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Venezuela

Wirtschaft

Stand: April 2015

Wirtschaftspolitik

Der vom ehemaligen Präsident Chávez proklamierte „Sozialismus des XXI. Jahrhunderts“ funktionierte zunächst grundsätzlich marktwirtschaftlich, zeichnete sich aber durch eine dominante Rolle staatlicher Unternehmen und eine hohe Regulierungsdichte aus. Sein Nachfolger Nicolás Maduro hat diese Wirtschaftspolitik  fortgeführt, so dass die Rolle der Privatwirtschaft insbesondere im Außenhandel an Bedeutung verliert.

Kernelement der Sozialpolitik sind die sogenannten Missionen, etwa für sozialen Wohnungsbau, Gesundheitsversorgung oder Bildung zugunsten ärmerer Bevölkerungsschichten. Diese Programme werden weitgehend durch die Ölexporte finanziert.

Bei seinen Mitgliedschaften in internationalen Wirtschaftsorganisationen orientiert sich Venezuela Richtung Süd-Süd-Kooperation. Auch wenn Venezuela technisch gesehen bis heute Mitglied beim Internationalen Währungsfonds und der Weltbank ist, wurde die Zusammenarbeit praktisch eingestellt und alle Schulden vorzeitig getilgt. 2012 ist Venezuela aus dem Internationalen Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten (ICSID) der Weltbank ausgetreten, teilweise ist das Schiedsgericht dennoch weiter zuständig, wo es bilaterale Abkommen (wie auch mit Deutschland) so vorsehen. Für Venezuela ist die Mitgliedschaft in einer Reihe lateinamerikanischer Organisationen prioritär mit dem Ziel wirtschaftlich verstärkter Zusammenarbeit in der Region (siehe auch 'Außenpolitik').


Ölproduktion

Die Ölproduktion durch den staatlichen Ölkonzern PDVSA macht etwa ein Zehntel der gesamten Wirtschaftsleistung und praktisch die gesamten Exporte aus. Ausgehend von den offiziell zertifizierten Ölvorkommen verfügt Venezuela über die größten Reserven der Welt. Über die Fördermenge gibt es unterschiedliche Angaben rund um 2,5 mbpd (Millionen Fass pro Tag). Das Rohöl wird insbesondere in die USA und nach China exportiert. In den USA betreibt PDVSA über die Tochter Citgo eine Reihe von Raffinerien und eine große Tankstellenkette.


Währung

Die venezolanische Landeswährung, der Bolívar Fuerte, ist nicht frei konvertierbar. Sie kann für Medizin und Lebensmittelimporte über die Devisenkontrollbehörde CENCOEX zum festen Wechselkurs von 6,30 BSF/USD oder sonst im Rahmen von Devisenauktionen (SICAD) in sehr begrenztem Umfang zu den Kursen von ca. 1:12 getauscht werden. Anfang 2015 wurde zudem der Wechselkursmechanismus SIMADI eingeführt, der bei etwa 190 BSF/USD liegt. Bei allen drei Mechanismen übersteigt die Devisennachfrage bei weitem das Angebot.


Aktuelle wirtschaftliche Entwicklung

Venezuela befindet sich seit 2014 in einer Rezession, die durch den gesunkenen Ölpreis weiter verschärft wird. Nach einem Rückgang des BIP um 4% im Jahr 2014 wird für 2015 sogar eine Schrumpfung um 7% erwartet. Gleichzeitig betrug die Inflationsrate 2014 ca. 70% und soll im laufenden Jahr weiter ansteigen. Außerdem sind viele Güter des täglichen Bedarfs derzeit knapp – dazu gehören Milch, Maismehl, Hygieneartikel und Medikamente.

Grund für die gegenwärtige Krise sind nach Angaben der Regierung vor allem Sabotageakte ihrer in- und ausländischen Gegner. Die venezolanische Opposition dagegen wirft der Regierung verfehlte Wirtschafts- und insbesondere Geldpolitik vor.

Die hohen Preissteigerungen sowie der anhaltende Devisenmangel setzen den festen Wechselkurs unter Abwertungsdruck – der Bolivar Fuerte gilt im Verhältnis zu allen offiziellen Wechselkursen als deutlich überbewertet.

Die Arbeitslosigkeit ist mit ca. 8% im regionalen Vergleich eher niedrig. Allerdings sind die Statistiken wegen des hohen Anteils an informeller Beschäftigung nicht mit europäischen Zahlen vergleichbar.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Nicht-Ölsektoren leidet unter hohen Lohnstückkosten durch die überbewertete Landeswährung. Versuche, die venezolanische Wirtschaft zu diversifizieren und so die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, waren daher bisher erfolglos.


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