttgrößte Handelspartner. Das deutsch-belgische Handelsvolumen betrug im Jahr  2014 ca. 81,8 Mrd. Euro.

Von beiden Seiten wurden seit den 50er Jahren in erheblichem Maße Direktinvestitionen getätigt, die zu einer besonders engen wirtschaftlichen Verflechtung beitrugen. Die deutschen Direktinvestitionen in Belgien betrugen im Jahr 2013 insgesamt 37,2 Mrd. Euro. Die belgischen Direktinvestitionen in Deutschland betrugen 2013 8 Mrd. Euro. Deutsche Investitionsschwerpunkte sind die chemische Industrie in Antwerpen (BASF, Covestro , Evonik, Lanxess) und der Kraftfahrzeugbau in Brüssel (Audi). Antwerpen ist für Deutschland ein wichtiger Import- und Exporthafen. Die deutsche Wirtschaft ist heute zudem mit einer großen Zahl von weiteren Firmenniederlassungen in Belgien vertreten. Daneben unterhalten zahlreiche deutsche Firmen und Verbände in Brüssel Repräsentanzen zur Interessenvertretung bei der EU. Ein wichtiger und gut eingeführter Akteur ist die in Brüssel und Köln ansässige Auslandshandelskammer Debelux (für Deutschland, Belgien, Luxemburg).

Kulturelle Beziehungen

Grundlage ist das deutsch-belgische Kulturabkommen vom 24. September 1956. Schwerpunkte der Auswärtigen Kulturpolitik liegen in der Förderung der deutschen Sprache in Schulen und Universitäten, bei Stipendien, Austausch-, Reise- und Prämienprogrammen, oftmals in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Aber auch die Initiierung und Unterstützung bilateraler Kulturprojekte gehört zu ihren Aufgaben. Wichtigster Partner hierbei ist das Goethe-Institut. Mit einer Vielzahl sprachfördernder und kultureller Veranstaltungen geht die Zusammenarbeit mit dem GI in Brüssel Hand in Hand. Im Jahr 2012 wurde in gemeinsamer Anstrengung ein deutsches Kulturforum in der Stadt Antwerpen etabliert, das als eine der 150 weltweit agierenden Kulturgesellschaften gelistet ist und Lesungen, Filmabende, Ausstellungen etc. unter deutschem Vorzeichen veranstaltet. Nach einem erfolgreichen kulturellen „Berliner Herbst“ im vergangenen Jahr, plant das Forum  im Frühjahr 2016 eine ähnliche Veranstaltungsreihe zum Thema „Köln“.

Einen bedeutenden Beitrag Auswärtiger Kulturpolitik leistet auch die Internationale Deutsche Schule in Brüssel, die bis zum Abitur führt. Ihr ist ein bilingualer Kindergarten bzw. Vorschule (Deutsch-Englisch bzw. Deutsch-Französisch) vorgeschaltet. Deutsche Abteilungengibt es daneben in Brüssel an den vier Europäischen Schulen, der Europäischen Schule in Mol und der SHAPE International School in Mons. Seit 2008 gibt es im Rahmen des Partnerschulprogramms des Auswärtigen Amtes (PASCH) in Antwerpen (Flandern) und in Seraing (Wallonie) je eine Partnerschule. Deutsch ist wegen der rund 77.000 deutschsprachigen Belgier im Osten des Landes dritte Landessprache. In belgischen Schulen wird Deutsch jedoch – neben den Zweitsprachen Französisch oder Niederländisch – zumeist nur als dritte Fremdsprache angeboten.

Im Rahmen des internationalen Programms CLIL (auf Französisch EMILE) bieten sieben Schulen aus der Wallonischen Region einen Immersionsunterricht (d.h. Eintauchen in die Fremdsprache) auf Deutsch an. Im September 2014 wurde das Programm auf die Flämische Region ausgebreitet, dort bietet die Sekundarschule in Lommel (Limburg) zum ersten Mal einen Immersionsunterricht auf Deutsch an.

Auf Hochschulebene sorgen seit 2011  veranstaltete Deutschlandjahre für die Vermittlung eines modernen Deutschlandbildes. Den Start machte die Universität Antwerpen, gefolgt von Löwen 2012 sowie Lüttich 2013,  Namur 2014  und der Université Libre de Bruxelles (ULB) 2014/15. Aktuell wirbt die frankophone Université Catholique de Louvain-la-Neuve  für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen belgischen und deutschen Universitäten.

Überdies gibt es intensive Bemühungen  des DAAD und der Deutschen Botschaft, für den Jahrgang 2016/17 ein neues deutsches Lektorat einzurichten. Der erste Erfolg ist die Anstellung einer Sprachassistentin des DAAD am 1. Oktober 2015 für ein Jahr im Germanistikbereich der ULB.  

Seit 2013 wird in loser Folge ein von der deutschen Botschaft initiierter und vom belgischen, historischen Institut Cegesoma koordinierter Historikerdialog durchgeführt. Dabei diskutieren jeweils deutsche und belgische Wissenschaftler Themen zur Geschichte beider Länder. Aktuell steht dabei das Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren im Vordergrund. Geplant ist, das Forum künftig unter Beteiligung auch anderer Nationen noch internationaler auszurichten. Die deutsche Botschaft ist in den nächsten Jahren an zahlreichen Gedenkveranstaltungen beteiligt.

Im Februar 2014 fand in Berlin die Vierte Deutsch-Belgische Konferenz zum Thema „Vielfältige und föderale Nachbarn – Wie wünschen sich Belgier und Deutsche Europa?“ statt. Dieser Termin ging einher mit dem Antrittsbesuch des im Juli 2013 inthronisierten belgischen Königspaares, König Philippe und Königin Mathilde, die bei einem Teil der Konferenz anwesend waren. Die Deutsch-Belgischen Konferenzen haben als zivilgesellschaftliches Dialogforum einen festen Platz in den bilateralen Beziehungen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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