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Großbritannien Vereinigtes Königreich

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Juli 2016

Kulturpolitik

Großbritannien verfügt über eine dichte und vielfältige Kulturlandschaft mit Zentrum in London. Die beachtlichen kulturellen Ambitionen der Regionen (so Cardiff in Wales, Edinburgh und Glasgow in Schottland oder die nächste britische Kulturhauptstadt 2017 Hull) und einzelner urbaner Zentren (Manchester oder die europäische Kulturhauptstadt 2008 Liverpool) können die Anziehungskraft Londons nicht erreichen. Die seit 2004 geschickt vermarktete Kunstmesse "Frieze Art" ist zu einem internationalen Magneten für den Verkauf zeitgenössischer bildender Kunst geworden, aber auch alle anderen Sparten (Musik, Film, Theater, Tanz und vor allem Kreativwirtschaft/Design) sind auf höchstem Niveau vertreten.

In England werden ca. 700 Kultureinrichtungen durch den Arts Council England (ACE) finanziell unterstützt. Zu diesen Organisationen gehören sowohl kleinere Gemeindeinstitutionen und Privatsammlungen, als auch die Schwergewichte der englischen Kulturlandschaft (Royal Opera House, Southbank Centre u.a.). Die Mittel stammen zum größten Teil aus Regierungsgeldern, die durch die National Lottery ergänzt werden. Bis 2018 sollen mindestens 75% dieser Mittel außerhalb Londons investiert werden, um die Kultur in den Regionen zu stärken. Im Übrigen beruht das Kulturfördersystem Großbritanniens in hohem Maße auf privater Initiative, ist oft projektgebunden und durch zahlreiche private oder halbprivate Stiftungen charakterisiert. Viele der zahlreichen Kulturinstitutionen finanzieren sich überwiegend kommerziell. "Public Private Partnerships" sind wichtige Elemente der britischen Kulturfinanzierung, die im Lichte der jüngsten, drastischen Einschnitte im staatlichen Kulturbudget noch an Bedeutung gewonnen haben.

Eine wichtige Einrichtung für den kulturellen Austausch mit anderen Ländern ist der bereits 1934 gegründete British Council. Hauptanliegen des British Council ist die Verbreitung der englischen Sprache und der britischen Kultur im Ausland. Er unterstützt außerdem Projekte im Bereich der internationalen Entwicklung.

Department for Culture, Olympics, Media and Sport


Bildungspolitik

Das Bildungswesen ist dezentralisiert und in England, Wales, Nordirland und Schottland unterschiedlich organisiert. Die folgenden Informationen geben nur einen generellen Überblick und orientieren sich am englischen Bildungssystem.

In Großbritannien besteht zwischen dem 5. und 16. Lebensjahr Schulpflicht (Vorschule ab 3., Primarschule 5. – 11. und Sekundarschule 12. – 16. bzw. 18. Lebensjahr). Mit 16 Jahren wird das „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) abgelegt. Von dessen Ergebnissen hängt es ab, ob der Schüler weiter die Schule besuchen und A-level-Prüfungen absolvieren kann. Gute Noten in den A-level-Prüfungsfächern sind wiederum Voraussetzung, um sich in einen entsprechenden Studiengang an der Universität einzuschreiben. Auch das International Baccalaureate wird als Abschluss angeboten. Überblick über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schulen gibt ein jährliches Ranking („League-Tables“)

Neben den staatlichen Schulen gibt es gebührenpflichtige Privatschulen, die ca. 7 Prozent der Schüler besuchen. Als staatlich finanzierte Schultypen werden seit einigen Jahren in großem Umfang „Academies“ und „Free Schools“ gegründet, die über wesentlich mehr Autonomie bei Unterrichtsgestaltung und Personalverwaltung verfügen. Ein Deutschland vergleichbares Berufsausbildungsangebot (duales System) gibt es nicht bzw. wird gerade von der britischen Regierung nach eigenem Prinzip aufgebaut („apprenticeship“). Betriebe bilden nach Eigenbedarf aus, eine Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist weitgehend unbekannt.

Die Top 24 von ca. 180 Hochschuleinrichtungen, d.h. die weltweit führenden forschungsintensiven Spitzenuniversitäten wie Oxford, Cambridge, London School of Economics (LSE), Imperial College und University College London haben sich in der renommierten Russell-Group organisiert. An englischen Universitäten zahlen inländische und EU-Studierende seit Beginn des Studienjahres 2012/13 für das Erststudium (Bachelor) Studiengebühren von bis zu £9000 pro Jahr, die über ein staatliches Volldarlehen vorfinanziert werden können. In Schottland werden für schottische und EU-Studenten keine Gebühren für das Erststudium verlangt, für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Die Kosten für einen Masterstudiengang sind nicht gesetzlich reglementiert und variieren stark nach Studienfach und Hochschule.

