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Hongkong

Kultur- und Bildungswesen, Medien

Stand: Oktober 2014

Bildungswesen

Das Erziehungssystem Hongkongs folgt weitgehend dem britischen Vorbild. Die Schulpflicht umfasst zwölf Jahre (6. bis 18. Lebensjahr), die meisten Kinder besuchen ab dem Alter von drei Jahren eine Vorschule (Kindergarten). Der Pflichtunterricht ist in staatlichen Schulen gebührenfrei.

Nach zwölf Schuljahren (Primärstufe sechs Jahre und Sekundarstufe sechs Jahre) kann die Hochschulqualifikation (Hong Kong Diploma of Secondary Education – HKDSE) erreicht werden. Das HKDSE wird in Deutschland nach Maßgaben der 2014 vereinfachten Bewertungsvorschläge der Kultusministerkonferenz der Länder anerkannt. Mit dem Studienjahr 2012/2013 ist das Bachelor-Studium um ein Jahr auf vier Jahre verlängert worden.

Es gibt 50 internationale Schulen mit ca. 39.700 Plätzen, darunter die 1969 gegründete renommierte Deutsch-Schweizerische Internationale Schule. Seit Einführung der Muttersprachenpolitik drängten zunehmend chinesischsprachige Schüler in die englischsprachigen Schulen/Zweige der internationalen Schulen. Insgesamt ist trotz hoher Schulgebühren eine steigende Nachfrage nach Plätzen in den internationalen Schulen Hongkongs zu verzeichnen, die zu Kapazitätsengpässen führt.

In Hongkong gibt es acht öffentliche Hochschulen, acht weitere sich selbst finanzierende Institutionen der Höheren Bildung sowie die (staatl. finanzierte) Hong Kong Academy for Performing Arts. Im internationalen Ranking erreichen die Hongkonger Universitäten regelmäßig beachtliche Platzierungen, auch wenn es zuletzt zur Herabstufung einiger Universitäten im internationalen Vergleich kam. Unter den weltweit 200 besten Universitäten sind drei aus Hongkong:

1) The Universityof Hong Kong– HKU (THE Ranking 43)
2) Hong KongUniversityof Science and Technology – HKUST (THE Ranking 57)
3) ChineseUniversityof Hong Kong– CUHK (THE Ranking 109)
(Quelle: Times Higher Education (THE), WorldUniversityRankings 2013/14).

Die HKU wurde trotz schlechterer Bewertung als in den Vorjahren damit nach der University of Tokyo und der National University of Singapore erneut als drittbeste Universität Asiens eingestuft.

Rund 84.800 Vollzeit-Studenten sowie ca. 3.800 Teilzeit-Studenten besuchten im Studienjahr 2013/2014 die acht mit öffentlichen Mitteln geförderten Hochschulen. Den jährlich ca. 70.000 Schulabgängern stehen ca. 15.000 Studienplätze an den acht staatlich geförderten Hochschulen gegenüber.

Seit dem Souveränitätswechsel im Jahr 1997 orientierten sich die Hochschulen stärker an Festlandchina mit verstärktem Austausch von Studenten und Professoren, aber auch die Kooperation und der akademische Austausch mit Kontinentaleuropa werden gesucht und gefördert.

Der Hongkonger Bildungssektor steht seit Beginn des akademischen Jahres 2010/2011 vor umfangreichen Reformen. Es ist das erklärte Ziel der Regierung, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Hongkong auch im Bildungssektor zu stärken, langfristig zu sichern und hier einen „Regional Education Hub“ für Ostasien zu etablieren. Damit tritt Hongkong in direkte Konkurrenz zu Singapur und Australien. Die Regierung setzt für den Bildungsbereich erhebliche öffentliche Mittel ein. Im Haushaltsjahr 2014/2015 sind Ausgaben von umgerechnet über 6 Mrd. Euro geplant, was einen Anteil von ca. 22 % der laufenden Regierungsausgaben ausmacht.

Die Bemühungen um engere Vernetzung auch außerhalb des anglophonen Raums sowie um Internationalisierung des Lehr- und Forschungsbetriebs sollen deutlich intensiviert werden. Auch mit dieser Zielsetzung fand im Juli 2011 eine internationale Konferenz mit hochrangiger Beteiligung aus elf Partnerstaaten, darunter Deutschland, statt. Im Oktober 2012 unternahm die Leitung der angesehenen HKUST eine Deutschlandtour, um Möglichkeiten für die Intensivierung des akademischen Austauschs mit deutschen Hochschulen für Studenten und Dozenten zu sondieren. Mittlerweile bestehen über 100 Kooperationsabkommen zwischen Hongkonger Universitäten und Hochschulen in Deutschland.

Kulturelle Veranstaltungen

Kulturelle Großveranstaltungen (Hong Kong Arts Festival, Festival of Asian Arts, Hong Kong Film Festival, World Cultures Festival, Hong Kong International Literary Festival, Hong Kong Book Fair u. v. a.) und die Verpflichtung international renommierter Künstler und Orchester, darunter auch aus Deutschland, sollen den eigenen Anspruch, "Asiens Weltstadt" zu sein, unterstreichen. Der Hongkonger Kulturbetrieb ist durch einen überdurchschnittlichen Finanzrahmen aus öffentlichem Budget und hohen Sponsoreneinnahmen abgesichert.

Mit der phasenweisen Verwirklichung des Großvorhabens “West Kowloon Cultural District“, einem Komplex von Gebäuden und Freiarealen für Kulturveranstaltungen und –projekte aller Art in prominenter Lage (Theater, Oper, Auditorien, Konzertsäle und –bühnen, Ausstellungshallen und -flächen, diversen Räumlichkeiten für Kunstschaffende) wird Hongkong mittelfristig über eine in der Region einmalige Infrastruktur für Kunst und Kultur verfügen. Das Vorhaben tritt nach Abschluss der  Planungs- langsam in die Umsetzungsphase; 2013 wurde mit ersten Baumaßnahmen begonnen.

