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Thailand

Beziehungen zu Deutschland

Stand: November 2016

Politische Beziehungen

Thailand ist für Deutschland einer der wichtigsten politischen Partner in der aufstrebenden Region Südostasien. Im Staatenbund ASEAN (Association of South East Asian Nations) nimmt Thailand eine Schlüsselstellung ein. Deutschland und Thailand sind durch substanzreiche politische Beziehungen verbunden, die sich in einer Zusammenarbeit bei vielen politischen Themen, in multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen sowie in der Präsenz von fünf der sechs deutschen politischen Stiftungen in Thailand niederschlagen.

Diplomatische Beziehungen zwischen den Staaten des deutschen Zollvereins und dem Königreich Siam wurden 1862 mit der Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages durch Graf Friedrich zu Eulenburg und König Mongkut begründet. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Fachleute großen Einfluss im thailändischen Wirtschaftsleben aus und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur (Aufbau eines Telegrafennetzes, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn).

Die erste Europareise eines Königs von Siam im Jahre 1897 führte König Chulalongkorn auch nach Deutschland, wo er begeistert empfangen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen unterbrochen, 1954 wieder aufgenommen.

Im Jahr 2012 feierten Deutschland und Thailand den 150. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dieses Jubiläumsjahr wurde zu einer Intensivierung der bilateralen Beziehungen auf allen Ebenen genutzt und mit einem regen politischen Besucheraustausch gewürdigt (u.a. Deutschland-Besuch der thailändischen Ministerpräsidentin sowie Besuche mehrerer Bundesminister in Thailand).

Am 22. Mai 2014 übernahm das Militär durch einen Putsch die Macht in Thailand. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dringen seither gegenüber der Militärführung darauf, die Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten, wieder zu einer demokratischen Verfassung zurückzukehren und freie, alle Seiten einbeziehende Wahlen durchzuführen.


Wirtschaftliche Beziehungen

Die innenpolitischen Auseinandersetzungen und die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben in den zurückliegenden Jahren zu einer Belastung der thailändischen Wirtschaftsentwicklung geführt. Im Jahr 2014 wuchs die thailändische Wirtschaft nur um 0,8 Prozent, im Jahr 2015 um 2,8 Prozent. Für 2016 werden aktuell rund 3 Prozent Wachstum erwartet. Insbesondere der Tourismussektor hat sich zuletzt sehr positiv entwickelt. Auch von der Umsetzung größerer staatlicher Infrastrukturvorhaben könnten Wachstumsimpulse ausgehen. Weiterhin schwieriger ist die Lage für den Exportsektor..

Deutsche Firmen haben 2015 Waren im Wert von etwa 4,05 Mrd. Euro nach Thailand exportiert und im Wert von circa 5,05 Mrd. Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2015 damit bei rund 9,1 Mrd. Euro (2014: 8,6 Mrd. Euro).

Auch 2015 war Deutschland für Thailand mit Abstand der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland 2015 in der thailändischen Exportstatistik Rang 13, in der Importstatistik Rang 10. Deutschland exportierte vor allem Maschinen und Bauteile, Chemikalien, elektrische und elektronische Produkte sowie Kraftfahrzeug(-teile) und importierte Schmuck und Edelsteine, Datenverarbeitungsanlagen und Teile davon, integrierte elektronische Schaltungen, sowie Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Im Jahr 2015 wurden vom Board of Investment deutsche Investitionen in Höhe von 42,2Mio. Euro (2014: 50,3 Mio. Euro) genehmigt.

Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. Im Jahr 2015 fanden  13 Messen mit deutscher Beteiligung statt (Vorjahr: 12).


Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesrepublik Deutschland engagiert sich seit 1959 mit einem Gesamtvolumen von über 1 Milliarde Euro in Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Thailand. Schwerpunkt der Zusammenarbeit in den ersten Jahrzehnten waren ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung sowie Berufsausbildung. Thailand vollzog einen schnellen, erfolgreichen Wandel zum Schwellen- und Industrieland und spielt heute in Südostasien eine führende Rolle. Dementsprechend ist die offizielle Entwicklungszusammenarbeit Ende 2011 ausgelaufen.

