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Großbritannien Vereinigtes Königreich

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Januar 2014

Kulturpolitik

Großbritannien verfügt über eine dichte und vielfältige Kulturlandschaft mit Zentrum in London. Die beachtlichen kulturellen Ambitionen der Regionen (so Cardiff in Wales, Edinburgh und Glasgow in Schottland oder die britische Kulturhauptstadt Derry in Nordirland) und einzelner urbaner Zentren (Manchester oder die europäische Kulturhauptstadt 2008 Liverpool) können die Anziehungskraft Londons nicht erreichen. Die seit 2004 geschickt vermarktete Kunstmesse "Frieze Art" ist zu einem internationalen Magneten für den Verkauf zeitgenössischer bildender Kunst geworden, aber auch alle anderen Sparten (Musik, Film, Theater, Tanz, Kreativwirtschaft) sind auf höchstem Niveau vertreten.

In England werden ca. 700 Kultureinrichtungen durch den Arts Council England (ACE) finanziell unterstützt. Zu diesen Organisationen gehören sowohl kleinere Gemeindeinstitutionen und Privatsammlungen, als auch die Schwergewichte der englischen Kulturlandschaft (Royal Opera House, Southbank Centre u.a.). Die Mittel bestehen zum größten Teil aus Regierungsgeldern, die durch die National Lottery ergänzt werden. Im Übrigen beruht das Kulturfördersystem Großbritanniens beruht in hohem Maße auf privater Initiative, ist oft projektgebunden und durch zahlreiche private oder halbprivate Stiftungen charakterisiert. Viele der zahlreichen Kulturinstitutionen finanzieren sich überwiegend kommerziell. "Public Private Partnerships" sind wichtige Elemente der britischen Kulturfinanzierung, die im Lichte der jüngsten, drastischen Einschnitte im staatlichen Kulturbudget noch an Bedeutung gewonnen haben.

Eine wichtige Einrichtung für den kulturellen Austausch mit anderen Ländern ist der bereits 1934 gegründete British Council. Hauptanliegen des British Council ist die Verbreitung der englischen Sprache und der britischen Kultur im Ausland. Er unterstützt außerdem Projekte im Bereich der internationalen Entwicklung.

Department for Culture, Olympics, Media and Sport


Bildungspolitik

Das Bildungswesen ist dezentralisiert und in England, Wales, Nordirland und Schottland unterschiedlich organisiert. Die folgenden Informationen geben nur einen generellen Überblick und orientieren sich am englischen Bildungssystem.

In Großbritannien besteht zwischen dem 5. und 16. Lebensjahr Schulpflicht (Vorschule ab 3., Primarschule 5. – 11. und Sekundarschule 12. – 16. bzw. 18. Lebensjahr). Mit 16 Jahren wird das „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) abgelegt. Von dessen Ergebnissen hängt es ab, ob der Schüler weiter die Schule besuchen und A-level-Prüfungen absolvieren kann. Gute Noten in den A-level-Prüfungsfächern sind wiederum Voraussetzung, um sich in einen entsprechenden Studiengang an der Universität einzuschreiben. Zunehmend wird auch das International Baccalaureat als Abschluss angeboten. Überblick über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schulen gibt ein jährliches Ranking („League-Tables“)

Neben den staatlichen Schulen gibt es gebührenpflichtige Privatschulen, die ca. 7 Prozent der Schüler besuchen. Als neue, staatlich finanzierte Schultypen werden seit einigen Jahren verstärkt „Academies“ und „Free Schools“ gegründet, die über mehr Autonomie bei Unterrichtsgestaltung und Personalverwaltung verfügen. Ein Deutschland vergleichbares Berufsausbildungsangebot (duales System) gibt es nicht bzw. ist gerade erst begonnen worden („apprenticeship“). Betriebe bilden nach Eigenbedarf aus, eine Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist weitgehend unbekannt.

Die Top 24 von insgesamt 179 Hochschuleinrichtungen, d.h. die weltweit führenden forschungsintensiven Spitzenuniversitäten wie Oxford, Cambridge, London School of Economics (LSE), Imperial College und University College London haben sich in der renommierten Russell-Group organisiert. An englischen Universitäten zahlen inländische und EU-Studierende seit Beginn des Studienjahres 2012/13 für das Erststudium (Bachelor) Studiengebühren von bis zu £9000 pro Jahr, die über ein staatliches Volldarlehen vorfinanziert werden können. In Schottland werden für schottische und EU-Studenten keine Gebühren für das Erststudium verlangt, für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Die Kosten für einen Masterstudiengang sind nicht gesetzlich reglementiert und variieren stark nach Studienfach und Hochschule.

