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Internationale Zusammenarbeit in der humanitären Hilfe

Humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen

Naturkatastrophen und kriegerische Konflikte haben die Zahl der Personen, die weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, in den letzten Jahren stetig steigen lassen. Organisationen der Vereinten Nationen (VN) wie UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees), UNICEF (United Nations Children´s Fund) und das Welternährungsprogramm (WEP, WFP – World Food Programme) sind neben der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und Nichtregierungsorganisationen die wesentlichen Akteure, die humanitäre Hilfsmaßnahmen durchführen.

Darüber hinaus obliegt den VN die Mobilisierung und Koordinierung der Humanitären Hilfe. Die Bundesrepublik Deutschland zählt zu den wichtigsten humanitären Gebern und ist in den wesentlichen Entscheidungsgremien der VN vertreten.

Internationale Koordinierung über das UN-System

Angesichts des stetig wachsenden humanitären Bedarfs ist es wichtig, dass humanitäre Hilfe effizient koordiniert und organisiert wird. Bei der Vielzahl der Akteure und vielfältigen Bedürfnisse kann so Expertise gezielt eingesetzt, das Entstehen von Versorgungslücken verringert und unnötige Dopplung vermieden werden. Die Bundesregierung unterstützt daher das Büro der VN für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), das Teil des VN-Sekretariats ist. An seiner Spitze steht die UN-Koordinatorin für Nothilfe, Valerie Amos, die zugleich auch Unter-Generalsekretärin für Humanitäre Angelegenheiten ist. UN-Nothilfekoordinatorin Amos war zuletzt am 18.03.2014 zu Gast im Auswärtigen Amt. Mehr über ihren Besuch lesen Sie hier.

Die Aufgaben der Koordinatorin und ihrer Mitarbeiter bestehen vor allem darin, in Katastrophenfällen schnell den humanitären Bedarf zu ermitteln, entsprechende Hilfsaufrufe zu veröffentlichen und anschließend die Hilfsaktionen der Mitgliedsstaaten und der VN-Hilfsorganisationen zu koordinieren. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit allen humanitären Akteuren (UN-Hilfsorganisationen, Rotkreuz/Rothalbmond-Bewegung, Nichtregierungsorganisationen) sowie durch die Entsendung von Aufklärungsteams an den Ort der Katastrophe (UNDAC).

Die Mitwirkung der Geber bei OCHA vollzieht sich vor allem über die OCHA Donor Support Group (ODSG). Die Bundesrepublik Deutschland, seit 2005 Mitglied dieses Forums, übernahm im Sommer 2012 für ein Jahr den Vorsitz. Die derzeit 25 Mitglieder umfassende Gruppe hat  die Reformdiskussion des internationalen humanitären Sektors entscheidend vorangetrieben.

Der globale VN-Nothilfefonds CERF (Central Emergency Response Fund), der von OCHA verwaltet wird, hat zum Ziel, den VN ein frühzeitiges Eingreifen in humanitären Krisen zu ermöglichen und dem Ressourcenmangel in unterfinanzierten Krisen abzuhelfen. Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung entsprechende Fonds in chronischen Notsituationen auch auf Länderebene.

Deutschland in globaler Verantwortung - Humanitäre Hilfe in den Gremien der VN

Wirksame Hilfeleistung setzt einen Konsens der Staatengemeinschaft über grundlegende Fragen der humanitären Hilfe sowie ständigen Dialog zwischen Geberländern und Staaten, die von humanitären Krisen betroffen sind, voraus. Zentrale Foren hierfür sind die Generalversammlung und der Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) der Vereinten Nationen. Die Generalversammlung befasst sich schwerpunktmäßig in jeder zweiten Jahreshälfte mit humanitären Fragen und nimmt, in der Regel im Konsens, eine Reihe von Resolutionen an, in denen u.a. die Rahmenbedingungen der internationalen humanitären Hilfe und die Aufgaben der Vereinten Nationen auf diesem Gebiet behandelt werden. Der ECOSOC widmet jährlich auf seiner Sitzung im Juli humanitären Fragen ein eigenes Segment der Tagesordnung und konzentriert sich, seinem Mandat entsprechend, auf operative und Koordinierungsaspekte der humanitären Hilfe.

