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Japan

Wirtschaft

Stand: Februar 2014

Grundlagen

Japan ist nach den USA und der VR China weiterhin die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft. Das reale BIP lag 2013 bei 5.149,9 Mrd. USD, damit erwirtschaftete Japan bei einer Bevölkerung von 127.3 Mio. Einwohnern rund 6,9% des Welt-BIP. Das BIP pro Kopf ist mit 47.169 USD (kaufkraftbereinigt, 2013, Quelle: statista) eines der höchsten weltweit; das Land verfügt über eine breit aufgestellte, technologisch hoch entwickelte und exportorientierte Wirtschaftsstruktur.

Während die Folgen der sogenannten „Dreifachkatastrophe“ vom 11. März 2011 mit Erdbeben, Tsunami und Nuklearunfall überwunden sind, sorgen die politischen Spannungen zwischen Japan, China und Südkorea und die Unsicherheiten in den Schwellenländern (Abnehmer von 50% der japanischen Exporte) für eine anhaltende Belastung der japanischen Wirtschaft. Japan steht zusätzlich unter einem großen strukturellen Anpassungsdruck, um dem wachsenden Wettbewerb mit den aufstrebenden asiatischen Nachbarländern, vor allem Korea, standzuhalten.

Ähnlich wie Deutschland ist Japan arm an Rohstoffen und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Die innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur, die neben den international bekannten Großunternehmen auch eine sehr große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen umfasst, gilt in Forschung, Entwicklung und Produktion im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie weltweit mit als führend. Besonders in der gegenwärtigen Lage bei schwacher Binnennachfrage und einer rasch alternden Bevölkerung bleibt der Export für Japan essentiell. Entscheidend wird sein, ob es gelingen wird, die die industrielle Produktion behindernde Energieknappheit aufgrund der Reaktorkatastrophe von Fukushima rasch und nachhaltig zu beseitigen. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer, insbesondere Chinas. Bereits im Jahr 2007 stieg China zum wichtigsten Handelspartner Japans auf, seit 2009 nimmt China die Position des wichtigsten japanischen Abnehmers noch vor den USA.


Lage der japanischen Wirtschaft

Ende der 80er Jahre platzte in Japan die „Bubble“, eine spekulative Blase, in der die Grundstückspreise in beispiellose Höhe getrieben wurden und das allgemeine Gefühl vorherrschte, die japanische Wirtschaft würde endlos weiter wachsen. Die darauf folgenden 90er Jahre waren dagegen von anhaltender Stagnation gekennzeichnet. Von 2002 bis 2007 befand sich Japan erneut in einer hauptsächlich auf Export basierenden Wachstumsphase, die Ende 2007 aufgrund des nachlassenden Welthandels an Schwung verlor. Japan wurde hart von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen. Dabei war Japan, dessen Finanzinstitute sich kaum in den Krisensegmenten des US-amerikanischen Finanzmarktes engagiert hatten, zunächst von den Turbulenzen verschont worden. Doch im Sog der realwirtschaftlichen Krise und des Einbruchs des Welthandels ist Japans Wirtschaft stark geschrumpft.

2009 ging das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,2% gegenüber dem Vorjahr zurück (nach einem Rückgang um 2,1% im Jahr 2008). Das war der stärkste Rückgang der Wirtschaftsleistung unter den G7-Ländern. Japan war auch – unter anderem wechselkursbedingt – stärker als jedes andere G7-Land vom Außenhandelseinbruch betroffen. Die Exporte sanken real um 24% gegenüber dem Vorjahr. Von der dann eingetretenen regionalen Erholung, insbesondere in China und Südostasien, profitierte der japanische Außenhandel überdurchschnittlich. 2009 stieg der Anteil Chinas am japanischen Export von 16% (2008) auf 18,9%, der Asiens von 49,3% auf 54,2%. Die japanische Wirtschaft wuchs im Jahr 2010 aufgrund der starken externen Nachfrage und von fiskalischen Stimuli mit kräftigen 4% (IWF). Gleichzeitig wurde deutlich, dass die anhaltende Yen-Stärke seit Jahresbeginn 2010 das Exportwachstum zunehmend schmälert und der Außenbeitrag in Zukunft insgesamt geringere Wachstumsbeiträge generieren wird.

