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Japan

Wirtschaft

Stand: November 2016

Grundlagen

Japan ist nach den USA und der VR China laut Weltbank weiterhin die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft. Das nominale BIP lag 2015 bei 4.123 Mrd. USD, damit erwirtschaftete Japan bei einer Bevölkerung von 126,9 Mio. Einwohnern rund 5,9% des Welt-BIP. Das BIP pro Kopf (nominal) ist mit 32.486 USD (2015) eines der höchsten weltweit; das Land verfügt über eine breit aufgestellte, technologisch hoch entwickelte und exportorientierte Wirtschaftsstruktur.
Quelle: GTAI, 2016

Ähnlich wie Deutschland ist Japan arm an Rohstoffen und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Die innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur, die neben den international bekannten Großunternehmen auch eine sehr große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen umfasst, gilt in Forschung, Entwicklung und Produktion im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie weltweit mit als führend. Besonders in der gegenwärtigen Lage bei schwacher Binnennachfrage und einer rasch alternden Bevölkerung bleibt der Export für Japan essentiell. Der Exportsektor wurde durch die Geldpolitik der Regierung Abe mit einer einhergehenden Schwächung des Yen privilegiert. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer, insbesondere Chinas. Bereits im Jahr 2007 stieg China zum wichtigsten Handelspartner Japans auf, seit 2009 nahm China die Position des wichtigsten japanischen Abnehmers noch vor den USA ein.2015 waren wieder die USA wichtigstes Hauptabnehmerland vor China.
Quelle: GTAI, 2016


Lage der japanischen Wirtschaft

Seit dem Amtsantritt von Premierminister Abe im Dezember 2012 verfolgt die Regierung einen Kurs wirtschaftspolitischer Expansion, um die Periode langjähriger Deflation zu überwinden. Der fiskalische Manövrierspielraum der japanischen Regierung scheint allerdings aufgrund des hohen öffentlichen Schuldenstands (fast 250% des BIP, IWF-Definition) eher gering. Abe strebt die Revitalisierung der Wirtschaft durch eine dreiteilige Strategie an (expansive Geld-, flexible Fiskal- und Strukturreformpolitik). Im Verlauf des Jahres 2013 und im ersten Halbjahr 2014 führte dies zu einem vergleichsweise kräftigen Wachstumsimpuls und stark steigenden Börsenkursen (Wachstumsrate 2013 und 2014 jeweils rund 1,5%), gleichwohl setzte sich diese Entwicklung nach einer Mehrwertsteuererhöhung im zweiten Halbjahr 2014 nicht fort. Das Wirtschaftswachstum 2015 lag bei 0,5%. Für 2016 wird mit einer ähnlichen Wachstumsrate von 0,3 % bis 0,5% gerechnet. Auch der Export nimmt trotz abwertendem Yen (noch) nicht wie erhofft zu, da viele Unternehmen im letzten Jahrzehnt ihre Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert haben.. Nur zögerlich steigende Löhne und niedrige Ölpreise halten Preissteigerungen weiterhin auf niedrigem Niveau. Die Inflationsrate, die im letzten halben Jahr im nativen Bereich lag, kletterte erst im Oktober auf moderate 0,2%. Jüngst verschob die Bank of Japan das Erreichen der 2%-Marke erneut, diesmal auf die 2. Hälfte des Fiskaljahres 2018, d.h. Ende 2018/Anfang 2019.

Die Bank of Japan hat nach der Ausweitung ihres Ankaufsprogramms  im Oktober 2014 japanische Staatsanleihen im Umfang von 80 Bil. Yen (rd. 700 Mrd. €) jährlich gekauft.  Das hat dazu geführt, dass das Verhältnis von Geldmenge zu BIP im Sommer 2016 bei ca. 80% lag - im Vergleich zu ca. 20% in der Eurozone und ca. 21% in den USA.

Internationale Investoren fordern einen glaubwürdigen fiskalischen Konsolidierungsplan und die schnelle Umsetzung der angekündigten Strukturreformen. Dazu gehört auch die Erhöhung des Anteils der Frauenbeschäftigung. Das im August 2015 verabschiedete Gesetz zur Förderung von Frauen, das unverbindliche Ziele für die Anzahl von Frauen in Beschäftigung und Führungspositionen vorsieht, wurde aufgrund fehlender weiblicher Fach- und Führungskräfte nach unten revidiert. An der geplanten zweiten Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8 auf 10% wurde auf Oktober 2019 verschoben.
Quelle: GTAI, 2016,  IMF Country Report: Japan (2016)


Außenhandel

Die seit 2011 anhaltende Serie der Rekorddefizite (2011: 1,5 Billionen Yen; 2012: 6,9 Billionen Yen) in der Handelsbilanz wurde auch 2013 und 2014 fortgeführt. Von 1970 bis 2010 hatte Japan durchgehend Handelsbilanzüberschüsse verzeichnet. Aufgrund der Abhängigkeit von Öl und Gas nach Abschalten der AKWs und der Geldpolitik Abes sprang das Handelsbilanzdefizit 2013 auf 12,7 Billionen Yen (118 Mrd. USD). Für 2014 ist ein Handelsbilanzdefizit von 138 Mrd. USD zu verzeichnen. 2015 konnte das Handelsbilanzdefizit erstmals wieder auf 1,1 Mrd. USD reduziert werden.
Quelle: GTAI, 2016

