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Thailand

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Februar 2014

Politische Beziehungen

Thailand ist für Deutschland einer der wichtigsten politischen Partner in der aufstrebenden Region Südostasien. Im Staatenbund ASEAN nimmt Thailand eine Schlüsselstellung ein. Deutschland und Thailand sind durch substanzreiche politische Beziehungen verbunden, die sich in einem regen politischen Besuchsverkehr, einer engen Zusammenarbeit bei vielen politischen Themen, in multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen sowie in der Präsenz von fünf der sechs deutschen politischen Stiftungen in Thailand niederschlagen.

Im Jahr 2012 feierten Deutschland und Thailand den 150. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dieses Jubiläumsjahr wurde zu einer erneuten Intensivierung des politischen Besucheraustausches genutzt. Im April 2012 besuchte der Bundesminister des Auswärtigen Thailand, im Juli besuchte Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra Berlin. Im September 2012 statteten der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, im Oktober der Bundesminister der Finanzen Bangkok offizielle Besuche ab.

Diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand wurden 1862 mit der Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages durch Graf Friedrich zu Eulenburg und König Mongkut begründet. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Fachleute großen Einfluss im thailändischen Wirtschaftsleben aus und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur (Aufbau eines Telegrafennetzes, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn).

Die erste Europareise eines Königs von Siam im Jahre 1897 führte König Chulalongkorn auch nach Deutschland, wo er begeistert empfangen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen unterbrochen, 1954 wieder aufgenommen.


Wirtschaftliche Beziehungen

Nahezu 600 deutsche Firmen sind in Thailand vertreten, darunter eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen. Deutsche Wirtschaftsinteressen liegen insbesondere in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Chemie, Automobilindustrie, Umwelttechnologie und Energie.

Mit im Jahr 2013 vom Board of Investment genehmigten deutschen Investitionen in Höhe von 70,9 Mio. € (2012: 73 Mio. € ) hatte Deutschland einen Anteil von rd. 7 Prozent an den EU-Investitionen.

Nachdem sich die thailändische Wirtschaft im Jahr 2012 mit einem Wachstum von 6,4 Prozent robust und dynamisch von der Jahrhundertflug im Jahr 2011 erholt hatte, lag das Wachstum 2013 nur bei 2,9 Prozent. Grund hierfür waren vor allem stagnierende Exporte. Thailand verzeichnete 2013 einen Handelsüberschuss in Höhe von rund 5,1 Mrd. Euro. Deutsche Firmen haben 2013 Waren im WErt von etwa 3,9 Mrd. Euro nach Thailand exportiert und im Wert von circa 4,2 Mrd. Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2013 bei 8,2 Mrd. Euro (2012: 8,3 Mrd. Euro).

Deutschland war 2013 für Thailand der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland 2013 in der thailändischen Exportstatistik Rang 15, in der Importstatistik Rang 12. Deutschland exportierte vor allem Investitionsgüter, chemische, elektrische und elektronische Produkte sowie Kraftfahrzeug(teile) und importierte elektronische Produkte, Schmuck und Edelsteine, Maschinenteile sowie Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Im Oktober 2012 fand in Bangkok der Dritte Deutsch-Thailändische Gemeinsame Wirtschaftsausschuss statt. Die Sitzung des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses erwies sich erneut als eine gute Plattform, um den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft auf höchster Ebene fortzuführen und in einem weltwirtschaftlich schwierigen Umfeld die Bedeutung der deutsch-thailändischen Wirtschaftsbeziehungen zu unterstreichen.

Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. Im Jahr 2012 fanden 15 Messen mit deutscher Beteiligung statt.


Entwicklungszusammenarbeit

Die bilaterale technische Zusammenarbeit blickt auf 55 Jahre und ein Gesamtvolumen von über 1 Milliarde Euro zurück. Zuletzt war im Frühjahr 2002 für die kommenden acht bis zehn Jahre der Bereich "Förderung der Ökoeffizienz kleiner und mittlerer Unternehmen" als Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit festgelegt worden. Das entsprechende Abkommen wurde am 14. Juli 2005 unterzeichnet. Die zweite Phase der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist inzwischen mit Mittelvolumen von 6,2 Millionen Euro vom Mai 2008 bis Dezember 2011 durchgeführt und beendet worden. Eine Fortsetzung der institutionalisierten bilateralen Entwicklungszusammenarbeit ist nicht geplant. Dementsprechend ist die offizielle Entwicklungszusammenarbeit Ende 2011 ausgelaufen. Anstelle klassischer EZ sind seither insbesondere umweltbezogene Projekte getreten. Das Schwellenland Thailand entwickelt sich zunehmend vom Nehmer- zum Geberland staatlicher Entwicklungshilfe. Deutschland unterstützt diesen Prozess im Rahmen einer thailändisch-deutschen Trilateralen Zusammenarbeit mit Kambodscha, Laos und Vietnam. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit richtet ihre Tätigkeit derzeit verstärkt hierauf sowie regionale Integrationsprojekte hin aus.


Klima- und Umweltpolitik

Die seit August 2011 amtierende Regierung von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra arbeitet daran, neue Akzente vor allem auch in der Klima-, Energie- und Umweltpolitik umzusetzen. Thailand hat bisher keine verbindlichen Ziele für die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Rahmen der internationalen Klimaschutzpolitik übernommen, der Entwurf eines Klimapolitischen Aktionsplans sieht Senkungen bis 2050 vor. Thailand prüft aber für die kürzere Frist freiwillige Nationally Appropriate Mitigation Actions (NAMAs). Zu umwelt- und klimapolitischen Fragen besteht ein enger Austausch mit dem Bundesumweltministerium, das im September 2013 einen thematisch umfassend angelegten strategischen Umweltdialog in Bangkok durchgeführt hat. Das Land unternimmt– auch vor dem Hintergrund nicht weiter verfolgter Pläne zum Bau von Kernkraftwerken und der hohen Abhängigkeit von Gas für die Stromproduktion (70 Prozent) - erhebliche Anstrengungen, den steigenden Energiebedarf vermehrt auch durch die Erschließung erneuerbarer Energien zu decken (Erneuerbaren-Energien-Ziel von 25 Prozent des Energieverbrauchs bis 2021). In den nächsten zwanzig Jahren soll der Stromverbrauch in der Produktion um 25 Prozent effizienter werden.


Kultur und Bildung

Die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eng und basieren auf einem Kulturabkommen von 1984. Das Goethe-Institut in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs insbesondere bei der Förderung der deutschen Sprache. Es besteht seit über 50 Jahren in Thailand. Das Programm umfasst neben Filmwochen und Ausstellungen auch Konzerte und den Beethoven-Wettbewerb für junge musikalische Talente aus Thailand.

Im Bildungsbereich arbeiten Deutschland und Thailand bei vielfältigen Projekten zusammen. Im Jahr 2012 richtete Thailand in Zusammenarbeit mit Experten der Universität Bielefeld die erste Kinderuniversität ein. Das DAAD-Informationsbüro in Bangkok begleitet das Projekt, das Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften begeistern möchte.

Vielfältige Partnerschaften bestehen auch im akademischen Bereich: Deutsche Universitäten sind durch mehr als 140 Partnerschaften mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren präsent. Außerdem vergibt der DAAD eine Vielzahl von Stipendien an thailändische Studenten und Wissenschaftler.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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