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Finnland

Wirtschaft

Stand: März 2015

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Finnlands Wirtschaft profitierte in der Vergangenheit überdurchschnittlich von der Globalisierung, war demzufolge aber von der weltweiten Wirtschaftskrise auch stärker betroffen als andere Industrieländer. Gründe hierfür sind einerseits die hohe Exportabhängigkeit der finnischen Wirtschaft (40,1 Prozent ) sowie der hohe Anteil von Investitionsgütern am Export. Knapp 70 Prozent der Exporte fallen auf die Chemie-, Holz und Papierindustrie sowie auf die Metall- und Elektroindustrie.´

Finnland erlebte 2009 die stärkste Rezession seit der Banken- und Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre. Der wirtschaftliche Abschwung führte zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8,3 Prozent, dem stärksten Rückgang eines OECD-Landes. Nachdem die finnische Wirtschaft Anfang 2010 noch mit den Folgen der Krise kämpfte, erholte sie sich 2011 zunächst wieder leicht. Vor allem die gestiegenen Exporte, der Privatkonsum und die privaten Investitionen trugen zum BIP-Wachstum bei. 2011 wuchs die Wirtschaft um 2,6 Prozent. Für 2012 war jedoch ebenso wie 2013 ein BIP-Rückgang  in Höhe von 1,5 Prozent bzw. 1,2 Prozent zu verzeichnen. 2014 erfolgte ebenfalls ein leichtes negatives Wachstum von 0,1 Prozent. Die Prognose für 2015 geht erstmals wieder von einem positiven Anstieg (0,4 Prozent) aus. Finnlands Wirtschaftskraft ist somit 2014 noch immer 5,5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2008 geblieben. Problematisch ist das anhaltende Defizit in der Leistungsbilanz. Während sie 2009 und 2010 noch Überschüsse aufwies (1,7 bzw. 1,5 Prozent des BIP) ist sie seit 2011 im Minus (2014: -1,9 Prozent). Selbst für 2015 wird ein ähnliches Leistungsbilanzdefizit erwartet.


Energiesektor

Aufgrund des Klimas und der energieintensiven Industrien ist der Energieverbrauch pro Kopf in Finnland überdurchschnittlich hoch. Der Energiemix besteht aus 27 Prozent Erdöl und Erdgas, 30 Prozent Erneuerbare Energien, 17 Prozent Kernkraft, 11 Prozent Kohle und 6 Prozent Torf (Gesamtenergieverbrauch - Zahlen für den Zeitraum bis Juni 2014).

Finnland verfügt über zwei Kernkraftwerke mit insgesamt vier Reaktorblöcken, die rund 17 Prozent des nationalen Energiebedarfs abdecken. Der in Olkiluoto darüber hinaus bereits seit 2005 im Bau befindliche fünfte Kernreaktor, der voraussichtlich 2018 ans Netz gehen wird, ist auf 1.600 Megawatt ausgelegt. In Anbetracht der Verpflichtung, die Kyoto-Ziele einzuhalten und der Sicherstellung der Energieversorgung, hat das Parlament im Juli 2010 den Plänen von zwei Energieversorgungsunternehmen zugestimmt, zwei neue Kernkraftwerke zu errichten, und den Ausbau einer Endlagerstätte im westfinnischen Olkiluoto beschlossen. Die Regierung hat im September 2014 den aktualisierten Genehmigungsantrag des Konsortiums Fennovoima für eines dieser beiden neuen Kernkraftwerke dem Parlament zugeleitet.

Laut dem 2011 vereinbarten Koalitionsprogramm der Regierung wird auf einen weiteren Ausbau der Kernenergie über den bereits beschlossenen Umfang hinaus jedenfalls in der bis 2015 laufenden Legislaturperiode verzichtet.


