Hauptinhalt

Flagge

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2014

Politische Beziehungen

Die Bundesrepublik Deutschland hat am 20. August 1960, kurz nach der Unabhängigkeit Zyperns am 16. August  1960, diplomatische Beziehungen zur Republik Zypern aufgenommen. Zwischen der Republik Zypern und Deutschland besteht eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Regierungsebene. Mit dem Beitritt Zyperns zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 haben die Beziehungen eine weitere politische Dimension erhalten. Bundesaußenminister Westerwelle besuchte Zypern am 22./23. Juli 2010, Bundeskanzlerin Merkel am 11. Januar 2011. Staatspräsident Anastasiades besuchte Berlin und Hamburg im Mai 2014. Diese sehr erfolgreiche Reise war der erste offizielle Besuch eines zyprischen Staatsoberhaupts seit über 20 Jahren. Im September 2014 stattete der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Herr Michael Roth, Zypern einen Besuch ab.

Auch auf Partei- und Parlaments-Ebene besteht ein reger Austausch. Die Parteivorsitzende der CDU, Angela Merkel, nahm am 11. Januar 2013 am Treffen der Europäischen Volksparteien in Limassol teil, zu dem der Präsident der Partei DISY, Nikos Anastasiades, eingeladen hatte. Die deutsch-zyprische Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages besuchte Zypern im Oktober 2011, der EU--Ausschuss des Deutschen Bundestages im Juli 2012, Bundestagspräsident Lammert im April 2013, der Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Technologie im März 2013 und der Finanzausschuss im April 2013.

Die militärische Intervention der Türkei im Norden der Insel von 1974 hat das Land faktisch geteilt. Die Bundesrepublik Deutschland pflegt zwar keine offiziellen Beziehungen zu der nur von der Türkei anerkannten so genannten "Türkischen Republik Nordzypern", hält jedoch vielfältige Kontakte zu Vertretern der türkisch-zyprischen Volksgruppe auf politischer und kultureller Ebene.


Wirtschaftsbeziehungen

Schon früh nach der Unabhängigkeit Zyperns wurde zwischen beiden Ländern ein Handels- und Wirtschaftsabkommen abgeschlossen (1961), dem ein Luftverkehrsabkommen (1967), ein Doppelbesteuerungsabkommen (1974) und ein Abkommen über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr folgten (1980). Große Teile dieser Abkommen gingen ab 1987 in EU-Recht über, das seit dem 1. Mai 2004 mit dem vollzogenen Beitritt Zyperns zur EU auch in Zypern gilt. Das neue Doppelbesteuerungsabkommen trat am 16.12.2011/de facto 01.01.2012 in Kraft.

Der deutsche Import aus Zypern ist 2014 weiterhin gering, von Januar bis Mai 2014 wurden lediglich Waren in Höhe von 15,1 Mio. Euro importiert. Gleichzeitig stieg die deutsche Exportquote nach Zypern von 122,9 Mio. Euro im Zeitraum Januar bis Mai 2013 auf 140,9 Mio. Euro im entsprechenden Zeitraum 2014. Dies entspricht einem Wachstum von rund 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Zu den wichtigsten deutschen Exportgütern gehörten  in 2013 Elektronik (10,9 Prozent der Gesamteinfuhr), chemische Erzeugnisse (9,2 Prozent), KfZ und –Teile (9,2 Prozent), Nahrungsmittel (7,9 Prozent), Maschinen (4,1 Prozent) und NE-Metalle (3,3 Prozent) (Quelle: GTAI, Stand Mai 2014). In der für Zypern bedeutenden Tourismusindustrie rangierte Deutschland im Zeitraum Januar bis Juli 2014 mit rund 43.000 Besuchern an fünfter Stelle hinter Großbritannien (478.100), Russland (ca. 372.500), Schweden (59.700), Griechenland (57.900). Eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Zypern gibt es im Schifffahrtssektor – mit Zentrum in Limassol. Die Schifffahrtsbranche trägt mit über 7 Prozent zum zyprischen BIP bei. Zypern unterhält die zehntgrößte Flotte weltweit (mit derzeit 2.400 Schiffen). Die Industrie unterhält ca. 4.500 Arbeitsplätze „onshore“ und ca. 55.000 Seefahrer.

Der Banken- und Finanzdienstleistungssektor ist (mit verwandten Sektoren) für die zyprische Wirtschaft von überproportionaler Bedeutung. Im Zuge des Memorandum of Understanding mit der Troika (EU-Kommission, Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank) zur Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise befindet sich der Finanzsektor in einer Phase der Restrukturierung und Konsolidierung. Sein Umfang schrumpft erheblich. Deutsche Banken sind nicht in Zypern ansässig.