Der fiskalische Manövrierspielraum der japanischen Regierung ist aufgrund des hohen öffentlichen Schuldenstands (Ende 2013 rund 245% des BIP, IWF-Definition) gering. Schwerpunkte der Fiskalpolitik der nächsten Jahre wird es sein müssen, die traditionell niedrigen Staatseinnahmen insbesondere durch eine deutliche Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes (derzeit nur 5%) zu erhöhen; ein erster Schritt zum 1. April 2014 auf 8% kann nur ein Anfang sein. Es muss aber auch darum gehen, auf der Ausgabenseite größere Einschnitte vorzunehmen. Hier muss die Politik die Abhängigkeit der Wirtschaft von den langjährig aufgesetzten Konjunkturprogrammen erreichen. Seit dem Regierungswechsel durch den Erdrutschsieg der LDP mit ihrem Koalitionspartner New Komeito bei den Unterhauswahlen vom 16. Dezember 2012 erlebt Japan jedoch einschneidende und gegensätzliche Veränderungen in seiner Wirtschaftspolitik. Premierminister Abe strebt die Beendigung der Deflation, die Abwertung des Yen und die Ankurbelung der Wirtschaft durch eine „Drei-Pfeile-Strategie“ an (kühne Geldpolitik, flexible Fiskalpolitik und Wachstumsstrategie). Um diese Ziele zu erreichen, übt die Abe-Regierung erfolgreich Druck auf die Bank of Japan aus, einen lockeren geldpolitischen Kurs zu fahren. Die neue Regierung ist auch dazu bereit, kurzfristig noch mehr Schulden zu machen. Der Staatshaushalt für das Fiskaljahr 2014 (ab 1. April 2014) wird erneut der größte Haushalt in der Geschichte Japans sein. Aufgrund günstiger konjunktureller Rahmenbedingungen sinkt der Grad der Zunahme der Neuverschuldung allerdings leicht. Gleichwohl bleibt die Fiskalsituation angesichts des hohen Schuldenstands und bisher historisch niedriger Zinsen ungelöst. Damit verfolgt Abe eine Politik, die zum europäischen Ansatz der Haushaltskonsolidierung und der Durchsetzung von Strukturreformen gegensätzlich ist und bei Experten heftig umstritten ist. Die Oberhauswahlen im Juli 2013 haben der LDP von Abe einen erdrutschartigen Sieg und die Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments beschert. Mit diesem Ergebnis im Rücken hat die Abe-Regierung die politischen Voraussetzungen, um ihren Sanierungsplan für Japan und den dritten Pfeil ihrer Abenomics-Strategie durchzusetzen. Ohne diese Maßnahmen droht die Gefahr, dass die bisherigen geld- und fiskalpolitischen Schritte versanden.


Außenhandel

Die seit 2011 anhaltende Serie der Rekorddefizite (2011: 1,5 Billionen Yen; 2012: 6,9 Billionen Yen) in der Handelsbilanz wurde auch 2013 fortgeführt. Von 1970 bis 2010 hatte Japan durchgehend Handelsbilanzüberschüsse verzeichnet. Aufgrund der Abhängigkeit von Öl und Gas nach Abschalten der AKWs und der Geldpolitik Abes sprang das Handelsbilanzdefizit 2013 auf 12,7 Billionen Yen. Das Monatsdefizit Januar 2014 von 2,8 Billionen Yen ist das höchste bisher. Zwar wird für das vergangene Jahr wieder von einem Defizit ausgegangen, jedoch wird es sich wohl nicht um einen neuen Rekord handeln. Diesen Negativtrend konnten im vergangenen Jahr auch die Exporte nicht stoppen, die 2013 durch die Abwertung des Yen gestiegen waren.

Die im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 15% gestiegenen Importe sind auf einen höheren Bedarf an fossilen Brennstoffen (v. a. LNG und Rohöl) von 13,9% zurückzuführen, der nach der 2011 erfolgten Abschaltung fast aller japanischer Kernkraftwerke einsetzte. Der dadurch verlorengegangene Energieanteil wird von zu 75% durch den Import von diesen Brennstoffen gedeckt. Der Rest wurde eingespart, teilweise einhergehend mit hohen wirtschaftlichen Opportunitätskosten.

Im März 2013 haben Japan und die EU mit den Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen begonnen, die dritte Verhandlungsrunde hat im Oktober 2013 stattgefunden, die nächste ist für das Frühjahr 2014 geplant. Für die Entwicklung der japanischen Wirtschaft wird besonders ein Beitritt zu den Verhandlungen zur TPP (Trans-Pacific Partnership) positiv gesehen. Die LDP ist mit Blick auf die TPP intern gespalten. Nachdem jedoch Abe im Februar 2013 bereits positive Signale hinsichtlich einer Beteiligung gegeben hatte, ist Japan den TPP Verhandlungen im Juli 2013 – insbesondere gegen die Widerstände der starken japanischen Agrarlobby – offiziell beigetreten. Der für Jahresende 2013 geplante Abschluss der Verhandlungen wurde bisher nicht erreicht.


