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Tschechische Republik

Kultur und Bildung

Stand: Oktober 2014

Bilaterale Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik

Die deutsch-tschechischen Kultur-, Wissenschafts- und Bildungsbeziehungen zeichnen sich durch rege nachbarschaftliche Kontakte auf allen Ebenen aus. Viele dieser Kontakte finden direkt zwischen den jeweiligen Kommunen, Museen oder Freundschaftsvereinen statt, ohne dass die Deutsche Botschaft vor Ort einbezogen werden muss. Eine besondere Herausforderung bleibt dennoch die Förderung des Interesses am Nachbarn, insbesondere auch an der Aufrechterhaltung und Steigerung der Kenntnisse der Sprache des Nachbarn.

Deutsch als Fremdsprache

Erster Ansatzpunkt ist die Schule. Etwa 322 000 Schüler/innen erlernen im tschechischen Schulsystem Deutsch entweder als erste oder als zweite Fremdsprache. Dieses Interesse gilt es wach zu halten. Zu diesem Zweck führt die Botschaft Prag seit 2011 zusammen mit der Österreichischen Botschaft, den Kulturinstituten und Handelskammern beider Länder sowie dem DAAD und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) eine Deutschkampagne (www.sprechtime.cz) durch, die seit ihrem Beginn mit einem Bühnenprogramm und Präsentationen in allen Regionen des Landes gastierte.

Die Deutsche Schule Prag (436 Schüler/innen), an der das deutsche und das tschechische Abitur erworben werden können, verfügt auch über einen deutsch-tschechischen Zweig und hat sich als Begegnungsschule hohe Ziele gesetzt. Eine wichtige Rolle kommt auch dem zweisprachigen Thomas-Mann-Gymnasium in Prag mit ca. 150 Schüler/innen zu sowie der „Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung“. Das Deutsche Sprachdiplom I (DSD I) ermöglicht die Teilnahme an einem deutschen Studienkolleg und wird aktuell an zwei Schulen in Tschechien vergeben. 32 Schulen in Tschechien bieten erweiterten Deutschunterricht.

An einem tschechischen Gymnasium in Liberec / Reichenberg besteht eine deutschsprachige Abteilung. Zudem können an 22 tschechischen Schulen Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom II (DSD II) abgelegt werden, dessen Erwerb die sprachliche Zugangsvoraussetzung zu einem Hochschulstudium in Deutschland bildet. 30 entsandte Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an ausgewählten tschechischen Gymnasien und Grundschulen. Ein deutscher Fachberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) ist landesweit Ansprechpartner sowohl für Schüler/innen als auch für tschechische Deutschlehrer/innen.

Auf Initiative des Bundesaußenministers startete Anfang 2008 das Projekt „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH), in dessen Rahmen ein globales Netzwerk von über 1000 Schulen etabliert wurde. Ziel der PASCH-Initiative ist es, bei jungen Menschen Interesse und Begeisterung für das moderne Deutschland und seine Gesellschaft zu wecken.

In der Tschechischen Republik wurden daher zusätzlich zu den DSD-Schulen, den bereits geförderten Grundschulen, dem Spezialgymnasium in Liberec / Reichenberg und der Deutschen Schule Prag drei weitere Partnerschulen ausgewählt – das Gymnasium Břeclav, die Grundschule Husova in Liberec / Reichenberg und die Handelsakademie in Český Těšín. Dazu kommen zehn weitere Schulen, die in ein erweitertes Netzwerk aufgenommen wurden und zu allen Veranstaltungen im Land eingeladen werden. Die Partnerschulen erhalten u.a. Ausstattungshilfen, Fortbildungsmaßnahmen für Deutschlehrer, Sommersprachkurse und Unterstützung bei der Vernetzung mit den anderen Partnerschulen weltweit, um einen attraktiven Deutschunterricht zu ermöglichen.

