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Thailand

Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2016

Politische Beziehungen

Thailand ist für Deutschland einer der wichtigsten politischen Partner in der aufstrebenden Region Südostasien. Im Staatenbund ASEAN (Association of South East Asian Nations) nimmt Thailand eine Schlüsselstellung ein. Deutschland und Thailand sind durch substanzreiche politische Beziehungen verbunden, die sich in einer   Zusammenarbeit bei vielen politischen Themen, in multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen sowie in der Präsenz von fünf der sechs deutschen politischen Stiftungen in Thailand niederschlagen.

Diplomatische Beziehungen zwischen den Staaten des deutschen Zollvereins und dem Königreich Siam wurden 1862 mit der Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages durch Graf Friedrich zu Eulenburg und König Mongkut begründet. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Fachleute großen Einfluss im thailändischen Wirtschaftsleben aus und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur (Aufbau eines Telegrafennetzes, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn).

Die erste Europareise eines Königs von Siam im Jahre 1897 führte König Chulalongkorn auch nach Deutschland, wo er begeistert empfangen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen unterbrochen, 1954 wieder aufgenommen.

Im Jahr 2012 feierten Deutschland und Thailand den 150. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dieses Jubiläumsjahr wurde zu einer Intensivierung des politischen Besucheraustausches genutzt. Im April 2012 besuchte der Bundesminister des Auswärtigen Thailand, im Juli besuchte Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra Berlin. Im September 2012 statteten der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, im Oktober der Bundesminister der Finanzen Bangkok offizielle Besuche ab.

Am 22. Mai 2014 hat das Militär durch einen Putsch die Macht in Thailand übernommen. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dringen seither gegenüber der Militärführung darauf, die Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten, wieder zu einer demokratischen Verfassung zurückzukehren und freie, alle Seiten einbeziehende Wahlen durchzuführen.


Wirtschaftliche Beziehungen

Die politischen Auseinandersetzungen ab November 2013, die im Militärputsch vom Mai 2014 gipfelten, aber auch die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben in den zurückliegenden Jahren zu einer Belastung der thailändischen Wirtschaftsentwicklung geführt. Im Jahr 2014 wuchs die thailändische Wirtschaft nur um 0,7 Prozent. Auch 2015 blieb das Wirtschaftswachstum mit 2,8% hinter den zu Jahresbeginn geäußerten Erwartungen zurück. Die Exporte brachen um rund 5 Prozent ein. Dafür entwickelte sich der Tourismussektor mit über 30 Mio. Touristen in 2015 positiv.

Deutsche Firmen haben 2015 Waren im Wert von etwa 4,05 Mrd. Euro nach Thailand exportiert und im Wert von circa 5,05 Mrd. Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2015 damit bei rund 9,1 Mrd. Euro (2014: 8,6 Mrd. Euro).

Auch 2015 war Deutschland für Thailand mit Abstand der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland 2015 in der thailändischen Exportstatistik Rang 13, in der Importstatistik Rang 10. Deutschland exportierte vor allem Maschinen und Bauteile, Chemikalien, elektrische und elektronische Produkte sowie Kraftfahrzeug(-teile) und importierte Schmuck und Edelsteine, Datenverarbeitungsanlagen und Teile davon, integrierte elektronische Schaltungen, sowie Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Im Jahr 2015 wurden vom Board of Investment deutsche Investitionen in Höhe von 42,2Mio. Euro (2014: 50,3 Mio. Euro) genehmigt.

Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. Im Jahr 2015 fanden  13 Messen mit deutscher Beteiligung statt (Vorjahr: 12).


Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesrepublik Deutschland engagiert sich seit 1959 mit einem Gesamtvolumen von über 1 Milliarde Euro in Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Thailand. Schwerpunkt der Zusammenarbeit in den ersten Jahrzehnten waren ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung sowie Berufsausbildung. Thailand vollzog einen schnellen, erfolgreichen Wandel zum Schwellen- und Industrieland und spielt heute in Südostasien eine führende Rolle. Dementsprechend ist die offizielle Entwicklungszusammenarbeit Ende 2011 ausgelaufen.

