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Japan

Wirtschaft

Stand: März 2015

Grundlagen

Japan ist nach den USA und der VR China weiterhin die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft. Das reale BIP lag 2013 bei 4.902 Mrd. USD, damit erwirtschaftete Japan bei einer Bevölkerung von 127.3 Mio. Einwohnern rund 6,9% des Welt-BIP. Das BIP pro Kopf ist mit 38.491 USD (kaufkraftbereinigt, 2013) eines der höchsten weltweit; das Land verfügt über eine breit aufgestellte, technologisch hoch entwickelte und exportorientierte Wirtschaftsstruktur.

Ähnlich wie Deutschland ist Japan arm an Rohstoffen und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Die innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur, die neben den international bekannten Großunternehmen auch eine sehr große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen umfasst, gilt in Forschung, Entwicklung und Produktion im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie weltweit mit als führend. Besonders in der gegenwärtigen Lage bei schwacher Binnennachfrage und einer rasch alternden Bevölkerung bleibt der Export für Japan essentiell. Der Exportsektor wurde durch die Geldpolitik der Regierung Abe mit einer einghergehenden Schwächung des Yen privilegiert. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer, insbesondere Chinas. Bereits im Jahr 2007 stieg China zum wichtigsten Handelspartner Japans auf, seit 2009 nimmt China die Position des wichtigsten japanischen Abnehmers noch vor den USA ein.


Lage der japanischen Wirtschaft

Seit dem Amtsantritt von PM Abe Ende 2012 verfolgt die Regierung einen Kurs wirtschaftspolitischer Expansion, um die Periode langjähriger Deflation zu überwinden. Der fiskalische Manövrierspielraum der japanischen Regierung ist allerdings aufgrund des hohen öffentlichen Schuldenstands (über 240% des BIP, IWF-Definition) eher gering. Abe strebt die Revitalisierung der Wirtschaft durch eine „Drei-Pfeile-Strategie“ an (expansive Geld-, flexible Fiskal- und Strukturreformpolitik). Im Verlauf des Jahres 2013 und im ersten Halbjahr 2014 führte dies zu einem vergleichsweise kräftigen Wachstumsimpuls und stark steigenden Börsenkursen (Wachstumsrate 2013 und 2014 jeweils rund 1,5%), gleichwohl setzte sich diese Entwicklung im zweiten Halbjahr 2014 nach einer umstrittenen Mehrwertsteuererhöhung nicht fort. Auch der Export nimmt trotz abwertendem Yen nicht wie erwartet zu, da viele Unternehmen im letzten Jahrzehnt ihre Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert haben. Zwar springt die Inflationsrate wie gewünscht an, doch liegt dies nicht an zunehmendem Inlandskonsum und steigenden Reallöhnen. Vor allem die Importpreise sind für eine Zunahme der Inflationsrate verantwortlich.

Der Markt für Staatsanleihen wird inzwischen von Aufkäufen der Notenbank dominiert, die über 70% der Neuemissionen in ihre Bilanz übernimmt. Internationale Investoren fordern einen glaubwürdigen fiskalischen Konsolidierungsplan und die schnelle Umsetzung der angekündigten Strukturreformen. Dazu gehört auch die Erhöhung des Anteils der Frauenbeschäftigung. Ein Gesetzentwurf, der u.a. Unternehmen dazu anhält, konkrete Ziele für die Frauenförderung und deren Beschäftigung in leitenden Positionen aufzustellen, wurde in den Gesetzgebungsprozess eingebracht.


Außenhandel

Die seit 2011 anhaltende Serie der Rekorddefizite (2011: 1,5 Billionen Yen; 2012: 6,9 Billionen Yen) in der Handelsbilanz wurde auch 2013 fortgeführt. Von 1970 bis 2010 hatte Japan durchgehend Handelsbilanzüberschüsse verzeichnet. Aufgrund der Abhängigkeit von Öl und Gas nach Abschalten der AKWs und der Geldpolitik Abes sprang das Handelsbilanzdefizit 2013 auf 12,7 Billionen Yen. Das Monatsdefizit Januar 2014 von 2,8 Billionen Yen ist das höchste bisher. Zwar wird für das vergangene Jahr wieder von einem Defizit ausgegangen, jedoch wird es sich wohl nicht um einen neuen Rekord handeln. Diesen Negativtrend konnten im vergangenen Jahr auch die Exporte nicht stoppen, die 2013 durch die Abwertung des Yen gestiegen waren.

