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Finnland

Wirtschaft

Stand: März 2017

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Finnlands Wirtschaft profitierte in der Vergangenheit überdurchschnittlich von der Globalisierung, war demzufolge aber von der weltweiten Wirtschaftskrise auch stärker betroffen als andere Industrieländer. Gründe hierfür waren die hohe Exportabhängigkeit der finnischen Wirtschaft sowie der hohe Anteil von Investitionsgütern am Export. Knapp 70 Prozent der Exporte fallen auf die Holz und Papierindustrie, Chemieindustrie sowie auf die Metall- und Elektroindustrie.

Finnland erlebte 2009 die stärkste Rezession seit der Banken- und Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre. Der wirtschaftliche Abschwung führte zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 8,3 Prozent, dem stärksten Rückgang eines OECD-Landes.  Bis heute hat die finnische Wirtschaft noch nicht wieder vollständig das Niveau erreicht, das sie vor der Krise 2008 hatte. Auch in den kommenden Jahren rechnet Finnland mit mäßigen Wachstumsraten, 2016 betrug diese 1,4 Prozent. 2015 betrug die Arbeitslosenquote 8,6 Prozent und die Jugendarbeitslosenquote 20,3 Prozent. Zentrale Aufgaben für die Regierung sind daher die Konsolidierung der Haushalte und umfassende Strukturreformen zur Verbesserung der Wirtschaftslage.


Energiesektor

Aufgrund des Klimas und der energieintensiven Industrien ist der Energieverbrauch pro Kopf in Finnland überdurchschnittlich hoch. Der Energiemix im Gesamtenergieverbrauch 2015 bestand aus 30 Prozent Erdöl und Erdgas, 31 Prozent Erneuerbare Energien, 19 Prozent Kernkraft, 8 Prozent Kohle und 4 Prozent Torf.

Finnland verfügt über zwei Kernkraftwerke mit insgesamt vier Reaktorblöcken, die rund 19 Prozent des nationalen Energiebedarfs abdecken. In Anbetracht der Verpflichtung, die Kyoto-Ziele einzuhalten und der Sicherstellung der Energieversorgung, hat das Parlament im Juli 2010 den Plänen von zwei Energieversorgungsunternehmen zugestimmt, zwei neue Kernkraftwerke zu errichten, und den Ausbau einer Endlagerstätte im westfinnischen Olkiluoto beschlossen. Der in Olkiluoto darüber hinaus bereits seit 2005 im Bau befindliche fünfte Kernreaktor (Fertigstellung für 2018 geplant) ist auf 1.600 Megawatt ausgelegt.

Laut dem 2015 vereinbarten Regierungsprogramm wird auf einen weiteren Ausbau der Kernenergie über den bereits beschlossenen Umfang hinaus jedenfalls in der bis 2015 laufenden Legislaturperiode verzichtet.


Umweltpolitik

Finnland deckt bereits gut 30 Prozent seines gesamten Energiebedarfs und beinahe 40 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen. Finnland setzt außerdem auf Kernenergie, um die Emissionsbelastung durch fossile Brennstoffe zu verringern. Der derzeit im Bau befindliche fünfte Kernkraftreaktor soll die finnische Schadstoffbilanz jährlich um ca. 10 Mio. Tonnen CO²-Ausstoß entlasten und das Land damit dem Kyoto-Ziel näher bringen. Finnland bleibt zudem den EU-Klimazielen verpflichtet und strebt bis 2020 einen Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch von 50 Prozent an. Dies soll u.a. durch eine Erhöhung der Nutzung sog. holzbasierter Energien, von Energie aus Abfallprodukten, Wärmepumpen, Biogas und Windenergie  erreicht werden.


Außenhandel

Der Außenhandel, Stütze der finnischen Wirtschaft – 2014 betrug die Exportquote 37 Prozent) -erlebte 2009 einen dramatischen Einbruch und hat sich davon noch nicht vollständig erholt. Mittlerweile wickelt Finnland etwa 80 Prozent seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten ab. Der Anteil der EU-Staaten betrug 2015 beim Import und beim Export etwa60 Prozent. Die drei wichtigsten Handelspartner sind Deutschland (14,0 Prozent des finnischen Außenhandelsvolumens), Schweden (11,0 Prozent), und Russland (8,5 Prozent). Der Außenhandel mit Deutschland entwickelte sich in den letzten Jahren gegen den Trend gut. Wichtige Importgüter aus Deutschland sind chemische Produkte, Maschinen und Kraftfahrzeuge. Exportiert werden chemische Produkte, Holz- und Papierprodukte, sowie Metalle.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Finnland ist Mitglied in allen bedeutenden internationalen und europäischen Wirtschaftsorganisationen und seit dem 1. Januar 1995 EU-Mitgliedstaat.


Staatshaushalt

Die finanzielle Situation der öffentlichen Haushalte (Staat, Gemeinden, Sozialkassen) war bis zu Beginn der Finanzmarktkrise stabil. Insbesondere die hohen Überschüsse der Pensionsfonds sorgten bis 2008 für Überschüsse im Gesamthaushalt von bis zu 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Seit 2009 und 2010 hat sich die Situation der öffentlichen Haushalte verschlechtert. Die Neuverschuldung für das Jahr 2015 betrug 2,7 Prozent des BIP. Finnland ist bestrebt, die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts der EU einzuhalten. Dieses Ziel berücksichtigt auch der von der Regierung im September 2016 veröffentlichte Haushaltsentwurf für 2017. 

Im März 2016 hat die EU-Kommission erneut gegenüber Finnland die Nichteinhaltung des Defizit- und des Staatsschuldenkriteriums bemängelt (2016: Haushaltsdefizit 1,9 Prozent,  Staatsschuldenquote 63,6 Prozent).

Im neuen Haushaltsentwurf für 2017 stehen 55,2 Mrd. Euro Ausgaben (2016 54,4 Mrd.) 49,3 Mrd. Einnahmen gegenüber. Die Neuverschuldung soll 5,5 Mrd. Euro betragen. Dies entspricht voraussichtlich 2,8 Prozent des BIP.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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