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Iran

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Mai 2014

Politische Beziehungen

Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Iran wurden 1952 aufgenommen; im gleichen Jahr wurde die iranische Gesandtschaft in Deutschland eröffnet. Neben der Wirtschaft entwickelte sich vor allem im Bildungssektor eine enge Zusammenarbeit: Die zahlreichen deutschen Gewerbeschulen in Iran wurden ein geschätzter Bildungspartner. Noch heute trägt der Ruf der damaligen Gewerbeschulen zum insgesamt positiven Deutschlandbild in Iran bei.

Nach der Islamischen Revolution 1979 unterlagen die Beziehungen zwischen beiden Ländern zum Teil erheblichen Spannungen.

Seit 2003 sind die Beziehungen geprägt von der Besorgnis über das iranische Nuklearprogramm. Deutschland ist gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich, der EU-Außenbeauftragten sowie den USA, Russland und China (E3 + 3) um eine Lösung dieses Konfliktes bemüht (für weitere Informationen zum Nukleardossier siehe Link in der rechten Spalte). Am 24. November 2013 einigten sich die E3+3 und Iran auf den Genfer Aktionsplan als einen ersten Schritt zur Beilegung des Nuklearstreits. Die Verhandlungen über eine umfassende Lösung werden fortgesetzt.

Zusätzlich belasteten unter der Regierung von Staatspräsident Ahmadinedschad (2005-2013) radikale anti-israelische Rhetorik der iranischen Führung und die sich im Laufe seiner Amtszeit weiter verschlechternde Menschenrechtssituation in Iran das Verhältnis. Diese hat die Bundesregierung wiederholt auf das Schärfste verurteilt. Die nach Amtsübernahme von Staatspräsident Ruhani (4. August 2013) erfolgten Freilassungen der Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh und weiterer politischer Häftlinge im September 2013 begrüßte die Bundesregierung.


Wirtschaftliche Beziehungen

2013 sind die deutschen Exporte nach Iran im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent gefallen. Die Importe aus Iran nach Deutschland gingen um 21 Prozent zurück. Das bilaterale Handelsvolumen betrug im Jahr 2012 2,12 Milliarden Euro (minus 26 Prozent). Der starke Rückgang der deutschen Exporte wird vorrangig auf das Ausbleiben von Vertragsschlüssen angesichts der seit Dezember 2006 geltenden Sanktionen im VN- und EU-Rahmen zurückgeführt. Eine weitere Sanktionsrunde gegenüber Iran auf VN- und EU-Ebene erfolgte in den Monaten Juni und Juli 2010. Im April 2011 wurden die EU-Sanktionen auf weitere Personen und Unternehmen ausgedehnt. Erneute Sanktionen bisher nicht dagewesener Qualität wurden seitens der EU im Januar 2012 beschlossen und im Oktober 2012 nochmals erweitert.

Ein Großteil des zwischen 2008 und 2012 durchgeführten Handels war bereits in den vorhergehenden Jahren abgeschlossen worden. In Iran ansässige deutsche Geschäftsbanken nehmen seit Herbst 2007 kein Neugeschäft mehr an. Deutsche Unternehmen zeigen sich im Irangeschäft deutlich zurückhaltender oder ziehen sich vom iranischen Markt vollständig zurück.

Im Rahmen des Genfer Aktionsplans wurden in Teilbereichen Sanktionen suspendiert.

Bilateraler Handel:

  • 2007: Exporte nach Iran 3,604 Mrd. Euro (-12,3 Prozent)
    Importe aus Iran 583 Mio. Euro (+42,2 Prozent)
  • 2008: Exporte nach Iran 3,924 Mrd. Euro (+8,9 Prozent)
    Importe aus Iran 593 Mio. Euro (+1,7 Prozent)
  • 2009: Exporte nach Iran 3,714 Mrd. Euro (-5,3 Prozent)
    Importe aus Iran 537 Mio. Euro (-9,4 Prozent)
  • 2010: Exporte nach Iran 3,804 Mrd. Euro (+2,4 Prozent)
    Importe aus Iran 916 Mio. Euro (+70,6 Prozent)
  • 2011: Exporte nach Iran 3,087 Mrd. Euro (-18,5 Prozent)
    Importe aus Iran 712 Mio. Euro (-16,5 Prozent)
  • 2012: Exporte nach Iran: 2,528 Mrd. Euro (-18,0 Prozent)
    Importe aus Iran: 313 Mio. Euro (-56,3 Prozent)
  • 2013: Exporte nach Iran: 1,85 Mrd. Euro (-27 Prozent)
    Importe aus Iran: 274 Mio. Euro (-21 Prozent)

Kulturelle Beziehungen

Deutschland ist in Teheran mit einem botschaftseigenen Deutschen Sprachinstitut, der Deutschen Botschaftsschule Teheran, dem Deutschen Archäologischen Institut sowie einer evangelischen Gemeinde unter Leitung eines deutschen Pastorenehepaars vertreten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst baut gerade wieder ein Büro in Teheran auf.

Auf dem Gebiet des Wissenschaftsaustauschs besteht zwischen Deutschland und Iran traditionell eine gute Zusammenarbeit. Eine ganze Generation iranischer Wissenschaftler wurde an deutschen Hochschulen ausgebildet. Heute setzen sich zahlreiche Alumni für gemeinsame deutsch-iranische Forschungsprojekte sowie eine Verstärkung der Hochschulkooperation ein.

Der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache kommt neben der Förderung der Wissenschaftsbeziehungen besondere Bedeutung zu. In die Sprachkurse des Deutschen Sprachinstituts Teheran (DSIT) auf allen Niveaustufen schrieben sich 2013 über 6.000 TeilnehmerInnen ein. An den zentralen Prüfungen des Goethe-Instituts nahmen ca. 3.400 Sprachlernende teil. Darüber hinaus bietet das Institut iranischen Deutschlehrern Fortbildungsangebote an und bildet Nachwuchskräfte aus.

Die Deutsche Botschaft fördert das Erlernen der deutschen Sprache im Schulbereich durch die besondere Unterstützung von zurzeit 5 iranischen Schulen, die Deutsch anbieten (Partnerschul-Initiative PASCH). In diesem Kontext fand am 10. April 2014 die erste Nationale Deutscholympiade im Iran statt.

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) unterhält eine Außenstelle in Teheran. Im Oktober 2012 konnte das DAI ein neues Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit mit dem Iranian Center for Archeological Research unterzeichnen. Konkrete Projekte werden derzeit besprochen.

Aus Mitteln des Kulturerhaltprogramms des Auswärtigen Amtes wird seit 2007 das deutsch-iranische Projekt zum Wiederaufbau des erdbebenzerstörten Sistani-Hauses in Bam gefördert. Das Projekt wird von einem Team der Technischen Universität Dresden geleitet. 2014 sollen die Arbeiten zu Ende gebracht werden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.