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Belgien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juni 2016

Politische Beziehungen

Belgien und Deutschland verbindet das jahrzehntelange gemeinsame Engagement beim Aufbau  und Vertiefung der Europäischen Union, über deren Zukunft beide Länder in hohem Maße gleiche Vorstellungen entwickelt haben. In außen-, europa- und wirtschaftspolitischen Fragen besteht zwischen beiden Ländern sowie im EU-Rahmen eine sehr enge Abstimmung. Belgien gehörte zu den ersten Ländern, die in den Nachkriegsjahren begannen, mit der jungen deutschen Demokratie zusammenzuarbeiten. Symbolisch hierfür steht die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1951, wenige Tage nach der Revision des Besatzungsstatuts, die Deutschland wieder einen solchen Schritt erlaubte. Historisch überkommene bilaterale Probleme wurden bereits 1956 durch den Deutsch-Belgischen Grenz- und Entschädigungsvertrag weitgehend gelöst. Die nachfolgende enge Zusammenarbeit in der NATO und das enge Nachbarschaftsverhältnis haben in der Folgezeit zur Entwicklung sehr guter und vertrauensvoller politischer Beziehungen beigetragen.

Aufgrund der Stationierungspolitik im NATO-Rahmen sind in der Nachkriegszeit Generationen belgischer Soldaten in Garnisonen in Deutschland ausgebildet worden, was zu vertieftem Verständnis und auch gegenseitiger Freundschaft beitrug. Diese enge Symbiose hat mit dem 2002 eingeleiteten und bis April 2004 beendeten Abzug der letzten belgischen Truppen aus Deutschland einen Abschluss gefunden.

Deutschland und Belgien verbindet ein hochrangiger und intensiver Besucherverkehr:

Auf Einladung von König Philippe  stattete Bundespräsident Gauck dem Königreich Belgien (Brüssel, Antwerpen, Lüttich, Eupen) vom 8. bis 10. März 2016 einen Staatsbesuch ab.

Am 1. Februar  war Bundesministerin Hendricks mit dem belgischen Vize-Premierminister Jambon in Brüssel zusammengetroffen, um über die Sicherheit  belgischer  Atomkraftwerke zu sprechen. Am 17. Mai führte Bundesminister Gabriel ein Gespräch mit dem belgischen Vize-PremierministerPeeters in Brüssel.  Am 18. und 19. Mai 2016 nahm auch der belgische Vize-Premierminister de Croo an der OSZE- Wirtschaftskonferenz teil, zu der Bundesminister Steineier  eingeladen hatte.

Am 20. Mai  wirkte Bundesminister Steinmeier an einem Treffen der Gründerstaaten der EU in Brüssel mit, zu dem der belgische Außenminister Reynders eingeladen hatte.    

Nach Belgien reisen neben führenden Bundespolitikern auch regelmäßig hochrangige Vertreter der Bundesländer, vor allem aus Nordrhein-Westfalen.

Die  belgische Regierung unter Führung von Charles Michel, die seit dem 11. Oktober 2014 im Amt ist, setzt umfassende Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsmarktreformen um,  die auch von der Politik deutscher Regierungen in den vergangenen Jahren inspiriert sind. Auch die belgischen Regionen, insbesondere Flandern, interessierten sich  für das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist weiterhin Belgiens wichtigster Wirtschaftspartner. Umgekehrt ist Belgien für Deutschland der zehntgrößte Handelspartner. Das deutsch-belgische Handelsvolumen betrug im Jahr  2015 ca. 78 Mrd. Euro. Antwerpen ist für Deutschland ein wichtiger Import- und Exporthafen.

Von beiden Seiten wurden seit den 50er Jahren in erheblichem Maße Direktinvestitionen getätigt, die zu einer besonders engen wirtschaftlichen Verflechtung beitrugen. Die deutschen Direktinvestitionen in Belgien betrugen im Jahr 2013 insgesamt ca. 37 Mrd. Euro. Deutsche Investitionsschwerpunkte sind die chemische Industrie in Antwerpen und der Kraftfahrzeugbau in Brüssel. Die deutsche Wirtschaft ist mit einer großen Zahl von weiteren Firmenniederlassungen in Belgien vertreten. Daneben unterhalten zahlreiche deutsche Firmen und Verbände in Brüssel Repräsentanzen zur Interessenvertretung bei der EU. Ein wichtiger und gut eingeführter Akteur ist die in Brüssel und Köln ansässige Auslandshandelskammer Debelux (für Deutschland, Belgien, Luxemburg).

