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Finnland

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2015

Grundlinien der Bildungs- und Kulturpolitik

Wichtiges Ziel finnischer Bildungs- und Kulturpolitik ist die Stärkung Finnlands als eine der weltweit führenden Informationsgesellschaften. Staatliche Maßnahmen umfassen die systematische Förderung des Lernumfeldes, wobei virtuelles und lebenslanges Lernen Schwerpunkte darstellen. Diese Ziele will die Regierung erreichen durch eine weitere Verbesserung der Qualität des Unterrichts an den Gesamtschulen (Klassenstufen 1–9), durch die Verminderung der Anzahl der Jugendlichen ohne Schul- und Berufsausbildung, durch die Erneuerung der beruflichen Erwachsenenbildung  und eine umfassende Hochschulreform.

In Finnland fallen Zuständigkeiten der Ministerien und der sie leitenden Minister teilweise auseinander. In der Folge werden einzelne Bereiche einiger Ministerien von verschiedenen Ministern geleitet, die wiederum für Aufgaben verschiedener Ministerien zuständig sein können. So wird im Ministerium für Bildung und Kultur der Bereich Bildung und Forschung von Ministerin Krista Kiuru (Sozialdemokratische Partei) geleitet, der Bereich Kultur und Jugend dagegen von Ministerin Pia Viitanen (Sozialdemokratische Partei).


Institutionen

Kultur und Bildungswesen stützen sich in Finnland auf ein gut ausgebautes flächendeckendes Netz von Institutionen sowie das Nebeneinander öffentlicher Förderung durch Staat und Kommunen. Finnland verfügt über eine sehr gute kulturelle Infrastruktur im ganzen Land. Musik, Film und darstellende Kunst bewegen sich auf hohem Niveau. Opernfans freuen sich über die Klasse finnischer Opernsängerinnen und -sänger. Die größten Einzelnamen im finnischen Musikexport sind Sunrise Avenue, The Rasmus und Apocalyptica. Finnisches Design und Architektur genießen weltweite Anerkennung. Helsinki war 2012 weltweite Designhauptstadt (World Design Capital 2012). Seit dem Jahre 2005 findet in Helsinki zudem jährlich die Helsinki Design Week statt – das größte Design Festival der nordischen Länder.

Die literarische Szene in Finnland gedeiht unter günstigen Voraussetzungen, zu denen ein dichtes Netz öffentlicher Bibliotheken, eine differenzierte Verlagslandschaft und ein weit gefächertes System von Stipendien und Literaturpreisen gehört. 2013 war Deutschland Themenland auf der Buchmesse Helsinki. Im Oktober 2014 war Finnland Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse. Die in Deutschland bekanntesten finnischen Autoren gehören zu den Genres Thriller (Ilkka Remes), Krimis (Leena Lehtolainen) und humoristische Schelmenromane (Arto Paasilinna). Im Bereich Kinderliteratur sind hier die Bücher von Timo Parvela (Ella) und Tove Jansson (Mumin) zu erwähnen.

Finnen sind aktive Nutzer der für ein relativ kleines Land beachtlichen kulturellen Angebote. Über 50 Theater und mehr als 20 Orchester erhalten staatliche Förderung und werden stark frequentiert. In Finnland gibt es 160 Museen, die professionell geführt werden und die für über 300 Museumsstätten verantwortlich sind. Ihre Sammlungen umfassen fast 4,5 Mio Objekte und über 286 000 Kunstwerke.  Bildung und Wissen haben einen hohen Stellenwert und genießen in der finnischen Gesellschaft hohe Wertschätzung. Für Finnland sind Ausgaben für Kultur und Bildung strategische Investitionen in die Zukunft des Landes.


Hochschulen/Fachhochschulen

Finnland verfügt über insgesamt 14 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, davon zwei Stiftungsuniversitäten (Tampere University of Technology, Aalto-Universität in Helsinki). Hinzu kommt die dem Verteidigungsminister unterstellte Hochschule für Landesverteidigung. An den Hochschulen sind knapp 170.000 Studierende immatrikuliert.

Durch das im Juni 2009 verabschiedete neue Hochschulgesetz haben die Universitäten eine größere finanzielle Autonomie erhalten. Die staatliche Grundfinanzierung der Hochschulen, deren Höhe sich größtenteils aus den Abschlusszielen und absolvierten Abschlüssen errechnet, wird zugunsten von Drittmitteln, die die Hochschulen einwerben müssen, zurückgefahren. Die Universitätsreform sieht auch die Neuordnung der universitären Strukturen in Finnland vor. Die Zahl der Hochschulen wurde in den vergangenen Jahren von 20 auf 14 gesenkt, u.a. durch die 2010 erfolgte Gründung der Aalto-Universität Helsinki unter Zusammenlegung von Technischer Hochschule, Designhochschule und Handelshochschule sowie der Universitäten Joensuu und Kuopio zur Universität Ostfinnland. Die Zahl der Fachhochschulen soll bis 2020 von 27 auf 18 reduziert werden.

Das weitgehend am deutschen Modell orientierte, seit 1990 aufgebaute Fachhochschulsystem genießt die besondere Förderung der Regierung. Von derzeit insgesamt 26 Fachhochschulen in Finnland sind 24 dem Ministerium für Bildung und Kultur unterstellt. Sie befinden sich entweder in kommunaler oder privater Trägerschaft. Zudem gibt es die dem Innenministerium unterstellte Polizeifachhochschule und auf den Ålandinseln die „Högskolan på Åland“ (Åland-University of Applied Sciences). An den Fachhochschulen studieren knapp 140.000 Studenten.

Deutschland ist weiterhin ein beliebter Studienstandort. Als Zielland finnischer Austauschstudenten belegt Deutschland den ersten Platz (1.110 Studierende in 2013). Die meisten ausländischen Austauschstudenten in Finnland kommen aus Deutschland (1.423 in 2013). Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz verzeichnet rund 800 deutsch-finnische Hochschulkooperationen.


Schulsystem

Wie in Deutschland gilt auch in Finnland die allgemeine Schulpflicht, wobei die Kinder in der Regel erst ein Jahr später mit ca. sieben Jahren eingeschult werden. Der Besuch der einjährigen Vorschule für Kinder ab sechs Jahren ist seit 01. Januar 2015 Pflicht. Zentrales Element des finnischen Schulsystems ist die verpflichtende Gesamtschule, die alle Kinder in den Klassenstufen 1–9 durchlaufen. Nach deren Abschluss besuchen etwa 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler die gymnasiale Oberstufe (Gymnasium Sekundarstufe II, Klassenstufen 10–12) und 40 Prozent eine dreijährige berufsbildende Schule.

Die rund 550.000 Schülerinnen und Schüler Finnlands besuchen eine der der 2.700 Gesamtschulen, die sich ganz überwiegend in Trägerschaft der Städte und Gemeinden befinden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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