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Tschechische Republik

Kultur und Bildung

Stand: November 2016

Bilaterale Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik

Die deutsch-tschechischen Kultur-, Wissenschafts- und Bildungsbeziehungen zeichnen sich durch rege nachbarschaftliche Kontakte auf allen Ebenen aus. Diese Kontakte finden direkt zwischen den jeweiligen Kommunen, Museen oder Freundschaftsvereinen statt. Eine Herausforderung bleibt die Förderung des Interesses am Nachbarn, insbesondere auch an der Aufrechterhaltung und Steigerung der Kenntnisse der jeweiligen Nachbarsprache.  2017 ist anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Deutsch-Tschechischen Erklärung ein Deutsch-Tschechischer Kulturfrühling geplant.

Deutsch als Fremdsprache

Erster Ansatzpunkt ist die Schule. Etwa 316 000 Schüler/innen erlernen im tschechischen Schulsystem Deutsch entweder als erste oder als zweite Fremdsprache. Dieses Interesse gilt es nach wie vor zu fördern und auszubauen. Zu diesem Zweck führt die Botschaft Prag seit 2011 zusammen mit der Österreichischen Botschaft, den Kulturinstituten und Handelskammern beider Länder sowie dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) sowie zahlreichen weiteren Partnern unter dem Namen „Sprechtíme“ eine landesweite Kampagne zur Förderung der deutschen Sprache in der Tschechischen Republik  (www.sprechtime.cz) durch. Erstmalig seit 20 Jahren ist die Gesamtzahl der Deutschlernenden wieder leicht angestiegen. Im Grundschulbereich war gar eine Zunahme von über 30.000 Schülerinnen und Schülern zu verzeichnen. Die Deutsche Schule Prag (438 Schüler/innen), an der das deutsche und das tschechische Abitur erworben werden kann, verfügt als Begegnungsschule auch über einen deutsch-tschechischen Zweig. Eine wichtige Rolle kommt auch dem zweisprachigen Thomas-Mann-Gymnasium sowie der „Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung“ in Prag mit insgesamt etwa 200 Schüler/innen zu. Das Deutsche Sprachdiplom I (DSD I) ermöglicht die Teilnahme an einem deutschen Studienkolleg und wird aktuell an 13 Schulen in Tschechien vergeben. 32 Schulen in Tschechien bieten erweiterten Deutschunterricht.

Auch das F.X. Šaldy Spezialgymnasium in Liberec / Reichenberg verfügt über eine deutschsprachige Abteilung. Dort können das deutsche Abitur und die tschechische Matura abgelegt werden. Zudem können aktuell an 23 tschechischen Schulen Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom II (DSD II) abgelegt werden, dessen Erwerb die sprachliche Zugangsvoraussetzung zu einem Hochschulstudium in Deutschland bildet. 16 entsandte Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an ausgewählten tschechischen Gymnasien und Grundschulen. Eine deutsche Fachberaterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) ist landesweit Ansprechpartnerin sowohl für Schüler/innen als auch für tschechische Deutschlehrer/innen. Ihr sind zudem 3 weitere Fachschaftsberater unterstellt.

Seit 1998 ist das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pirna das einzige deutsch-tschechische Gymnasium in Deutschland. Dort können Schüler im tschechisch-deutschen Zweig das deutsche Abitur mit Anerkennung durch die tschechische Schulaufsicht erwerben.

Auf Initiative des Bundesaußenministers startete Anfang 2008 das Projekt „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH), in dessen Rahmen ein globales Netzwerk von über 1000 Schulen weltweit etabliert wurde. Ziel der PASCH-Initiative ist es, bei jungen Menschen Interesse und Begeisterung für das moderne Deutschland und seine Gesellschaft zu wecken. In der Tschechischen Republik wurden daher zusätzlich zu den DSD-Schulen, den bereits geförderten Grundschulen, dem Spezialgymnasium in Liberec/Reichenberg und der Deutschen Schule Prag drei weitere sog. PASCH-Schulen ausgewählt – das Gymnasium Břeclav, die Grundschule Husova in Liberec/Reichenberg sowie die Handelsakademie in Český Těšín. Die Partnerschulen werden u.a. unterstützt durch Ausstattungshilfen, Fortbildungsmaßnahmen für Deutschlehrer, Sommersprachkurse und Unterstützung bei der Vernetzung mit anderen

Studium und Stipendien

An den Hochschulen steht die Förderung tschechischer Nachwuchseliten durch Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland, die Förderung der germanistischen Ausbildung sowie die Förderung des studienbegleitenden Deutschunterrichts im Mittelpunkt. Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD, www.daad.de) sind an fast allen Universitätsstandorten vertreten. Das DAAD-Zentrum in Prag informiert zum Thema Studieren und Forschen in Deutschland und betreut jährlich etwa 700 tschechische Stipendiat/innen. Darüber hinaus bieten die deutschen politischen Stiftungen zahlreiche Programme zur Förderung der akademischen Bildung und des universitären Austausches an. Dieses vielfältige Angebot wird durch die EU-Stipendienprogramme SOKRATES und ERASMUS ergänzt.