Kulturelle Beziehungen

Deutschland unterhält enge Kulturbeziehungen zu beiden Bevölkerungsteilen der Insel, wie auch zur autochthonen maronitischen Gemeinde. Wichtigster Träger der Kulturbeziehungen zwischen beiden Ländern ist das Goethe-Institut in Nikosia, das im Juli 2011 nach über 10jähriger Schließung wieder eröffnet wurde. Darüber hinaus gibt es den Deutsch-Zyprischen Kulturverein, der eng mit dem Goethe-Institut und der deutschen Botschaft in Nikosia zusammenarbeitet, sowie einen Deutsch-Türkischzyprischen Kulturverein. Weitere deutsch-zyprische Vereinigungen (Deutschlehrer- und Ehemaligenvereine) bereichern das deutsche kulturelle Angebot auf der Insel. Ein Kulturabkommen mit der Republik Zypern wurde 1971 abgeschlossen.

Ein wichtiges Ereignis war die Rückgabe von 170 Fresken und Ikonen im Oktober 2013. Die Kunstgegenstände waren in den 70er Jahren aus zyprischen Kirchen gestohlen und 1997 von der bayerischen Polizei in München sichergestellt worden (sog. Dikmen-Fall). Dies war die bisher bedeutendste Restituierung gestohlener Kunstgegenstände in der zyprischen Geschichte. Die Ikonen werden derzeit in einem Nebengelass des byzantinischen Museums in Nikosia ausgestellt und können auf Anfrage dort besichtigt werden.

Der Studienstandort Deutschland ist in den letzten Jahren für zyprische Studierende und Wissenschaftler interessant geworden (niedrige bzw. keine Studiengebühren, hohe Qualität der Ausbildung, Karrieremöglichkeiten). Zahlreiche Zyprer aus beiden Volksgruppen haben in Deutschland studiert, viele mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und anderer Fördereinrichtungen. Seit 1997 besteht an der Universität Münster ein Zentrum für interdisziplinäre Zypernstudien (Universität Münster, Zypern-Institut). Seit dem Wintersemester 2003 gibt es ein DAAD-Lektorat an der Cyprus University, das inzwischen zum festen Bestandteil des universitären Gefüges zählt. Die DAAD-Lektorin wird von einer Sprachassistentin unterstützt. Weitere deutsche Lehrkräfte an anderen höheren Bildungseinrichtungen (auch im Norden der Insel) tragen dazu bei, bestehende Hochschulkontakte zu vertiefen, neue zu knüpfen und das Interesse an einem Studium in Deutschland zu fördern.

Darüber hinaus ist das Studienangebot in der Republik Zypern für deutsche Studenten attraktiver geworden. Neben den staatlichen Universitäten (University of Cyprus in Nikosia und Technische Universität in Limassol) beteiligen sich auch eine Reihe privater Studieneinrichtungen an Austauschprogrammen mit deutschen und europäischen Partneruniversitäten.

Die bilaterale Wissenschaftskooperation intensiviert sich (Forschungskooperationen beispielsweise zwischen Max-Planck-Institut und "Cyprus Institute"). Am angesehenen Genetik-Institut in Nikosia arbeiten auch deutsche Forscher.

Im Jahr 2004 wurde ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Hochschulabschlüssen (Äquivalenzabkommen) unterzeichnet, das den Zugang zyprischer und deutscher Studierender zu deutschen und zyprischen Hochschulen sowie die spätere Führung dort erworbener Hochschulgrade im jeweiligen Partnerland erleichtern soll.

Deutsch als Fremdsprache hat unter Griechenzyprern in den vergangenen Jahren an Attraktivität gewonnen. Es gibt inzwischen zwei Partnerschulen in Zypern, die verstärkten Deutschunterricht anbieten und dem weltumspannenden Netzwerk der PASCH-Schulen angehören (je eine in Limassol und Nikosia). Die Sprachkurse des Goethe-Instituts erfreuen sich guter Nachfrage.

Mehr Informationen: www.pasch-net.de.

An den Schulen im türkisch besetzten Nordteil der Insel kann Deutsch als zweite oder dritte Fremdsprache gewählt werden. Das Interesse an Deutsch als Fremdsprache hat dort nach mehrjährigem Rückgang wieder leicht zugenommen. Insbesondere Privatschulen bieten dort verstärkt Deutschunterricht an.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere