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Tschechische Republik

Kultur und Bildung

Stand: März 2015

Bilaterale Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik

Die deutsch-tschechischen Kultur-, Wissenschafts- und Bildungsbeziehungen zeichnen sich durch rege nachbarschaftliche Kontakte auf allen Ebenen aus. Diese Kontakte finden direkt zwischen den jeweiligen Kommunen, Museen oder Freundschaftsvereinen statt. Eine Herausforderung bleibt die Förderung des Interesses am Nachbarn, insbesondere auch an der Aufrechterhaltung und Steigerung der Kenntnisse der jeweiligen Nachbarsprache.

Deutsch als Fremdsprache

Erster Ansatzpunkt ist die Schule. Etwa 326.000 Schüler/innen erlernen im tschechischen Schulsystem Deutsch entweder als erste oder als zweite Fremdsprache. Dieses Interesse gilt es zu fördern und auszubauen. Zu diesem Zweck führt die Botschaft Prag seit 2011 zusammen mit der Österreichischen Botschaft, den Kulturinstituten und Handelskammern beider Länder sowie dem DAAD und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) sowie zahlreichen weiteren Partnern eine landesweite Kampagne zur Förderung der deutschen Sprache in der Tschechischen Republik durch.  Erstmalig seit 20 Jahren ist die Gesamtzahl der Deutschlernenden wieder leicht angestiegen. Im Grundschulbereich war eine Zunahme von über 30.000 Schülerinnen und Schülern zu verzeichnen. Die Deutsche Schule Prag (474 Schüler/innen), an der das deutsche Abitur und die tschechische Matura erworben werden können, verfügt als Begegnungsschule auch über einen deutsch-tschechischen Zweig. Eine wichtige Rolle kommt dem zweisprachigen Thomas Mann-Gymnasium sowie der „Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung“ in Prag mit etwa 300 Schüler/innen zu. Das Deutsche Sprachdiplom I (DSD I) ermöglicht die Teilnahme an einem deutschen Studienkolleg und wird aktuell an elf Schulen in Tschechien vergeben. 32 Schulen in Tschechien bieten erweiterten Deutschunterricht.

Auch das F.X.Šaldy Spezialgymnasium in Liberec/Reichenberg verfügt über eine deutschsprachige Abteilung. Dort können das deutsche Abitur und die tschechische Matura abgelegt werden. Zudem können aktuell an 21 tschechischen Schulen Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom II (DSD II) abgelegt werden, dessen Erwerb die sprachliche Zugangsvoraussetzung zu einem Hochschulstudium in Deutschland bildet. 18 entsandte Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an ausgewählten tschechischen Gymnasien und Grundschulen. Ein deutscher Fachberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) ist landesweit Ansprechpartner sowohl für Schüler/innen als auch für tschechische Deutschlehrer/innen.

Seit 1998 ist das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pirna das einzige deutsch-tschechische Gymnasium in Deutschland. Dort können Schüler im tschechisch-deutschen Zweig das deutsche Abitur mit Anerkennung durch die tschechische Schulaufsicht erwerben.

Im Rahmen des Projekts „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) wurden zusätzlich zu den bereits genanntenSchulen drei weitere sog. PASCH-Schulen etabliert – das Gymnasium Břeclav, die Grundschule Husova in Liberec / Reichenberg  sowie die Handelsakademie in Český Těšín. Die Partnerschulen werden u.a. unterstützt durch Ausstattungshilfen, Fortbildungsmaßnahmen für Deutschlehrer, Sommersprachkurse und Unterstützung bei der Vernetzung mit über 1.000 PASCH-Schulen weltweit, um einen attraktiven Deutschunterricht zu ermöglichen.

Studium und Stipendien

An den Hochschulen steht die Förderung tschechischer Nachwuchseliten durch Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland, die Förderung der germanistischen Ausbildung sowie die Förderung des studienbegleitenden Deutschunterrichts im Mittelpunkt. Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) sind an fast allen Universitätsstandorten vertreten. Das DAAD-Zentrum in Prag informiert zum Thema Studieren und Forschen in Deutschland und betreut jährlich etwa 700 tschechische Stipendiat/innen. Darüber hinaus bieten die deutschen politischen Stiftungen zahlreiche Programme zur Förderung der akademischen Bildung und des universitären Austausches an. Dieses vielfältige Angebot wird durch die EU-Stipendienprogramme SOKRATES und ERASMUS ergänzt.

Auf der Ebene des Wissenschafts- und Hochschulmanagements wird die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsorganisationen ausgebaut, so zum Beispiel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Czech Science Foundation im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen, durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung, den DAAD, die Tschechische Akademie der Wissenschaften im Programm des projektbezogenen Personenaustauschs für Forschergruppen aus Tschechien und Deutschland oder durch die Alexander von Humboldt-Stiftung.

Ein Äquivalenzabkommen (Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Gleichwertigkeiten von Bildungsnachweisen im Sekundar- und Hochschulbereich) ist am 7. Juli 2008 in Kraft getreten.

Goethe-Institut

Wichtigster Mittler der deutschen Kultur ist das Goethe-Institut in Prag, dem auch die regionale Koordinierung für das Baltikum und Mitteleuropa übertragen wurde. Es wird durch Goethe-Zentren in Pardubice / Pardubitz und České Budějovice / Budweis unterstützt. Nähere Informationen finden Sie unter: www.goethe.de/ins/cz/pra/deindex.htm

Theater und Festivals

Alljährlich findet im Herbst ein weitgehend von Sponsoren finanziertes, zweiwöchiges Prager Theaterfestival deutscher Sprache statt. Im Rahmen des weltweit einzigartigen und bei Publikum wie Kritikern viel beachteten Festivals treten namhafte Theaterproduktionen aus Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern auf Prager Theaterbühnen auf. Die 20. Auflage des Festivals findet im November 2015 statt.

Dieses Engagement für das Sprechtheater wird ergänzt durch Kooperationen in den Bereichen Film, Musik und den neuen Medien. Tschechische Filmfestivals wie etwa das Karlsbader Filmfestival, das Zliner Kinder- und Jugendfilmfestival (Deutschland ist 2015 Schwerpunktland) oder das deutschsprachige Filmfestival „Der Film“ in Prag sind beim Publikum beliebt.

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren gehört ebenfalls zu den Partnern der Botschaft, mit dem sie regelmäßig u. a. gemeinsame Lesungen veranstaltet. Es wurde im Jahre 2004 von der deutschschreibenden Prager Schriftstellerin Lenká Reinerová, Botschafter a.D. František Černý und dem Vorsitzenden der Franz-Kafka- Gesellschaft Kurt Krolop gegründet. Das Literaturhaus verfolgt das Ziel, der breiten Öffentlichkeit deutschsprachige Autoren vorzustellen, die auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik gelebt und gewirkt haben.

Neben thematischen Literaturveranstaltungen und Diskussionsabenden engagiert sich die Institution auch im Bereich der Literaturförderung und fördert den internationalen Schriftstelleraustausch. In diesem Rahmen vergibt sie auch Stipendien für einheimische Schriftsteller sowie literarische Residenzen für ausländische Autoren in Prag. Schließlich bietet die Bibliothek des Prager Literaturhauses eine sehr umfangreiche und öffentlich zugängliche Sammlung deutschsprachiger Literatur. Den Leser/innen stehen rund 1000 Bände an Primär- und Sekundärliteratur zu deutschsprachigem Schrifttum aus Böhmen und Mähren zur Verfügung. Seit 2014 finden zudem im Rahmen einer Kooperation mit dem Germanistiklehrstuhl an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen statt. Bundesminister Steinmeier besuchte das Literaturhaus 2014 anlässlich seines zehnjährigen Bestehens.

Jugendaustausch

Das Koordinierungszentrum TANDEM mit seinen Büros in Regensburg und Pilsen organisiert den bilateralen Jugendaustausch. Das Deutsch-Tschechische Jugendforum, ursprünglich ein Projekt des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, kommt mehrmals im Jahr zusammen, um über Belange der deutsch-tschechischen Jugend zu diskutieren und eigene Projekte zu initiieren.

Deutsche Minderheit

Die von tschechischer Seite wie auch von der Bundesregierung geförderten Begegnungszentren und Kulturvereine der deutschen Minderheit sind zum Großteil in der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien sowie dem Kulturverband organisiert. Im Rahmen ihrer kulturellen Tätigkeit bieten sie u.a. Sprachkurse an und beteiligen sich an z.T. grenzüberschreitenden Projekten. Eine weitere Organisation ist der Jugendverband JUKON, der sich zum Ziel gesetzt hat, junge Deutsche und Tschechen zusammenzubringen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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