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Italien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2012

Politische Beziehungen

Die deutsch-italienischen Beziehungen sind eng. Gemeinsamkeiten in der historischen Entwicklung (Deutschland und Italien als "späte Nationen"), die heutige Position beider Länder in der Mitte Europas und ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Union, der umfangreiche Handelsaustausch sowie die Vielschichtigkeit der Kontakte (u.a. Kultur, Tourismus, Sport, gesellschaftliche Gruppen, Gewerkschaften, in Deutschland lebende Italiener) stellen eine exzellente Basis dar. Gelegentlich auftretende Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen betreffen derzeit in erster Linie Fragen den Bereich der Europapolitik, unterschiedliche Vorstellungen bei der Erweiterung der EU-27 oder Einzelfragen bei der Überwindung der Euro- und Finanzkrise.

Die Regierungen und Parlamentarier aus Deutschland und Italien stehen in einem regelmäßigen intensiven Meinungsaustausch, der durch zahlreiche Begegnungen im Rahmen internationaler Konferenzen oder bei Europäischen Räten ergänzt wird. Auch auf Ebene der Staatsoberhäupter wird ein enger Kontakt gepflegt. Am Comer See liegt mit der „Villa Vigoni“ eine eigens zur Pflege des bilateralen Austauschs ins Leben gerufene deutsch-italienische Begegnungsstätte, in der zahlreiche Veranstaltungen zu Fragen der Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft stattfinden. Die politischen Stiftungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die deutsch-italienischen Beziehungen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen sind traditionell sehr eng. Deutschland ist mit Abstand Italiens wichtigster Handelspartner mit einem Lieferanteil von 15,6 Prozent und einem Anteil an den italienischen Exporten von 13,1 Prozent (2011). Umgekehrt steht Italien für Deutschland als Importland an fünfter, als Exportland an sechster Stelle. Der gesamte bilaterale Handelsaustausch betrug 110,3 Mrd. Euro. Deutschlands Haupt-Exportgüter waren 2011 Kraftwagen und Kraftwagenteile, gefolgt von Maschinen und chemischen Erzeugnissen. Die wichtigsten italienischen Exportgüter waren 2011 Maschinen und Geräte, Metalle und Metallerzeugnisse sowie Textilien/Bekleidung samt Accessoires. Die deutschen Direktinvestitionen beliefen sich 2010 (laut Angaben der Bundesbank) auf ca. 36,8 Mrd. Euro. Der Schwerpunkt dieser deutschen Auslandsinvestitionen entfällt hierbei auf Norditalien. Umgekehrt betrugen die italienischen Direktinvestitionen in Deutschland (gemäß derselben Quelle) knapp 37,5 Mrd. Euro.

Militärische Beziehungen

Neben der gemeinsamen Einbindung in die NATO, EU (im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU), OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und die Vereinten Nationen bestehen traditionell enge bilaterale Beziehungen zwischen den Streitkräften. Dies beinhaltet auch regelmäßige Gespräche auf militärpolitischer Ebene und zwischen den Kommandos der Teilstreitkräfte, ständige Austausch- und Ausbildungsprogramme von Soldatinnen und Soldaten und eine enge Zusammenarbeit im Rahmen der internationalen Einsätze von NATO, EU und VN. Besondere Bedeutung hat das gemeinsam betriebene taktische Ausbildungskommando für Luftstreitkräfte in Decimomannu/ Sardinien. Es bestehen enge rüstungswirtschaftliche Kooperationen.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien sind in ihrer Dichte weltweit einzigartig.

In keinem anderen Land unterhält Deutschland so viele kulturelle Institutionen wie in Italien. Einige von ihnen gehören zu den ersten Gründungen ihrer Art überhaupt:

  • fünf wissenschaftliche Institute (Deutsches Archäologisches Institut/DAI seit 1829; Bibliotheca Hertziana seit 1912; Kunsthistorisches Institut in Florenz/KHI seit 1888; Deutsches Historisches Institut/DHI und Studienzentrum Venedig);
  • zwei Häuser mit Künstlerstipendien (Villa Massimo, mit den Dependancen Villa Serpentara und Casa Baldi in Olevano Romano und Villa Romana in Florenz) 
  • Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Montepulciano);
  • zwei größere Goethe-Institute (Rom, Mailand) und fünf kleinere Institute (Neapel, Palermo, Turin, Genua, Triest);
  • drei Deutsche Schulen (Rom seit 1851, Mailand, Genua);
  • die Casa di Goethe als Museum und Ausstellungsort (gegr. 1997);
  • die deutsch-italienische Begegnungsstätte Villa Vigoni;
  • das deutsch-italienische Büro für den Jugendaustausch ("Ciao-Tschau") in Rom (Projekt der Villa Vigoni)

Das weltweit präzedenzlos dichtes Netz der knapp 40 deutsch-italienischen Kulturgesell­schaften ermöglicht es, Kulturangebote sowie die Spracharbeit auch in die Provinz zu tragen.

Wichtiges Netzwerk für die Förderung von Deutsch an italienischen Schulen sind die über 25 Partnerschulen (PASCH), zu denen neben den drei Deutschen Schulen (mit insgesamt 2500 Schülern) 14 Sprachdiplom-Schulen, 5 Schulen mit bilingualer Abteilung und 5 vom Goethe-Institut betreute Partnerschulen gehören. Insgesamt lernten an italienischen Schulen im Schuljahr 2008/2009 rund 402.000 Schüler Deutsch (zumeist als zweite oder dritte Fremdsprache).

Seit 2004 berät in Rom ein Informationsbüro des DAAD italienische Studierende, junge Wissenschaftler und Professoren über das deutsche Hochschulsystem, Studien- und For­schungsmöglichkeiten sowie Stipendien. Das binationale Deutsch-Italienische Hochschul­zentrum (DIH) mit Geschäftsstellen in Bonn und Trient berät über deutsch-italienische Studiengänge und Graduiertenkollegs und organisiert im zweijährigen Rhythmus Deutsch-Italienische Hochschultage. Im Rahmen des DIH werden der Ladislao-Mittner-Preis für italienische Deutschlandstudien sowie der Brentano-Preis für deutsche Italienstudien vergeben.

Seit 2008 vergeben das Auswärtige Amt und der Beauftragte für Kultur und Medien den Deutsch-Italieni­schen Übersetzerpreis im jährlichen Wechsel an italienische bzw. deutsche Übersetzer/innen, ab 2010 auch mit Beteiligung des italienischen Kulturministeriums.

Mit dem Ziel, den Jugendaustausch zwischen Deutschland und Italien zu fördern, ist das deutsch-italienische Jugendbüro (Büro in Rom und Internetplattform) eingerichtet worden, das organisatorisch bei der Villa Vigoni am Comer See angesiedelt ist und vom Auswärtigen Amt und dem italienischen Außenministerium finanziell gefördert wird. Diese Plattform umfasst Informationen rund um Austauschaktionen, Begegnungsprogramme und Partnerorganisationen in Deutschland und Italien. Sie ist unter www.ciao-tschau.eu zu erreichen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.