Fremdsprachenunterricht an staatlichen englischen Schulen ist im Alter von 11 bis 14 Jahren verpflichtend. Zudem erfordert das 2010 eingeführte, aber nicht obligatorische „English Baccalaureat“ das Erlernen einer Fremdsprache bis zum 16. Lebensjahr. Die Zahl der Deutschlerner an englischen Schulen ist insgesamt weiterhin rückläufig und hat sich in den letzten 10 Jahren halbiert (2013 62.932 GCSE-Prüfungen, 4.242 A-Level-Prüfungen). Ab September 2014 wird das Erlernen einer Fremdsprache im Primarschulbereich verpflichtend.

Department for Education (England)


Medien

Print-/Onlinemedien: In Großbritannien wird in allen Schichten der Bevölkerung intensiv Zeitung gelesen. Es gibt eine Vielzahl an überregionalen Qualitäts- und Boulevardzeitungen, die die verschiedenen Lesersegmente bedienen. Am meisten gelesen werden die Boulevardzeitungen, allen voran die Zeitungen Sun und Daily Mail. Aber auch Qualitätsblätter wie Daily Telegraph, Guardian, Financial Times, Independent und Times sind sehr populär. International verbreitet werden vor allem das Wochenmagazin The Economist und die Tageszeitungen Financial Times und Guardian.

Wie andernorts geht in Großbritannien der Trend zu einer verstärkten Nutzung von Online-Medien, so dass die Zeitungen auch hier mit Auflagenrückgängen und weniger Anzeigengeschäft zu kämpfen haben. Infolgedessen sind britische Zeitungen sehr aktiv dabei, ihre Printausgaben mit dem Online-Angebot zu verknüpfen. Alle Qualitätszeitungen publizieren mittlerweile auch über Smartphones und Tablet-Computer. Das populärste Onlineangebot bieten die Nachrichtenwebsites der BBC, die auch international großen Anklang finden. Auch die Internetseiten der Zeitungen Daily Mail und Guardian sind sehr populär.

Fernsehen/Radio: Bei den öffentlich-rechtlichen, allein durch Gebühren finanzierten Anbietern dominiert die BBC mit großem Abstand. Die durch Werbung finanzierten privaten Sendeanstalten sind allerdings auf dem Vormarsch, vor allem im weit ausgebauten digitalen Kabelnetz. Der rasante Ausbau von Internetangeboten und der Video- und Podcasts, vor allem durch die BBC, hat die Fernsehgewohnheiten in Großbritannien stark verändert. Die digitale TV-Applikation der BBC verzeichnet derzeit bis zu sechs Millionen Aufrufe am Tag.


Wissenschaft und Technologie

Großbritannien zählt weltweit zu den führenden Wissenschafts- und Forschungsnationen. Einige britische Universitäten gehören nach wie vor in internationalen Rankings zur Weltspitze und locken mit attraktiven Arbeits- und Forschungsbedingungen Hochqualifizierte aus aller Welt; darunter auch mehrere tausend Deutsche. Das Land sieht seine ökonomischen Wettbewerbschancen in besonderem Maße in der Förderung von (Natur)Wissenschaften und Innovation. Die Schwerpunkte liegen hierbei besonders auf den Bereichen Pharmazie, Gentechnik, Biotechnologie, Medizinforschung sowie in der Luft- und Raumfahrt. Die Geisteswissenschaften, hier „Humanities“ genannt, verlieren dagegen im Vergleich mit den viel mehr als in Deutschland als Wirtschaftsfaktoren gesehenen Naturwissenschaften. Ziel der Wissenschaftsförderung der Regierung ist die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens und die Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen. Zudem soll es im Rahmen einer langfristigen Wohlstandssicherungspolitik einen Übergang zur „grünen Technologie- und Dienstleistungsgesellschaft“ geben. Die staatlichen Forschungsausgaben liegen gegenwärtig bei rund 4,6 Milliarden GBP jährlich.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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