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Finnland

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Oktober 2014

Grundlinien der Bildungs- und Kulturpolitik

Wichtiges Ziel finnischer Bildungs- und Kulturpolitik ist die Stärkung Finnlands als eine der weltweit führenden Informationsgesellschaften. Staatliche Maßnahmen umfassen die systematische Förderung des Lernumfeldes, wobei virtuelles und lebenslanges Lernen Schwerpunkte darstellen. Diese Ziele will die Regierung erreichen durch eine weitere Verbesserung der Qualität des Unterrichts an den Gesamtschulen (Klassenstufen 1–9), durch die Verminderung der Anzahl der Jugendlichen ohne Schul- und Berufsausbildung, durch die Erneuerung der beruflichen Erwachsenenbildung  und eine umfassende Hochschulreform  

Das Ministerium für Bildung und Kultur ist ein Doppelministerium mit zwei Ministern. Seit der Regierungsumbildung vom 4. April 2014 leitet Ministerin Krista Kiuru (Sozialdemokratische Partei) die Bereiche Bildung und Forschung. Ministerin Pia Viitanen (Sozialdemokratische Partei) leitet die Bereiche Kultur und Sport und ist zudem zuständig für Urheberrecht, Jugend und finanzielle Unterstützung von Studenten.


Institutionen

Kultur und Bildungswesen stützen sich in Finnland auf ein gut ausgebautes flächendeckendes Netz von Institutionen sowie das Nebeneinander öffentlicher Förderung durch Staat und Kommunen. Finnland verfügt über eine sehr gute kulturelle Infrastruktur im ganzen Land. Musik, Film und darstellende Kunst bewegen sich auf hohem Niveau. Opernfans freuen sich über die Klasse finnischer Opernsängerinnen und -sänger. Die größten Einzelnamen im finnischen Musikexport sind Sunrise Avenue, The Rasmus und Apocalyptica. Finnisches Design und Architektur genießen weltweite Anerkennung. Helsinki war 2012 weltweite Designhauptstadt (World Design Capital 2012). Seit dem Jahre 2005 findet in Helsinki zudem jährlich die Helsinki Design Week statt – das größte Design Festival der nordischen Länder.

Die literarische Szene in Finnland gedeiht unter günstigen Voraussetzungen, zu denen ein dichtes Netz öffentlicher Bibliotheken, eine differenzierte Verlagslandschaft und ein weit gefächertes System von Stipendien und Literaturpreisen gehört. 2013 war Deutschland Themenland auf der Buchmesse Helsinki.  Im Oktober 2014 war Finnland Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse. Die in Deutschland bekanntesten finnischen Autoren gehören zu den Genres Thriller (Ilkka Remes), Krimis (Leena Lehtolainen) und humoristische Schelmenromane (Arto Paasilinna). Im Bereich Kinderliteratur sind hier die Bücher von Timo Parvela (Ella) und Tove Jansson (Mumin) zu erwähnen.

Finnen sind aktive Nutzer der für ein relativ kleines Land beachtlichen kulturellen Angebote. 56 Theater und 25 Orchester erhalten staatliche Förderung und werden stark frequentiert. In Finnland gibt es 160 Museen, die professionell geführt werden und die für über 300 Museumsstätten verantwortlich sind. Ihre Sammlungen umfassen fast 4,5 Mio Objekte und über 286 000 Kunstwerke.  Bildung und Wissen haben einen hohen Stellenwert und genießen in der finnischen Gesellschaft hohe Wertschätzung. Für Finnland sind Ausgaben für Kultur und Bildung strategische Investitionen in die Zukunft des Landes.


Hochschulen/Fachhochschulen

Finnland verfügt über insgesamt 14 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, davon zwei Stiftungsuniversitäten (Tampere University of Technology, Aalto-Universität in Helsinki). Hinzu kommt die dem Verteidigungsminister unterstellte Hochschule für Landesverteidigung. An den Hochschulen sind etwa 167.000 Studierende immatrikuliert, über 7.500 Hochschullehrer unterrichten dort.

Durch das im Juni 2009 verabschiedete neue Hochschulgesetz haben die Universitäten eine größere finanzielle Autonomie erhalten. Die staatliche Grundfinanzierung der Hochschulen, deren Höhe sich größtenteils aus den Abschlusszielen und absolvierten Abschlüssen errechnet, wird zugunsten von Drittmitteln, die die Hochschulen einwerben müssen, zurückgefahren. Die Universitätsreform sieht auch die Neuordnung der universitären Strukturen in Finnland vor. Die Zahl der Hochschulen wurde in den vergangenen Jahren von 20 auf 14 gesenkt, u.a. durch die 2010 erfolgte Gründung der Aalto-Universität Helsiniki unter Zusammenlegung von Technischer Hochschule, Designhochschule und Handelshochschule sowie der Universitäten Joensuu und Kuopio zur Universität Ostfinnland..Die Zahl der Fachhochschulen soll bis 2020 von 27 auf 18 reduziert werden.

Das weitgehend am deutschen Modell orientierte, seit 1990 aufgebaute Fachhochschulsystem genießt die besondere Förderung der Regierung. Von derzeit insgesamt 26 Fachhochschulen in Finnland sind 24 dem Unterrichtsministerium unterstellt. Sie befinden sich entweder in kommunaler oder privater Trägerschaft. Zudem gibt es die dem Innenministerium unterstellte Polizeifachhochschule und auf den Ålandinseln die „Högskolan på Åland“ (Åland-University of Applied Sciences). An den Fachhochschulen studieren etwa 138.880 Studierende bei etwa 5.500 Lehrkräften.

 Deutschland ist weiterhin ein beliebter Studienstandort . Als Zielland finnischer Austauschstudenten belegt Deutschland den ersten Platz (1.110 Studierende  in2013). Die meisten ausländischen Austauschstudenten in Finnland kommen aus Deutschland (1.423 in 2013). Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz verzeichnet aktuell 803 deutsch-finnische Hochschulkooperationen.


Schulsystem

Wie in Deutschland giltauch in Finnland die allgemeine Schulpflicht, wobei die Kinder in der Regel erst ein Jahr spätermit ca. sieben Jahren eingeschult werden. Der Besuch der einjährigen Vorschule für Kinder ab sechs Jahren ist derzeit noch freiwillig, soll aber Pflicht werden. Zentrales Element des finnischen Schulsystems ist die verpflichtende Gesamtschule, die alle Kinder in den Klassenstufen 1–9 durchlaufen. Nach deren Abschluss besuchen etwa 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler die gymnasiale Oberstufe (Gymnasium Sekundarstufe II, Klassenstufen 10–12) und 40 Prozent eine dreijährige berufsbildende Schule.

In Finnland besuchen etwa 540.477 Schülerinnen und Schüler die 2717 Gesamtschulen, die sich ganz überwiegend in Trägerschaft der Städte und Gemeinden befinden. 23 Prozent der Gesamtschulen haben weniger als 50 Schülerinnen und Schüler und 7 Prozent haben mehr als 500 Schülerinnen und Schüler.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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