Die Bundesregierung versteht die deutsche humanitäre Hilfe als Beitrag zu einer übergreifenden internationalen Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb beschränkt sie sich nicht auf den bestmöglichen Einsatz der für humanitäre Hilfe bereit gestellten finanziellen Mittel, sondern setzt sich durch aktive Mitwirkung in den einschlägigen internationalen Gremien und Foren und durch die Förderung geeigneter Maßnahmen dafür ein, das Gesamtsystem der internationalen humanitären Hilfe effizienter und effektiver zu machen. Deutsches Kernanliegen ist es dabei, die zentrale koordinierende Rolle der Vereinten Nationen im internationalen System der humanitären Hilfe und die im Rahmen der humanitären VN-Reform geschaffenen Strukturen und Mechanismen zu unterstützen und, wo erforderlich, weiter zu entwickeln.

Eine verlässliche Partnerschaft - Deutschland als wichtiger humanitärer Geber und Dialogpartner internationaler Organisationen

Die UN-Organisationen UNHCR, WEP und UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Neat East), sowie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sind die wichtigsten internationalen Partner der Bundesregierung in der humanitären Hilfe und erhalten regelmäßig Finanzierungsbeiträge für humanitäre Projekte.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)

Das IKRK unterstützt Menschen in Notsituationen

Das IKRK unterstützt Menschen in Notsituationen
© dpa/picture alliance

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Das IKRK unterstützt Menschen in Notsituationen

Das IKRK unterstützt Menschen in Notsituationen

Das IKRK unterstützt Menschen in Notsituationen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK, 1863 gegründet, ist das älteste international tätige humanitäre Werk und weltweit in bewaffneten Konflikten tätig.  Seine Aktivitäten beinhalten die Vermittlung zwischen Kriegsparteien, die Pflege von Verwundeten, den Besuch von Kriegsgefangenen und politischen Häftlingen, die Wiederherstellung des Kontakts zu Angehörigen, den Schutz der Zivilbevölkerung und die Versorgung mit Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern. Seine völkerrechtlich abgesicherten Aufgaben ergeben sich aus den vier Genfer Konventionen von 1949 und deren Zusatzprotokollen. Grundlage seiner Tätigkeit sind sein ausgeprägter  humanitärer Ansatz und seine unbedingte Neutralität. Damit kann die Organisation in schwierigen Konfliktsituationen häufig da Hilfe leisten, wo andere keinen Zugang haben. Das IKRK genießt in dieser Rolle zu Recht hohes Ansehen.

IKRK ist ein wichtiger Dialogpartner des Auswärtigen Amtes zu konkreten Krisenlagen. Als Mitglied der Geberunterstützungsgruppe des IKRK beteiligt sich die Bundesregierung seit Jahren an einem intensiven Dialog zu Fragen der humanitären Hilfe und des humanitären Völkerrechts  und unterstützt die Rolle des IKRK als wichtiger humanitärer Akteur.

Das Auswärtige Amt hat 2013 humanitäre Hilfsprojekte des IKRK mit insgesamt 38,1 Mio. Euro unterstützt. Wichtigste Projektgebiete waren unter anderem Syrien, Libanon, Jordanien, die palästinensischen Gebiete, Irak, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo und Kolumbien. Mit diesen und anderen Beiträgen gehört Deutschland zu den wichtigsten staatlichen Gebern der Organisation: Im Jahr 2013 war dies Platz 8 der Geberstatistik.

www.icrc.org

UNHCR

Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) hat seinen Hauptsitz in Genf. Die Organisation hat aufgrund der Genfer Flüchtlingskonvention und des Londoner Zusatzprotokolls das Mandat für den weltweiten Flüchtlingsschutz. Darüber hinaus nimmt der UNHCR Aufgaben zur Unterstützung von Binnenvertriebenen (IDPs) wahr.

