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Beziehungen zu Deutschland

Stand: Januar 2013

Die deutsch-zyprischen Beziehungen sind eng und freundschaftlich. Die Bundesrepublik hat als fünfter Staat bereits am 20. August 1960 diplomatische Beziehungen zur jungen Republik Zypern aufgenommen (Unabhängigkeit 16. August 1960). Mit dem Beitritt Zyperns zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 haben die Beziehungen eine weitere Dimension erhalten. In der zweiten Jahreshälfte 2012 übernahm Zypern erstmals den EU-Ratsvorsitz.

Die militärische Intervention der Türkei im Norden der Insel von 1974 hat das Land faktisch geteilt. Die Bundesrepublik Deutschland pflegt keine offiziellen Beziehungen zu der nur von der Türkei anerkannten so genannten "Türkischen Republik Nordzypern", hält jedoch vielfältige Kontakte zu Vertretern der türkisch-zyprischen Volksgruppe auf politischer und kultureller Ebene.

Politische Beziehungen

Zwischen der Republik Zypern und Deutschland besteht eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Regierungsebene. Vor und während der zyprischen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2012 herrschte besonders reger Besucherverkehr. Viele Mitglieder des Bundeskabinetts sowie zahlreiche weitere hochrangige Vertreter der Bundesregierung reisten nach Zypern. Bilateral besuchte Bundesaußenminister Westerwelle Zypern am 22./23. Juli 2010, Bundeskanzlerin Merkel am 11. Januar 2011. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Entwicklungen bei den aktuellen Verhandlungen der beiden zyprischen Volksgruppen zur Wiedervereinigung der Insel sowie der Beitrittsprozess der Türkei zur EU. Auch auf parlamentarischer Ebene besteht ein reger Austausch. Die deutsch-zyprische Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages besuchte Zypern im Oktober 2011, der EU-Ausschuss des Deutschen Bundestages im Juli 2012, zu Beginn der zyprischen Ratspräsidentschaft.


Wirtschaftsbeziehungen

Schon früh nach der Unabhängigkeit Zyperns wurde zwischen beiden Ländern ein Handels- und Wirtschaftsabkommen abgeschlossen (1961), dem ein Luftverkehrsabkommen (1967), ein Doppelbesteuerungsabkommen (1974) und ein Abkommen über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr folgten (1980). Große Teile dieser Abkommen gingen ab 1987 in EU-Recht über, das seit dem 1. Mai 2004 mit dem vollzogenen Beitritt Zyperns zur EU auch in Zypern gilt. Das neue Doppelbesteuerungsabkommen trat am 16.12.2011 in Kraft.

Die deutsche Außenhandelsstatistik weist für 2011 einen Exportüberschuss Deutschlands gegenüber Zypern in Höhe von 500,7 Millionen Euro aus; bei deutschen Exporten nach Zypern im Werte von 741,6 Millionen Euro und deutschen Importen aus Zypern im Werte von 240,9 Millionen Euro. Die Bundesrepublik ist hinter Griechenland und Italien der drittwichtigste Lieferant für Zypern und das zweitwichtigste Exportland (nach Griechenland). In der für Zypern bedeutenden Tourismusindustrie rangierte Deutschland 2010 mit 139.000 Besuchern an dritter Stelle hinter Großbritannien (circa 1 Million) und Russland (223.000). Eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Zypern gibt es auf dem Schifffahrtssektor - mit Zentrum in Limassol. Die Schifffahrtsbranche trägt mit über 7 bis 8 Prozent zum zyprischen Bruttoinlandsprodukt bei. Zypern unterhält die zehntgrößte Flotte weltweit (mit derzeit 2400 Schiffen). Die Industrie unterhält ca. 4.500 Arbeitsplätze „onshore“ und ca. 55.000 Seefahrer.

Der Banken- und Finanzdienstleistungssektor ist (mit verwandten Sektoren) für die zyprische Wirtschaft von überproportionaler Bedeutung. Deutsche Banken sind allerdings nicht in Zypern ansässig.


