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Internationale Botschafter für die deutsche Jugend

Seit Ende Februar stellen sich Sabrina Reindl (23) und Patrick Rohde (24) einer neuen Herausforderung. Als Jugendbotschafter der Vereinten Nationen haben sie die Aufgabe, die Interessen der deutschen Jugendlichen bei der VN-Generalversammlung zu vertreten. Kurz nach der Amtsübernahme berichten die beiden Studenten für diplo.de von ihren Beweggründen, sich als Jugendbotschafter zu engagieren, sowie von ihren Erwartungen und Zielen für ihr Engagement.

Was waren Ihre Beweggründe bei der Entscheidung, sich für den Posten als UN-Delegierter zu bewerben?

Sabrina Reindl: Seit vielen Jahren bin ich bereits in der Jugendarbeit aktiv, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt mir also sehr am Herzen. Im Rahmen meines Studiums beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit internationaler Politik, geopolitischen Prozessen und infolgedessen auch mit der Arbeit der Vereinten Nationen. Das Jugenddelegiertenprogramm gibt mir nun die Möglichkeit, beide Interessen zu vereinen und darüber hinaus Erfahrungen im Bereich der internationalen Jugendarbeit zu sammeln. Zudem ist das Programm eine sehr gute Möglichkeit, viele Jugendliche zu erreichen, sie für die Vereinten Nationen und (globale) Politik zu interessieren und, insbesondere, sie zu motivieren, selbst aktiv zu werden und ihr Recht auf Mitbestimmung einzufordern.

Patrick Rohde: Schon seit vielen Jahren bin ich im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP) aktiv. Da ich Teil einer Generation bin, die den Fall der deutsch-deutschen Mauer vor allem aus Geschichtsbüchern kennt, sind es insbesondere die neueren Ereignisse, wie z.B. der Kosovo-Konflikt oder 9/11 und seine Folgen, die mich politisiert haben. Für mich persönlich ist die UN daher auch ein Ort des interkulturellen Austausches und der Konfliktprävention, die Aufgabe des UN Jugenddelegierten setzt für mich insbesondere an dieser Schnittstelle an. Mir geht es darum, den Jugendlichen in Deutschland die Vorteile der Arbeit der UN vorzustellen und sie zu diskutieren, aber auch die Nachteile klar anzusprechen, um mögliche Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten.

In wenigen Tagen beginnt Ihre Deutschlandtour und somit der Dialog mit den Jugendlichen. Gibt es bestimmte Eigenschaften, die ein Jugenddelegierter Ihrer Meinung nach mitbringen sollte?

Sabrina Reindl: Jugenddelegierte sind in erster Linie die Stimme der Jugendlichen in Deutschland. Hierfür ist es zunächst wichtig, sich selbst und seine eigenen (politischen) Ideale zurückstellen zu können und zusammen mit den Jugendlichen UN-relevante Themen zu erarbeiten und zu diskutieren. Hierfür zählen optimalerweise ausreichend Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen, pädagogische Grundkenntnisse und Einfühlungsvermögen zu den Grundvoraussetzungen eines Jugenddelegierten. Ein Jugenddelegierter sollte über methodische Kenntnisse verfügen, wie man den Jugendlichen Wissen vermittelt, welche Formate hierfür geeignet sind und wie man Jugendliche für etwas interessieren kann. In erster Linie aber muss ein Jugenddelegierter zuhören können, die Jugendlichen ernst nehmen und sie motivieren, sich selbst aktiv daran zu beteiligen, ihr Leben zu gestalten. Man muss zudem ein gewisses Maß an Idealismus mitbringen, um die Arbeit in New York, die sicher mühsam sein kann, motiviert anzugehen.

Patrick Rohde: Sie oder er sollte team- und kritikfähig sein, Spaß daran haben, neue Leute kennenzulernen und vor allem mit Jugendlichen zu arbeiten. Kenntnisse über die Arbeit der UN und über Jugendarbeit sind natürlich auch kein Nachteil.

Wie sieht Ihr persönliches Rollenverständnis aus, das Sie bislang für Ihre neue Tätigkeit als Jugenddelegierter entwickeln konnten?

Sabrina Reindl: Ich sehe mich in erster Linie als Vertreter der Jugendlichen in Deutschland. Hierbei finde ich es wichtig - in Bezug auf das Konzept der Inklusion - möglichst eine große Bandbreite an Jugendlichen anzusprechen. Es ist wichtig, ständig im Hinterkopf zu haben, dass man nicht seine eigenen Interessen in der UN vertritt, sondern die von den 50% der Weltbevölkerung, die Jugendliche ausmachen.

Patrick Rohde: Mein persönliches Anliegen ist es vor allem, keine starke Position als Jugenddelegierter zu entwickeln. Natürlich haben auch wir uns Ziele und Erwartungen gesteckt, allerdings kommt es mir darauf an, dass wir unserer Legitimation als Sprachrohr der Jugendlichen in Deutschland gerecht werden. Das heißt zunächst einmal, dass wir während unserer Deutschland-Tour ein breites Spektrum an Jugendlichen aus allen Milieus besuchen wollen. Es ist unserer Aufgabe, ihre Ideen, Bedürfnisse und Wünsche in die Generalversammlung nach New York zu tragen und uns dafür einzusetzen.

Haben Sie bereits eine vage Vorstellung davon, welches Thema Sie als Botschafter der Jugendlichen in Deutschland bei der UN-Generalversammlung besonders in den Vordergrund rücken wollen? Ihre Vorgänger Heidrun Fritze und Andreas Deutinger haben betont, dass deutsche Jugendliche vor allem den Wunsch nach Partizipation geäußert haben, ebenso wie die Themen Migration, interkulturelles Verständnis und Nachhaltigkeit.

Sabrina Reindl: Grundsätzlich richten wir uns mit unseren Themenvorschlagen einerseits nach den Resolutionen, die dieses Jahr vermutlich verabschiedet werden, wie beispielsweise die Kinderrechtsresolution oder auch die Resolution für Menschen mit Behinderungen. Andererseits berücksichtigen wir Themen, die derzeit aktuell sind und zu denen die Jugendlichen Bezug haben wie beispielsweise Migration und Integration oder auch Klimawandel und Nachhaltigkeit (Rio+20). Jugendpartizipation wird zudem eines unserer Schwerpunktthemen bleiben. Unabhängig davon wollen wir den Jugendlichen aber auch die Möglichkeit geben, uns Themen vorzuschlagen, da sie ja die Hauptakteure sind.

Patrick Rohde: Für Heidi und Andreas bekam das Thema Flüchtlinge durch die Arabische Revolution einen völlig neuen Schwerpunkt und auch wir müssen schauen, welche Themen 2012 interessant für die Lebenswelten der Jugendlichen in Deutschland sein werden. Die Ergebnisse von Rio+20 werden für unsere ehrenamtliche Arbeit sicherlich relevant werden. Ebenso im Blick haben wir Chancengerechtigkeit und Jugendarbeitslosigkeit als Themenvorschläge für unsere Deutschland-Tour.


Stand 08.03.2012