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Libanon

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juni 2012

Politische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Libanon sind traditionell freundschaftlich. Das äußert sich in zahlreichen gegenseitigen Besuchen auf höchster Ebene. Ministerpräsident Hariri besuchte im März 2010 und Staatspräsident Sleiman bereits im Dezember 2008 Berlin. Bundeskanzlerin Merkel reiste im April 2007 nach Beirut, Außenminister Westerwelle besuchte am 21.05.2010 den Libanon im Rahmen einer Nahostreise.

Darüber hinaus traf Bundeskanzlerin Merkel im Juli 2008 anlässlich der Gründungskonferenz der Union für das Mittelmeer mit Staatspräsident Michel Sleiman zusammen. 

Ausdruck der engen bilateralen Zusammenarbeit sind auch die bis Mitte 2012 verlängerte deutsche Teilnahme am UNIFIL-Flottenverband vor der libanesischen Küste ( von September 2006 bis Februar 2008 und von 1.9.2009 bis 1.12.2009 unter deutscher Führung) und der mit deutscher Finanzierung und Beratung ermöglichte Wiederaufbau eines modernen libanesischen Küstenradars. Die Beratungsmission (Bundespolizei und Zoll) zur Unterstützung der Sicherung der libanesisch-syrischen Grenze dauert an. Die Maßnahmen der Wiederaufbauhilfe nach den Kriegszerstörungen im Sommer 2006 und die Unterstützung zum Wiederaufbau des Palästinenserlagers Nahr al-Bared nach dessen Zerstörung im Sommer 2007 werden fortgesetzt.


Wirtschaftsbeziehungen

Libanon ist ein kleiner, aber für die deutsche Wirtschaft interessanter Exportmarkt. Deutschland war 2010 nach den USA, China und Italien der viertgrößte Lieferant von Waren in den Libanon. Die deutsche Wirtschaft lieferte Güter im Wert von 1,26 Milliarden US-Dollar (circa 7,0 Prozent aller libanesischen Importe). Dagegen exportierte der Libanon 2010 nur Produkte im Wert von 50 Millionen US-Dollar (circa 1,0 Prozent aller libanesischen Ausfuhren) nach Deutschland.

Deutschland exportiert vor allem Kraftfahrzeuge und Kfz-Ersatzteile, Maschinen und chemische Produkte nach Libanon. Der Libanon führt insbesondere Lebensmittel sowie Textilien nach Deutschland aus. Trotz der starken Position im Handel gibt es bisher kaum deutsche Direktinvestitionen im Libanon.

Mindestens 300 libanesische Firmen nehmen im Libanon deutsche Wirtschaftsinteressen wahr. Es bestehen täglich direkte Flugverbindungen (Frankfurt, Berlin, Düsseldorf), in den Sommermonaten üblicherweise auch zu weiteren deutschen Zielen. Deutsche Unternehmen engagierten sich in der Anfangsphase des Wiederaufbaus nach dem Bürgerkrieg (1975-2000) in erheblichem Umfang, wie beim Flughafen- und Kraftwerksbau, der Errichtung eines Mobiltelefonnetzes oder beim Universitätsneubau. Ein bilaterales Investitionsschutz- und -förderabkommen trat am 25. März 1999 in Kraft.


Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland hat nach dem Krieg im Juli 2006 seine im Auslaufen begriffene Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit dem Libanon wieder aufgenommen und noch 2006/2007 Neuzusagen als Zuschuss im Wert von 44 Millionen Euro gemacht. Für den Zeitraum 2006-2009 summiert sich die bilaterale deutsche EZ mit dem Libanon auf insgesamt 85,2 Millionen Euro.

Schwerpunkte sind der Wasser- und Abwassersektor, die duale Berufsausbildung mit Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen, sowie Umweltschutz und ziviler Friedensdienst. Deutschland fördert im Rahmen der Wiederaufbauhilfe für das bei Kämpfen im Sommer 2007 zerstörte palästinensische Flüchtlingslager Nahr Al-Bared (siehe unten) auch einen 12 Kilometer langen Abwasserhauptsammler, der sowohl der Bevölkerung des Lagers als auch den benachbarten libanesischen Gemeinden zugute kommen wird.