Kulturelle Beziehungen

Deutschland unterhält enge Kulturbeziehungen zu beiden Bevölkerungsteilen der Insel, wie auch zur autochthonen maronitischen Gemeinde. Wichtigster Träger der Kulturbeziehungen zwischen beiden Länderin ist das Goethe-Institut in Nikosia, das im Juli 2011 nach über 10jähriger Schließung wieder eröffnet wurde. Darüber hinaus gibt es den Deutsch-Zyprischer Kulturverein, der eng mit dem Goethe-Zentrum und der Botschaft zusammenarbeitet, sowie einen Deutsch-Türkischzyprischen Kulturverein. Weitere deutsch-zyprische Vereinigungen (Deutschlehrer- und Ehemaligenvereine) bereichern das deutsche kulturelle Angebot auf der Insel. Ein Kulturabkommen mit der Republik Zypern wurde 1971 abgeschlossen.

Deutsch als Fremdsprache ist unter Griechenzyprern an Attraktivität gewonnen, die Sprachkurse des Goethe-Instituts erfreuen sich guter Nachfrage. Derzeit wird das Fremdsprachenangebot an Schulen im Rahmen einer Curriculumsreform überarbeitet: Der zyprische Deutschlehrerverband (www.zdv-online.org) unterstützt das Anliegen, nach Englisch als Pflichtfremdsprache und Französisch als Teilpflichtfremdsprache Deutsch als Wahlfach ab den Gymnasiumsklassen neben weiteren (europäischen) Fremdsprachen anzubieten. Es gibt inzwischen zwei PASCH-Schulen in Zypern (je eine in Limassol und Nikosia). Mit der Partnerschulinitiative PASCH wird ein weltumspannendes Netz von Schulen aufgebaut. Mehr Informationen: www.pasch-net.de.

Im türkisch besetzten Nordteil der Insel kann Deutsch neben 12 weiteren Sprachen als zweite Sprache gewählt werden. Das Interesse an Deutsch als Fremdsprache ist dort aber zurückgegangen, seitdem Schüler Fremdsprachen zugunsten anderer Fächer abwählen können.

Die Attraktivität des Studienstandortes Deutschland (niedrige Studiengebühren, hohe Qualität der Ausbildung, Karrieremöglichkeiten) gerät zunehmend ins Blickfeld zyprischer Studierender und Wissenschaftler und die bilaterale Wissenschaftskooperation intensiviert sich: So haben das Max-Planck-Institut und das „Cyprus Institute“ im Jahr 2011 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das u.a. Forschungskooperationen ermöglicht. Am angesehenen Genetik-Institut in Nikosia arbeiten auch deutsche Forscher.

Zahlreiche Zyprer aus beiden Volksgruppen haben in Deutschland studiert, viele mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und anderer Fördereinrichtungen. Seit 1997 besteht an der Universität Münster ein Zentrum für interdisziplinäre Zypernstudien (Universität Münster, Zypern-Institut). Seit dem Wintersemester 2003gibt es ein DAAD-Lektorat an der Cyprus University. Weitere deutsche Lehrkräfte an anderen höheren Bildungseinrichtungen im Süden und Norden der Insel tragen dazu bei, bestehende Hochschulkontakte zu vertiefen, neue zu knüpfen und das Interesse an einem Studium in Deutschland zu fördern.

Darüber hinaus ist das Studienangebot in der Republik Zypern für deutsche Studenten attraktiver geworden. Neben den staatlichen Universitäten (University of Cyprus in Nikosia und Technische Universität in Limassol) beteiligen sich auch eine Reihe privater Studieneinrichtungen an Austauschprogrammen mit deutschen und europäischen Partneruniversitäten.

Im Jahr 2004 wurde ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Hochschulabschlüssen (Äquivalenzabkommen) unterzeichnet, das den Zugang zyprischer und deutscher Studierender zu deutschen und zyprischen Hochschulen sowie die spätere Führung dort erworbener Hochschulgrade im jeweiligen Partnerland erleichtern soll.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.