Fremdsprachenunterricht an staatlichen englischen Schulen ist im Alter von 11 bis 14 Jahren verpflichtend. Dies gilt seit September 2014 auch für das Erlernen einer Fremdsprache im Primarschulbereich (Key Stage 2). Schüler, welche die Sekundarschule (Year 7) ab September 2015 beginnen, müssen im Rahmen des so genannten „English Baccalaureate“ eine Fremdsprache verpflichtend für ihre GCSE-Prüfungen im Jahr 2020 ablegen. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist die Zahl der Deutschlerner an englischen Schulen kontinuierlich rückläufig und hat sich halbiert (2015: 54.037 GCSE-Prüfungen, 4.009 A-Level-Prüfungen).

Department for Education (England)


Medien

Print-/Onlinemedien: In Großbritannien wird in allen Bevölkerungsschichten Zeitung gelesen. Es gibt eine Vielzahl an überregionalen Qualitäts- und Boulevardzeitungen, die die verschiedenen Lesersegmente bedienen. Alle Zeitungen leiden aber unter einem teils sehr starken Rückgang der Auflagezahlen. Boulevardzeitungen weisen die höchsten Auflagezahlen auf, allen voran Sun, Daily Mail und Daily Mirror. Der Markt der Qualitätsblätter wird vom Daily Telegraph angeführt, gefolgt von Times, Financial Times und Guardian.. International verbreitet werden vor allem das Wochenmagazin The Economist und die Tageszeitung Financial Times, sowie die Webseiten des Guardian und der Daily Mail.

Wie andernorts geht in Großbritannien der Trend zu einer verstärkten Nutzung von Online-Medien. Das jüngste Opfer dieses Wandels war der einst sehr erfolgreiche Independent, der im März 2016 seine Printausgabe einstellen musste und nunmehr nur noch online erscheint.. Alle Webseiten nationaler Zeitungen sind auch über Smartphones und Tablet-Computer abrufbar, ein in GBR schnell wachsender Markt. Das populärste Onlineangebot ist jedoch das Nachrichtenportal der BBC, welches auch international großen Anklang findet. Auch die Internetseiten von Guardian und Daily Mail sind national und international sehr populär.

Fernsehen/Radio: Bei den öffentlich-rechtlichen, allein durch Gebühren finanzierten Anbietern, dominiert die BBC mit großem Abstand. Die durch Werbung finanzierten privaten Sendeanstalten sind allerdings auf dem Vormarsch. Der rasante Ausbau von Internetangeboten und Mediatheken der Fernsehsender  hat die Fernsehgewohnheiten in Großbritannien stark und nachhaltig verändert. So konkurrieren die Fernsehanstalten nun nicht nur untereinander sondern auch mit On-Demand-Angeboten wie Netflix und BlinkBox.


Wissenschaft und Technologie

Großbritannien zählt weltweit zu den führenden Wissenschafts- und Forschungsnationen. Britische Universitäten erzielen regelmäßig in internationalen Rankings Spitzenwerte (meist an zweiter Stelle hinter den USA) und locken mit attraktiven Arbeits- und Forschungsbedingungen Hochqualifizierte aus aller Welt, darunter auch mehrere zehntausend Deutsche.

Die Förderung von (Natur-)Wissenschaften und Innovation hat in Großbritannien einen hohen Stellenwert. Die Finanzierung von Wissenschaft und Forschung  erfolgt zentral über ausgegliederte Institutionen. Staatliche Forschungsgelder werden größtenteils über die sieben „Research Councils“ verteilt, die die fachliche Bandbreite abdecken (es gibt Councils für Medizin, für Geisteswissenschaften, etc). Diese betreiben sowohl Projekt- als auch Einzelförderung. Parallel dazu operieren vier nationale Wissenschafts-Akademien, die deutlich weniger Mittel vergeben, aufgrund ihrer sehr renommierten Mitglieder (darunter mehr als 80 Nobelpreisträger) jedoch über großes Ansehen verfügen.  Das Netzwerk der forschungsstarken Universitäten, die sog. „Russell Group“, erhält den Großteil der staatlichen Förderung.  

Ziel der Wissenschaftsförderung der Regierung ist die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens und die Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen. So ist auch die Forschung allgemein eher marktwirtschaftlich ausgerichtet und spielt im politischen Diskurs immer eine direkte Rolle mit Bezug auf Wachstum und Arbeitsplätze. Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass die Zuständigkeit für Universitäten und Forschung im Wirtschaftsministerium angesiedelt ist. In diesem Kontext sind die Ausgaben für Wissenschaft und Forschung in der aktuellen Kürzungsrunde der Regierung geschützt.

Eine der jüngsten Initiativen zur Förderung von Hochtechnologie-Branchen ist der Aufbau sog. „Catapult Centres“, die analog den Fraunhofer-Instituten, denen sie nachgebildet sind, Kompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft verbinden und die Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen stärken sollen. Das Netz von gegenwärtig elf Catapult Centres soll in den nächsten zehn Jahren auf 30 ausgebaut werden.

Die staatlichen Ausgaben für Wissenschaft und Technik lagen zuletzt bei gut 10 Milliarden Pfund jährlich und sollen auch in den kommenden Jahren stabil bleiben. Neben der staatlichen Förderung spielen private Investitionen in Forschung und Entwicklung in GBR eine große Rolle (1/3 staatliche Förderung, 2/3 private Förderung).  1,7% des Bruttosozialprodukts gehen in Forschung und Technik (letzter Platz der G7).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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