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Großbritannien Vereinigtes Königreich

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: April 2017

Kulturpolitik

Das Vereinigte Königreich verfügt über eine dichte und vielfältige Kulturlandschaft mit Zentrum in London. Die beachtlichen kulturellen Ambitionen der Regionen (so Cardiff in Wales, Edinburgh und Glasgow in Schottland oder die nächste britische Kulturhauptstadt 2017 Hull) und einzelner urbaner Zentren (Manchester oder die europäische Kulturhauptstadt 2008 Liverpool) können die Anziehungskraft Londons nicht erreichen. Die seit 2004 geschickt vermarktete Kunstmesse "Frieze Art" ist zu einem internationalen Magneten für den Verkauf zeitgenössischer bildender Kunst geworden, aber auch alle anderen Sparten (Musik, Film, Theater, Tanz und vor allem Kreativwirtschaft/Design) sind auf höchstem Niveau vertreten.

In England werden ca. 700 Kultureinrichtungen durch den Arts Council England (ACE) finanziell unterstützt. Zu diesen Organisationen gehören sowohl kleinere Gemeindeinstitutionen und Privatsammlungen, als auch die Schwergewichte der englischen Kulturlandschaft (Royal Opera House, Southbank Centre u.a.). Die Mittel stammen zum größten Teil aus Regierungsgeldern, die durch die National Lottery ergänzt werden. Bis 2018 sollen mindestens 75% dieser Mittel außerhalb Londons investiert werden, um die Kultur in den Regionen zu stärken. Im Übrigen beruht das Kulturfördersystem im Vereinigten Königreich in hohem Maße auf privater Initiative, ist oft projektgebunden und durch zahlreiche private oder halbprivate Stiftungen charakterisiert. Viele der zahlreichen Kulturinstitutionen finanzieren sich überwiegend kommerziell. "Public Private Partnerships" sind wichtige Elemente der britischen Kulturfinanzierung, die im Lichte der jüngsten, drastischen Einschnitte im staatlichen Kulturbudget noch an Bedeutung gewonnen haben.

Eine wichtige Einrichtung für den kulturellen Austausch mit anderen Ländern ist der bereits 1934 gegründete British Council. Hauptanliegen des British Council ist die Verbreitung der englischen Sprache und der britischen Kultur im Ausland. Er unterstützt außerdem Projekte im Bereich der internationalen Entwicklung.

Department for Culture, Olympics, Media and Sport


Bildungspolitik

Das Bildungswesen ist dezentralisiert und in England, Wales, Nordirland und Schottland unterschiedlich organisiert. Die folgenden Informationen geben nur einen generellen Überblick und orientieren sich am englischen Bildungssystem.

Im Vereinigten Königreich besteht zwischen dem 5. und 16. Lebensjahr Schulpflicht (Vorschule ab 3., Primarschule 5. – 11. und Sekundarschule 12. – 16. bzw. 18. Lebensjahr). Mit 16 Jahren wird das „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) abgelegt. Von dessen Ergebnissen hängt es ab, ob der Schüler weiter die Schule besuchen und A-level-Prüfungen absolvieren kann. Gute Noten in den A-level-Prüfungsfächern sind wiederum Voraussetzung, um sich in einen entsprechenden Studiengang an der Universität einzuschreiben. Auch das International Baccalaureate wird als Abschluss angeboten. Überblick über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schulen gibt ein jährliches Ranking („League-Tables“)

Neben den staatlichen Schulen gibt es gebührenpflichtige Privatschulen, die ca. 7 Prozent der Schüler besuchen. Als staatlich finanzierte Schultypen werden seit einigen Jahren in großem Umfang „Academies“ und „Free Schools“ gegründet, die über wesentlich mehr Autonomie bei der Ausgestaltung des nationalen Lehrplans und der Auswahl ihres Lehrpersonals verfügen. Ein mit Deutschland vergleichbares Berufsausbildungsangebot (duales System) gibt es nicht bzw. wird gerade von der britischen Regierung nach eigenem Prinzip aufgebaut („apprenticeship“). Betriebe bilden nach Eigenbedarf aus, eine Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist weitgehend unbekannt.

Die Top 24 von ca. 180 Hochschuleinrichtungen, darunter weltweit führende forschungsintensive Spitzenuniversitäten wie Oxford, Cambridge, London School of Economics (LSE), Imperial College und University College London haben sich in der renommierten Russell-Group organisiert. An englischen Universitäten zahlen inländische und EU-Studierende für das Erststudium (Bachelor) Studiengebühren von bis zu £9.000 pro Jahr, die über ein staatliches Volldarlehen vorfinanziert werden können. In Schottland werden für schottische und EU-Studenten keine Gebühren für das Erststudium verlangt, für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Die Kosten für einen Masterstudiengang sind nicht gesetzlich reglementiert und variieren stark nach Studienfach und Hochschule.

