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Bolivien

Wirtschaft

Stand: Oktober 2013

Wirtschaftliche Gesamtlage

Bolivien ist noch ein klassisches Entwicklungsland, könnte allerdings in absehbarer Zeit statistisch in die Gruppe der „middle income countries“ aufsteigen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg in den letzten Jahren deutlich an, erreichte 2012 27,4 Mrd. USD (2011: 24,6 Mrd. USD), BIP-Wachstum 2012 real um etwa 5,2% (für 2013 werden 5,5 Prozent vorausgesagt). Das rechnerische Pro-Kopf-Einkommen stieg 2012 auf 2.470 USD.. Allerdings gibt es auch deutliche Risiken, z.B. aufgrund möglicher sinkender Rohstoffpreise. Boliviens Wirtschaft bleibt abhängig von Rohstoffexporten, insbesondere Erdgas, Metallen, Mineralien und Exporten landwirtschaftlicher Produkte wie Soja, Holz, Nüssen und Zucker sowie deren jeweiligen Preisentwicklungen.

Unzureichende in- und ausländische Direktinvestitionen in innovative Wirtschaftsbereiche machen sich zunehmend negativ bemerkbar. Einzelne Firmen sind in Nachbarländer (Textilverarbeitung besonders nach Peru) ausgewichen. Während die inländische Produktion weitgehend stagniert, ist die staatliche Nachfrage weiter gestiegen. Die Inflationsrate sank 2012 auf etwa 4,5% (2011: 6,9%). Für 2013 wird ein leichter Anstieg auf etwa 4,8 Prozent erwartet.

Die Wirtschaftspolitik der Regierung Morales verfolgt das Ziel einer Stärkung der Rolle des Staates. So wurde die staatliche Energiefirma Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos (YPFB) zur zentralen Institution bei der Ausbeutung und beim Vertrieb der bolivianischen Energieressourcen ausgebaut. Die Firma ist der wichtigste Steuerzahler des Landes.

Auch andere wirtschaftliche Schlüsselbereiche (z.B. Elektrizitätswirtschaft, Telekommunikation) wurden verstaatlicht bzw. sollen stärker durch den Staat kontrolliert werden. Eine Reihe weiterer Nationalisierungen, darunter eine große Zementfabrik in Sucre, und ein Bergwerk wurden eingeleitet. Zuletzt wurden im Mai 2012, im Dezember 2012 und im Februar 2013 verschiedene spanische Investitionen verstaatlicht (Energieunternehmen, Flughafenbetreiber) sowie im Juni 2013 ein Bergwerk.

Die Regierung subventioniert Mineralölprodukte und Grundnahrungsmittel. Dies hat zur Folge, dass das Preisgefälle zu Nachbarländern durch Schmuggel genutzt wird (Benzin, Gasflaschen, Zucker etc.).

Handel

Die Exporte Boliviens sind 2012 um 31 Prozent (auf 11,8 Mrd. USD) gestiegen, die Importe um 8 Prozent (auf 8,2 Mrd. USD). Der Handelsbilanzüberschuss betrug demnach 2012 3,54 Mrd. USD.. Wichtigste Handelspartner sind Brasilien, Argentinien, China, die USA, Japan und Venezuela. Die Hauptausfuhrgüter sind Erdgas (48,8% in 2012), Bergbauerzeugnisse (17,6% in 2012) und Agrarprodukte. Eingeführt werden vor allem Maschinen, Chemikalien, pharmazeutische Erzeugnisse, Fahrzeuge, Treibstoffe und Lebensmittel. Vor allem im Vergleich zu regionalen Konkurrenten (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru) wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes durch negative Faktoren, wie die Abhängigkeit von Vorproduktimporten, hohe Transportkosten, Infrastrukturengpässe, einen stark regulierten Arbeitsmarkt, einen fixierten Wechselkurs zum USD, eine wenig leistungsfähige Verwaltung, Korruption, Rechtsunsicherheit und eine schwache industrielle Basis beeinträchtigt.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Ansprechpartner in Auslandsvertretungen

Entwicklungs­zusammenarbeit

Bolivien ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung