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Bolivien

Wirtschaft

Stand: März 2016

Wirtschaftliche Gesamtlage

Bolivien ist noch ein klassisches Entwicklungsland, könnte allerdings künftig statistisch in die Gruppe der "middle income countries" aufsteigen. Bolivien gehörte in den letzten Jahren zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften Südamerikas. Regierungsangaben zufolge wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 um 4,8% und erreichte 35,8 Milliarden US-Dollar (2014: 34,18 Milliarden US-Dollar). Das rechnerische Pro-Kopf-Einkommen stieg 2015 auf 3.250 US-Dollar (2014: 3.030 US-Dollar). Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang des Wirtschaftswachstums um circa 0,7%, was vor allem auf sinkende globale Rohstoffpreise zurückzuführen ist. Boliviens Wirtschaft bleibt abhängig von Rohstoffexporten, insbesondere Erdgas, Metallen, Mineralien und Exporten landwirtschaftlicher Produkte wie Soja, Holz, Nüssen und Zucker sowie deren jeweiligen Preisentwicklungen. Eine Diversifizierungsstrategie in Richtung industrieller Produktion unter anderem im Lithiumbereich und in der Energieerzeugung wird von der Regierung vorangetrieben, die Infrastruktur ausgebaut. Tragende Säule dieser Entwicklung soll ein umfangreiches öffentliches Investitionsprogramm (Plan quinquenal de desarrollo) der Regierung sein. Internationale Beobachter gehen für die kommenden Jahre von BIP-Wachstumsraten von um die 4% aus.

Unzureichende in- und ausländische Direktinvestitionen in innovative Wirtschaftsbereiche machen sich zunehmend negativ bemerkbar. Ein Mangel an Investitionsschutz und staatlichen Anreizen führt dazu, dass derzeit zu wenig ausländische Firmen und Technologieträger ein Engagement in Bolivien in Betracht ziehen. Einzelne Firmen sind in Nachbarländer (Textilverarbeitung besonders nach Peru) abgewandert. Einheimische Produzenten sehen sich durch die im regionalen Vergleich als überbewertet geltende Währung verstärkt der Konkurrenz mit billigeren Importprodukten aus der Region konfrontiert. Die Inflationsrate betrug 2015 nach offiziellen Angaben 3 % (2014 etwa 5,2%).


Wirtschaftspolitik


Die Wirtschaftspolitik der Regierung Morales verfolgt das Ziel einer Stärkung der Rolle des Staates. So wurde die staatliche Energiefirma Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos (YPFB) zur zentralen Institution bei der Ausbeutung und beim Vertrieb der bolivianischen Energieressourcen ausgebaut. Die Firma ist der wichtigste Steuerzahler des Landes.

Auch andere wirtschaftliche Schlüsselbereiche (zum Beispiel Elektrizitätswirtschaft, Telekommunikation) wurden verstaatlicht bzw. sollen stärker durch den Staat kontrolliert werden. Zuletzt wurden 2012 und 2013 verschiedene europäische Investitionen verstaatlicht (Energieunternehmen, Flughafenbetreiber, Bergwerk). Mit der gegenwärtigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sendet die Regierung allerdings vermehrt Signale, dass sie eine Stärkung des Privatsektors in bestimmten Bereichen wünscht und bereit ist, hierfür auch auf ausländische Expertise und Finanzierung zu setzen. Im Januar 2016 konnte eine Unternehmerdelegation unter Leitung von Staatssekretär Bomba, Bundesverkehrsministerium, neue Impulse für die deutsche Wirtschaft setzen.


Handel

2015 verzeichnete Bolivien eine negative Handelsbilanz. Die Exporte sanken im letzten Jahr um circa 32% von 13 Milliarden US-Dollar 2014 auf 9 Milliarden US-Dollar. Die Importe gingen um 8,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück auf circa 9,6 Milliarden US-Dollar. Maßgeblicher Auslöser dieser Entwicklung ist der Rückgang der Rohstoffpreise, insbesondere für Erdgas.

Wichtigste Handelspartner sind Brasilien, Argentinien, China und die USA. Die Hauptausfuhrgüter sind Erdgas und Erdöl (50,6% in 2014), Bergbauerzeugnisse (15,6% in 2014) und Agrarprodukte (16% in 2014). Eingeführt werden vor allem Maschinen, Chemikalien, pharmazeutische Erzeugnisse, Fahrzeuge, Treibstoffe und Lebensmittel. Vor allem im Vergleich zu regionalen Konkurrenten (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru) wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes durch negative Faktoren, wie die Abhängigkeit von Vorproduktimporten, hohe Transportkosten, Infrastrukturengpässe, einen stark regulierten Arbeitsmarkt, einen fixierten Wechselkurs zum USD, eine wenig leistungsfähige Verwaltung, Korruption, Rechtsunsicherheit und eine schwache industrielle Basis beeinträchtigt.


Entwicklungs­zusammenarbeit

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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