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Katar

Wirtschaftspolitik

Stand: Februar 2017

Struktur der Wirtschaft

Ca. 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) werden direkt oder indirekt vom Öl- und Gassektor erwirtschaftet. Hiervon werden auch weiterhin starke Impulse ausgehen, allerdings ging die rasante Expansion der Gasproduktion 2011 mit dem Erreichen der maximalen Förderkapazität zu Ende. Die katarische Regierung treibt die Diversifizierung der Wirtschaft voran. Mit dem Infrastrukturprogramm „Vision Qatar 2030“ ist der Übergang zu einer wissensbasierten Gesellschaft geplant. Zukünftig sollen vor allem die geplanten Milliardeninvestitionen in den Bereichen Stadtentwicklung, Verkehrsinfrastruktur sowie Dienstleistungen das Wirtschaftswachstum stützen. Dem Bereich der Finanzdienstleistungen wird besondere Bedeutung zugemessen.

Die großen katarischen Unternehmungen befinden sich in überwiegend staatlicher Hand, wobei angesichts der engen Verflechtung zwischen Staat und Herrscherfamilie eine Trennung zwischen staatlich und privat nicht immer möglich ist.


Wirtschaftsklima

Der Ölpreisverfall setzt die katarische Wirtschaft unter Druck. Vor dem Hintergrund der Absenkung des erwarteten Durchschnittspreises für Rohöl war der Haushalt Katars 2016 zum ersten Mal in 15 Jahren defizitär. Gleichwohl verfügt Katar über erhebliche Finanzreserven und hält – auch vor dem Hintergrund der Ausrichtung der Fußball-WM 2022 – seine Investitionen in Infrastruktur (Straßenbau, Kanalisation, Eisenbahn, Flughafen und Hafenbau) im Wesentlichen aufrecht. Die geplante und angestrebte Durchführung dieser Vorhaben leidet oft an einem schwerfälligen Entscheidungsprozess der katarischen öffentlichen Auftraggeber.

Das Wirtschaftswachstum fällt 2016 mit geschätzten 3,4 Prozent (IWF) geringer aus, als in den Vorjahren (5-8%, 2015 3,7%). Rund 88 Prozent der gegenwärtig rund 2,6 Millionen Einwohner Katars sind nicht katarischer Staatsangehörigkeit; die große Mehrzahl davon verrichtet Dienstleistungen im Bau- und produzierenden Gewerbe, bei sehr niedrigem Lohnniveau und z.T. unter prekären Bedingungen. Die zahlenmäßig stärksten Gruppen ausländischer Arbeitnehmer kommen aus Indien, Nepal und den Philippinen.

Das Rechtssystem hat noch erhebliche Defizite. Gerade für nicht-katarische Akteure ist eine gerichtlich durchsetzbare Rechtssicherheit, beispielsweise bei ausstehenden Forderungen, teilweise nur bedingt gegeben.

Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht; ausländische Arbeitskräfte werden weiterhin benötigt. Die Attraktivität des Standortes Katar leidet jedoch unter hohen Preisen und einem diesen oft nicht entsprechenden Lohnniveau.


Außenhandel/Weltwirtschaft

Entsprechend seiner Position als Exporteur von Gas und Öl ist Katar ein wichtiger Akteur im internationalen Energiemarkt. Das Land verfügt über die drittgrößten Erdgasreserven der Welt. Katar war in den letzten Jahren der größte Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG). 80% des Gasexports gehen nach Asien (Japan, Korea, Indien, China). In Europa werden u. a. Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien mit LNG aus Katar beliefert.