Im Bereich des Sports gibt es einige herausragende jährlich stattfindende Veranstaltungen wie z. B. die "Hong Kong Tennis Classics" und das Rugby-Turnier "Hong Kong Sevens" sowie Spiele des Volleyball World Cup, letztere 2011 auch unter Beteiligung der deutschen Damen-Nationalmannschaft. Die traditionsreichen Hongkonger Pferderennen sind Publikumsliebling Nr. 1. Beliebt sind ferner der „Hong Kong Marathon“ und die internationalen Drachenboot-Wettbewerbe, an denen auch deutsche Teams mit Erfolg teilnehmen.

Christliche Kirchen, soziale Einrichtungen

In Hongkong gibt es ca. 860.000 Angehörige christlicher Gemeinden. Der "Hong Kong Christian Council" vereint die einzelnen christlichen Kirchengruppen und hält Verbindung zu anderen Religionsgruppen. Er pflegt Beziehungen zu kirchennahen NGOs und der protestantischen Kirche Festlandchinas.

Die "Ebenezer School and Home for the Visually Impaired" wurde 1897 von der Hildesheimer Blindenmission gegründet und ist eine gemeinnützige Einrichtung mit teilweise öffentlicher Finanzierung und Zuschüssen aus privaten Spenden.

Eine evangelische und eine katholische deutsche Kirchengemeinde kümmern sich um die seelsorgerische Betreuung der deutschen Kolonie und arbeiten mit Hongkonger Einrichtungen im sozialen und schulischen Bereich zusammen. Des Weiteren betreut eine deutsche Seemannsmission die Besatzungen deutscher Handelsschiffe im Hongkonger Hafen.

Medienlandschaft

Hongkong hat eine der höchsten Zeitungsleserdichten Asiens. Hier ist zugleich das weltgrößte Zentrum für chinesischsprachige Publikationen. Die Hongkonger Bevölkerung ist durch eine lebhafte Medienlandschaft sehr gut informiert. Neben den Print- und Online-Medien stehen diverse Radio- sowie über 700 örtliche und regionale Fernsehprogramme zur Verfügung.

Die Medienlandschaft ist vielfältig; in Hongkong erscheinen ca. 700 Publikationen, darunter 55 Zeitungen. Englischsprachige Tageszeitungen sind South China Morning Post (Auflage: durchschnittlich 94.000) und The Standard (ca. 222.000). Wichtigste chinesischsprachige Zeitungen sind Oriental Daily (ca. 500.000), Apple Daily (ca. 318.000), Wen Wei Po (ca. 100.000), Sing Tao (ca. 350.000), Ming Pao (ca. 120.000), Hong Kong Economic Journal (ca. 62.000), Hong Kong Economic Times (ca. 86.000). In Hongkong gibt es ferner fünf japanischsprachige Tageszeitungen. Die deutschsprachige Gemeinde gibt seit 2011 das kostenlose Monatsmagazin “inhk“ heraus.

Es gibt die zwei privaten TV-Stationen TVB und ATV, den öffentlichen Sender "Radio Television Hong Kong" (RTHK) sowie die Kabelsender “Cable TV“ und "nowTV" sowie über zehn Satellitensender. Ferner gibt es fünf Radiostationen (neben RTHK vier kommerzielle Anbieter), die insgesamt auf 13 analogen und 16 digitalen Frequenzen senden. Hongkongs Mobilfunkmarkt ist weit entwickelt: Fünf Anbieter bieten 2G, 3G und 4G Dienste an. Die Mobilfunk-Versorgung der Bevölkerung ist mit 238 % eine der höchsten der Welt. Auch die Versorgung im Festnetzbereich (103 Anschlüsse pro 100 Haushalte) ist überdurchschnittlich. Die Internetversorgung mit Breitbandtechnik erreicht 85 % aller Haushalte, womit Hongkong international ebenfalls zu den Spitzenreitern gehört. Es stehen über 20.000 öffentliche “Wi-Fi Hotspots“ zur Verfügung.

Hongkong als internationaler Medienstandort

Rund 100 internationale Medienorganisationen unterhalten Büros in Hongkong. Hier werden die Regionalausgaben internationaler Zeitungen gedruckt, darunter “The Financial Times“, “The Wall Street Journal Asia“, “USA Today International“ und “The Nikkei“. Ein Schweizer Wirtschaftskorrespondent berichtet für deutschsprachige Medien (u. a. Börsenzeitung Frankfurt) aus Hongkong. Ferner sind ein GTaI-Korrespondent und einige wenige deutschsprachige Journalisten (“Freelancer“) vor Ort. Channel News Asia, CNBC, CNN und PhoenixTV unterhalten Studios in Hongkong.

In Hongkong herrscht Presse- und Meinungsfreiheit, die in Art. 27 des Hongkonger Grundgesetzes festgeschrieben ist. Es gibt in Hongkong keine staatliche Zensur. Ein Teil der Medien vermeidet gleichwohl allzu offene Kritik an der Hongkonger Regierung und der Zentralregierung in Peking. Diese in den letzten Jahren zunehmende “Selbstzensur“ sowie eine unterstellte indirekte Einflussnahme Festlandchinas auf die Medien führen zu anhaltenden Diskussionen in Hongkongs Öffentlichkeit über die Wichtigkeit der Bewahrung von Presse- und Medienfreiheit in der Sonderverwaltungsregion. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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