Dennoch werden im Rahmen der technischen Zusammenarbeit (TZ) mit Finanzierung der deutschen Bundesregierung sowohl bilaterale als auch regionale und internationale Projekte von Bangkok aus durchgeführt. Die Zusammenarbeit konzentriert sich heute auf folgende Bereiche:

• Klimaschutz und Energie

• Nachhaltiger Konsum und Produktion

• Duale Berufsausbildung

• Regionale Integration in Südostasien

• Trilaterale Kooperation (gemeinsame Entwicklungshilfe in Drittländern)


Klima- und Umweltpolitik

Thailand betreibt keine Atomkraftwerke und ist, ähnlich wie Deutschland, in großem Maße Energieimporteuer (vor allem aus Malaysia und Myanmar sowie dem Nahen und Mittleren Osten). Um die Abhängigkeit zu verringern unternimmt Thailand erhebliche Anstrengungen, den (steigenden) Energiebedarf vermehrt auch durch die Erschließung erneuerbarer Energien und durch Verbesserung der Energieeffizienz zu decken.

Klima-, Energie- und Umweltpolitik sowie eine generelle Orientierung hin zu nachhaltiger Wirtschaft sind deshalb in Thailand – unabhängig von politischen Veränderungen – schon mehrere Jahre ein wichtiges Thema.  Es gibt zahlreiche Initiativen der Regierung, die auf Aufklärung zu umweltpolitischen Themen und auf Förderung "grüner" Investitionen abzielen.

Thailand hat sich im Rahmen des internationalen Klimaschutzabkommens von Paris über seine NDCs (nationally determined contributions) zum Klimaschutz zu relativ ambitionierten Zielen verpflichtet. Demnach sollen CO2 Emissionen bis 2030 um 20% im Vergleich zum business-as-usual Level reduziert werden. Im Fall von internationaler Unterstützung sieht Thailand sich auch dazu bereit, diese Klimaschutz-Zusage auf 25% zu erhöhen. Gleichzeitig soll bis 2022 der Energieverbrauch von Strom aus Erneuerbaren Energien von 3,8 GW (2013) auf ca. 14 GW steigen. Zu umwelt- und klimapolitischen Fragen besteht ein enger Austausch mit dem Bundesumweltministerium, u.a. im Rahmen eines wechselseitig organisierten und thematisch umfassend angelegten "strategischen Umweltdialoges" mit Thailand.


Kultur und Bildung

Das 1984 abgeschlossene Kulturabkommen wird insbesondere durch das Goethe-Institut Thailand  mit Leben gefüllt. Das attraktive Kulturangebot sowie die Sprachförderung machen das GI zu einer gefragten und beliebten Adresse.

Zwei aus AA-Mitteln geförderte Kulturerhaltprojekte zur Erhaltung des Wat Ratchaburana im Historical Park von Ayutthaya (UNESCO-Weltkulturerbe) sowie zur Digitalisierung historischer Palmblatthandschriften im Norden des Landes finden in Thailand große Beachtung.

Im Bildungsbereich arbeiten Deutschland und Thailand bei vielfältigen Projekten im Grundschulbereich und zur Heranführung von Kindern und Jugendlichen an Naturwissenschaften zusammen Auch in diesem Bereich ist das GI sehr engagiert.

Insgesamt gibt es inzwischen fast 200 Partnerschaften zwischen deutschen und thailändischen Hochschulen, über die ein intensiver Austausch stattfindet. Der DAAD ist in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren präsent und unterstützt den wissenschaftl. Austausch intensiv. Seit kurzem ist auch die Robert-Bosch-Stiftung mit einem Lektor präsent.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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