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Kultur- und Bildungspolitik
Stand: März 2013
Bildungspolitik
Das ukrainische Schul- und Hochschulsystem steht weiter unter starkem Reformdruck im Hinblick auf Korruptionsbekämpfung, Europäisierung und Internationalisierung. Im Schulbereich wurden einige Reformen umgesetzt, so zuletzt durch die Einführung einer verpflichtenden Fremdsprache ab der 1. Klasse seit dem Schuljahr 2012/13. Geplant ist, ab dem Schuljahr 2013/14 eine zweite verpflichtende Fremdsprache ab Klasse 5 einzuführen. Es ist zu erwarten, dass hierdurch nicht zuletzt die Rolle des Deutschen im ukrainischen Schulsystem deutlich gestärkt wird. Reformen im Hochschulwesen werden weiter diskutiert und sind nicht unumstritten. Die 2008 eingeführten anonymisierten, landesweiten Zugangstests zu den Universitäten sollten v.a. der Korruption beim Hochschulzugang entgegenwirken. Sie wurden in ihrer bestehenden Form angepasst, so dass nun eine Durchschnittsleistung aus Schulzeugnis, Zugangstest – und in einigen Studiengängen auch wieder individuelle Zugangstests an den Universitäten – über die Immatrikulation entscheidet. Die Ukraine ist Teil des Bologna-Prozesses, sie führt Bachelor- und Masterabschlüsse ein und arbeitet nun auch an einer Einführung des PhD-Levels. Hier sind weitere Reformen und Verbesserungen in der Lehre notwendig, um an internationale Bildungsstandards anzuschließen.
Zentrale Probleme im Hochschulbereich bleiben neben der Korruption vor allem die mangelnde finanzielle Ausstattung der Institutionen und die große, unübersichtliche Anzahl an höheren Bildungseinrichtungen mit geringer Vernetzung. Da die Gehälter im Bildungsbereich trotz Erhöhungen oft immer noch nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reichen, geben viele qualifizierte Lehrkräfte ihren Beruf auf. Besonders schwierig ist die Lage auf dem Land fernab großer Städte.
Mit der Eröffnung der Deutschen Schule Kiew im September 2008 konnte das schulische Angebot für deutschsprachige Kinder deutlich verbessert werden. Es bietet im Schuljahr 2012/2013 Unterricht in den Klassenstufen 1 bis 9 an und wird in den kommenden Jahren sukzessive weitere Klassenstufen einrichten.
Sprachpolitik
Ukrainisch ist einzige Staatssprache, jedoch wurden mit Verabschiedung des sogenannten „Sprachengesetzes“ im Sommer 2012 die Minderheitensprachen als Regionalsprachen aufgewertet. Faktisch stärkt dies vor allem die Rolle des Russischen, aber auch Krimtatarisch sowie Rumänisch und Ungarisch in Teilen der Westukraine. Der ukrainischsprachige Unterrichtsanteil an Schulen und Hochschulen hat in den letzten Jahren mehr als 85 Prozent erreicht, während Russisch als Verkehrssprache nach wie vor sehr verbreitet ist und wieder an Bedeutung gewinnt. Generell ist der Westen des Landes eher ukrainischsprachig, der Osten und Süden eher russischsprachig geprägt.
Kulturpolitik
Der Sektor nicht-staatlich geförderter Kultur (private Theater, Tanz- und Musikfestivals) in der Ukraine ist sehr aktiv. Er sucht erkennbar Anschluss an westliche Kunstrichtungen, die in der Sowjetzeit unterdrückt waren. Mittlerweile verfügt die Ukraine über zwei große internationale Filmfestivals: das traditionsreiche „Molodist“-Filmfest in Kiew, das jährlich im Oktober stattfindet, sowie das Filmfestival in Odessa im Juli. Zahlreiche kleinere Festivals zu besonderen Themen haben sich ebenfalls etabliert. Die ukrainische und ukrainischsprachige Literatur entwickelt sich rasant, was sich auch in zahlreichen deutschen Übersetzungen widerspiegelt. Gerade im Zuge der Fußball-Europameisterschaft wurden Autoren wie Andrej Kurkow, Juri Andruchowitsch, aber auch Schriftsteller der jüngeren Generation wie Serhij Zhadan, Taras Prochasko, Oxana Sabushko und Tanja Maljartschuk immer bekannter in Deutschland. Serhij Zhadan erhielt 2010 ein Jahresstipendium des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Im März 2012 war die Ukraine mit Polen und Belarus Schwerpunktland auf der Leipziger Buchmesse. Wichtige Buchmessen des Landes in Lemberg und Kiew erfahren jährlich wachsende Beachtung; zudem existieren zahlreiche Literatur- und Poesiefestivals. Die Ukraine verfügt über eine vielfältige Musikszene, die gerade im Bereich zeitgenössischer Musik auch durch internationale Festivals (insbesondere in Odessa, Lemberg und Kiew) auf sich aufmerksam macht.
Wichtiges Element in den kulturellen Verbindungen sind die zivilgesellschaftlichen Beziehungen unterhalb der staatlichen Ebene . Zahlreiche aktive Städtepartnerschaften fördern den Austausch mit einem breiten Spektrum an Angeboten. Die traditionsreichste Kooperation besteht zwischen Kiew und Leipzig, die 2011 ihr 50-jähriges Bestehen feierte.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