Aus Mitteln der Krisenprävention des Auswärtigen Amtes wurden in den letzten Jahren mehrere Projekte gefördert, u.a. Berufliche Bildung für palästinensische Jugendliche im Lager Nahr El Bared (Kooperation mit UNRWA und Mercy Corps), der Wiederaufbau des libanesischen Küstenradars und dazugehörige Ausbildungsmaßnahmen für die libanesische Marine, Maßnahmen zur Sicherung und Modernisierung der Grenze zu Syrien, Unterstützung des „Nationalen Dialogs im Libanon“ und Beiträge zur Finanzierung des Internationalen Sondertribunals für den Libanon.

Das Auswärtige Amt unterstützt die Aufarbeitung von politischen und konfessionellen Konflikten im Libanon durch verschiedene Projektförderungen. Medico International ist im Bereich ziviler Friedensarbeit tätig und HELP e.V. begann im Frühjahr 2011 mit einem Hilfsprojekt für irakische Flüchtlinge im Libanon.

In den Jahren vor 2006 stellte Deutschland dem Libanon bilateral insgesamt rund 42,3 Millionen Euro als zinsgünstige Kredite im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit und rund 23,2 Millionen Euro als Leistungen in Form von Erhaltungsmaßnahmen beziehungsweise Lieferung von Materialien im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit im engeren Sinne zur Verfügung, den deutschen Finanzierungsbeitrag an EU-Maßnahmen nicht eingerechnet. Hinzu kam ein Betrag von circa 132 Millionen Euro im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit im weiteren Sinne (Projekte über kirchliche Organisationen, Nichtregierungsorganisationen etc.).
Ein bilaterales Rahmenabkommen zwischen Deutschland und dem Libanon im Bereich der Wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung besteht nicht.


Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen dem Libanon und Deutschland sind traditionell eng und vielfältig. Schwerpunkte sind der Kulturerhalt und archäologische Arbeiten in Baalbek, Anjjar, Tell el-Burak und Kamid el-Loz. Beide Schulen mit verstärktem Deutschunterricht haben 2010 Austauschprogramme mit deutschen Schulen begonnen. Austauschprogramme werden zunehmend auch zwischen deutschen und libanesischen universitären Fakultäten initiiert. Ein bilaterales Kulturabkommen wurde am 9. April 2003 unterzeichnet, und vom libanesischen Kabinett am 05. Juni 2010 angenommen. Die Verabschiedung durch das libanesische Parlament wird für 2011 erwartet.

Folgende deutsche Kulturinstitutionen und private Initiativen mit Deutschlandbezug sind im Libanon vertreten:

  • das Goethe-Institut in Beirut mit Außenstelle in Tripoli (Dialogpunkt Deutsch)
  • das Orient-Institut der DGIA (Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland)
  • der Deutsche Akademische Austauschdienst mit einem Lektor für Deutsch als Fremdsprache und einem Lektor für Politikwissenschaften an der Universität St. Joseph. Das Lektorat ist beratend für alle libanesischen Studierenden und Universitäten tätig.
  • Dokumentation des Deutschen Archäologischen Instituts in Baalbek 
  • die deutschsprachige Evangelische Gemeinde Beirut
  • die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Beirut/Doha
  • die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Jounieh
  • Repräsentanzen der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung
  • die vom Evangelischen Missionswerk Südwestdeutschland unterstützte Schneller-Schule (inkl. Gewerbeschule) in Khirbet Kanafar (Bekaa-Ebene) und die Neuapostolische Kirchengemeinde in Sin el-Fil, Beirut
  • die Vereinigung Deutschsprachiger Frauen im Libanon
  • die von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützte berufsbildende Amilieh-Schule in Bourj el-Barajneh (Süd-Beirut)
  • die Deutsch-Libanesische Vereinigung zur Förderung der Kultur in Jounieh (ALAC)
  • das Deutsch-Libanesische Begegnungszentrum Dar as-Salam in Wardaniyeh im Schuf-Gebirge



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Nahost-Konflikt

Die innenpolitische Situation im Libanon ist komplex. Eine konfessionell stark zersplitterte Gesellschaft, der lange Bürgerkrieg (1975 - 1990), die syrische Besatzung bis 2005 und die Auswirkungen regionaler Konflikte prägen das Land. Die Bundesregierung setzt sich für einen demokratischen, unabhängigen und souveränen Libanon ein.

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