Unter den Lieferländern lagen 2015 die USA mit 3,1 Mrd. USD, gefolgt von China mit 2,9 Mrd. USD, den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 2,3 Mrd. USD  (v.a. Reexporte aus Dubai), Deutschland mit 1,9 Mrd. USD, Japan mit 1,7 Mrd. USD und Großbritannien mit 1,5 Mrd. USD vorne. Wegen der gesunkenen Rohstoffpreise verminderten sich die Exporteinnahmen Katars zuletzt deutlich, es wurde erstmals seit 1998 ein Leistungsbilanzdefizit verzeichnet. 2017 wird mit einem moderaten Überschuss gerechnet.  

Generell ist für den Marktzugang noch immer ein lokaler Mehrheitspartner notwendig, ein solcher Partner ist jedoch für die Bereiche Bildung, Gesundheit, Tourismus, Landwirtschaft und Industrie sowie für Projekte im Zusammenhang mit Energie und Bodenschätzen nicht mehr zwingend. Hierzu wird nach Einzelfall von der Regierung entschieden. In weiteren Bereichen, so bei Beratungsdiensten, IT, Tourismus und Sport, wurde jüngst eine hundertprozentige ausländische Eigentümerschaft zugelassen. Direktinvestitionen sollen auch dadurch erleichtert werden, dass die Körperschaftssteuer für ausländische Unternehmen seit 2010 durchgängig bei 10 Prozent liegt.

Katar ist Mitglied in allen relevanten internationalen Wirtschaftsorganisationen, ebenso der OPEC und der OAPEC (Organisation der arabischen Erdöl-exportierenden Staaten). Katar hatte 2016 den OPEC-Vorsitz inne. Darüber hinaus ist das Land sehr aktiv in dem Bemühen, auch eine engere Koordination mit anderen gasproduzierenden Ländern herbeizuführen; dies geschieht vor allem im Rahmen des Forums Gas-exportierender Länder (GECF). Doha ist Sitz des Forum-Sekretariats. Generell ist es der Führung jedoch ein Anliegen, dass dies nicht zu einer konfrontativen Position mit den Verbraucherländern führt.

Der mit den anderen Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates (GKR) für den 1. Januar 2008 vereinbarte Beginn eines gemeinsamen Marktes wurde noch nicht implementiert, ebenso ist die GKR-Zollunion nicht verwirklicht. Auch die Umsetzung der seit Jahren diskutierten Einheitswährung ist noch nicht absehbar.


Umwelt

Fragen des Umweltschutzes wird in Katar zunehmend politisches Gewicht beigemessen. Dies zeigt sich auch darin, dass im Juni 2008 ein eigenes Umweltministerium geschaffen wurde und seit Februar 2008 ein Nationaler Umweltplan in Kraft ist.

Katar hat mit über 60t/Jahr weltweit mit den höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf, will die Emissionen aber in Zukunft erheblich reduzieren. Auch mit einem Wasserverbrauch von über 500 Litern pro Kopf pro Tag ist Katar unter den Spitzenreitern. Die 18. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention UNFCCC („COP18“), die Ende November/Anfang Dezember 2012 in Doha stattfand, hat jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf die lokale Gesetzeslage mit sich gebracht. So steht auch die Kommunikation eines verbindlichen Klimaschutzziels für Katar im internationalen Rahmen noch aus.

Erneuerbare Energien erfreuen sich zunehmender Wertschätzung, besonderes Gewicht wird auf die entsprechenden Arbeiten in Forschung und Entwicklung gelegt. Vorreiter dabei ist die Photovoltaik. Die durch erneuerbare Energieträger erzeugten Strommengen sind jedoch gering.

Bei dem Urbanisierungsprojekt „Lusail“ (mit einem Investitionsvolumen von 45 Mrd. USD das größte Investitionsvorhaben Katars) wird besonderes Augenmerk auf energieeffiziente Bauweise gelegt. Weitere Prestigeprojekte sind das „Mega“-Wasserreservoir und das im Juni 2015 fertiggestellte Wasserkraftwerk „Facility D“. Beim Ausbau der Öl-, Gas- und petrochemischen Industrieanlagen werden zunehmend moderne Umweltstandards beachtet.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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