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Venezuela

Wirtschaft

Stand: Oktober 2016

Wirtschaftspolitik

Die Regierung des gegenwärtigen Staatspräsidenten Nicolás Maduro führt die von dessen Vorgänger Hugo Chavez (verstorben im März 2013) proklamierte Politik des "Sozialismus des XXI. Jahrhunderts" fort. Dieses zunächst  marktwirtschaftlich angelegte Wirtschaftsmodell zeichnete sich durch eine im Laufe der Jahre immer dominanter werdende Rolle staatlicher Unternehmen und eine hohe Regulierungsdichte aus. Heute hat die  Privatwirtschaft insbesondere im Außenhandel stark an Bedeutung verloren.

Kernelement der chavistischen Sozialpolitik sind die sogenannten Missionen, etwa für sozialen Wohnungsbau, Gesundheitsversorgung oder Bildung zugunsten ärmerer Bevölkerungsschichten. Diese Programme werden weitgehend durch die Ölexporte finanziert und leiden heute unter dem drastischen Preisverfall dieses Rohstoffs (s. aktuelle wirtschaftliche Entwicklung).

International  orientiert sich Venezuela in Richtung Süd-Süd-Kooperation. Prioritär ist die Mitgliedschaft in einer Reihe lateinamerikanischer Organisationen mit dem Ziel wirtschaftlich verstärkter Zusammenarbeit in der Region (siehe auch 'Außenpolitik'). Bevorzugte Handelspartner sind China und Russland. Daneben besteht eine große Abhängigkeit zu den OPEC-Staaten. Technisch gesehen ist Venezuela bis heute Mitglied beim Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Die Zusammenarbeit wurde jedoch nach vorzeitiger Tilgung aller Schulden praktisch eingestellt.  2012 ist Venezuela aus dem Internationalen Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten (ICSID) der Weltbank ausgetreten, teilweise ist das Schiedsgericht dennoch weiter zuständig, wo es bilaterale Abkommen (wie z.B. mit Deutschland) so vorsehen.


Ölproduktion

Ausgehend von den offiziell zertifizierten Ölvorkommen verfügt Venezuela über die größten Reserven der Welt. Über die Fördermenge gibt es unterschiedliche Angaben rund um 2,5 mbpd (Millionen Fass pro Tag). Das Rohöl wird insbesondere in die USA und nach China exportiert. In den USA betreibt PDVSA über die Tochter Citgo eine Reihe von Raffinerien und eine große Tankstellenkette.Die Ölproduktion durch den staatlichen Ölkonzern PDVSA macht einen Großteil der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes und praktisch die gesamten Exporte aus. Der Staatshaushalt finanziert sich zu 96% aus diesen Exporterlösen.


Währung

Die venezolanische Landeswährung, der Bolívar Fuerte, ist nicht vollständig frei konvertierbar. Sie kann für prioritäre Transaktionen, wie Schuldtilgungen und Medizin- oder Lebensmittelimporte über die Devisenkontrollbehörde CENCOEX zum festen Wechselkurs von 10 BSF/USD (DIPRO) getauscht werden. Die Devisennachfrage übersteigt hier das Angebot. Für nicht-prioritäre Transaktionen steht der schwebende Wechselkurs DICOM zur Verfügung.


Aktuelle wirtschaftliche Entwicklung

Venezuela befindet sich seit 2014 in einer Rezession, die durch den gesunkenen Ölpreis weiter verschärft wird. Nach einem Rückgang des BIP um 7% im Jahr 2015 wird für 2016 sogar eine Schrumpfung um 10% erwartet. Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs sind knapp, das Gesundheitssystem leidet unter einem drastischen Mangel an Medikamenten und anderen medizinischen Gütern. Im Frühjahr 2016 wurde die Unterversorgung der Bevölkerung durch El Niño bedingte Stromausfälle und Rationierung von Trinkwasser verschärft.

Staatspräsident Maduro macht vor allem Sabotageakte in- und ausländischen Gegner Venezuelas für die krisenhafte Entwicklung verantwortlich und wirft diesen vor, das Land destabilisieren und die Regierung stürzen zu wollen. Die venezolanische Opposition dagegen hält der Regierung eine verfehlte Wirtschafts- und insbesondere Geldpolitik vor.

Die Inflation  betrug im Jahr 2015 etwa 180% und wird 2016 nach IWF-Schätzung bei 500% oder höher liegen. Die hohen Preissteigerungen sowie der anhaltende Devisenmangel setzen den festen Wechselkurs unter Abwertungsdruck – der Bolívar Fuerte gilt im Verhältnis zu allen offiziellen Wechselkursen als deutlich überbewertet.

Die Arbeitslosigkeit ist offiziellen Angaben zufolge mit circa 8% im regionalen Vergleich eher niedrig. Allerdings sind die Statistiken wegen des hohen Anteils an informeller Beschäftigung nicht mit europäischen Zahlen vergleichbar.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Nicht-Ölsektoren leidet unter hohen Lohnstückkosten durch die überbewertete Landeswährung und die Inflation. Versuche, die venezolanische Wirtschaft zu diversifizieren und so die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, waren daher bisher erfolglos. Viele Unternehmen sind von Devisen- und Ersatzteilmangel betroffen.


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