Dennoch werden im Rahmen der technischen Zusammenarbeit (TZ) mit Finanzierung der deutschen Bundesregierung sowohl bilaterale als auch regionale und internationale Projekte von Bangkok aus durchgeführt. Die Zusammenarbeit konzentriert sich heute auf folgende Bereiche:

•             Klimaschutz und Energie

•             Nachhaltiger Konsum und Produktion

•             Regionale Integration in Südostasien

•             Trilaterale Kooperation (gemeinsame Entwicklungshilfe in Drittländern)


Klima- und Umweltpolitik

Thailand betreibt keine Atomkraftwerke und ist, ähnlich wie Deutschland, in großem Maße Energieimporteuer (vor allem aus Malaysia und Myanmar sowie dem Nahen und Mittleren Osten). Um die Abhängigkeit zu verringern unternimmt Thailand erhebliche Anstrengungen, den (steigenden) Energiebedarf vermehrt auch durch die Erschließung erneuerbarer Energien und durch Verbesserung der Energieeffizienz zu decken.

Klima-, Energie- und Umweltpolitik sowie eine generelle Orientierung hin zu nachhaltiger Wirtschaft sind deshalb in Thailand – unabhängig von politischen Veränderungen – schon mehrere Jahre ein wichtiges Thema.  Es gibt zahlreiche Initiativen der Regierung, die auf Aufklärung zu umweltpolitischen Themen und auf Förderung "grüner" Investitionen abzielen.

Thailand hat sich im Rahmen der internationalen Verhandlungen in Paris 2015 über ihre INDCs (intended nationally determined contributions) zum Klimaschutz zu relativ ambitionierten Zielen verpflichtet. Demnach sollen CO2 Emissionen bis 2030 um 20% im Vergleich zum business-as-usual Level reduziert werden. Im Fall von internationaler Unterstützung sieht Thailand sich auch dazu bereit diese Klimaschutz-Zusage auf 25% zu erhöhen. Gleichzeitig soll bis 2022 der Energieverbrauch von Strom aus Erneuerbaren Energien von 3,8 GW (2013) auf ca. 14 GW steigen.Zu umwelt- und klimapolitischen Fragen besteht ein enger Austausch mit dem Bundesumweltministerium u.a. im Rahmen eines wechselseitig organisierten und thematisch umfassend angelegten "strategischen Umweltdialog" mit Thailand.


Kultur und Bildung

Die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eng und basieren auf einem Kulturabkommen von 1984. Das Goethe-Institut in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs insbesondere bei der Förderung der deutschen Sprache. Es besteht seit über 50 Jahren in Thailand. Das Programm umfasst neben Filmwochen und Ausstellungen auch Konzerte und den Beethoven-Wettbewerb für junge musikalische Talente aus Thailand.

Aus Mitteln des Auswärtigen Amtes werden zwei Kulturerhaltprojekte in Thailand gefördert – die Erhaltung der von der Flut 2011 geschädigten Tempelanlage Wat Ratchaburana in der alten Königsstadt Ayuttaya und die Digitalisierung historischer Palmblatthandschriften im Norden des Landes.

Im Bildungsbereich arbeiten Deutschland und Thailand bei vielfältigen Projekten zusammen: Vom "Haus der Kleinen Forscher" im Grundschulbereich über die Kinderuniversität stand Deutschland Pate für vielfältige Projekte zur Heranführung von Kindern und Jugendlichen an Naturwissenschaften. Jugendliche und Studierende können sich mit diesem Thema auch während des Wissenschaftsfilmfestivals vertraut machen. Dieses Festival, das auf eine Initiative des Goethe-Instituts Thailand zurückgeht, begeistert  in zahlreichen Ländern der Region mit Filmen und Vorträgen Hunderttausende junger Menschen.

Vielfältige Partnerschaften bestehen auch im akademischen Bereich: Deutsche Universitäten sind durch mehr als 185 Partnerschaften mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren präsent ist, vergibt eine Vielzahl von Stipendien an Studierende und Wissenschaftler aus Deutschland, Thailand und weiteren Ländern in Südostasien. Zudem plant die Robert-Bosch-Stiftung zur Erweiterung ihres Lektorenprogramms einen Pilotlektor nach Thailand zu entsenden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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