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Der "Blankoscheck" von 1914

Nach dem tödlichen Attentat auf den österreichischen Thronfolger fasste Österreich-Ungarn eine militärische Aktion gegen Serbien ins Auge. Kaiser Wilhelm II. erklärte der Donaumonarchie daraufhin die Bündnistreue - der sogenannte "Blankoscheck".

Die sogenannte Julikrise von 1914 begann mit einem Briefwechsel: Am 5. Juli 1914 schrieb der österreichische Kaiser Franz-Joseph einen Brief an Kaiser Wilhelm II., in dem er andeutete, dass er eine militärische Aktion gegen Serbien ins Auge fasse. Grund dafür war das tödliche Attentat gegen den österreichischen Thronfolger Franz-Ferdinand in Sarajewo wenige Tage zuvor. Die Spitze der Donaumonarchie war überzeugt, dass das Nachbarland Serbien hinter dem Übergriff stehe: Dort hatten die Attentäter Instruktionen und Waffen erhalten. Eine tatsächliche Beteiligung oder Mitwisserschaft der serbischen Regierung war allerdings zu diesem Zeitpunkt unbewiesen. 

"Im Einklang mit den Bündnisverpflichtungen"

Der Zusatz "unter allen Umständen" wurde gestrichen

Der Zusatz "unter allen Umständen" wurde gestrichen
© AA

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Der Zusatz "unter allen Umständen" wurde gestrichen

Der Zusatz "unter allen Umständen" wurde gestrichen

Der Zusatz "unter allen Umständen" wurde gestrichen

Dennoch fand der österreich-ungarische Standpunkt in Berlin ungeteilte Unterstützung, und so ließ eine Antwort nicht lang auf sich warten: Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg schickte im Auftrag Kaiser Wilhelms II. am 6. Juli 1914 ein Telegramm an die deutsche Botschaft in Wien. Darin erklärte der deutsche Kaiser, "im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen." Der Zusatz "unter allen Umständen" im Entwurf des Telegramms, der im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts lagert, war zuvor vom Reichskanzler gestrichen worden.

Die Donaumonarchie war seit 1879 im sogenannten "Zweibund" mit Deutschland verbündet; in den Jahren zuvor hatte sie sich zunehmend zum wichtigsten und nahezu einzigen Partner Deutschlands entwickelt. Dennoch war sich die Spitze des Deutschen Reichs des Risikos bewusst, das mit dem sogenannten Blankoscheck einherging. Die geopolitische Lage war angespannt: In Südosteuropa trafen sich die Einflussgebiete Österreich-Ungarns und Russlands; Serbien hatte sich in den Jahren zuvor immer stärker dem Zarenreich angenähert. Die Verantwortlichen in Wien und Berlin hofften möglicherweise dennoch, den Konflikt lokalisieren zu können - erfolglos, wie sich in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen sollte. Der "Blankoscheck" sollte sich im Rückblick als wichtiger Meilenstein auf dem Weg in den Ersten Weltkrieg erweisen.

Weitere Informationen

Telegramm von Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Bethmann Hollweg an die deutsche Botschaft in Wien ("Blankoscheck") (PDF, 2 MB)

Das Attentat von Sarajewo

Julikrise 1914 - Schlafwandelnde Diplomaten?


Stand 21.03.2014

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