Die im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 5,4% gesunkenen Importe sind u.a.  auf die anhaltend niedrigen fossilen Brennstoffpreise (vor allem LNG und Rohöl) zurückzuführen. Trotz des Anfahrens einiger Kernkraftwerke im Jahr 2015 (2014 waren alle Kernkraftwerke abgeschaltet) bleibt Japan weiterhin abhängig von der Einfuhr von Rohöl, LNG und Kohle. Im März 2013 haben Japan und die EU mit den Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen begonnen. Für die Entwicklung der japanischen Wirtschaft wurde besonders der Abschluss des TPP (Trans-Pacific Partnership)-Abkommens im Oktober 2015 positiv gesehen, sein Wirksamwerden ist allerdings jetzt fraglich geworden. Japan und die EU streben einen raschen Abschluss des Freihandelsabkommens mit der EU noch 2016 an.


Auslandsinvestitionen

Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in Japan ist zwischen 1998 und 2012 von 26 auf 206 Mrd. USD angewachsen. Trotz verschiedener Bemühungen, den Bestand der Auslandsinvestitionen auf 5% des BIP zu steigern, bleibt der Ende 2012 erreichte Stand (3,45% des BIP) deutlich hinter den anderen OECD-Mitgliedsländern zurück und ist 2013 und 2014 zurückgegangen auf 170 Mrd. USD (2014). Angesichts des Entwicklungsstandes der japanischen Volkswirtschaft, insbesondere ihrer Industrie, überrascht es nicht, dass die japanischen Direktinvestitionen im Ausland mit 1.037 Mrd. USD (2012) die ausländischen Investitionen in Japan um mehr als das Sechsfache übersteigen. Die mit Abstand wichtigsten Herkunftsregionen für Direktinvestitionen in Japan sind Europa mit 45,6% (davon Deutschland 3,2%) und die USA mit 30,5%.

In den vergangenen Jahren haben japanische Unternehmen ihr Engagement in Übersee noch verstärkt. Insbesondere bedingt durch den bis Anfang 2013 starken Yen haben japanische Unternehmen in großem Ausmaß ausländische Firmen akquiriert. Auf einer Zahlungsbilanzbasis (Netto-Investitionsflüsse) betrugen die japanischen Auslandsinvestitionen 2012 rund 122 Mrd. USD (2011: 109 Mrd. USD, 2010: 57 Mrd. USD). 2013 konnte eine Zahlungsbilanzzunahme von über 10% auf 135 Mrd. USD verzeichnet werden. Japan musste 2015 einen kleinen Rückgang um 4,15% auf knapp 131 Mrd. USD hinnehmen. Während im Jahr 2000 noch fast die Hälfte der japanischen Auslandsinvestitionen auf die USA entfiel, sind sie mittlerweile geographisch sehr viel breiter gestreut. Neuer Zielmarkt ist Indien. 2013 beliefen sich die japanischen Direktinvestitionen auf 1118 Mrd. USD, 2014 auf 1169 Mrd. USD.
Quelle: https://www.jetro.go.jp/en/news/2015/ea96c87efd06f226.html


Entwicklungszusammenarbeit

Unter dem Leitmotiv 'Proactive Contribution to Peace' soll Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als eines der „wichtigsten Mittel der japanischen Diplomatie zur Lösung globaler Konflikte und zur Stabilisierung der internationalen Gemeinschaft beitragen, dabei aber auch Japans wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen dienen. Japan hält weiter an dem Grundsatz fest, dass politische Stabilität nach Möglichkeit ohne militärische Einsätze erreicht werden soll und wird weiterhin keine EZ-Mittel für ausländische Armeen zur Verfügung stellen. Aufgrund der Bedrohung durch Terror und Piraterie unterstützt Japan Entwicklungs- und Schwellenländer bei der polizeilichen Sicherung von Küsten, Grenzen und Seewegen sowie bei der Terrorismusbekämpfung.

Das zum Großteil vom japanischen Außenministerium verwaltete EZ-Budget liegt 2016 mit mehr als 550 Mrd. Yen (4,5 Mrd. EUR) leicht über dem Vorjahresniveau (542,2 Mrd. Yen). Der Schwerpunkt der bilateralen EZ liegt weiterhin beim Aufbau von Wirtschaft und Infrastruktur. Anteil der EZ von 0,2% am BIP. Innerhalb des OECD-DAC lag Japan 2015 an vierter Stelle. Das ODA-Gesamtvolumen (rd. 9 Mrd. USD) betrug 2015 rd. die Hälfte Deutschlands (knapp 18 Mrd. USD).


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