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Finnland

Wirtschaft

Stand: Februar 2014

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Finnlands Wirtschaft hatte in der Vergangenheit überdurchschnittlich von der Globalisierung profitiert, war demzufolge aber von der weltweiten Wirtschaftskrise auch stärker betroffen als andere Industrieländer. Gründe hierfür sind einerseits die hohe Exportabhängigkeit der finnischen Wirtschaft (40,6 Prozent ) sowie der hohe Anteil von Investitionsgütern am Export. Knapp 70 Prozent der Exporte fallen auf die Chemie-, Holz und Papierindustrie sowie auf die Metall- und Elektroindustrie. Finnland hat 2009 die stärkste Rezession seit der Banken- und Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre erlebt. Der wirtschaftliche Abschwung hatte zu einem BIP-Rückgang von 8 Prozent geführt, dem stärksten Rückgang eines OECD-Landes. Nachdem die finnische Wirtschaft Anfang 2010 noch mit den Folgen der Krise zu kämpfen hatte, hatte sie sich 2011 zunächst wieder leicht erholt. Vor allem die gestiegenen Exporte, der Privatkonsum und die privaten Investitionen hatten zum BIP-Wachstum beigetragen. 2011 wuchs die Wirtschaft um 2,6 Prozent. Für 2012 war jedoch erneut ein leicht negatives Wachstum von -0,8 Prozent zu verzeichnen. Seitens des Finanzministeriums erwartet man für 2013 ein ebenfalls negatives Wachstum von -1,2 Prozent. Ab 2014 soll sich die Wirtschaft wieder leicht erholen.
Wichtigster Sektor der finnischen Wirtschaft ist der Dienstleistungsbereich mit mehr als 70 Prozent der Erwerbstätigen, davon gut ein Drittel im öffentlichen Dienst. Die finnische Industrie  erwirtschaftet jedoch mehr fast 95 Prozent der Exporterlöse. Wichtige Industriezweige sind: Chemische Industrie, Holz- und Papierindustrie, Metall- und Elektroindustrie sowie Maschinenbau.


Energiesektor

Aufgrund des Klimas und der energieintensiven Industrien ist der Energieverbrauch pro Kopf in Finnland überdurchschnittlich hoch. Der Energiemix besteht aus 32 Prozent Erdöl und Erdgas, 30 Prozent Erneuerbare Energien, 18 Prozent Kernkraft, 10 Prozent Kohle und 5 Prozent Torf (Gesamtenergieverbrauch - Zahlen für 2012).

Finnland verfügt über zwei Kernkraftwerke mit insgesamt vier Reaktorblöcken, die rund 18 Prozent des nationalen Energiebedarfs abdecken. Der in Olkiluoto darüber hinaus bereits seit 2005 im Bau befindliche fünfte Kernreaktor, der voraussichtlich 2016 ans Netz gehen wird, ist auf 1.600 Megawatt ausgelegt. In Anbetracht der Verpflichtung, die Kyoto-Ziele einzuhalten und der Sicherstellung der Energieversorgung, hat das Parlament im Juli 2010 den Plänen von zwei Energieversorgungsunternehmen zugestimmt, zwei neue Kernkraftwerke zu errichten, und den Ausbau einer Endlagerstätte im westfinnischen Olkiluoto beschlossen. 

Laut dem Koalitionsprogramm der neuen Regierung wird auf einen weiteren Ausbau der Kernenergie über den bereits beschlossenen Umfang hinaus verzichtet.


Umweltpolitik

Finnland deckt bereits ca. 30 Prozent seines gesamten Energiebedarfs und mehr als 30 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen. Der im Bau befindliche fünfte Kernkraftreaktor soll die finnische Schadstoffbilanz jährlich um ca. 10 Mio. Tonnen CO²-Ausstoß entlasten und Finnland damit dem Kyoto-Ziel näher bringen. Finnland setzt auf Kernenergie, um die Belastung durch fossile Brennstoffe zu verringern. Finnland stellt sich zudem dem herausfordernden EU-Ziel der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 auf 38 Prozent. Dies soll u.a. durch eine Erhöhung der Nutzung sog. holzbasierter Energien, von Energie aus Abfallprodukten, Wärmepumpen, Biogas und einem deutlichen Ausbau der Windenergie (bis zum Jahr 2025) erreicht werden. Einen Einspeisetarif gibt es seit März 2011.