Auslandsinvestitionen

Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in Japan ist zwischen 1998 und 2012 von 26 auf 206 Mrd. USD angewachsen. Trotz verschiedener Bemühungen, den Bestand der Auslandsinvestitionen auf 5% des BIP zu steigern, bleibt der Ende 2012 erreichte Stand (3,45% des BIP) deutlich hinter den anderen OECD-Mitgliedsländern zurück. Angesichts des Entwicklungsstandes der japanischen Volkswirtschaft, insbesondere ihrer Industrie, überrascht es nicht, dass die japanischen Direktinvestitionen im Ausland mit 958 Mrd. USD (2011) die ausländischen Investitionen in Japan um mehr als das Viereinhalbfache übersteigen. Die mit Abstand wichtigsten Herkunftsregionen für Direktinvestitionen in Japan sind Europa mit 46,2% (95,2 Mrd. USD; davon Deutschland 8,4 Mrd. USD, 4,1%) und die USA mit 30,1% (62 Mrd. USD).

In den Jahren 2011 und 2012 haben japanische Unternehmen ihr Engagement in Übersee noch verstärkt. Insbesondere bedingt durch den starken Yen haben japanische Unternehmen in großem Ausmaß ausländische Firmen akquiriert. Auf einer Zahlungsbilanzbasis (Netto-Investitionsflüsse) betrugen die japanischen Auslandsinvestitionen 2012 rund 122 Mrd. USD (2011: 109 Mrd. USD, 2010: 57 Mrd. USD). Während im Jahr 2000 noch fast die Hälfte der japanischen Auslandsinvestitionen auf die USA entfiel, sind sie mittlerweile geographisch sehr viel breiter gestreut. So entfielen 2011 27,5% der Investitionen auf Asien (China 11%), 26,2% auf die USA und 25,4% auf Europa (Deutschland 1,5


Entwicklungszusammenarbeit

Schwerpunkte der japanischen EZ-Politik unter Außenminister Kishida sind Demokratisierung, nationale Versöhnung, „Human Security“ und vor allem der Export japanischer Infrastruktursysteme und die Förderung der japanischen Privatwirtschaft in Schwellen- und Entwicklungsländern. Aufbauend auf den Erfahrungen der Dreifachkatastrophe im März 2011 setzt sich Japan verstärkt in der Katastrophenhilfe und -prävention ein. Im Februar 2014 startete Japan gemeinsam mit der Weltbank dasJapan-World Bank Disaster Risk Management Joint Program, das von der japanischen Regierung mit USD 100 Mio. über die nächsten fünf Jahre gefördert wird.

Das General Accounts Budget aller mit EZ befassten Ministerien betrug 2012 JPY 561,2 Bio. (EUR 4,2Mrd. -2% im Vergleich zum Vorjahr), den größten Anteil hatte das MOFA (JPY 418,0 Bio oder EUR 3,16 Mrd.). Die gesamte bilaterale ODA betrug USD 6,51 Mrd. (letzter Stand 2011), ein Rückgang von 12,4%, u.a. aufgrund von Rückzahlungen in Höhe von USD 1,7 Mrd. Mit einem Anteil von 48,9% lag Asien an der Spitze der Empfänger, gefolgt von den afrikanischen Ländern südlich der Sahara (20,1%). Nach Sektoren sortiert, wurden 66% der bilateralen japanischen ODA für den Aufbau der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur verwendet. Schwerpunkte waren hier Wasser- und sanitäre Versorgung, Transport und Energie. Weitere 9,3% wurden in der Landwirtschaft eingesetzt.

In diesem Jahr begeht Japan das 60-jährige Jubiläum der ODA, die 1954 unter dem Colombo Plan mit der Zahlung von Kriegsreparationen an asiatische Länder wie Myanmar begann. Daneben feiert Japan auch das 50-jährige Jubiläum seiner OECD-Mitgliedschaft. Ebenso begeht die EZ-Durchführungsorganisation JICA 2014 ihr 40. Jubiläum. Im Rahmen der OECD-DAC-Staaten war Japan 2011 mit USD 10,6 Mrd. der fünftgrößte Beitragszahler. Gemessen am Gesamtnationaleinkommen lag Japan unter den OECD-DAC Staaten jedoch mit einem Anteil von 0.18% weit abgeschlagen an 23. Stelle.



Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.