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Großbritannien Vereinigtes Königreich

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Mai 2015

Kulturpolitik

Großbritannien verfügt über eine dichte und vielfältige Kulturlandschaft mit Zentrum in London. Die beachtlichen kulturellen Ambitionen der Regionen (so Cardiff in Wales, Edinburgh und Glasgow in Schottland oder die nächste britische Kulturhauptstadt 2017 Hull) und einzelner urbaner Zentren (Manchester oder die europäische Kulturhauptstadt 2008 Liverpool) können die Anziehungskraft Londons nicht erreichen. Die seit 2004 geschickt vermarktete Kunstmesse "Frieze Art" ist zu einem internationalen Magneten für den Verkauf zeitgenössischer bildender Kunst geworden, aber auch alle anderen Sparten (Musik, Film, Theater, Tanz und vor allem Kreativwirtschaft/Design) sind auf höchstem Niveau vertreten.

In England werden ca. 700 Kultureinrichtungen durch den Arts Council England (ACE) finanziell unterstützt. Zu diesen Organisationen gehören sowohl kleinere Gemeindeinstitutionen und Privatsammlungen, als auch die Schwergewichte der englischen Kulturlandschaft (Royal Opera House, Southbank Centre u.a.). Die Mittel stammen zum größten Teil aus Regierungsgeldern, die durch die National Lottery ergänzt werden. Bis 2018 sollen mindestens 75% dieser Mittel außerhalb Londons investiert werden, um die Kultur in den Regionen zu stärken. Im Übrigen beruht das Kulturfördersystem Großbritanniens in hohem Maße auf privater Initiative, ist oft projektgebunden und durch zahlreiche private oder halbprivate Stiftungen charakterisiert. Viele der zahlreichen Kulturinstitutionen finanzieren sich überwiegend kommerziell. "Public Private Partnerships" sind wichtige Elemente der britischen Kulturfinanzierung, die im Lichte der jüngsten, drastischen Einschnitte im staatlichen Kulturbudget noch an Bedeutung gewonnen haben.

Eine wichtige Einrichtung für den kulturellen Austausch mit anderen Ländern ist der bereits 1934 gegründete British Council. Hauptanliegen des British Council ist die Verbreitung der englischen Sprache und der britischen Kultur im Ausland. Er unterstützt außerdem Projekte im Bereich der internationalen Entwicklung.

Department for Culture, Olympics, Media and Sport


Bildungspolitik

Das Bildungswesen ist dezentralisiert und in England, Wales, Nordirland und Schottland unterschiedlich organisiert. Die folgenden Informationen geben nur einen generellen Überblick und orientieren sich am englischen Bildungssystem.

In Großbritannien besteht zwischen dem 5. und 16. Lebensjahr Schulpflicht (Vorschule ab 3., Primarschule 5. – 11. und Sekundarschule 12. – 16. bzw. 18. Lebensjahr). Mit 16 Jahren wird das „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) abgelegt. Von dessen Ergebnissen hängt es ab, ob der Schüler weiter die Schule besuchen und A-level-Prüfungen absolvieren kann. Gute Noten in den A-level-Prüfungsfächern sind wiederum Voraussetzung, um sich in einen entsprechenden Studiengang an der Universität einzuschreiben. Zunehmend wird auch das International Baccalaureate als Abschluss angeboten. Überblick über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schulen gibt ein jährliches Ranking („League-Tables“)

Neben den staatlichen Schulen gibt es gebührenpflichtige Privatschulen, die ca. 7 Prozent der Schüler besuchen. Als staatlich finanzierte Schultypen werden seit einigen Jahren verstärkt „Academies“ und „Free Schools“ gegründet, die über mehr Autonomie bei Unterrichtsgestaltung und Personalverwaltung verfügen. Ein Deutschland vergleichbares Berufsausbildungsangebot (duales System) gibt es nicht bzw. ist gerade erst begonnen worden („apprenticeship“). Betriebe bilden nach Eigenbedarf aus, eine Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist weitgehend unbekannt.

Die Top 24 von insgesamt 179 Hochschuleinrichtungen, d.h. die weltweit führenden forschungsintensiven Spitzenuniversitäten wie Oxford, Cambridge, London School of Economics (LSE), Imperial College und University College London haben sich in der renommierten Russell-Group organisiert. An englischen Universitäten zahlen inländische und EU-Studierende seit Beginn des Studienjahres 2012/13 für das Erststudium (Bachelor) Studiengebühren von bis zu £9000 pro Jahr, die über ein staatliches Volldarlehen vorfinanziert werden können. In Schottland werden für schottische und EU-Studenten keine Gebühren für das Erststudium verlangt, für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Die Kosten für einen Masterstudiengang sind nicht gesetzlich reglementiert und variieren stark nach Studienfach und Hochschule.

Fremdsprachenunterricht an staatlichen englischen Schulen ist im Alter von 11 bis 14 Jahren verpflichtend. Zudem erfordert das 2010 eingeführte, aber nicht obligatorische „English Baccalaureate“ das Erlernen einer Fremdsprache bis zum 16. Lebensjahr. Die Zahl der Deutschlerner an englischen Schulen ist insgesamt weiterhin rückläufig und hat sich in den letzten 10 Jahren halbiert (2014 59.891 GCSE-Prüfungen, 4.187 A-Level-Prüfungen). Seit September 2014 wird das Erlernen einer Fremdsprache im Primarschulbereich verpflichtend.

Department for Education (England)


Medien

Print-/Onlinemedien: In Großbritannien wird in allen Schichten der Bevölkerung intensiv Zeitung gelesen. Es gibt eine Vielzahl an überregionalen Qualitäts- und Boulevardzeitungen, die die verschiedenen Lesersegmente bedienen. Am meisten gelesen werden die Boulevardzeitungen, allen voran die Zeitungen Sun und Daily Mail. Aber auch Qualitätsblätter wie Daily Telegraph, Guardian, Financial Times, Independent und Times sind sehr populär. International verbreitet werden vor allem das Wochenmagazin The Economist und die Tageszeitung Financial Times sowie Guardian-online und Daily Mail-online.

Wie andernorts geht in Großbritannien der Trend zu einer verstärkten Nutzung von Online-Medien, so dass die Zeitungen auch hier mit Auflagenrückgängen und weniger Anzeigengeschäft zu kämpfen haben. Infolgedessen sind britische Zeitungen sehr aktiv dabei, ihre Printausgaben mit dem Online-Angebot zu verknüpfen. Alle Qualitätszeitungen publizieren mittlerweile auch über Smartphones und Tablet-Computer. Das populärste Onlineangebot bieten die Nachrichtenwebsites der BBC, die auch international großen Anklang finden. Auch die Internetseiten der Zeitungen Daily Mail und Guardian sind sehr populär.

Fernsehen/Radio: Bei den öffentlich-rechtlichen, allein durch Gebühren finanzierten Anbietern dominiert die BBC mit großem Abstand. Die durch Werbung finanzierten privaten Sendeanstalten sind allerdings auf dem Vormarsch, vor allem im weit ausgebauten digitalen Kabelnetz. Der rasante Ausbau von Internetangeboten und der Video- und Podcasts, vor allem durch die BBC, hat die Fernsehgewohnheiten in Großbritannien stark verändert. Die digitale TV-Applikation der BBC verzeichnet derzeit bis zu sechs Millionen Aufrufe am Tag.


Wissenschaft und Technologie

Großbritannien zählt weltweit zu den führenden Wissenschafts- und Forschungsnationen. Britische Universitäten erzielen regelmäßig in internationalen Rankings Spitzenwerte und locken mit attraktiven Arbeits- und Forschungsbedingungen Hochqualifizierte aus aller Welt, darunter auch mehrere zehntausend Deutsche.

Die Förderung von (Natur-)Wissenschaften und Innovation hat in Großbritannien einen hohen Stellenwert. Eine der jüngsten Initiativen zur Förderung von Hochtechnologie-Branchen ist der Aufbau sog. „Catapult Centres“, die analog den Fraunhofer-Instituten, denen sie nachgebildet sind, Kompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft verbinden und die Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen stärken sollen. Sie konzentrieren sich auf innovationsträchtige Bereiche wie Satellitentechnik, digitale Wirtschaft, Zelltherapie und erneuerbare Energien. Ziel der Wissenschaftsförderung der Regierung ist die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens und die Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen.

Zu den in Großbritannien stark vertretenen Hochtechnologiebranchen zählen Pharmazie, Gentechnik, Biotechnologie, Medizinforschung sowie Luft- und Raumfahrt. Im Rahmen einer langfristigen Wohlstandssicherungspolitik sollen diese Bereiche durch „grüne Technologie und Dienstleistungen“ ergänzt werden. Die staatlichen Ausgaben für Wissenschaft und Technik lagen zuletzt bei gut 10 Milliarden Pfund jährlich und sollen auch in den kommenden Jahren stabil bleiben.

Ende Dezember 2014 veröffentlichte die Regierung ein auf zehn Jahre angelegtes Programm zur Förderung von Wissenschaft und Innovation unter dem Titel „Our Plan for Growth: Science and Innovation“. Mit diesem mit 2,9 Mrd. GBP unterlegten Programm sollen insbesondere die Naturwissenschaften gefördert und das Netz der Catapult Centres von gegenwärtig neun auf bis zu 30 ausgebaut werden.

1,7 % des Bruttosozialprodukts gehen in Forschung und Technik (letzter Platz der G7).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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