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Belgien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juli 2014

Politische Beziehungen

Belgien und Deutschland verbindet das jahrzehntelange gemeinsame Engagement beim Aufbau der Europäischen Union, über deren Zukunft beide Länder in hohem Maße gleiche Vorstellungen entwickelt haben. In außen- und wirtschaftspolitischen Fragen besteht zwischen beiden Seiten sowie im EU-Rahmen eine sehr enge Abstimmung. Viele Entwicklungen und Probleme in beiden Ländern sind gleich gelagert (darunter Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Unternehmen). Das gute Verhältnis zu Deutschland ist vor allem vor dem Hintergrund der tief greifenden und schmerzhaften Ereignisse in Belgien während des I. und II. Weltkriegs bemerkenswert. In zahlreichen Veranstaltungen in Belgien wird der vielen Opfer der gemeinsamen Vergangenheit – durch Krieg, Besatzung und Judenverfolgung - gedacht. Das geschieht aber in einem Geist der Aussöhnung und der Freundschaft sowie im Bewusstsein einer gemeinsam zu gestaltenden europäischen Zukunft. Auch zu den Feierlichkeiten 2014 - 2018 zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg wurde Deutschland von Belgien hochrangig eingeladen.

Die belgische Öffentlichkeit erkennt an, dass sich Deutschland seiner Verantwortung auch für die leidvollen Geschehnisse in Belgien gestellt hat und um eine substanzielle Aufarbeitung seiner Vergangenheit bemüht ist.

Belgien gehörte zu den ersten Ländern, die in den Nachkriegsjahren begannen, mit der jungen deutschen Demokratie zusammenzuarbeiten. Symbolisch hierfür steht die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1951, wenige Tage nach der Revision des Besatzungsstatuts, die Deutschland wieder einen solchen Schritt erlaubte. Historisch überkommene bilaterale Probleme wurden bereits 1956 durch den Deutsch-Belgischen Grenz- und Entschädigungsvertrag weitgehend gelöst. Die nachfolgende enge Zusammenarbeit in der NATO und das spannungsfreie Nachbarschaftsverhältnis haben in der Folgezeit zur Entwicklung sehr guter und vertrauensvoller politischer Beziehungen beigetragen.

Aufgrund der Stationierungspolitik im NATO-Rahmen sind in der Nachkriegszeit Generationen belgischer Soldaten in Garnisonen in Deutschland ausgebildet worden, was zu vertieftem Verständnis und auch gegenseitiger Freundschaft beitrug. Diese enge Symbiose hat mit dem 2002 eingeleiteten und bis April 2004 beendeten Abzug der letzten belgischen Truppen aus Deutschland einen Abschluss gefunden. Heute dienen deutsche und belgische Soldaten gemeinsam in friedenserhaltenden Missionen in Afghanistan, im Kosovo und in Bosnien-Herzegowina.

König Philippe und Königin Mathilde haben am 17. Februar 2014 in Begleitung von Premierminister Di Rupo und Außenminister Reynders Berlin einen Antrittsbesuch abgestattet. Sie wurden von Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel, Außenminister Steinmeier sowie dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Wowereit, empfangen und nahmen an der Deutsch-Belgischen Konferenz der Zivilgesellschaft im Auswärtigen Amt teil. Der Besuch unterstrich die ausgezeichneten Beziehungen und die Gemeinsamkeiten im Gedenken an den 1. Weltkrieg, der Belgien viel Leid brachte.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist weiterhin Belgiens wichtigster Wirtschaftspartner. Umgekehrt ist Belgien für Deutschland der neuntgrößte Handelspartner. Das deutsch-belgische Handelsvolumen betrug im Jahr 2013 ca. 81,2 Mrd. Euro.

Von beiden Seiten wurden seit den 50er Jahren in erheblichem Maße Direktinvestitionen getätigt, die zu einer besonders engen wirtschaftlichen Verflechtung beitrugen. Die deutschen Direktinvestitionen in Belgien betrugen im Jahr 2012 insgesamt 61,7 Mrd. Euro. Die belgischen Direktinvestitionen in Deutschland betrugen 201" 9,6 Mrd. Euro. Deutsche Investitionsschwerpunkte sind die chemische Industrie in Antwerpen (BASF, Bayer, Evonik, Lanxess) und der Kraftfahrzeugbau in Brüssel (Audi). Antwerpen ist für Deutschland ein wichtiger Import- und Exporthafen. Die deutsche Wirtschaft ist heute zudem mit einer großen Zahl von weiteren Firmenniederlassungen in Belgien vertreten. Daneben unterhalten zahlreiche deutsche Firmen und Verbände in Brüssel Repräsentanzen zur Interessenvertretung bei der EU. Ein wichtiger und gut eingeführter Akteur ist die in Brüssel und Köln ansässige Auslandshandelskammer Debelux (für Deutschland, Belgien, Luxemburg).