Studium und Stipendien

An den Hochschulen steht die Förderung tschechischer Nachwuchseliten durch Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland, die Förderung der germanistischen Ausbildung sowie die Förderung des studienbegleitenden Deutschunterrichts im Mittelpunkt. Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) sind an den meisten Universitätsstandorten vertreten. Das DAAD-Zentrum in Prag informiert zum Thema Studieren und Forschen in Deutschland und betreut jährlich etwa 700 tschechische Stipendiat/innen. Darüber hinaus bieten die deutschen politischen Stiftungen zahlreiche Programme zur Förderung der akademischen Bildung und des universitären Austausches an. Dieses vielfältige Angebot wird durch die EU-Stipendienprogramme SOKRATES und ERASMUS ergänzt.

Auf der Ebene des Wissenschafts- und Hochschulmanagements wird die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsorganisationen ausgebaut, so zum Beispiel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Czech Science Foundation im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen, durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung, den DAAD, die Akademie der Wissenschaften (AV ČR) im Programm des projektbezogenen Personenaustauschs für Forschergruppen aus Tschechien und Deutschland oder durch die Alexander von Humboldt-Stiftung.

Ein Äquivalenzabkommen (Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Gleichwertigkeiten von Bildungsnachweisen im Sekundar- und Hochschulbereich) ist am 7. Juli 2008 in Kraft getreten.

Goethe-Institut

Wichtigster Mittler der deutschen Kulturpolitik ist das Goethe-Institut in Prag, dem auch die regionale Koordinierung für das Baltikum und Mitteleuropa übertragen wurde. Es wird durch Goethe-Zentren in Pardubice / Pardubitz und České Budějovice / Budweis unterstützt.

Theater und Festivals

Jedes Jahr findet im Herbst ein weitgehend von Sponsoren finanziertes, zweiwöchiges Prager Theaterfestival deutscher Sprache statt. Im Rahmen des Festivals treten namhafte Theaterproduktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Prager Theaterbühnen auf. Das Festival fand 2013 zum 18. Mal mit starkem Anklang bei Publikum und Kritikern statt.

Dieses Engagement für das Sprechtheater wird ergänzt durch Kooperationen in den Bereichen Film, Musik und den neuen Medien. Tschechische Filmfestivals wie etwa das Karlsbader Filmfestival oder das deutschsprachige Filmfestival „Der Film“ in Prag sind beim Publikum beliebt.

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren gehört ebenfalls zu den Partnern der Botschaft. Es wurde im Jahre 2004 von der deutschschreibenden Prager Schriftstellerin Lenká Reinerová, Botschafter a.D. František Černý und dem Vorsitzenden der Franz-Kafka- Gesellschaft Kurt Krolop gegründet. Das Literaturhaus verfolgt das Ziel, der breiten Öffentlichkeit deutschsprachige Autoren vorzustellen, die auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik gelebt und gewirkt haben. Neben thematischen Literaturveranstaltungen und Diskussionsabenden engagiert sich die Institution auch im Bereich der Literaturförderung und fördert den internationalen Schriftstelleraustausch. In diesem Rahmen vergibt sie auch Stipendien für einheimische Schriftsteller sowie literarische Residenzen für ausländische Autoren in Prag. Schließlich bietet die Bibliothek des Prager Literaturhauses eine sehr umfangreiche und öffentlich zugängliche Sammlung deutschsprachiger Literatur. Den Leser/innen stehen rund 1000 Bände an Primär- und Sekundärliteratur zu deutschsprachigem Schrifttum aus Böhmen und Mähren zur Verfügung.

Jugendaustausch

Das Koordinierungszentrum TANDEM mit seinen Büros in Regensburg und Pilsen organisiert den bilateralen Jugendaustausch. Das Deutsch-Tschechische Jugendforum, ursprünglich ein Projekt des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, kommt mehrmals im Jahr zusammen, um über Belange der deutsch-tschechischen Jugend zu diskutieren und eigene Projekte zu initiieren.

Deutsche Minderheit

Die von tschechischer Seite wie auch von der Bundesregierung geförderten, im ganzen Land verteilten Begegnungszentren der deutschen Minderheit und Kulturvereine sind zum Großteil in der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien organisiert. Im Rahmen ihrer kulturellen Tätigkeit bieten sie u.a. Sprachkurse an und beteiligen sich an z.T. grenzüberschreitenden Projekten. Eine weitere Organisation ist der Jugendverband JUKON, der sich zum Ziel gesetzt hat, junge Deutsche und Tschechen zusammenzubringen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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