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China: Deutsche Spuren im Reich der Mitte
Die Christus-Kirche, ursprünglich als „Neue Kirche“ bezeichnet, wurde vom Evangelischen Kirchenausschuss Berlin 1908–1910 erbaut und am 23. Oktober 1910 geweiht. Nach Ausrufung der Volksrepublik China durch Mao Zedong fand am 1. Advent, dem 27. November 1949, der vorerst letzte Gottesdienst in der Christus-Kirche statt.
Mit der Reform und Öffnung Chinas ist Religionsausübung unter staatlicher Kontrolle wieder möglich. Seit 1980 wird in der Christus- Kirche wieder der sonntägliche Gottesdienst von heute etwa 1200 Gemeindemitgliedern gefeiert. Es finden wieder Taufen, Konfirmationen und Trauungen statt. Dazu gruppieren sich musikalische Aktivitäten vom Kirchenchor bis hin zum Rap.
Nachdem der Freistaat Bayern im Rahmen der Provinzpartnerschaft mit Shandong sich bereits Verdienste um den Erhalt deutschen Kulturerbes in Qingdao erworben hatte, konnte nun die „Stiftung zum Erhalt von Gebäuden deutscher Bauart in China“ mit einer Zuwendung aus dem Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts und deutschen Experten die Kupferbedeckung des Turmhelms rekonstruieren. Zugleich wurde die Dachbekrönung mit einem Turmhahn wiederhergestellt, der bei einem Sturm im Jahr 1942 heruntergefallen war. Die nächsten Projekte haben die Restaurierung der Pfeifenorgel und der kunstvollen Bleiglasfenster, die während der Kulturrevolution zerstört wurden, zum Ziel. Insgesamt ist die Restaurierung des Haubendachs der Christus- Kirche Qingdao mehr als ein bloßes Bauprojekt. Es ist ein Vorhaben mit hohem Symbolwert, eine besondere Art der Auseinandersetzung mit deutsch-chinesischer Geschichte.
Die wirtschaftlich und bevölkerungsmäßig schnell wachsende Stadt Qingdao besinnt sich zunehmend auf das deutsche Kolonialerbe. Sie tut dies weniger aus Nostalgie als in der Erkenntnis, mit Erhalt und Wiederherstellung eines historischen Stadtbildes einen Standortvorteil gegenüber anderen Städten zu schaffen, die im Zuge ihrer Modernisierung immer ähnlicher und gesichtsloser werden.
Zwar gibt es auch in anderen Städten bemerkenswerte Gebäude deutscher Bauart, z. B. in Weifang, Wuhan oder Tianjin, doch nur Qingdao verfügt über eine Altstadt, deren ganzer Grundriss europäisch geprägt und deren Registrierung als UNESCO Weltkulturerbe beantragt ist.
Stand 03.03.2011
