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Thailand

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Februar 2015

Politische Beziehungen

Thailand ist für Deutschland einer der wichtigsten politischen Partner in der aufstrebenden Region Südostasien. Im Staatenbund ASEAN--Association of South East Asian Nations nimmt Thailand eine Schlüsselstellung ein. Deutschland und Thailand sind durch substanzreiche politische Beziehungen verbunden, die sich in einer  regen  Zusammenarbeit bei vielen politischen Themen, in multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen sowie in der Präsenz von fünf der sechs deutschen politischen Stiftungen in Thailand niederschlagen.

Im Jahr 2012 feierten Deutschland und Thailand den 150. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dieses Jubiläumsjahr wurde zu einer erneuten Intensivierung des politischen Besucheraustausches genutzt. Im April 2012 besuchte der Bundesminister des Auswärtigen Thailand, im Juli besuchte Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra Berlin. Im September 2012 statteten der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, im Oktober der Bundesminister der Finanzen Bangkok offizielle Besuche ab.

Diplomatische Beziehungen zwischen den Staaten des deutschen Zollvereins und dem Königreich Siam wurden 1862 mit der Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages durch Graf Friedrich zu Eulenburg und König Mongkut begründet. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Fachleute großen Einfluss im thailändischen Wirtschaftsleben aus und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur (Aufbau eines Telegrafennetzes, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn).

Die erste Europareise eines Königs von Siam im Jahre 1897 führte König Chulalongkorn auch nach Deutschland, wo er begeistert empfangen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen unterbrochen, 1954 wieder aufgenommen.


Wirtschaftliche Beziehungen

Nahezu 600 deutsche Firmen sind in Thailand vertreten, darunter eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen. Deutsche Wirtschaftsinteressen liegen insbesondere in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Chemie, Automobilindustrie, Umwelttechnologie und Energie.

Die politischen Auseinandersetzungen ab November 2013, die im Militärputsch vom Mai 2014 gipfelten, haben zu einer Belastung der thailändischen Wirtschaftsentwicklung geführt. Im Jahr 2014 ist die thailändische Wirtschaft daher nur um 0,7 Prozent gewachsen.

Thailand verzeichnete 2014 ein Handelsdefizit in Höhe von 2,23 Mrd. Euro. Deutsche Firmen haben 2014 Waren im Wert von etwa 3,9 Mrd. Euro nach Thailand exportiert und im Wert von circa 4,6 Mrd. Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2014 bei knapp 8,6 Mrd. Euro (2013: 8,2 Mrd. Euro).

Auch 2014 war Deutschland für Thailand mit Abstand der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland 2014 in der thailändischen Exportstatistik Rang 13, in der Importstatistik Rang 11. Deutschland exportierte vor allem Maschinen und Bauteile, Chemikalien, elektrische und elektronische Produkte sowie Kraftfahrzeug(-teile) und importierte Schmuck und Edelsteine, Datenverarbeitungsanlagen und Teile davon, integrierte elektronische Schaltungen, sowie Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Im Jahr 2014 wurden vom Board of Investment deutsche Investitionen in Höhe von 50,3 Mio. Euro (2013: 70,9 Mio. Euro) genehmigt.

Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. Im Jahr 2014 fanden 12 Messen mit deutscher Beteiligung statt (Vorjahr: 7).


Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesrepublik Deutschland engagiert sich seit 1959 mit einem Gesamtvolumen von über 1 Milliarde Euro in Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Thailand. Schwerpunkt der Zusammenarbeit in den ersten Jahrzehnten waren ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung sowie Berufsausbildung. Thailand vollzog einen schnellen, erfolgreichen Wandel zum Schwellen- und Industrieland und spielt heute in Südostasien eine führende Rolle. Dementsprechend ist die offizielle Entwicklungszusammenarbeit Ende 2011 ausgelaufen.

Dennoch werden im Rahmen der technischen Zusammenarbeit (TZ) mit Finanzierung der deutschen Bundesregierung sowohl bilaterale als auch regionale und internationale Projekte von Bangkok aus durchgeführt. Die Zusammenarbeit konzentriert sich heute auf folgende Bereiche:

•             Klimaschutz und Energie

•             Nachhaltiger Konsum und Produktion

•             Regionale Integration in Südostasien

•             Trilaterale Kooperation (gemeinsame Entwicklungshilfe in Drittländern)


Klima- und Umweltpolitik

Klima-, Energie- und Umweltpolitik sowie eine generelle Orientierung hin zu nachhaltiger Wirtschaft sind in Thailand – unabhängig von den politischen Veränderungen – schon mehrere Jahre ein wichtiges Thema.  Es gibt zahlreiche Initiativen der Regierung, die auf Aufklärung zu umweltpolitischen Themen und der Förderung "grüner" Investitionen abzielen.

Im Rahmen der internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz hat Thailand bisher keine verbindlichen Zusagen für die Reduktion von Treibhausgasemissionen gemacht. Der im November 2014 verabschiedete Nationale Aktionsplan zum Klimawandel sieht vor, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 7 bis 20 Prozent zu senken.

Zu umwelt- und klimapolitischen Fragen besteht ein enger Austausch mit dem Bundesumweltministerium im Rahmen eines wechselseitig organisierten und thematisch umfassend angelegten "strategischen Umweltdialog" mit Thailand.

Thailand unternimmt– auch vor dem Hintergrund der Abkehr von Ernergiegewinnung durch Atomkraft und der hohen Abhängigkeit von Gas für die Stromproduktion (70 Prozent) - erhebliche Anstrengungen, den steigenden Energiebedarf vermehrt auch durch die Erschließung erneuerbarer Energien zu decken (Erneuerbaren-Energien-Ziel von 25 Prozent des Energieverbrauchs bis 2021). In den nächsten zwanzig Jahren soll der Stromverbrauch in der Produktion um 25 Prozent effizienter werden.


Kultur und Bildung

Die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eng und basieren auf einem Kulturabkommen von 1984. Das Goethe-Institut in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs insbesondere bei der Förderung der deutschen Sprache. Es besteht seit über 50 Jahren in Thailand. Das Programm umfasst neben Filmwochen und Ausstellungen auch Konzerte und den Beethoven-Wettbewerb für junge musikalische Talente aus Thailand.

Aus Mitteln des Auswärtigen Amtes werden zwei Kulturerhaltprogramme in Thailand gefördert – die Erhaltung der von der Flut 2011 geschädigte Tempelanlage Wat Ratchaburana in der alten Königsstadt Ayuttaya und die Digitalisierung historischer Palmblatthandschriften.

Im Bildungsbereich arbeiten Deutschland und Thailand bei vielfältigen Projekten zusammen: Vom "Haus der Kleinen Forscher" im Grundschulbereich über die Kinderuniversität stand Deutschland Pate für vielfältige Projekte zur Heranführung von Kindern und Jugendlichen an Naturwissenschaften.  Jugendliche und Studierende können sich mit diesem Thema während des Wissenschaftsfilmfestivals vertraut machen. Dieses Festival, das auf eine Initiative des Goethe-Instituts Bangkok zurückgeht, begeistert  in zahlreichen Ländern der Region mit Filmen und Vorträgen Hunderttausende junger Menschen.

Vielfältige Partnerschaften bestehen auch im akademischen Bereich: Deutsche Universitäten sind durch mehr als 160 Partnerschaften mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren präsent ist, eine Vielzahl von Stipendien an Studierende und Wissenschaftler aus Deutschland, Thailand und weiteren Ländern in Südostasien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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