Deutschland zählt zu den wichtigsten Unterstützern des UNHCR. Als Erstunterzeichner der Genfer Flüchtlingskonvention vor über 60 Jahren ist Deutschland ein UNHCR-Partner der ersten Stunde und nimmt seit 1958 als Mitglied im Exekutivrat des UNHCR Verantwortung wahr. Das Auswärtige Amt vertritt die Bundesregierung im Exekutivrat, der Programme und den Haushalt der Organisation verabschiedet, Fragen in Bezug auf das Mandat des UNHCR diskutiert und organisationsbezogene Entscheidungen trifft.

Die Bundesregierung unterstützt den UNHCR u.a. durch freiwillige ungebundene Beiträge sowie durch Projektfinanzierung. In humanitären Krisen ist der UNHCR ein wichtiger Dialogpartner der Bundesregierung. Der Hohe Kommissar für Flüchtlinge stattete Deutschland zuletzt Anfang 2014 einen offiziellen Besuch ab. 2013 wurden durch das Referat für Humanitäre Hilfe über 67,6 Mio. Euro für humanitäre Projekte zur Verfügung gestellt, insbesondere im Rahmen der Syrienhilfe, für afghanische Flüchtlinge und im Rahmen der komplexen Krisen in Afrika.

www.unhcr.org

Welternährungsprogramm (WEP)

Das Welternährungsprogramm schickt Nahrungsmittel in Krisengebiete

Das Welternährungsprogramm schickt Nahrungsmittel in Krisengebiete
© dpa/picture alliance

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Das Welternährungsprogramm schickt Nahrungsmittel in Krisengebiete

Das Welternährungsprogramm schickt Nahrungsmittel in Krisengebiete

Das Welternährungsprogramm schickt Nahrungsmittel in Krisengebiete

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WEP/World Food Programme) hat seinen Sitz in Rom. Aufgabe der Organisation ist es, einen Beitrag zu Ernährungssicherheit über Ernährungshilfe zu leisten. Dies erfolgt vorwiegend in humanitären Krisen, aber auch in Situationen chronischer Ernährungsunsicherheit.

Das Auswärtige Amt unterstützt das Welternährungsprogramm seit mehreren Jahren im Bereich der Logistikaufgaben, die WEP für die gesamte internationale humanitäre Gemeinschaft wahrnimmt. Hierfür wurden 2013 4,2 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. 2012 übernahm das Auswärtige Amt die Verantwortung für humanitäre Ernährungshilfe vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - BMZ. Seither werden über WEP auch Ernährungshilfeprojekte in humanitären Krisengebieten gefördert. 2013 beliefen sich diese auf insgesamt 50,8 Mio. Euro, die unter anderem in Syrien, Sudan und Südsudan sowie in anderen komplexen Krisen umgesetzt werden.

www.wfp.org

UNRWA

Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East - UNRWA) wurde 1949 von der Generalversammlung der VN gegründet, um die palästinensischen Flüchtlinge zu unterstützen, die durch den arabisch-israelischen Konflikt 1948 ihre Heimat verloren hatten. Die Tätigkeiten des Hilfswerks konzentrieren sich auf die Bereiche Erziehung und Ausbildung, medizinische Versorgung sowie soziale und humanitäre Maßnahmen.

Die Arbeit von UNRWA wurde 2013 durch einen Beitrag zum regulären Budget in Höhe von 8 Mio. Euro und durch Projektmittel in Höhe von 5,2 Mio. Euro  unterstützt.

www.unrwa.org

Daneben werden auch Projekte anderer internationaler Organisationen wie zum Beispiel von IOM (International Organisation for Migration) und UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) unterstützt.

Humanitäre Hilfe der EU

Die Europäische Union (Mitgliedstaaten und Kommission) ist der weltgrößte Geber humanitärer Hilfe. Mehr Informationen finden Sie hier:


Stand 27.10.2014

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