Kulturelle Beziehungen

Grundlage ist das deutsch-belgische Kulturabkommen vom 24. September 1956. Schwerpunkte der Auswärtigen Kulturpolitik liegen in der Förderung der deutschen Sprache in Schulen und Universitäten, bei Stipendien, Austausch-, Reise- und Prämienprogrammen, oftmals in Kooperation mit dem DAAD. Aber auch die Initiierung und Unterstützung bilateraler Kulturprojekte gehört zu ihren Aufgaben. Wichtigster Partner hierbei ist das Goethe-Institut. Mit einer Vielzahl sprachfördernder und kultureller Veranstaltungen geht die Zusammenarbeit mit dem GI in Brüssel Hand in Hand. Im Jahr 2013 wurde in gemeinsamer Anstrengung ein deutsches Kulturforum in der Stadt Antwerpen etabliert, das als eine der 150 weltweit agierenden Kulturgesellschaften gelistet ist und Lesungen, Filmabende, Ausstellungen etc. unter deutschem Vorzeichen veranstaltet.

Einen  bedeutenden  Beitrag Auswärtiger Kulturpolitik leistet auch die Internationale Deutsche Schule in Brüssel, die bis zum Abitur führt. Ihr ist ein bilingualer Kindergarten bzw. Vorschule (Deutsch-Englisch bzw. Deutsch-Französisch) vorgeschaltet. Deutsche Abteilungen gibt es daneben in Brüssel an den vier Europaschulen, der Europäischen Schule in Mol und der SHAPE International School in Mons. Seit 2008 gibt es im Rahmen des Partnerschulprogramms des Auswärtigen Amtes (PASCH) in Antwerpen (Flandern) und in Seraing (Wallonie) je eine Partnerschule. Deutsch ist wegen der rund 77.000 deutschsprachigen Belgier im Osten des Landes dritte Landessprache. In belgischen Schulen wird Deutsch jedoch – neben den Zweitsprachen Französisch oder Niederländisch – zumeist nur als dritte Fremdsprache angeboten.

Auf Hochschulebene sorgen die seit wenigen Jahren veranstalteten Deutschlandjahre für die Implementierung eines modernen Deutschlandbildes. Den Start machte 2011 die Universität Antwerpen, gefolgt von Löwen in 2012 und Lüttich in 2013. Aktuell wirbt Namur für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen belgischen und deutschen Universitäten.

Seit 2013 wird in loser Folge ein von der Deutschen Botschaft initiierter und vom belgischen, historischen Institut Cegesoma koordinierter Historikerdialog durchgeführt. Dabei diskutieren jeweils deutsche und belgische Wissenschaftler Themen zur Geschichte beider Länder. Aktuell steht dabei das Gedenken an den Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren im Vordergrund. Grundsätzlich ist die Botschaft in den nächsten Jahren an vielen Gedenkveranstaltungen beteiligt.

Im Feburar 2014 fand in Berlin die Vierte Deutsch-Belgische Konferenz zum Thema „Vielfältige und föderale Nachbarn – Wie wünschen sich Belgier und Deutsche Europa?“ statt. Dieser Termin ging einher mit dem Antrittsbesuch des im Juli 2013 inthronisierten belgischen Königspaares, König Philippe und Königin Mathilde, die bei einem Teil der Konferenz anwesend waren. Die Deutsch-Belgischen Konferenzen haben als zivilgesellschaftliches Dialogforum einen festen Platz in den bilateralen Beziehungen und finden seit 2009 regelmäßig statt. Am 15. Oktober 2009 fand die Erste Deutsch-Belgische Konferenz in Brüssel statt, die die Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung, Innovation und Bildung zum Thema hatte. Sie gab einen Anstoß zur Intensivierung der bilateralen Beziehungen auch auf diesen Gebieten. Im Gegenzug wurde die zweite Deutsch-Belgische Konferenz  vom 13. bis 14. Januar 2011 zum Thema "Strengthening the Integration Nexus - Integration, Religion and Education" in Berlin abgehalten und 2012 zum Thema "Dialog in schwieriger Zeit" in Brüssel.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.