Auf der Ebene des Wissenschafts- und Hochschulmanagements wird die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsorganisationen ausgebaut, so zum Beispiel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)und die Tschechische Forschungsgemeinschaft (GA ČR) im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen, durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung, den DAAD, die Tschechische Akademie der Wissenschaften im Programm des projektbezogenen Personenaustauschs für Forschergruppen aus Tschechien und Deutschland oder durch die Alexander von Humboldt-Stiftung. Die deutsch-tschechische Forschungskooperation, insbesondere auf dem Gebiet der angewandten Forschung, ist ein Kernthema im deutsch-tschechischen Strategischen Dialog. Diesbezüglich wurde am 19. Oktober 2016 ein gemeinsames Memorandum zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und dem tschechischen Regierungsamt als Beginn erster Pilotprojekte in der Tschechischen Republik unterzeichnet.

Ein Äquivalenzabkommen (Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Gleichwertigkeiten von Bildungsnachweisen im Sekundar- und Hochschulbereich) ist am 7. Juli 2008 in Kraft getreten.

Goethe-Institut

Wichtigster Mittler der deutschen Kultur ist das Goethe-Institut in Prag, dem auch die regionale Koordinierung für das Baltikum und Mitteleuropa übertragen wurde. Es wird durch Goethe-Zentren in Pardubice / Pardubitz und České Budějovice / Budweis unterstützt. Nähere Informationen finden Sie unter: www.goethe.de/ins/cz/pra/deindex.htm

Theater und Festivals

Alljährlich findet im Herbst ein etwa zweiwöchiges Prager Theaterfestival deutscher Sprache statt. Im Rahmen des weltweit einzigartigen und bei Publikum wie Kritikern viel beachteten Festivals treten namhafte Theaterproduktionen aus Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern auf Prager Theaterbühnen auf. Die 21. Auflage des weltweit einzigartigen Festivals findet vom 19. November bis 5. Dezember 2016 statt. (www.theater.cz/de).

Dieses Engagement für das Sprechtheater wird ergänzt durch Kooperationen in den Bereichen Film, Musik und den neuen Medien. Tschechische Filmfestivals wie etwa das Karlsbader Filmfestival, das Zliner Kinder- und Jugendfilmfestival (2015 mit Deutschland als Schwerpunktland) oder das deutschsprachige Filmfestival „Der Film“ in Prag erfreuen sich beim Publikum einer hohen Beliebtheit.

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren gehört ebenfalls zu den Partnern der Botschaft, mit dem sie regelmäßig u. a. gemeinsame Lesungen veranstaltet. Es wurde im Jahre 2004 von der deutschschreibenden Prager Schriftstellerin Lenká Reinerová, Botschafter a.D. František Černý und dem Vorsitzenden der Franz-Kafka- Gesellschaft Kurt Krolop gegründet. Das Literaturhaus verfolgt das Ziel, der breiten Öffentlichkeit deutschsprachige Autoren vorzustellen, die auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik gelebt und gewirkt haben.

Neben thematischen Literaturveranstaltungen und Diskussionsabenden engagiert sich die Institution auch im Bereich der Literaturförderung und fördert den internationalen Schriftstelleraustausch. In diesem Rahmen vergibt sie auch Stipendien für einheimische Schriftsteller sowie literarische Residenzen für ausländische Autoren in Prag. Schließlich bietet die Bibliothek des Prager Literaturhauses eine sehr umfangreiche und öffentlich zugängliche Sammlung deutschsprachiger Literatur. Den Leser/innen stehen rund 1000 Bände an Primär- und Sekundärliteratur zu deutschsprachigem Schrifttum aus Böhmen und Mähren zur Verfügung. Seit 2014 finden zudem im Rahmen einer Kooperation mit dem Germanistiklehrstuhl an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen statt. Bundesminister Steinmeier besuchte das Literaturhaus 2014 anlässlich seines zehnjährigen Bestehens.

Jugendaustausch

Das Koordinierungszentrum des deutsch-tschechischen Jugendaustauschs TANDEM (www.tandem-org.de) mit seinen Büros in Regensburg und Pilsen organisiert den bilateralen Jugendaustausch. Das Deutsch-Tschechische Jugendforum, ursprünglich ein Projekt des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, kommt mehrmals im Jahr zusammen, um über Belange der deutsch-tschechischen Jugend zu diskutieren und eigene Projekte zu initiieren. Ein weiterer interessanter Akteur ist der von der Brücke/Most-Stiftung (www.bmst.eu) ins Leben gerufene Prag-Kontakt (www.pragkontakt.eu).

Deutsche Minderheit

Die von tschechischer Seite wie auch von der Bundesregierung geförderten Begegnungszentren und Kulturvereine der deutschen Minderheit sind zum Großteil in der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (www.landesversammlung.cz) sowie dem Kulturverband organisiert. Im Rahmen ihrer kulturellen Tätigkeit bieten sie u.a. Sprachkurse an und beteiligen sich an z.T. grenzüberschreitenden Projekten. Eine weitere Organisation ist der Jugendverband JUKON, der sich zum Ziel gesetzt hat, junge Deutsche und Tschechen zusammenzubringen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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