Kulturelle Beziehungen

Grundlage ist das deutsch-belgische Kulturabkommen vom 24. September 1956. Schwerpunkte der Auswärtigen Kulturpolitik liegen in der Förderung der deutschen Sprache in Schulen und Universitäten, bei Stipendien, Austausch-, Reise- und Prämienprogrammen, oftmals in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Aber auch die Initiierung und Unterstützung bilateraler Kulturprojekte gehört zu ihren Aufgaben. Wichtigster Partner hierbei ist das Goethe-Institut. Mit einer Vielzahl sprachfördernder und kultureller Veranstaltungen geht die Zusammenarbeit mit dem GI in Brüssel Hand in Hand. Im Jahr 2012 wurde in gemeinsamer Anstrengung ein deutsches Kulturforum in der Stadt Antwerpen etabliert, das als eine der 150 weltweit agierenden Kulturgesellschaften gelistet ist und Lesungen, Filmabende, Ausstellungen etc. unter deutschem Vorzeichen veranstaltet. Nach einem kulturellen „Berliner Herbst“ im Jahr 2013-2014, hat das Forum 2016 eine ähnliche Veranstaltungsreihe zum Thema „Köln“ organisiert.

Einen bedeutenden Beitrag Auswärtiger Kulturpolitik leistet auch die Internationale Deutsche Schule in Brüssel, die bis zum Abitur führt. Ihr ist ein bilingualer Kindergarten bzw. Vorschule (Deutsch-Englisch bzw. Deutsch-Französisch) vorgeschaltet. Deutsche Abteilungengibt es daneben in Brüssel an den vier Europäischen Schulen, der Europäischen Schule in Mol und der SHAPE International School in Mons. Seit 2008 gibt es im Rahmen des Partnerschulprogramms des Auswärtigen Amtes (PASCH-Initiative) in Antwerpen (Flandern) und in Seraing (Wallonie) je eine Partnerschule. Deutsch ist wegen der rund 77.000 deutschsprachigen Belgier im Osten des Landes dritte Landessprache. In belgischen Schulen wird Deutsch jedoch – neben den Zweitsprachen Französisch oder Niederländisch – zumeist nur als dritte Fremdsprache angeboten.

Im Rahmen des internationalen Programms CLIL (auf Französisch EMILE) bieten sieben Schulen aus der Wallonischen Region einen Immersionsunterricht (d.h. Eintauchen in die Fremdsprache) auf Deutsch an. Im September 2014 wurde das Programm auf die Flämische Region ausgebreitet. Seitdem bieten zwei Sekundarschulen  (in Turnhout und Gent) zum ersten Mal einen Immersionsunterricht auf Deutsch an.

Auf Hochschulebene sorgen die seit wenigen Jahren veranstalteten Deutschlandjahre für die Implementierung eines modernen Deutschlandbildes. Den Start machte 2011 die Universität Antwerpen, gefolgt von Löwen  2012 sowie Lüttich  und Namur 2013/14. Aktuell wirbt die frankophone Université  Catholique de Louvain für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen belgischen und deutschen Universitäten.

Überdies gibt es intensive Bemühungen seitens des DAAD und der Deutschen Botschaft, für den Jahrgang 2016/17 ein neues deutsches Lektorat einzurichten.

Seit 2013 wird in loser Folge ein von der Deutschen Botschaft initiierter und vom belgischen, historischen Institut Cegesoma koordinierter Historikerdialog durchgeführt. Dabei diskutieren jeweils deutsche und belgische Wissenschaftler über Themen zur Geschichte beider Länder. Das Gedenken an den Ersten Weltkrieg steht dabei im Vordergrund. In Zusammenhang  mit dem Historikerdialog organisierte die Botschaft am 20.4.2016 einen Vortrag des Freiburger Historikers Prof. Dr. Jörn Leonhard zum Thema „The First World War – Legacy and Lessons one Hundred Years Later“ in Brüssel. Für die Zeit bis Ende 2018 ist geplant, zusammen mit Cegesoma fünf Veranstaltungen auszurichten, die weniger akademisch ausgerichtet sein sollen und sich hauptsächlich an bestimmten Jubiläen (z.B. Schlacht von Passchendaele 1917) orientieren. Die erste Veranstaltung wird in Zusammenhang mit einer Ausstellung über Kinder im Ersten Weltkrieg („Oorlog in korte broek 14-18“) in Gent stattfinden, die im Oktober 2016 beginnt. Grundsätzlich wird die Botschaft in den nächsten Jahren an zahlreichen Gedenkveranstaltungen beteiligt sein.

Die Region Flandern ist zusammen mit den Niederlanden im Oktober 2016 Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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