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9. November 1989 – Die Nachricht vom Mauerfall geht um die Welt

In Deutschland kennt fast jeder die wichtigen Stationen, die zum Fall der innerdeutschen Grenze führten - aber auch die Reaktionen aus dem Ausland auf den Mauerfall und die ihm vorausgehenden Ereignisse waren enorm. Unser "Dokument des Monats" widmet sich daher dem Widerhall aus den USA.

Es waren bedeutsame Wochen und Monate, die dem Mauerfall vorausgingen - dann überschlugen sich die Ereignisse: Am Nachmittag des 9. November beschloss das Zentralkomitee eine Verordnung zu "Fragen der Ausreise". In erster Linie war sie auf die Neuregelung der "ständigen" Ausreisen gerichtet, zielte also auf diejenigen, die die DDR dauerhaft verlassen wollten, vor allem über die damalige Tschechoslowakei. Um dem Druck ein Ventil zu geben, sollten aber auch "Privatreisen nach dem Ausland" – also mit der Perspektive der Rückkehr in die DDR – möglich werden. Dies natürlich nicht ohne entsprechenden Antrag und unter Anwendung von Versagungsgründen in Ausnahmefällen. Günter Schabowski, seit kurzem zuständig für Medienkontakte, fiel die Aufgabe zu, dieses Ergebnis im Rahmen einer direkt übertragenen Pressekonferenz der Öffentlichkeit mitzuteilen. Auf die Nachfrage eines Journalisten nach dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Verordnung befragt, antwortete er zögerlich mit "sofort, unverzüglich" – eine Bemerkung, die im Laufe des Abends einen wahren Ansturm auf die Übergänge an der Berliner Mauer zur Folge hatte. Spät am Abend wussten sich die Grenztruppen dort nicht anders zu helfen und ließen die Massen, angefangen beim Übergang Bornholmer Straße, schließlich passieren. Die Mauer war gefallen.

Enormer Widerhall im Ausland: US-Reaktionen

Der Drahtbericht der deutschen Botschaft in Washington

Der Drahtbericht der deutschen Botschaft in Washington
© AA

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Der Drahtbericht der deutschen Botschaft in Washington

Der Drahtbericht der deutschen Botschaft in Washington

Der Drahtbericht der deutschen Botschaft in Washington

Der Widerhall des Ereignisses war auch im Ausland enorm. Schon am nächsten Tag berichtete die bundesdeutsche Botschaft in Washington, dass zum einen die amerikanischen Medien ausführlich darüber berichteten, zum anderen bereits offizielle Äußerungen des Präsidenten dazu vorlagen. George Bush gab auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in seinem Arbeitszimmer im Weißen Haus in Gegenwart von Außenminister James Baker seiner positiven Haltung, ja seiner Freude über den Verlauf der Dinge Ausdruck. Ein "einiges und freies Europa" sei immer schon sein Ziel gewesen. Auch der Senat hieß kurz darauf in einer Resolution vom 13. November die Öffnung der Berliner Mauer willkommen und forderte die Regierung der DDR auf, die Reisefreiheit dauerhaft zu verankern. Der Bericht der Botschaft war mit hoher Dringlichkeit (nach amtlichem Sprachgebrauch lateinisch "citissime") telegraphisch als "Drahtbericht" übermittelt worden. Ein "Schriftbericht", also auf Papier im Kurierbeutel übersandt, wäre zu lange unterwegs gewesen. "Unterschrieben" ist er vom ständigen Vertreter des Botschafters, dem Gesandten Karl-Theodor Paschke, Verfasser war Gunter Pleuger, damals Botschaftsrat Erster Klasse an der Botschaft, in späteren Jahren Staatssekretär des Auswärtigen Amts.

Zum Weiterlesen

Drahtbericht der deutschen Botschaft Washington vom 10. November 1989 (PDF, 859 KB)


Stand 11.11.2014

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