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Bolivien

Wirtschaft

Stand: Oktober 2015

Wirtschaftliche Gesamtlage

Bolivien ist noch ein klassisches Entwicklungsland, könnte allerdings künftig statistisch in die Gruppe der „middle income countries“ aufsteigen. Bolivien gehörte in den letzten Jahren zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften Südamerikas. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg in den letzten Jahren deutlich an und erreichte 2014 31,1 Mrd. USD (2013: 28,76 Mrd. USD). Das rechnerische Pro-Kopf-Einkommen stieg 2014 auf 3.030 USD (2013: 2.750 USD). Während das BIP-Wachstum 2014 real noch um etwa 5,2% anstieg, wird für 2015 ein deutlicher Rückgang der Wachstumsrate auf 4,3% bis 4,8% erwartet. Dies ist vor allem auf sinkende globale Rohstoffpreise zurückzuführen. Boliviens Wirtschaft bleibt abhängig von Rohstoffexporten, insbesondere Erdgas, Metallen, Mineralien und Exporten landwirtschaftlicher Produkte wie Soja, Holz, Nüssen und Zucker sowie deren jeweiligen Preisentwicklungen.

Unzureichende in- und ausländische Direktinvestitionen in innovative Wirtschaftsbereiche machen sich zunehmend negativ bemerkbar. Ein Mangel an Investitionsschutz und staatlichen Anreizen führt dazu, , dass derzeit kaum ausländische Firmen und Technologieträger ein Engagement in Bolivien in Betracht ziehen. Einzelne Firmen sind in Nachbarländer (Textilverarbeitung besonders nach Peru) abgewandert. Während die inländische Produktion weitgehend stagniert, ist die staatliche Nachfrage weiter gestiegen. Die Inflationsrate betrug 2014 5, 5% (2013 etwa 4,8%).


Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik der Regierung Morales verfolgt das Ziel einer Stärkung der Rolle des Staates. So wurde die staatliche Energiefirma Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos (YPFB) zur zentralen Institution bei der Ausbeutung und beim Vertrieb der bolivianischen Energieressourcen ausgebaut. Die Firma ist der wichtigste Steuerzahler des Landes.

Auch andere wirtschaftliche Schlüsselbereiche (z.B. Elektrizitätswirtschaft, Telekommunikation) wurden verstaatlicht bzw. sollen stärker durch den Staat kontrolliert werden. Zuletzt wurden 2012 und 2013 verschiedene europäische Investitionen verstaatlicht (Energieunternehmen, Flughafenbetreiber, Bergwerk). Mit der gegenwärtigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sendet die Regierung allerdings vermehrt Signale, dass sie eine Stärkung des Privatsektors in bestimmten, nicht-strategischen Bereichen wünscht.

Die Regierung subventioniert Mineralölprodukte und Grundnahrungsmittel. Dies hat zur Folge, dass das Preisgefälle zu Nachbarländern durch Schmuggel genutzt wird (Benzin, Gasflaschen, Zucker etc.). Diese Tendenz hat sich in den letzten Monaten aufgrund der starken Währungsabwertungen in den Nachbarländern deutlich verstärkt.


Handel

2014 verzeichneten die Exporte erneut einen Zuwachs auf 12,9 Mrd. USD (2013: 12,04 Mrd. USD). Die Importe stiegen 2014 auf etwa 10,5 Mrd. USD (2013: 9,3 Mrd. USD). Aufgrund des Rückgangs der Rohstoffpreise wird für 2015 mit einer deutlichen Verschlechterung der Handelsbilanz gerechnet. Wichtigste Handelspartner sind Brasilien, Argentinien, Chinaund die USA. Die Hauptausfuhrgüter sind Erdgas und Erdöl (50,6% in 2014), Bergbauerzeugnisse (15,6% in 2014) und Agrarprodukte (16% in 2014). Eingeführt werden vor allem Maschinen, Chemikalien, pharmazeutische Erzeugnisse, Fahrzeuge, Treibstoffe und Lebensmittel. Vor allem im Vergleich zu regionalen Konkurrenten (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru) wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes durch negative Faktoren, wie die Abhängigkeit von Vorproduktimporten, hohe Transportkosten, Infrastrukturengpässe, einen stark regulierten Arbeitsmarkt, einen fixierten Wechselkurs zum USD, eine wenig leistungsfähige Verwaltung, Korruption, Rechtsunsicherheit und eine schwache industrielle Basis beeinträchtigt.


Entwicklungs­zusammenarbeit

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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