Fremdsprachenunterricht an staatlichen englischen Schulen ist im Alter von 11 bis 14 Jahren verpflichtend. Dies gilt auch für das Erlernen einer Fremdsprache im Primarschulbereich (Key Stage 2). Sekundarschüler (ab Year 7) müssen seit September 2015 im Rahmen des so genannten „English Baccalaureate“ eine Fremdsprache verpflichtend für ihre GCSE-Prüfungen ablegen. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich die Zahl der Deutschlerner an englischen Schulen halbiert (2016: 50.271 GCSE-Prüfungen, 3.842 A-Level-Prüfungen).

Department for Education (England)


Medien

Print-/Onlinemedien: Im Vereinigten Königreich wird in allen Bevölkerungsschichten Zeitung gelesen. Es gibt eine Vielzahl an überregionalen Qualitäts- und Boulevardzeitungen, die die verschiedenen Lesersegmente bedienen. Alle Zeitungen leiden unter einem teils sehr starken Rückgang der Auflagezahlen. Boulevardzeitungen weisen die höchsten Auflagezahlen auf, allen voran Sun, Daily Mail und Daily Mirror. Der Markt der Qualitätsblätter wird vom Daily Telegraph angeführt, gefolgt von Times, Financial Times und Guardian. International verbreitet werden vor allem das Wochenmagazin Economist und die Tageszeitung Financial Times, sowie die Webseiten des Guardian und der Daily Mail.

Wie andernorts geht im Vereinigten Königreich der Trend zu einer verstärkten Nutzung von Online- und Mobil-Medien. Das populärste Onlineangebot ist das Nachrichtenportal der BBC, welches auch international großen Anklang findet. Auch die Internetseiten von Guardian und Daily Mail werden sowohl national als auch international breit gelesen.

Fernsehen/Radio: Bei den öffentlich-rechtlichen, allein durch Gebühren finanzierten Anbietern, dominiert die BBC mit großem Abstand. Die privaten Sendeanstalten (allen voran ITV) sind allerdings auf dem Vormarsch. Der in öffentlicher Hand liegende, aber komplett durch Werbung finanzierte Channel 4 landet in Zuschauerzahlen nach BBC One, ITV und BBC Two auf dem vierten Platz. Die Nachrichtenkanäle mit den höchsten Zuschauerzahlen sind BBC News und Sky News. Der rasante Ausbau von Internetangeboten und Mediatheken der Fernsehsender  hat die Fernsehgewohnheiten im Vereinigten Königreich stark und nachhaltig verändert. So konkurrieren die Fernsehanstalten nun nicht nur untereinander sondern auch mit On-Demand-Angeboten wie Netflix und Amazon.


Wissenschaft und Technologie

Das Vereinigte Königreich zählt weltweit zu den führenden Wissenschafts- und Forschungsnationen. Britische Universitäten erzielen regelmäßig in internationalen Rankings Spitzenwerte (meist an zweiter Stelle hinter den USA) und locken mit attraktiven Arbeits- und Forschungsbedingungen Hochqualifizierte aus aller Welt an, darunter auch mehrere zehntausend Deutsche.

Die Förderung von Wissenschaft und Innovation hat im Vereinigten Königreich einen hohen Stellenwert. Staatliche Forschungsgelder werden größtenteils über die sieben „Research Councils“ verteilt, die die gesamte fachliche Bandbreite abdecken (z. B. Medizin, Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften). Diese betreiben sowohl Projekt- als auch Einzelförderung.  Neben den Research Councils agieren zudem die vier nationalen Wissenschaftsakademien (Royal Society, British Academy, Royal Academy of Engineering und Academy of Medical Sciences), die zwar deutlich weniger Fördermittel vergeben, aber national und international über ein sehr hohes Ansehen verfügen. Unter ihren Mitgliedern sind mehr als 80 Nobelpreisträger. Aufgrund ihrer hervorgehobenen Position in Forschung und Gesellschaft sind die Akademien häufig wichtige Impulsgeber bei wissenschaftlichen Entwicklungen.

Ziel der Wissenschaftsförderung der Regierung ist die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Vereinigten Königreichs und die Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen. So ist Forschung allgemein eher marktwirtschaftlich ausgerichtet und im politischen Diskurs immer direkt mit den Themen Wachstum und Beschäftigung verbunden. Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass die Zuständigkeit für Universitäten und Forschung sowohl im Bildungsministerium als auch im Wirtschaftsministerium angesiedelt ist.

Zur Förderung von Hochtechnologie-Branchen hat das Vereinigte Königreich den Aufbau sogenannter Catapult Centres beschlossen. Diese sind den deutschen Fraunhofer-Instituten nachgebildet. Aufgabe der gegenwärtig elf Catapult Centres ist es, Kompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft zu verbinden und die Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu stärken. Das Netz der Catapult Centres soll in den nächsten zehn Jahren auf 30 ausgebaut werden.

Die vom Vereinigten Königreich aufgewendeten Mittel für Forschung und Entwicklung betrugen 2014 rund 1,7 % des BIP. Im aktuellen Haushaltsplan ist eine jährliche Aufwendung von rund 4,7 Mrd. GBP für Wissenschaft und Innovation vorgesehen. Zusätzlich hat die Regierung eine jährliche Aufstockung der Mittel um 2 Mrd. GBP bis 2020/21 angekündigt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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