Außenhandel

Der Außenhandel, Stütze der finnischen Wirtschaft (Exportquote 2012 40,6 Prozent) hat 2009 einen dramatischen Einbruch erlebt und sich nach einer leichten Erholung in den Jahren 2010 und 2011 wieder etwas verschlechtert. Nach Angaben des finnischen Zolls sind die Exporte 2013 erneut gegenüber dem Vorjahr mit 55,9 Mrd. EUR um 2 Prozent gesunken, auch die Importe haben sich um 2 Prozent auf 58,1 Mrd. EUR verringert. Nach wie vor wickelt Finnland etwa 75 Prozent seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten ab. Der Anteil der EU-Staaten betrug 2013 beim Import und beim Export etwas mehr als 50 Prozent.

Bilateraler Handel

Deutschland belegte im Zeitraum Januar bis November 2013 mit einem Anteil von 11,2 Prozent am finnischen Außenhandel nach Russland (13,8 Prozent) und hinter Schweden (11,5 Prozent) Platz 3 der Statistik. Im vorgenannten Zeitraum erzielte Deutschland einen bilateralen Handelsüberschuss von 1,7 Milliarden EUR. Finnland exportierte im Zeitraum Januar bis November 2013 im Vergleich zum Vorjahr 1 Prozent mehr Waren nach Deutschland (5,0 Mrd. EUR) und importierte 1 Prozent weniger Waren aus Deutschland (6,7 Mrd. EUR).

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Finnland ist Mitglied in allen bedeutenden internationalen und europäischen Wirtschaftsorganisationen und seit dem 1. Januar 1995 EU-Mitgliedstaat.


Staatshaushalt

Die finanzielle Situation der öffentlichen Haushalte (Staat, Gemeinden, Sozialkassen) war bis zu Beginn der Finanzmarktkrise stabil. Insbesondere die hohen Überschüsse der Pensionsfonds sorgten bis 2008 für Überschüsse im Gesamthaushalt von bis zu 5 Prozent des BIP. 2009 und 2010 hat sich die Situation der öffentlichen Haushalte zunächst verschlechtert. Nach einem negativen Finanzierungssaldo des Gesamthaushaltes 2009 von 2,7 Prozent betrug die Nettoneuverschuldung 2010 noch 2,8 Prozent des BIP, 2011 jedoch nur 1,0 Prozent. 2012 betrug die Neuverschuldung 2,2 Prozent, für 2013 werden 2,6 Prozent Neuverschuldung erwartet. Finnland ist bestrebt, die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts weiterhin einzuhalten. 

Die positiven Haushaltssalden der letzten Jahre ermöglichten Finnland den raschen Abbau der Staatsverschuldung. Die Schuldenquote der öffentlichen Haushalte sank bis 2008 auf 34,1 Prozent (EMU-Standard). 2010 stieg sie jedoch aufgrund der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise lt. finnischem Finanzministerium auf 48,6 Prozent, 2011 auf 49,2 Prozent und 2012 auf 53,6 Prozent. Für 2013 erwartet das finnische Finanzministerium eine Schuldenquote von 56,9 Prozent.

Das Gesamtvolumen des Regierungshaushalts 2014 beläuft sich auf der Ausgabenseite auf 54,1 Mrd. EUR, was gegenüber 2013 eine preisbereinigte Senkung von 3,6 Prozent bedeutet. Den Ausgaben stehen erwartete Einnahmen in Höhe von 46,9 Mrd. EUR gegenüber, also kaum Änderungen gegenüber den Einnahmen 2013 (47 Mrd. EUR). Das Defizit des Regierungshaushalts 2014 beträgt 7,2 Mrd EUR.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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