Die im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 15% gestiegenen Importe sind auf einen höheren Bedarf an fossilen Brennstoffen (v. a. LNG und Rohöl) von 13,9% zurückzuführen, der nach der 2011 erfolgten Abschaltung fast aller japanischer Kernkraftwerke einsetzte. Der dadurch verlorengegangene Energieanteil wird von zu 75% durch den Import von diesen Brennstoffen gedeckt. Der Rest wurde eingespart, teilweise einhergehend mit hohen wirtschaftlichen Opportunitätskosten.

Im März 2013 haben Japan und die EU mit den Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen begonnen. Für die Entwicklung der japanischen Wirtschaft wird besonders ein Beitritt zu den Verhandlungen zur TPP (Trans-Pacific Partnership) positiv gesehen. Die LDP ist mit Blick auf die TPP intern gespalten. Nachdem jedoch Abe im Februar 2013 bereits positive Signale hinsichtlich einer Beteiligung gegeben hatte, ist Japan den TPP Verhandlungen im Juli 2013 – insbesondere gegen die Widerstände der starken japanischen Agrarlobby – offiziell beigetreten.


Auslandsinvestitionen

Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in Japan ist zwischen 1998 und 2012 von 26 auf 206 Mrd. USD angewachsen. Trotz verschiedener Bemühungen, den Bestand der Auslandsinvestitionen auf 5% des BIP zu steigern, bleibt der Ende 2012 erreichte Stand (3,45% des BIP) deutlich hinter den anderen OECD-Mitgliedsländern zurück. Angesichts des Entwicklungsstandes der japanischen Volkswirtschaft, insbesondere ihrer Industrie, überrascht es nicht, dass die japanischen Direktinvestitionen im Ausland mit 958 Mrd. USD (2011) die ausländischen Investitionen in Japan um mehr als das Viereinhalbfache übersteigen. Die mit Abstand wichtigsten Herkunftsregionen für Direktinvestitionen in Japan sind Europa mit 46,2% (95,2 Mrd. USD; davon Deutschland 8,4 Mrd. USD, 4,1%) und die USA mit 30,1% (62 Mrd. USD).

In den vergangenen Jahren haben japanische Unternehmen ihr Engagement in Übersee noch verstärkt. Insbesondere bedingt durch den bis Anfang 2013 starken Yen haben japanische Unternehmen in großem Ausmaß ausländische Firmen akquiriert. Auf einer Zahlungsbilanzbasis (Netto-Investitionsflüsse) betrugen die japanischen Auslandsinvestitionen 2012 rund 122 Mrd. USD (2011: 109 Mrd. USD, 2010: 57 Mrd. USD). Während im Jahr 2000 noch fast die Hälfte der japanischen Auslandsinvestitionen auf die USA entfiel, sind sie mittlerweile geographisch sehr viel breiter gestreut. Neuer Zielmarkt ist Indien.


Entwicklungszusammenarbeit

Unter dem Leitmotiv „Proactive Contribution to Peace“ soll Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als eines der „wichtigsten Mittel der japanischen Diplomatie zur Lösung globaler Konflikte und zur Stabilisierung der internationalen Gemeinschaft beitragen, dabei aber auch Japans wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen dienen. Japan hält weiter an dem Grundsatz fest, dass politische Stabilität nach Möglichkeit ohne militärische Einsätze erreicht werden soll und wird weiterhin keine EZ-Mittel für ausländische Armeen zur Verfügung stellen. Aufgrund der Bedrohung durch Terror und Piraterie unterstützt Japan Entwicklungs- und Schwellenländer bei der polizeilichen Sicherung von Küsten, Grenzen und Seewegen sowie bei der Terrorismusbekämpfung.

Das Gesamtbudget für 2014 in Höhe von JPY 1,7 Bio. (EUR 12,8 Mrd) übersteigt das Vorjahresbudget deutlich (+21%). Der überwiegende Teil ist für die Regionen Asien-Pazifik (63,7%) und Naher Osten, Nordafrika und Subsahara-Afrika (22,6%) vorgesehen.


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