Umweltpolitik

Finnland deckt bereits ca. 30 Prozent seines gesamten Energiebedarfs und mehr als 30 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen. Finnland setzt außerdem auf Kernenergie, um die Belastung durch fossile Brennstoffe zu verringern. Der derzeit im Bau befindliche fünfte Kernkraftreaktor soll die finnische Schadstoffbilanz jährlich um ca. 10 Mio. Tonnen CO²-Ausstoß entlasten und das Land damit dem Kyoto-Ziel näher bringen. Finnland stellt sich zudem dem herausfordernden EU-Ziel der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 auf 38 Prozent. Dies soll u.a. durch eine Erhöhung der Nutzung sog. holzbasierter Energien, von Energie aus Abfallprodukten, Wärmepumpen, Biogas und einem deutlichen Ausbau der Windenergie (bis zum Jahr 2025) erreicht werden. Einen Einspeisetarif gibt es seit März 2011.


Außenhandel

Der Außenhandel, Stütze der finnischen Wirtschaft (Exportquote 2013 49 Prozent) erlebte 2009 einen dramatischen Einbruch und verschlechterte sich wieder etwas nach einer leichten Erholung in den Jahren 2010 und 2011. 2013 lagen die Exporte bei rund 56 Mrd. EUR und die Importe bei rund 58 Mrd. EUR. Nach wie vor wickelt Finnland etwa 75 Prozent seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten ab. Der Anteil der EU-Staaten betrug 2013 beim Import und beim Export etwas mehr als 55 Prozent. Die drei wichtigsten und in etwa gleichbedeutenden Handelspartner sind Schweden, Deutschland und Russland. Der Außenhandel mit DEU entwickelte sich 2014 gegen den Trend gut. Der FIN Export nach DEU nahm 2014 um rund 35 Prozent aufgrund eines Sondereffektes zu (deutsche Fahrzeugfertigung in FIN).


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Finnland ist Mitglied in allen bedeutenden internationalen und europäischen Wirtschaftsorganisationen und seit dem 1. Januar 1995 EU-Mitgliedstaat.


Staatshaushalt

Die finanzielle Situation der öffentlichen Haushalte (Staat, Gemeinden, Sozialkassen) war bis zu Beginn der Finanzmarktkrise stabil. Insbesondere die hohen Überschüsse der Pensionsfonds sorgten bis 2008 für Überschüsse im Gesamthaushalt von bis zu 5 Prozent des BIP. Seit 2009 und 2010 hat sich die Situation der öffentlichen Haushalte verschlechtert. Nach einem negativen Finanzierungssaldo des Gesamthaushaltes 2009 von 2,5 Prozent betrug die Nettoneuverschuldung 2010 weiterhin 2,5 Prozent des BIP, 2011 jedoch nur 1,0 Prozent. 2012 betrug die Neuverschuldung 2,1 Prozent, 2013 lag sie bei 2,4 Prozent. Die Neuverschuldung für das Jahr 2014 beträgt 3,2 Prozent des BIP. Finnland ist trotzdem bestrebt, die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts einzuhalten.

Die Schuldenquote der öffentlichen Haushalte war bis 2008 auf 34 Prozent gesunken (EMU-Standard). 2009 stieg sie um 10 Prozentpunkte und in den beiden darauffolgenden Jahren auf 49 Prozent. 2012 stieg sie auf 53 Prozent, 2013 weiter auf 56 Prozent und hat  2014  den Maastricht-Grenzwert von 60 Prozent erreicht.

Das Gesamtvolumen des Staatshaushalts 2014 beläuft sich auf der Ausgabenseite auf 54,1 Mrd. EUR, was gegenüber 2013 eine preisbereinigte Senkung von 3,6 Prozent bedeutet. Den Ausgaben stehen erwartete Einnahmen in Höhe von 46,9 Mrd. EUR gegenüber, also kaum Änderungen gegenüber den Einnahmen 2013 (47 Mrd. EUR). Das Defizit des Staatshaushalts 2014 beträgt 7,2 Mrd EUR.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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