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Tunesien

Wirtschaft

Stand: März 2016

Wirtschaftsstruktur

Tunesien verfügt über eine moderne Wirtschaftsstruktur auf marktwirtschaftlicher Basis sowie wichtige Standortvorteile: Ein hoher Industrialisierungsgrad, gute Infrastruktur, Nähe zu Europa sowie qualifizierte Arbeitskräfte und Steuervorteile für Exportbetriebe ("Offshore-Sektor"). Den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet der Dienstleistungssektor (ca. 50 Prozent aller Erwerbstätigen), gefolgt von der Industrie (32 Prozent) und der Landwirtschaft(ca. 25 Prozent). Das Land hat sich durch die Förderung des privaten Sektors und die Integration in die Weltwirtschaft eine gute Position in der Region erarbeitet. Die wirtschaftliche Öffnung hat Tunesien ein solides Wachstum und hohe Direktinvestitionen aus dem Ausland beschert. Die 1995 erfolgte Assoziation mit der EU war ein wichtiger Meilenstein im Aufstieg des Landes in den Kreis der Industrieländer. Im Rahmen der seit 19.11.2012 bestehenden Privilegierten Partnerschaft wurden am 13.10.2015 anlässlich des Besuchs von Handelskommissarin Malmström die Verhandlungen zu einem umfassenden und vertieften Freihandelsabkommen (DCFTA) zur Liberalisierung von Dienstleistungen und Agrargütern offiziell aufgenommen.

Die größten Herausforderungen liegen in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigungsförderung, der Verbesserung der arbeitsmarktorientierten Aus- und Fortbildung, sowie der Erhöhung des Investitionsniveaus im privaten und öffentlichen Sektor. Zudem sind Strukturreformen nötig, um insbesondere im Bankensektor das nötige Kapital für junge Unternehmen zur Verfügung zu stellen sowie überschuldete Staatsbetriebe zu sanieren. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich zwischen 15 und 16 Prozent, wobei junge Menschen, Frauen, Akademiker und die benachteiligten Regionen im Binnenland überproportional betroffen sind. Um regionalen Ungleichheiten zu begegnen, hat Tunesien ein ambitioniertes Programm zur Regionalentwicklung vorgelegt.

Tunesien ist ein rohstoffarmes Land, verfügt jedoch über eigene Vorkommen von Öl und Gas, die eine gewisse Eigenversorgung (gegenwärtig zu 40 Prozent, mit sinkender Tendenz) gewährleisten. Tunesien ist weltweit viertgrößter Produzent von Phosphaten und der drittgrößte Olivenöl-Exporteur.

Das Investitionsklima in Tunesien ist grundsätzlich gut, litt bis 2014 jedoch an der Unsicherheit der politischen Entwicklung. Nach der weiteren Konsolidierung der politischen Verhältnisse durch die Annahme der neuen Verfassung und der reibungslosen Durchführung der Parlamentswahlen Ende Oktober 2014 konnte seitdem ein zaghafter Anstieg der ausländischen Investitionen verzeichnet werden. Ein neues Investitionsgesetz wurde 2016 verabschiedet. Ausländische Investoren schätzen die geographische Nähe zu Europa, die relativ hohe Produktivität und die gut ausgebaute Infrastruktur. Ungewiss ist bislang die Auswirkung der jüngsten Terroranschläge auf das Investitionsklima.


Tourismus

Tunesien ist ein beliebtes Reiseziel und die Tourismusbranche von großer Bedeutung für die tunesische Wirtschaft. Der BIP-Anteil der Branche liegt zwar nur bei 7 %, der Tourismus schafft jedoch ca. 400.000 Arbeitsplätze. Tunesien ist sich der Wichtigkeit der Diversifizierung und Modernisierung des Tourismussektors bewusst und bemüht sich, das post-revolutionäre Tunesien als Reiseland noch attraktiver zu machen (weg von reinen Strand- und hin zum Kultur- und Ökotourismus). Zwei Terroranschläge auf touristische Ziele im März und Juni 2015 sowie ein Sprengstoffanschlag auf einen Bus der Präsidentengarde mit zwölf Toten im Zentrum von Tunis im November 2015 versetzten dem Tourismussektor, der sich gerade von den Wirren nach der Revolution erholt hatte, einen heftigen Rückschlag. Nach einem zeitweiligen Rückgang der westeuropäiischen Touristen um bis zu 75%, zeichnete sich für die Saison 2017 wieder eine Erholung ab, zumal es 2016 keine weiteren Terroranschläge mehr gab. Bemerkenswert ist auch der Anstieg der Touristenzahlen aus Russland und Algerien. 


Internationale Verflechtung

Die EU ist Tunesiens wichtigster Handelspartner, wobei Frankreich, Italien und Deutschland für den größten Anteil an den Im- und Exporten sowie der Direktinvestitionen stehen. Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Tunesien stagniert seit der Revolution. 2016 betrug die Ausfuhr von Tunesien nach Deutschland 1,38 Mrd. Euro, die umgekehrte Einfuhr von Deutschland nach Tunesien 1,15 Mrd. Euro. Elektrotechnische Produkte sowie Automobil-Komponenten gehören zu den Haupteinfuhrgütern aus Tunesien gefolgt von Textilien. Im Zuge der Globalisierung hat aber zum Beispiel China im Importbereich stark aufgeholt und droht Deutschland vom dritten Platz der Rangliste zu verdrängen. Die EU ist auch der größte Investor: 90 Prozent der Firmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung stammen aus der EU.

Tunesien ist Mitglied in IWF (Internationaler Währungsfonds), Weltbank und WTO (Welthandelsorganisation). Zwischen Deutschland und Tunesien bestehen ein Investitionsförderungs- und Schutzvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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