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Diplomaten-Ausbildung: Was macht eigentlich ein "NEPT" im EAD?

Eine Postenvorbereitung der besonderen Art ist ein Aufenthalt als “NEPT” in Brüssel. Jedes Jahr darf ein(e) Attaché(e) drei Monate lang an diesem EU-Programm für “National Experts in Professional Training” teilnehmen. Als neuer Arbeitsplatz wartet auf die Nachwuchsdiplomaten dann meist der Europäische Auswärtige Dienst (EAD).

Willkommen in der Welt der Abk.

Wer Gefahr läuft, sich allzu schnell im Geflecht der Brüsseler Institutionen zurecht zu finden, dem sei eine aufmerksame Lektüre von EU-Dokumenten aller Art empfohlen. Nur ein Beispiel: Die “COREUs”, die ich jeden Morgen im EAD/EEAS-Büro lese, sortiere, und für die Politische Direktorin Helga Schmid bunt anstreiche, sind rosafarbene DINA4-Blätter. Klassifiziert als RESTREINT UE natürlich, denn sie beinhalten den internen Informations- und Meinungsaustausch zwischen den Außenministerien der EU. Die Texte sind auf Englisch oder Französisch verfasst, da sollte man als Deutsche am Besten vorher wissen, dass FAC dasselbe wie RfAB ist, CFSP identisch mit GASP, COREPER gleich AStV (aber bitte zwischen 1 und 2 unterscheiden!) usw., usw. ... “COREU” ist übrigens abgekürzt aus dem Französischen: “Correspondence Européenne”. Willkommen in BXL. (Gasp!)

Der EAD, das unbekannte Wesen

EAD Gebäude - Baustelle spiegelt sich in Fassade

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© AA

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EAD Gebäude - Baustelle spiegelt sich in Fassade

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Noch spannender als die vielen Abkürzungen im EU-Jargon ist natürlich die Frage: Wie funktioniert eigentlich der EAD unter seiner Chefin Cathy Ashton? Dank dem Vertrag von Lissabon gibt es nun – offiziell seit Januar 2011 – den Europäischen Auswärtigen Dienst. Dieser hat einen Großteil der Aufgaben der rotierenden EU-Ratspräsidentschaft im Bereich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik übernommen, und er soll der EU-Außenpolitik Kontinuität und Schlagkraft geben. Rund 3600 Mitarbeiter hat der EAD heute, die entweder direkt aus Rat oder Kommission versetzt wurden, oder aber aus den EU-Mitgliedstaaten entsandt wurden. Eine solche Entsandte bin jetzt auch ich – wenn auch nur für gut drei Monate. An meinem neuen Arbeitsplatz in der Abteilung für Politische Koordinierung habe ich reichlich Gelegenheit, mehr über die Abläufe im EAD zu lernen und praktisch mitzuarbeiten.

Zum Beispiel weiß ich nun, wie eine Erklärung der Hohen Vertreterin zustande kommt – von der Textarbeit im Fachreferat bis zur Freigabe und Veröffentlichung.

Ich laufe bei den Vorbereitungen für den Außenrat (s.o., FAC) mit und darf am 14. Mai auch im "Listening Room" den nebenan tagenden Außenministern lauschen. Nebenbei helfe ich bei der Redaktion des Jahresberichts über die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, redigiere Leitfäden oder hospitiere im Presseteam. Ins Büro der Hohen Vertreterin trage ich außerdem regelmäßig dicke Ordner, in denen ich für sie die Wochenberichte aus den EU-Delegationen zusammenfasse. Cathy Ashton selbst bekomme ich allerdings kein einziges Mal persönlich zu Gesicht. Dafür entpuppt sich der Geschäftsführende Generalsekretär Pierre Vimont als ausgesprochen höflicher und freundlicher Aufzugbegleiter.

Ein buntes Team

Ein buntes Team

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Ein buntes Team

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Ohnehin sind die Mitarbeiter des EAD - zumindest diejenigen, die ich kennengelernt habe - trotz reichlich Arbeit gut gelaunt und hilfsbereit. Mein Team in der Abteilung für Politische Koordinierung ist sehr zentral im Organigramm angesiedelt, an der Schnittstelle zwischen Leitungsebene und Direktionen, und zudem ein hervorragendes Beispiel für funktionierende europäische Zusammenarbeit: Unter Anderem aus Großbritannien, Belgien, Irland, Polen, Ungarn, Schweden, Bulgarien, Tschechien, der Slowakei, Deutschland, Frankreich, Polen und Österreich kommen die Kolleginnen und Kollegen auf meinem Flur. Die Arbeitssprache ist vorwiegend Englisch, mein Französisch muss ich in der Mittagspause aufbessern.

So wie in diesem Team stelle ich mir auch die Zukunft des EAD vor, in der sich die Mitarbeiter aus Rat, Kommission und Nationalstaaten trotz unterschiedlicher Herkunft als Teil eines Ganzen, eines funktionierenden EAD fühlen. Bald werden zumindest alle unter einem Dach arbeiten. Der Umzug ins neue “Capital”-Gebäude im Herzen des Europaviertels steht kurz vor dem Abschluss. Dann werden die Dienstwege kürzer, die Kontakte enger, und vielleicht spiegelt sich dann auch keine Baustelle mehr (symbolisch) in der Fassade.

Ein ganz herzlicher Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU, die mir auf vielfältige Weise geholfen haben, die Arbeitsabläufe in Brüssel noch besser zu verstehen und mich gleichzeitig auf meinen ersten Posten in der Europaabteilung in Berlin vorzubereiten.


Stand 13.06.2012